Unternehmen Schwerkraft
- Автор: Клемент Хол
- Серия: Schwere Welten #1
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unternehmen Schwerkraft». Краткое содержание книги:
Lackland folgte einem der Kanäle, der auf dem weiten Platz endete, den er für eine Art Marktplatz hielt. Etwa die Hälfte der Besatzung hatte sich Lackland angeschlossen, während die andere Hälfte auf der Bree zurückgeblieben war, um sie unter Führung des zweiten Maats zu bewachen. Barlennan thronte wie üblich auf dem Dach des Schleppers und hatte ein Sortiment Handelswaren vor sich.
Als der Schlepper durch den Kanal rumpelte, k amen die Stadtbewohner neugierig aus ihren Höhlen; aber weder Lackland noch Barlennan fiel auf, daß die Städter sich nur auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes versammelten, während der Kanal völlig frei blieb. Aus näherer Entfernung war zu erkennen, daß diese Lebewesen im Vergleich zur Besatzung der Bree wahre Riesen waren – ihre Körper erreichten über einen Meter Länge und waren entsprechend dick. Die Stadtbewohner warteten schweigend, bis der Schlepper den freien Platz erreicht hatte, dann richteten sie sich auf sechs Hinterbeinen auf und betrachteten die Fremden neugierig. Die Besatzungsmitglieder drängten nach vorn an dem Schlepper vorbei und erwiderten die neugierigen Blicke auf gleiche Weise. Die massiven Gebäude schienen es ihnen besonders angetan zu haben, was allerdings nicht weiter erstaunlich war, da sie selbst nur ›Gebäude‹ kannten, die bestenfalls zehn Zentimeter hoch waren, so daß ihnen die Wälle zwischen den Kanälen wahrhaft gigantisch erscheinen mußten.
Lackland blieb in der Kabine sitzen, betrachtete die Stadt und stellte Vermutungen über die Lebensweise ihrer Bewohner an, bis Barlennans Tätigkeit seine Ü berlegungen unterbrach. Der Kommandant hatte nicht die Absicht, hier etwa Zeit zu vergeuden; er wollte mit diesen Leuten Handel treiben, und wenn sie dazu keine Lust hatten, würde er sich nicht länger aufhalten lassen. Deshalb warf er jetzt seine Bündel vom Dach des Schleppers und rief seinen Leuten zu, sie sollten die Waren ausbreiten. Lackland beobachtete interessiert, daß die Städter keineswegs erstaunt zu sein schienen, als Barlennan sich zu Boden fallen ließ, nachdem er seine Waren abgeworfen hatte. Sobald die Fremden ihre Bündel öffneten und die Handelswaren ausbreiteten – Tuch in verschiedenen Farben, getrocknete Wurzeln, kleine Tongefäße und größere Steinbehälter –, drängten die Eingeborenen näher heran. Der Schlepper war nun auf drei Seiten dicht von langen Körpern umgeben, so daß nur die vierte Seite, hinter der sich der Kanal öffnete, noch frei war. Die Stadtbewohner schwiegen weiterhin und Lackland fand dieses Schweigen bedrückend, aber Barlennan schien sich nicht darum zu kümmern, sondern näherte sich einem der Städter und begann ein Verkaufsgespräch.
Lackland beobachtete ihn verblüfft. Der Kommandant wußte, daß die Eingeborenen vermutlich nicht verstanden, was er sagte, aber er sprach trotzdem; seine Gesten waren vielleicht ebenso wirkungslos, aber er machte sie trotzdem. Lackland hätte nie erwartet, daß Barlennan sich auf diese Weise verständlich machen könnte, aber das U nwahrscheinliche geschah, denn kurze Zeit später verschwanden einige Riesen in ihren Höhlen und kamen mit Gegenständen zurück, die sie offenbar gegen Barlennans Waren eintauschen wollten.
Der Tauschhandel, an dem sich nun auch Barlennans Leute beteiligten, wurde auch nachts fortgesetzt, denn der Kommandant hatte Lackland gebeten, die Scheinwerfer einzuschalten. Das künstliche Licht schien die Riesen keineswegs zu überraschen oder gar zu erschrecken; sie konzentrierten sich ganz auf den Handel und machten bereitwillig anderen Platz, sobald sie das Gewünschte eingetauscht hatten. Unter diesen Umständen dauerte es nur wenige Tage und Nächte, bis Barlennan seine Waren abgesetzt hatte.
»Willst du jetzt schon aufhören?« fragte Lackland ihn, als die letzten Eingeborenen sich in ihre Höhlen zurückzogen.
»Wir sind ausverkauft«, antwortete Barlennan.
»Können wir abfahren oder hast du hier unten noch etwas vor?«
»Ich wüßte gern, wie es im Innern der Höhlen aussieht«, meinte Lackland nachdenklich. »Glaubst du, daß einer deiner Leute bereit wäre, einen Blick hineinzuwerfen?«
Barlennan zögerte. »Ich weiß nicht recht, ob das ratsam wäre. Diese Leute haben friedlich mit uns gehandelt, aber sie sind mir trotzdem irgendwie unheimlich – sie waren sofort mit unseren Preisen einverstanden.«
»Du meinst also, daß wir ihnen nicht trauen dürfen – daß sie vielleicht ihre Waren zurückhaben wollen?«
»Das möchte ich nicht behaupten, denn ich kann mein Gefühl nicht begründen. Aber ich mache dir einen Vorschlag: Wenn wir die Bree erreicht haben, ohne aufgehalten oder belästigt worden zu sein, gehe ich in die Stadt zurück und sehe mich selbst in den Höhlen um. Einverstanden?«
Weder Barlennan noch Laddand hatten inzwischen auf die Eingeborenen geachtet, die nun wieder interessiert näherkamen, um das seltsame Ding zu betrachten, aus dem eine Stimme kam. Als Lackland dem Vorschlag des Kommandanten zustimmte und dann nicht weitersprach, verschwanden einige Zuhörer rasch in ihren Behausungen und kehrten mit verschiedenen Gegenständen zurück, die sie Barlennan anboten. Ihre Gesten zeigten, daß sie den seltsamen Kasten eintauschen und gut dafür bezahlen wollten.
Barlennans Ablehnung schien sie zu verblüffen, und jeder bot mehr als sein Vorgänger, bis der Kommandant schließlich demonstrierte, daß an einen Verkauf des Geräts nicht zu denken sei. Er warf es auf das Dach des Schleppers, sprang hinterher und befahl seinen Leuten, ihm die eingetauschten Waren zuzuwerfen. Die Riesen standen zunächst wie erstarrt; dann wandten sie sich wie auf ein Zeichen hin ab und verschwanden in ihren Höhlen.
Barlennan fühlte sich unbehaglicher als zuvor und beobachtete so viele Türöffnungen wie möglich, während er die Waren aufstapelte. Aber die Gefahr kam nicht aus den Höhlen. Einer der Leute an der Rückseite des Schleppers warf zufällig einen Blick in den Kanal hinter sich und stieß den unglaublich lauten Warnschrei aus, der Lackland aufschreckte.
Barlennan sah in die angegebene Richtung und rief entsetzt: »Charles! Sieh dich um! Weg von hier!«
Lackland warf einen Blick in den langen Kanal hinter sich und verstand in dieser Sekunde, welchen Zweck die merkwürdige Architektur der Stadt e rfüllte. Einer der riesigen Felsbrocken, der zuvor am Rand des Kanals gelegen hatte, rollte nun bergab, und die hohen Wälle führten ihn genau zu der Stelle, an der nun der Schlepper stand. Der Felsbrocken war noch fast einen Kilometer weit von Lackland entfernt, aber seine Geschwindigkeit erhöhte sich ständig, während die gewaltige Anziehungskraft des Planeten an dem tonnenschweren Ungetüm zerrte!
8
Der menschliche Körper benötigt eine gewisse Reaktionszeit, aber Lackland handelte in dieser Lage fast augenblicklich. Er überlegte nicht lange, wann der Felsbrocken den Schlepper erreichen und zertrümmern würde, sondern schaltete den Antrieb ein, beschrieb eine enge Kurve, bei der die Ketten fast abgesprungen wären, und verließ den Kanal, durch den der Felsbrocken bergab donnerte. Dadurch entging er einer Gefahr, aber die Eingeborenen hatten mit dieser Ausweichbewegung gerechnet und ließen weitere Felsen in anderen Kanälen herabrollen. Lackland sah sich um, stellte fest, daß der freie Platz irgendwo Schutz vor den Projektilen bot, und fuhr kurz entschlossen in den nächsten Kanal ein.
Auch hier rollte ein Felsbrocken auf ihn zu; Barlennan hatte sogar den Eindruck, er sei größer als alle anderen. Der Mesklinit spannte bereits die Muskeln zum Sprung an und fragte sich, ob der Flieger den Verstand verloren haben konnte, als unmittelbar vor ihm ein Röhren ertönte, wie er es noch nie im Leben gehört hatte. Zum Glück reagierte er nicht mit einem Sprung, der ihn mehrere hundert Meter weit getragen hätte, sondern klammerte sich statt dessen mit aller Kraft auf dem Dach des Schleppers fest. Vierhundert Meter vor ihm, fünfzig Meter vor dem herabrasenden Felsbrocken, verschwand ein Teil des Kanals in einer Staubwolke, als die ersten Granaten detonierten.