Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Diesen Befehl gibt er in so tadellosem Englisch, dass der Flaggkapitän denkt, der erste Offizier habe ihn erteilt, und gehorcht.
Unterdessen flammte der Kampf wieder auf, denn der erste Offizier der Standard, der erfahren hatte, dass der Kommandant gefallen war, sprang an Deck, um die Befehlsgewalt zu übernehmen und diejenigen der Engländer anzufeuern, die noch kampffähig waren. Trotz des scheußlichen Blutbads, das sich an Bord der Standard abgespielt hatte, verblieben auf dem Schiff, das Truppen nach Kalkutta transportieren sollte, noch immer ebenso viele unversehrte Besiegte wie Sieger. Zum Glück befand sich das Deck noch gänzlich in der Hand der Korsaren, die den neuen Kapitän und seine Getreuen in das Zwischendeck trieben, dessen Luken sie versperrten; doch in seiner Erbitterung über diese Niederlage und in dem Wunsch, bis zuletzt zu kämpfen, lässt der Kapitän zwei der Achtzehnpfündergeschütze auf das Schiffsdeck richten, damit ihre Geschosse die Planken durchschlagen und Surcouf und seine Offiziere unter den Trümmern begraben.
Als Surcouf hört, dass die Kanonen bewegt werden, errät er den Plan des Kapitäns, lässt eine Luke öffnen und springt hinunter.
Als er im Zwischendeck ankommt, will er einem jungen Midshipman das Leben retten, der sich tapfer verteidigt und aus zahlreichen Wunden blutet.
Surcouf eilt auf ihn zu, um den jungen Mann mit seinem eigenen Körper zu schützen, doch dieser missversteht die noble Regung des Bretonen und will ihn mit seinem Dolch erstechen. Surcouf glaubt sein letztes Stündlein gekommen. Doch da erscheint sein Neger Bambou, sieht seinen Herrn in Lebensgefahr und spießt den bedauernswerten Midshipman mit seiner Lanze auf, worauf dieser sein Leben aushaucht; Surcouf hätte die Lanze ebenfalls durchdrungen, wäre ihre Spitze nicht von einem Uniformknopf des Toten verbogen worden. Diesmal ergeben sich die Männer im Zwischendeck ebenso wie die an Deck.
»Keine Toten mehr!«, ruft Surcouf. »Die Standard gehört uns, hoch lebe Frankreich! Hoch lebe unsere Nation!«
Lautes Hurrageschrei ertönt; das Gemetzel hat ein Ende.
Doch ein lauter Schrei folgt: »Plündern auf eigene Rechnung!«
»Ich habe es versprochen«, sagt Surcouf zu René, »und das muss ich halten. Aber die Passagiere dürfen nicht ausgeplündert werden, und den Frauen unter ihnen darf kein Haar gekrümmt werden. Ich werde darüber wachen, dass die Männer in Ruhe gelassen werden, und Sie, René, wachen in meinem Namen darüber, dass die Ehre der Frauen unangetastet bleibt.«
»Danke, Surcouf«, sagt René und eilt zu den Kabinen der Passagiere.
Unterwegs begegnet er dem Schiffsarzt.
»Monsieur«, fragt er ihn, »ein Passagier wurde lebensgefährlich verwundet; können Sie mir sein Zimmer zeigen?«
»Man hat ihn in das Zimmer seiner Töchter gebracht.«
»Und wo ist das Zimmer?«
»Wenn Sie ein paar Schritte tun, können Sie das Schluchzen der armen Kinder hören.«
»Gibt es denn keine Hoffnung, ihn zu retten?«
»Er ist soeben gestorben.«
René lehnte sich an eine Kabinentür, fuhr sich mit der Hand über die Augen und stieß einen Seufzer aus.
Plötzlich erfüllt ein Schwarm wein- und bluttrunkener Männer das Unterdeck, schreiend und singend, torkelnd und lärmend. Mit Fußtritten werden die Kabinentüren eingetreten. Und René entsinnt sich der beiden schönen Mädchen, deren Schluchzen er gehört hatte.
Ihm ist, als höre er einen Hilferuf aus weiblicher Kehle.
Er springt vor, kommt an einer Tür vorbei, hinter der etwas wie erstickte Schreie zu vernehmen ist, erstickte Hilferufe.
Die Tür ist von innen verschlossen.
René hat seine Axt noch in der Hand; er hackt die Türfüllung in Stücke.
Es ist das Zimmer des Verwundeten oder besser gesagt Toten. Ein Matrose hält eine der beiden Schwestern in den Armen und will ihr Gewalt antun.
Die andere kniet vor dem Leichnam ihres Vaters, hebt die Arme zum Himmel und fleht zu Gott, der sie zu Waisen gemacht hat, sie nicht der Schande auszuliefern, nachdem er sie dem Unglück überlassen hat.
Der Seemann hat gehört, wie die Tür zersplittert, und wendet sich zur Tür um.
»Elender!«, herrscht René ihn an. »Im Namen des Kommandanten, lass die Frau sofort los!«
»Ich soll die Frau loslassen? Die ist mein Anteil an der Beute. Die gehört mir, und die behalte ich.«
René wurde bleicher als der Tote auf dem Bett. »Die Frauen sind nicht Teil der Beute. Zwinge mich nicht, meine Aufforderung zu wiederholen.«
»Das ist nicht nötig«, sagte der Matrose zähneknirschend, zog eine Pistole aus dem Gürtel und feuerte auf René, doch nur Pulverdampf war zu sehen.
Renés rechter Arm schnellte vor wie eine Feder, man sah einen Blitz, und der Seemann fiel tot zu Boden.
René hatte ihm mit der Klinge des Dolchs, den er am Hals trug, das Herz durchbohrt.
Bevor die jungen Mädchen sich von ihrem Schrecken erholen konnten, schob er mit der Fußspitze den Toten aus der Kabine, damit der Anblick des Bluts sie nicht noch mehr erschreckte.
Dann legte er den Toten quer vor die Tür. »Seien Sie unbesorgt«, sagte er mit seiner sanften, mädchenhaften Stimme, »niemand wird mehr versuchen, sich Zugang zu verschaffen.«
Die beiden Mädchen hielten einander umarmt.
Dann wandte die Ältere sich an den jungen Mann.
»Oh, Monsieur«, sagte sie, »ich wollte, mein Vater wäre noch am Leben und könnte Ihnen danken! Er könnte es besser als seine zwei armen Kinder, die bei dem Gedanken an die Gefahr, in der sie schwebten, noch zittern müssen.«
»Jeder Dank ist überflüssig, Mademoiselle«, sagte René, »denn ich tat nur, was meine Pflicht war und was mein Herz mir gebot!«
»Da Sie sich zu unserem Beschützer erklärt haben, Monsieur, hoffe ich, dass Sie uns auch weiterhin beschützen werden.«
»O weh, Mademoiselle, ein armseliger Beschützer«, erwiderte René. »Ich bin ein gewöhnlicher Matrose wie derjenige, der Sie beleidigt hat, und meine Macht beschränkt sich darauf, dass ich der Stärkere war. Aber«, fügte er mit einer Verbeugung hinzu, »wenn Sie sich unter den Schutz unseres Kommandanten stellen wollen, kann ich Ihnen versichern, dass man weder Sie noch Ihr Vermögen anrühren wird.«
»Sie werden uns sagen, Monsieur, zu welcher Stunde und auf welche Weise wir uns bei ihm einfinden sollen.«
Im selben Augenblick war Surcoufs Stimme zu vernehmen.
»Da ist er«, sagte René.
»Und Sie bestätigen«, sagte Surcouf, »dass René diesen Mann getötet hat.«
René öffnete die Reste der Kabinentür. »Ja, mein Kommandant«, sagte er, »das war ich.«
»Was hat er angestellt, René, dass Sie sich zu einer solchen Tat hinreißen ließen?«
»Sehen Sie, in welchem Zustand Mademoiselle sich befindet«, sagte René und wies auf die zerrissene Kleidung der jüngeren Schwester.
»O Monsieur!«, rief das junge Mädchen und warf sich Surcouf zu Füßen, »Monsieur hat mehr gerettet als unsere Ehre!«
Surcouf reichte René die Hand und trat einen Schritt zurück.
»Sind Sie Französin, Mademoiselle?«, fragte er.
»Ja, Kommandant. Das ist meine Schwester … und« – ihre Stimme zitterte – »das ist unser verstorbener Vater.«
»Aber wie ist Ihr Vater gestorben? Hat er gegen uns gekämpft?«
»Du lieber Himmel! Mein Vater soll gegen Franzosen gekämpft haben!«
»Aber wie ist es dann zu diesem Unglücksfall gekommen?«
»Wir sind in Portsmouth an Bord dieses Schiffs gegangen. Wir sind unterwegs nach Rangun in Indien, wo wir eine Plantage besitzen. Der Kommandant der Standard lud uns ein, an Deck zu kommen, um zuzusehen, wie ein Piratenschiff von ihm versenkt würde, wie er es ausdrückte. Dort wurde mein Vater, der nur ein Zuschauer war, von einer Kugel getroffen und getötet.«