Der Fänger im Roggen
- Автор: Сэлинджер Джером Дейвид
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Fänger im Roggen». Краткое содержание книги:
Ein amüsant zu lesender Roman über das Erwachsenwerden.
Originaltitel «The Catcher in The Rye» Rowohlt Erscheinungsdatum: 1966
«Das ist eine lange Geschichte. Ich will dich nicht damit langweilen, Ackley. Ich habe nur dein Wohl im Auge», sagte ich. Ich informierte ihn nie über meine Privatangelegenheiten. Vor allem deshalb nicht, weil er sogar noch dümmer war als Stradlater. Im Vergleich zu ihm war Stradlater ein gottverdammtes Genie. «He», sagte ich, «kann ich wohl heute nacht in Elys Bett schlafen? Er kommt doch erst morgen abend zurück, nicht?» Ich wußte ganz genau, daß Ely nicht vorher zurückkommen würde. Er fuhr fast jedes Wochenende nach Hause.
«Verdammt, ich weiß doch nicht, wann er zurückkommt», sagte Ackley.
Junge, wie mich das ärgerte. «Was zum Teufel soll das heißen, daß du nicht weißt? Er kommt überhaupt nie vor Sonntagabend.»
«Nein, aber verflucht noch mal, ich kann deshalb doch nicht jedermann sagen, sie könnten in seinem verdammten Bett schlafen, wenn sie Lust dazu hätten.»
Das war mir zuviel. Ich streckte von meinem Sitzplatz am Boden den Arm aus und klopfte ihm auf die Schulter. «Du bist ein Prinz, Kleiner», sagte ich. «Weißt du das?»
«Nein, im Ernst - ich kann doch nicht jedem sagen, er könne in Elys-» «Du bist ein echter Prinz. Ein Gentleman und wahrer Studiosus, Kleiner.» Das stimmte ja sogar.
«Hast du zufällig Zigaretten da? Sag nein, sonst falle ich tot um.»
Nein, ich habe tatsächlich keine. Aber wegen was habt ihr euch verprügelt?»
Ich gab keine Antwort. Ich stand nur auf, ging ans Fenster und haute hinaus. Ich fühlte mich plötzlich so allein. Am liebsten wäre ich tot gewesen.
«Wegen was zum Teufel habt ihr euch geprügelt?» fragte Ackley zum fünfzigstenmal. Er war wirklich hartnäckig. Wegen dir», sagte ich.
«Um Himmels willen, wegen mir?»
«Jawohl. Ich habe deine verdammte Ehre verteidigt. Stradlater sagte, du wärst ein ekelhafter Mensch.
Das konnte ich ihm nicht durchgehen lassen.»
Ackley wurde ganz aufgeregt. «Wirklich? Im Ernst? Hat er das wirklich gesagt?»
Ich sagte, es sei alles nur Blödsinn, und dann legte ich mich auf Elys Bett. Es war mir reichlich schlecht. Ich fühlte mich so verdammt allein.
«n diesem Zimmer stinkt es», sagte ich. «Ich kann sogar von hier aus deine Socken riechen. Gibst du sie nie zum Waschen?»
«Wenn's dir nicht paßt, weißt du ja, was du tun kannst», sagte Ackley. Wie geistreich. «Wie wir's, wenn du dieses verdammte Licht ausdrehen würdest?»
Ich ließ es aber vorläufig noch brennen. Ich blieb auf Elys Bett liegen und dachte an Jane und alles.
Es machte mich einfach rasend, wenn ich sie mir mit Stradlater im Auto von diesem Fettarsch Ed Banky vorstellte. Sobald ich daran dachte, hätte ich aus dem Fenster springen können. Ich kannte Stradlater viel zu gut. Die meisten andern in
Pencey schwätzten nur von mit Mädchen schlafen - so wie Ackley zum Beispiel -, aber bei Stradlater war es kein Geschwätz. Ich kannte selber mindestens zwei Mädchen, mit denen er's gemacht hatte. Das ist die reine Wahrheit.
«Erzähl mir die Geschichte deines faszinierenden Lebens, Kleiner», sagte ich.
«Könntest du vielleicht das verfluchte Licht ausdrehen? Ich muß morgen früh in die Messe.»
Ich stand auf und drehte es aus, um zu seinem Glück beizutragen. Dann legte ich mich wieder auf Elys Bett.
«Was willst du weiter tun - in Elys Bett schlafen?» fragte Ackley. Er war der vollendete Gastgeber, wahrhaftig.
«Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Mach dir keine Sorgen.»
«Ich mach mir keine Sorgen. Es wäre mir nur verdammt unangenehm, wenn Ely plötzlich käme und fände in seinem Bett einen -»
«Beruhige dich. Ich werde nicht hier schlafen. Ich möchte deine verdammte Gastfreundschaft nicht ausnützen.»
Ein paar Minuten später schnarchte er schon aus Leibeskräften. Ich lag im Dunkeln und versuchte, nicht an Jane und Stradlater in dem verdammten Auto zu denken. Aber das war fast unmöglich. Ich kannte Stradlaters Methoden leider zu gut. Einmal hatten wir zu viert in Ed Bankys Auto gesessen. Stradlater mit seinem Mädchen im Fond und ich vorne mit meinem. Was dieser Mensch für eine Technik hatte! Erst fing er an, ihr zu schmeicheln, mit einer ruhigen, aufrichtigen Stimme -so, als ob er nicht nur ein besonders hübscher Bursche wäre, sondern auch ein netter, aufrichtiger Bursche.
Mir wurde schlecht, nur vom Zuhören. Das Mädchen sagte immer wieder: «Nein - bitte nicht. Bitte nicht so. Bitte.» Aber er redete immer weiter mit dieser ruhigen, aufrichtigen AbrahamLincoln-Stimme auf sie ein, und schließlich war nur noch eine fürchterliche Stille hinten im Wagen. Es war wirklich schlimm. Er hat es wohl damals nicht mit dem Mädchen gemacht, aber es war nah dran. Verdammt nah.
Während ich dalag und nichts zu denken versuchte, kam Stradlater vom Waschraum zurück und ging in unser Zimmer. Man konnte deutlich hören, wie er sein Toilettenzeug weglegte und das Fenster aufmachte. Er war ein Frischluftfanatiker. Kurz darauf drehte er das Licht aus. Er kümmerte sich überhaupt nicht darum, wo ich war.
Sogar draußen auf der Straße war es deprimierend. Man hörte kein einziges Auto mehr. Mir war so einsam und elend zumut, daß ich sogar Ackley gern geweckt hätte.
«He, Ackley», flüsterte ich, damit Stradlater mich nicht durch die Vorhänge vom Duschraum hörte. Aber Ackley wachte nicht auf.
«He, Ackley!» Er hörte mich immer noch nicht. Er schlief wie ein Fels.
«He, Ackley!» - Das weckte ihn endlich.
«Was ist jetzt wieder los?» fragte er. «Ich hab geschlafen, verflucht noch mal.»
«Du, was muß man eigentlich tun, um ins Kloster zu gehen?» fragte ich. Ich spielte nämlich mit diesem Gedanken. «Muß man dafür katholisch sein und so weiter?»
«Natürlich muß man katholisch sein. Du Idiot, hast du mich mir geweckt, um blöde Fragen-»
«Ach, schlaf nur weiter. Ich geh ohnedies in keins. Bei dem Pech, das ich immer habe, käme ich wahrscheinlich in eins, wo nur die verkehrte Sorte von Mönchen ist. Lauter gemeine Esel. Jedenfalls Esel.»
Als ich das sagte, fuhr Ackley in seinem Bett in die Höhe. «Hör mal», sagte er, «über mich oder sonst etwas kannst du sagen, was du willst, aber wenn du anfängst, über meine verdammte Religion zu -»
«Reg dich nicht auf. Kein Mensch sagt etwas gegen deine verdammte Religion.» Ich stand auf und ging zur Tür. Ich wollte nicht mehr in dieser blöden Atmosphäre sein. Unterwegs blieb ich stehen, nahm Ackleys Hand und drückte sie mit gespielter Herzlichkeit. Er zog sie weg. «Was soll das bedeuten?» fragte er.