Der Fänger im Roggen
- Автор: Сэлинджер Джером Дейвид
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Fänger im Roggen». Краткое содержание книги:
Ein amüsant zu lesender Roman über das Erwachsenwerden.
Originaltitel «The Catcher in The Rye» Rowohlt Erscheinungsdatum: 1966
«Ja, tatsächlich. Wir sind in einer Klasse.»
Ihr Sohn war zweifellos einer der größten Schweinehunde, die in der ganzen Pencey-Chronik jemals vorgekommen sind. Wenn er geduscht hatte, lief er immer im Gang herum und klatschte den andern sein tropfnasses Handtuch an den Arsch. Dieser Typ von Witzbold war er.
«Wie nett!» sagte sie. Aber nicht affektiert. Sie war einfach nur nett. «Das muß ich Ernest erzählen, daß wir uns begegnet sind. Darf ich fragen, wie Sie heißen, mein Lieber?»
«Rudolf Smith», antwortete ich. Ich hatte keine Lust, ihr meine ganze Lebensgeschichte zu erzählen.
Rudolf Smith hieß der Hausmeister in unserem Flügel.
«Sind Sie gerne in Pencey?» fragte sie.
«In Pencey? Keine üble Schule. Es ist kein Paradies oder so, aber ebenso gut wie die meisten Schulen. Einige Lehrer nehmen ihre Sache sehr ernst.»
«Ernest ist furchtbar gern dort.»
«Ja, ich weiß», sagte ich. Dann stürzte ich mich in das übliche Gewäsch. «Er kann sich sehr gut anpassen. Das kann man wirklich sagen. Ich meine, er findet sich überall zurecht.»
«Meinen Sie wirklich?» fragte sie. Es schien sie höllisch zu interessieren.
«Ernest? Ganz sicher.» Dann schaute ich ihr zu, wie sie die Handschuhe auszog. Sie hatte tolle Brillanten.
«Ich habe mir gerade einen Nagel abgebrochen, als ich aus dem Taxi stieg», sagte sie. Sie sah mich an und lächelte ein bißchen. Ihr Lächeln war außerordentlich sympathisch. Die meisten Leute haben überhaupt kein Lächeln, oder ein ekelhaftes. «Sein Vater und ich machen uns manchmal Sorgen über ihn», sagte sie. «Wir haben manchmal das Gefühl, daß er sich nicht gut einfügt.»
«Wie meinen Sie das?»
«Ach, er ist sehr sensibel. Er hat sich eigentlich nie richtig an andere angeschlossen. Vielleicht nimmt er vieles etwas zu ernst für sein Alter.»
Sensibel! Das warf mich um. Dieser Morrow war ungefähr ebenso sensibel wie ein verdammter Klosettsitz.
Ich betrachtete sie eingehender. Sie schien mir nicht dumm zu sein. Sie sah eher aus, als ob sie eine recht deutliche Ahnung davon hätte, was für eines Schweinehunds Mutter sie war. Aber sicher kann man nie sein - mit irgendeiner Mutter meine ich.
Mütter sind nie ganz bei Trost. Dabei gefiel mir Morrows Mutter. Sie war wirklich nett. «Möchten Sie vielleicht eine Zigarette?» fragte ich.
Sie schaute sich um. «Ich glaube, wir sind hier nicht im Raucher, Rudolf», sagte sie. Rudolf. Ich wäre fast geplatzt.
«Das macht nichts. Wir können trotzdem rauchen, bis uns jemand anschreit», sagte ich. Sie nahm eine Zigarette von mir, und ich zündete sie ihr an.
Sie rauchte auf eine sympathische Art. Sie inhalierte zwar, aber sie verschlang den Rauch nicht so gierig, wie das die meisten Frauen ihres Alters tun. Sie hatte viel Charme. Auch viel Sex-Appeal, falls das jemand interessiert.
Sie schaute mich etwas sonderbar an. «Wenn ich mich nicht täusche, blutet Ihre Nase, mein Lieber», sagte sie plötzlich. Ich nickte und zog mein Taschentuch heraus. «Von einem Schneeball», sagte ich. «Es war fast eine Eiskugel.» Wahrscheinlich hätte ich ihr erzählt, was wirklich passiert war, aber es wäre eine zu lange Geschichte gewesen. Sie gefiel mir aber. Allmählich tat es mir leid, daß ich ihr gesagt hatte, ich hieße Rudolf Smith. «Ernie ist einer der beliebtesten Schüler in Pencey», sagte ich.
«Wußten Sie das?»
«Nein, das wußte ich nicht.»
Ich nickte. «Die meisten haben lange gebraucht, bis sie ihn richtig kannten. Er ist ein komischer Mensch. Wirklich sonderbar in vieler Hinsicht - verstehen Sie, was ich meine? Zuerst hielt ich ihn für einen Snob. Aber er ist gar keiner. Er hat nur einen sehr originellen Charakter, so daß man eine Weile braucht, bis man ihn richtig kennt.»
Mrs. Morrow schwieg, aber man hätte sie dabei sehen sollen. Sie saß wie angeleimt da. Jede Mutter will immer nur hören, was für ein Prachtexemplar ihr Sohn sei.
Dann legte ich mich wirklich ins Zeug. «Hat er Ihnen von den Wahlen in unserer Klasse erzählt?» fragte ich.
Sie schüttelte den Kopf. Ich hatte sie sozusagen hypnotisiert. Im Ernst.
«Viele von uns wollten ihn als Klassenpräsident haben. Eigentlich waren alle einstimmig für ihn. Er war eben der einzige, der dieser Aufgabe wirklich gewachsen gewesen wäre», sagte ich. Großer Gott, ich ging vielleicht ran. «Aber dann wurde ein anderer gewählt - Harry Fencer. Aus dem einfachen und offensichtlichen Grunde, daß Ernie sich nicht wählen lassen wollte. Weil er so furchtbar schüchtern und bescheiden ist. Er weigerte sich. Er ist wirklich viel zu schüchtern. Sie müßten versuchen, ihn darüber wegzubringen.» Ich schaute sie an. «Hat er wirklich gar nichts davon erzählt?»
«Nein, kein Wort.»
Ich nickte. «Das sieht ihm ähnlich. Charakteristisch für ihn. Das ist sein einziger Fehler - er ist viel zu schüchtern und bescheiden. Sie sollten wirklich versuchen, ihn manchmal zu lockern.»
In diesem Augenblick kam der Schaffner und wollte Mrs. Morrows Billett sehen. Das war eine gute Gelegenheit, mit dem Gefasel aufzuhören. Aber ich bin doch froh, daß ich das alles gesagt habe. So ein Typ wie Morrow, der immer mit seinem Handtuch andern auf den Arsch schlägt - um den andern wirklich weh zu tun -, ist ja nicht nur in seiner Kindheit ein Schwein. Er bleibt ein ganzes Leben lang ein Schwein. Aber auf mein Geschwätz hin sieht Mrs. Morrow sicher immer den schüchternen, bescheidenen Knaben in ihm, der sich nicht wählen lassen wollte. Vielleicht. Man weiß nie, Mütter sind in diesen Sachen nie besonders helle.
«Hätten Sie gern einen Cocktail?» fragte ich. Ich war selber in der Stimmung, einen zu trinken. «Wir können in den Speisewagen gehen. Hätten Sie Lust?»
«Dürfen Sie denn Drinks bestellen, mein Lieber?» fragte sie. Nicht hochnäsig. Sie war viel zu nett, um hochnäsig zu sein.
«Nein, eigentlich nicht, aber meistens bekomme ich sie doch, wegen meiner Größe», sagte ich. «Und ich habe ziemlich viel graue Haare.» Ich drehte den Kopf auf die Seite und zeigte ihr die grauen Haare. Sie war ganz fasziniert. «Kommen Sie mit, wollen Sie nicht?» sagte ich. Es hätte mir großes Vergnügen gemacht.
«Ich glaube, doch lieber nicht. Aber vielen Dank, mein Lieber», sagte sie. «Wahrscheinlich ist der Speisewagen ohnedies geschlossen. Es ist schon ziemlich spät.» Damit hatte sie recht. Ich hatte nicht daran gedacht, wieviel Uhr es war.
Dann schaute sie mich an und stellte die Frage, die ich schon lange befürchtet hatte. «Ernest schrieb mir, er käme Mittwoch heim, die Weihnachtsferien fingen am Mittwoch an», sagte sie. «Hoffentlich müssen Sie nicht wegen einem Krankheitsfall in Ihrer Familie früher heimreisen.» Sie schien ernstlich besorgt zu sein. Sie fragte nicht einfach aus Neugierde, das sah man deutlich.