Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
So war die Beziehung zwischen Hendrik H�fgen und Juliette Martens entstanden. Das dunkle M�dchen war die �Lehrerin� - also die Herrin; vor ihr stand der bleiche Mann als der �Sch�ler� - als der Gehorchende, Sich-Erniedrigende, der die h�ufige Strafe mit der gleichen Demut empf�ngt wie das seltene, karge Lob.
�Blicke mich an!� verlangte Prinzessin Tebab und rollte schrecklich die Augen, w�hrend die seinen, zugleich begehrend und furchtsam, an ihrer gebieterischen Miene hingen.
�Wie sch�n du heute bist!� brachte er schlie�lich hervor, wobei ihm die Lippen nur m�hsam zu gehorchen schienen.
Sie fuhr ihn an: �La� den Unsinn! Ich bin nicht sch�ner als sonst.� Dabei strich sie sich aber doch eitel �ber den Busen und zupfte ihr enges, plissiertes R�ckchen zurecht, das kurz oberhalb der Knie endete. Vom schwarzen Seidenstrumpf war nur ein knappes St�ck sichtbar; denn die gr�nen Schaftstiefel ans geschmeidigem Lackleder reichten bis �ber die Waden. Zu den pr�chtigen Stiefeln und dem kurzen Rock trug die Prinzessin ein graues Pelzj�ckchen, dessen Kragen im Nacken hochgeschlagen war. An den dunklen, sehnigen Handgelenken klirrten breite Armb�nder aus gemeinem Goldblech. Das eleganteste St�ck ihrer Ausstattung war die Reitpeitsche - ein Geschenk Hendriks. Sie war leuchtend rot, aus geflochtenem Leder. Juliette klopfte mit ihr, in einem kurzen, harten und drohenden Rhythmus, gegen die gr�nen Schaftstiefel.
�Du bist wieder eine Viertelstunde zu sp�t�, sagte sie, nach einer langen Pause, die niedrige und zu zwei kleinen Buckeln gew�lbte Stirne in b�se Falten gelegt. �Wie oft soll ich dich noch warnen, mein S��er?� fragte sie t�ckisch leise, um dann in unvermitteltem Zorne loszubrechen: �Es ist genug!! Ich habe es satt!! Gib mir deine Pfoten!�
Hendrik hob langsam die beiden H�nde, deren Innenfl�chen er nach oben wandte. Dabei lie� er seine hypnotisierten, aufgerissenen Augen nicht von der ergrimmten, schauerlichen Fratze der Geliebten.
Sie z�hlte mit einer grellen, pl�rrenden Stimme: �Eins, zwei, drei!�, w�hrend sie zuhieb. Das Geflecht der eleganten Peitsche pfiff grausam quer �ber seine Handll�chen, auf denen sofort dicke rote Striemen entstanden. Der Schmerz, den er empfand, war so heftig, da� er ihm das Wasser in die Augen trieb. Er verzog den Mund; beim ersten Schlag schrie er leise; dann beherrschte er sich und stand mit einem starren, wei�en Gesicht.
�F�r den Anfang hast du genug�, sagte sie und zeigte pl�tzlich ein m�des L�cheln, welches durchaus gegen die Spielregeln ging: es hatte nichts fratzenhaft Grausames, sondern enthielt gutm�tigen Spott und ein wenig Mitleid. Sie lie� die Peitsche sinken, wandte den Kopf und stand - das Gesicht im Profil - in einer sch�nen, traurigen Haltung. �Zieh dich um!� sagte sie leise. �Wir wollen arbeiten.�
Es gab keinen Paravent, hinter dem er h�tte verschwinden k�nnen, als er die Kleidung wechselte. Unter halbgesenkten Lidern, mit einem �brigens v�llig uninteressierten Blick, beobachtete Juliette jede seiner Bewegungen. Er mu�te alles ablegen und ihr seinen hellen, schon etwas zu fetten, r�tlich behaarten K�rper zeigen, ehe er in den �rmellosen, blau und wei� gestreiften Sweater und in das schwarze Turnh�schen schl�pfte. Schlie�lich stand er vor ihr in der unw�rdigen Tracht, die er seinen �Trainihgsanzug� nannte - in der kindischen und ridik�len Aufmachung, bestehend aus schwarzen, ausgeschnittenen Halbschuhen mit wei�en S�ckchen, die oberhalb der Kn�chel kokett umgerollt waren; aus dem kurzen H�schen von gl�nzend schwarzem Satin - wie die kleinen Buben es in der Turnstunde tragen - und dem gestreiften Hemd, das Hals und Arme entbl��t lie�.
Sie musterte ihn, kritisch und kalt. �Du bist seit voriger Woche noch etwas dicker geworden, mein S��er�, konstatierte sie, wobei sie mit der Peitsche h�hnisch gegen ihre gr�nen Stiefel klopfte. �Entschuldige�, bat er leise.
Die Schwarze machte sich am Grammophon zu schaffen. In die Jazzmusik hinein, deren rhythmischer L�rm pl�tzlich einsetzte, sagte sie rauh: �Fang schon an!� Dabei fletschte sie die beiden Reihen ihrer gar zu wei�en Z�hne und bewegte grimmig die Augen: Dies genau war das Mienenspiel, das er jetzt von ihr erwartete und verlangte.
Ihr Gesicht stand vor ihm wie die schreckliche Maske eines fremden Gottes: Dieser thront mitten im Unvald, an verborgener Stelle, und was er fordert mit seinem Z�hneblecken und Augenrollen, das sind Menschenopfer. Man bringt sie ihm, zu seinen F��en spritzt Blut, er schnuppert mit der eingedr�ckten Nase den s�� vertrauten Geruch, und er wiegt ein wenig den majest�tischen Oberk�rper nach dem Rhythmus des wild bewegten Tamtams; Um ihn vollf�hren seine Untertanen den verz�ckten Freudentanz. Sie schleudern die Arme und Beine, sie h�pfen, schaukeln sich, taumeln; aus ihrem Gebr�ll wird Wonnegest�hn, aus dem Gest�hn wird ein Keuchen, und schon sinken sie hin, lassen sich lallen vor die F��e des schwarzen Gottes, den sie liehen, den sie ganz bewundern - wie Menschen nur den lieben und ganz bewundern k�nnen, dem sie das Kostbarste geopfert haben: Blut.
Hendrik hatte langsam zu tanzen begonnen. Aber wohin war die triumphale Leichtigkeit, die von Publikum und Kollegen an ihm bewundert wurde? Sie war verschwunden; nur unter Qualen schien er jetzt die F��e zu setzen - freilich unter Qualen, die auch Wonnen waren: dies verrieten das selbstvergessene L�cheln der fahlen, aufeinandergepre�ten Lippen und der benommene Blick.
Juliette ihrerseits dachte nicht daran, zu tanzen; sie lie� den Sch�ler sich alleine plagen. Nur durch H�ndeklatschen, rauhe Schreie und rhythmisches Schaukeln des Leibes feuerte sie ihn an. �Schneller, schneller!� forderte sie w�tend. �Was hast du denn in den Knochen? Und du willst ein Mann sein?! Du willst ein Schauspieler sein und dich auch noch f�r Geld sehen lassen? - Da, du komisches St�ckchen Elend��
Die Peitsche fuhr ihm �ber die Waden und �ber die Arme. Diesmal traten ihm keine Tr�nen in die Augen, welche trocken und gl�hend blieben. Nur seine zusammengepre�ten Lippen zitterten. Prinzessin Tebab schlug noch einmal zu.
Er arbeitete, ohne jede Unterbrechung, eine halbe Stunde lang, als handelte es sich um ein ernsthaftes Training anstatt um eine etwas schauerliche Lustbarkeit. Schlie�lich keuchte er heftig. Er taumelte. Sein Gesicht war schwei�bedeckt. M�hsam brachte er hervor: �Mir ist schwindlig. Darf ich aufh�ren�?�
Sie erwiderte, mit einem Blick auf die Uhr, kurz und sachlich: �Mindestens noch eine Viertelstunde mu�t du springen.�
Da die Musik wieder pl�rrte und Juliette wieder frenetisch' in die H�nde klatschte, versuchte er noch einmal den komplizierten Step. Aber die gequ�lten F��e, in ihren koketten Halbschuhen und S�ckchen, verweigerten ihm den Dienst. Hendrik schwankte eine Sekunde lang; stand darin still; wischte sich mit der zitternden Hand den Schwei� von der Stirne.
�AVas machst du f�r Scherze?� grollte sie. �Du h�rst auf, ohne meine Erlaubnis?! Das w�re ja das Allerneueste und noch das Sch�nere!�
Sie zielte mit der roten Peitsche nach seinem Gesicht; er duckte sich noch rechtzeitig, um diesem f�rchterlichen Schlage zu entgehen. Abends ins Theater kommen mit einer blutigen Strieme von der Stirn bis zum Kinn: das w�re denn doch etwas zuviel gewesen. Trotz der benommenen Stimmung, in der er sich befand, blieb ihm klar, da� er sich dergleichen keinesfalls leisten durfte. �La� das!� sagte er kurz. W�hrend er sich schon von ihr abwendete, f�gte er noch hinzu: �Genug f�r heute.�