Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
1 ... 146 147 148 149 150 151 152 153 154 ... 230
Перейти на страницу:

»Fabeln!« rief ich, indem ich die Fortsetzung erriet; »alte Fabeln! Haben Sie das wirklich bis jetzt geglaubt?« Ich lachte laut auf.

»Fabeln! Diese Fabeln müssen doch einen Ursprung haben; ein Durchgepeitschter erfindet keine Fabeln. Ich habe mir das schon viele tausend Male im Geiste vorgestellt!«

»Aber wofür sollte man Sie, gerade Sie so bestrafen? Sie haben ja doch nichts getan?«

»Um so schlimmer; sie werden sehen, daß ich nichts getan habe, und mich durchpeitschen.«

»Und Sie sind davon überzeugt, daß man Sie zu diesem Zwecke nach Petersburg bringen wird?«

»Mein Freund, ich habe schon gesagt, daß ich mich um nichts mehr gräme; ma carrière est finie. Seit jener Stunde in Skworeschniki, als sie von mir Abschied nahm, ist es mir um mein Leben nicht leid ... aber die Schande, die Schande; que dira-t-elle, wenn sie es erfährt?«

Er blickte mich ganz verzweifelt an; der Ärmste war dunkelrot geworden. Ich schlug ebenfalls die Augen nieder.

»Sie wird nichts erfahren, weil Ihnen nichts zustoßen wird. Mir ist, als ob ich zum erstenmal in meinem Leben mit Ihnen spräche, Stepan Trofimowitsch, in solches Erstaunen versetzen Sie mich heute.«

»Mein Freund, das ist bei mir nicht Furcht. Aber selbst wenn man mir verzeiht, selbst wenn man mich wieder hierher zurückbringt und mir nichts tut, auch dann bin ich zugrunde gerichtet. Elle me soupçonnera toute sa vie ... mich, mich, den Dichter, den Denker, den Menschen, den sie zweiundzwanzig Jahre lang verehrt hat!«

»So etwas wird ihr gar nicht in den Sinn kommen!«

»Doch, doch!« flüsterte er aus tiefster Überzeugung. »Wir beide, ich und sie, haben mehrmals darüber in Petersburg gesprochen, in den Großen Fasten, vor unserer Abreise, als wir beide unsere Besorgnisse hatten. Elle me soupçonnera toute sa vie ... und wie kann ich sie vom Gegenteil überzeugen? Alles, was ich sagen könnte, wird unwahrscheinlich klingen. Und wer wird es überhaupt hier in dieser elenden Stadt glauben? C'est invraisemblable ... Et puis les femmes ... Sie wird sich freuen. Sie wird als wahre Freundin betrübt sein, aufrichtig betrübt; aber im geheimen wird sie sich freuen ... Ich habe ihr damit fürs ganze Leben eine Waffe gegen mich in die Hand gegeben. Oh, mein Leben ist zugrunde gerichtet! Zwanzig Jahre eines vollkommenen Glückes im Zusammenleben mit ihr ... und nun!«

Er verbarg das Gesicht in den Händen.

»Stepan Trofimowitsch, wäre es nicht das beste, wenn Sie Warwara Petrowna jetzt gleich von dem Vorgefallenen benachrichtigten?« schlug ich vor.

»Gott soll mich bewahren!« erwiderte er zusammenfahrend und sprang von seinem Platze auf. »Um keinen Preis, niemals; nach dem, was zwischen uns beim Abschiede in Skworeschniki gesprochen worden ist, ist das ganz unmöglich. Niemals!«

Seine Augen funkelten.

Wir blieben so noch eine Stunde oder länger, glaube ich, zusammen, er immer etwas erwartend; denn diese Vorstellung hatte sich nun einmal in seinem Kopfe festgesetzt. Er legte sich wieder hin, schloß sogar die Augen und lag etwa zwanzig Minuten lang da, ohne ein Wort zu sagen, so daß ich sogar glaubte, er schliefe oder habe kein Bewußtsein. Plötzlich richtete er sich ungestüm in die Höhe, riß sich das Handtuch vom Kopfe, sprang vom Sofa auf, stürzte zum Spiegel, band sich mit zitternden Händen ein Halstuch um, rief mit lauter Stimme Nastasja und befahl ihr, ihm den Überzieher, den neuen Hut und den Stock zu bringen.

»Ich kann das nicht länger aushalten,« sagte er mit stockender Stimme. »Es ist mir unmöglich, ganz unmöglich! ... Ich will von selbst hingehen.«

»Wohin?« fragte ich, ebenfalls aufspringend.

»Zu Lembke. Cher, ich muß das tun; das ist meine Pflicht. Ich bin ein Bürger und ein Mensch und kein willenlos im Strudel herumgewirbeltes Holzspänchen; ich habe Rechte und will auf meinen Rechten bestehen ... Ich habe zwanzig Jahre lang nicht auf ihnen bestanden, sondern sie mein ganzes Leben lang freventlich vergessen ... aber jetzt werde ich auf ihnen bestehen. Er soll mir alles sagen, alles. Er hat ein Telegramm erhalten. Er darf mich nicht quälen; lieber mag er mich arretieren, mich arretieren, mich arretieren!«

Er schrie das mit kreischender Stimme und stampfte dabei mit den Füßen.

»Ich stimme Ihnen ganz bei,« sagte ich, absichtlich möglichst ruhig, obgleich ich sehr um ihn in Sorge war. »Das wird in der Tat besser sein als in Kummer und Angst hier zu sitzen; aber Ihre Stimmung kann ich nicht billigen; sehen Sie nur, wie entstellt Sie aussehen, und ob Sie so dorthin gehen können. Il faut être digne et calme avec Lembke. Sie wären wirklich jetzt imstande sich dort auf jemand zu stürzen und ihn zu beißen.«

»Ich werde mich freiwillig ausliefern. Ich werde geradeswegs in den Rachen des Löwen gehen.«

»Ich werde mit Ihnen mitkommen.«

»Ich habe von Ihnen nicht weniger erwartet; ich nehme Ihr Opfer an, das Opfer eines aufrichtigen Freundes, aber nur bis zum Hause, nur bis zum Hause; Sie sollen und dürfen sich nicht durch meine Gesellschaft noch weiter kompromittieren. O, croyez-moi, je serai calme! Ich fühle mich in diesem Augenblicke à la hauteur de tout ce qu'il a de sacré ...«

»Ich werde vielleicht mit Ihnen auch ins Haus hineingehen,« unterbrach ich ihn. »Gestern hat mich das dumme Festkomitee durch Wysozki benachrichtigt, man zähle auf mich und fordere mich auf, bei dem morgigen Feste einer der Festordner, oder wie sie das nennen, zu sein, das heißt einer von den sechs jungen Leuten, die dazu da sind, auf die Präsentierbretter aufzupassen, den Damen den Hof zu machen, den Gästen ihre Plätze anzuweisen und eine Schleife aus weißen und roten Bändern an der linken Schulter zu tragen. Ich wollte es eigentlich ablehnen; aber jetzt kann ich es ja in der Weise benutzen, daß ich in das Haus komme unter dem Vorwande, mit Julija Michailowna selbst darüber reden zu wollen. Da kann ich also mit Ihnen zusammen hingehen.«

Er hörte es an und nickte mit dem Kopfe, schien aber nichts davon verstanden zu haben. Wir standen auf der Schwelle.

»Cher,« sagte er und streckte die Hand nach der Ecke aus, wo sich das Heiligenbild mit dem Lämpchen davor befand, »cher, ich habe nie daran geglaubt; aber ... meinetwegen, meinetwegen!« (Er bekreuzte sich.) »Allons!«

»Na, um so besser,« dachte ich, als ich mit ihm vor die Haustür trat. »Unterwegs wird die frische Luft das Ihrige tun; wir werden uns beruhigen, nach Hause zurückkehren und uns schlafen legen ...«

Aber ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Gerade unterwegs mußte uns ein Abenteuer zustoßen, das Stepan Trofimowitsch noch heftiger erschütterte und ihm endgültig die Richtung für sein Verhalten gab ... so daß ich, offen gestanden, von unserem Freunde gar nicht eine solche Bravour erwartet hätte, wie er sie plötzlich an diesem Vormittage bewies. Armer Freund, braver Freund!

Fußnoten

1 Ehemals angesehener Verfasser von Dramen und Romanen, 1809-1868.

Anmerkung des Übersetzers.

Zehntes Kapitel.

Die Flibustier.

Der verhängnisvolle Vormittag.

I.

Das Erlebnis, das wir unterwegs hatten, war ebenfalls eines, welches geeignet war Erstaunen zu erregen. Aber ich muß alles der Reihe nach erzählen. Eine Stunde bevor Stepan Trofimowitsch und ich auf die Straße traten, zog durch die Stadt, von vielen neugierig betrachtet, eine Schar von Menschen, Arbeitern der Schpigulinschen Fabrik, etwa siebzig Mann, vielleicht auch mehr. Sie gingen wohlanständig, fast schweigend und absichtlich in guter Ordnung. Später ist behauptet worden, diese siebzig seien von allen Schpigulinschen Arbeitern, deren Zahl sich auf ungefähr neunhundert belief, deputiert worden mit dem Auftrage, zum Gouverneur zu gehen und in Abwesenheit der Fabrikbesitzer bei diesem ihr Recht gegen den Fabrikdirektor zu suchen, der nach Schließung der Fabrik und Entlassung der Arbeiter sie alle in schamloser Weise betrogen hatte, eine Tatsache, die jetzt keinem Zweifel unterliegt. Andere bestreiten bei uns bis auf den heutigen Tag, daß es sich um eine Deputation gehandelt habe, mit der Begründung, siebzig Mann seien für eine Deputation zu viel; diese Schar habe einfach aus den am meisten Geschädigten bestanden, und sie seien gekommen, um lediglich für sich selbst zu bitten, so daß von einer allgemeinen »Arbeiterrebellion«, von der später so viel Lärm gemacht worden ist, überhaupt nicht die Rede sein könne. Wieder andere vertreten mit Heftigkeit die Ansicht, diese siebzig Mann seien nicht einfache Aufständische, sondern politische Aufrührer der schlimmsten Sorte gewesen und seien überdies lediglich durch heimlich verbreitete Flugschriften aufgereizt worden. Kurz, ob da irgend jemandes Einfluß oder Überredung dahintersteckte, ist noch bis jetzt nicht genau bekannt. Meine persönliche Meinung ist, daß die Arbeiter die geheimen Flugschriften überhaupt nicht gelesen und, wenn sie sie gelesen, kein Wort davon verstanden hatten, schon allein aus dem Grunde, weil die Verfasser derselben bei aller Nacktheit ihrer Ausdrucksweise doch äußerst unklar schreiben. Da aber die Arbeiter in der Tat übers Ohr gehauen waren und die Polizei, an die sie sich gewendet hatten, sich auf ihre Klage nicht einlassen wollte, was war da natürlicher, als daß sie auf den Gedanken kamen, zusammen »zum General selber« zu gehen, sich womöglich mit einer Klageschrift an der Spitze des Zuges wohlanständig vor seiner Haustür aufzustellen und, sowie er erscheinen würde, sich alle vor ihm auf die Knie zu werfen und ihn jammernd anzurufen wie die Vorsehung selbst? Meiner Ansicht nach brauchte man da weder an eine Rebellion noch auch nur an eine Deputation zu glauben; denn dies ist ein altes, historisches Mittel; das russische Volk hat von jeher ein Gespräch »mit dem General selber« geliebt, schon allein wegen des damit verbundenen Vergnügens, mochte der Ausgang des Gespräches sein, wie er wollte.

1 ... 146 147 148 149 150 151 152 153 154 ... 230
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)