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Электронная книга - «Der Fänger im Roggen». Краткое содержание книги:

Holden ist ein ganz normaler amerikanischer Jugendlicher, der Schulstreß hat und schließlich vom Internat fliegt. Nebenbei liest er gerne Bücher und macht die ersten Erfahrungen mit der Liebe.
Ein amüsant zu lesender Roman über das Erwachsenwerden.

Originaltitel «The Catcher in The Rye» Rowohlt Erscheinungsdatum: 1966
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«Nichts. Ich möchte dir nur dafür danken, daß du so ein gottverdammter Prinz bist, das ist alles», sagte ich betont treuherzig. Du bist ein Prachtmensch, kleiner Ackley, weißt du das?»

«Wie geistreich. Einmal wird dir jemand eine ordentliche Tracht-»

Ich hielt mich nicht damit auf, ihm zuzuhören. Ich machte die blöde Tür hinter mir zu und stand im Gang.

Alle schliefen oder waren ausgegangen oder übers Wochenende heimgefahren, und es war totenstill und niederdrückend im Gang. Vor Leahys und Hoffmanns Zimmer lag die leere Umhüllung einer Kolynos-Tube, und ich gab ihr ein paar Tritte mit meinen pelzgefütterten Pantoffeln, während ich auf die Treppe zu ging. Ich dachte, ich könnte unten nachsehen, was Brossard machte. Aber plötzlich änderte ich diese Absicht. Ganz plötzlich beschloß ich, von Pencey wegzugehen - jetzt sofort, mitten in der Nacht, und nicht noch bis Mittwoch zu warten. Ich hatte einfach keine Lust mehr, noch länger da herumzuhängen. Es machte mich viel zu traurig und einsam. Ich wollte in New York in ein Hotel gehen - in irgendein billiges Hotel - und mich bis Mittwoch erholen. Am Mittwoch wollte ich dann ausgeruht und frisch bei Kräften heimgehen. Wahrscheinlich bekamen meine Eltern erst am Dienstag oder Mittwoch Thurmers Nachricht, daß ich geflogen war. Ich wollte nicht heimkommen, bevor sie den Brief gelesen und verdaut hatten. Ich wollte nicht im ersten Augenblick schon dabeisein. Meine Mutter kann sich sehr hysterisch benehmen. Wenn sie etwas erst einmal richtig verdaut hat, ist sie zwar gar nicht so übel. Außerdem hatte ich ein bißchen Ferien nötig. Ich war mit meinen Nerven vollkommen runter, ganz im Ernst.

Ich entschloß mich also, wegzugehen, ging in unser Zimmer zurück und machte Licht, um meine Sachen zu packen. Das meiste hatte ich schon gepackt. Stradlater wachte nicht einmal auf. Ich rauchte eine Zigarette und zog mich an und packte dann meine beiden Handkoffer. Das dauerte nur zwei Minuten. Ich kann sehr rasch packen.

Ein einziger Punkt deprimierte mich dabei. Nämlich die neuen Schlittschuhe, die mir meine Mutter erst vor ein paar Tagen geschickt hatte. Das bedrückte mich wirklich. Ich stellte mir vor, wie meine Mutter zu Spauldings gegangen war und dem Verkäufer einen Haufen törichte Fragen gestellt hatte, und jetzt flog ich schon wieder von dieser Schule. Das machte mich traurig. Sie hatte mir die verkehrten Schlittschuhe gekauft - ich wollte Rennschlittschuhe, und die hier waren für Hockey -, aber es machte mich trotzdem traurig. Fast jedesmal, wenn mir jemand etwas schenkt, endet es damit, daß ich traurig werde.

Als ich gepackt hatte, zählte ich mein Geld. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wieviel es war, aber jedenfalls ziemlich viel. Meine Großmutter hatte mir gerade vor einer Woche einen Haufen geschickt. Sie geht sehr großzügig damit um. Sie hat nicht mehr alle Tassen im Schrank - sie ist alt wie ich weiß nicht was - und schenkt mir mindestens viermal im Jahr Geld zum Geburtstag. Aber obwohl ich also reichlich versehen war, dachte ich, ein paar Dollar mehr könnten nichts schaden.

Man weiß nie. Deshalb ging ich zu Frederick Woodruff hinunter, dem ich meine Schreibmaschine geliehen hatte. Ich weckte ihn und fragte, wieviel er mir für diese Maschine zahlen würde. Er war sehr reich. Er sagte, er könne das jetzt nicht entscheiden. Er wolle sie eigentlich gar nicht kaufen.

Schließlich kaufte er sie doch. Sie hatte gegen neunzig Dollar gekostet, und er bezahlte nur zwanzig dafür. Er war schlechter Laune, weil ich ihn geweckt hatte.

Als ich mit allem fertig war, blieb ich mit meinen Koffern noch eine Weile an der Treppe stehen und warf einen letzten Blick auf den verdammten Gang. Dabei heulte ich sozusagen. Ich weiß nicht warum. Ich setzte meine rote Jagdmütze auf, mit dem Schild nach hinten, so wie ich es am lebsten hatte, und schrie so laut ich konnte: «Schlaft gut, ihr Idioten!» Sicher wachten im ganzen Stockwerk alle auf. Dann machte ich mich davon. Irgendein Esel hatte die Treppe mit Erdnußschalen bestreut, so daß ich mir beinahe meinen verrückten Hals gebrochen hätte.

8

Weil es zu spät war, um ein Taxi kommen zu lassen, ging ich den ganzen Weg zum Bahnhof zu Fuß.

Es war nicht weit, aber höllisch kalt. Man konnte im Schnee nicht gut gehen, und die Koffer stießen mir fortwährend an die Beine. Aber ich freute mich über die frische Luft und alles. Nur tat mir von der Kälte die Nase weh, und auch die Oberlippe, wo mich Stradlater getroffen hatte. Er hatte mir die Lippe gegen die Zähne geboxt, innen war ein ordentlicher Riß. Immerhin hatte ich schön warme Ohren. An der Mütze waren Ohrenklappen, und mir war es ohnedies gleichgültig, wie ich aussah; ich klappte sie einfach herunter. Kein Mensch war zu sehen. Alle schliefen.

Ich hatte Glück, denn als ich zum Bahnhof kam, brauchte ich nur ungefähr zehn Minuten auf einen Zug zu warten. Unterdessen nahm ich Schnee in die Hand und wusch mir das Gesicht damit. Es war immer noch voll Blut.

Im allgemeinen fahre ich gern Eisenbahn, besonders nachts, wenn die Lichter brennen und die Fenster so schwarz sind und ein Kellner mit Kaffee und Sandwiches und Zeitungen durch den Gang kommt. Meistens kaufe ich ein Schinkenbrot und vier oder fünf Magazine. Wenn ich nachts fahre, kann ich sogar meistens die blöden Magazingeschichten lesen, ohne daß mir das Kotzen kommt.

Wenn Sie wissen, was ich meine. Eine von diesen Geschichten, in denen massenhaft kitschige Kerle mit markigem Kinn vorkommen, die David heißen, und massenhaft kitschige Mädel, die Linda oder Marcia heißen und diesen verdammten Davids dauernd die Pfeifen anzünden. Aber diesmal war es anders. Ich hatte keine Lust zu lesen. Ich saß einfach da und tat überhaupt nichts. Ich nahm nur meine Jagdmütze ab und steckte sie in die Tasche.

Plötzlich stieg in Trenton die Dame ein und setzte sich neben mich. Das ganze Abteil war leer, weil es so spät war, aber sie setzte sich neben mich anstatt auf eine leere Bank, weil sie einen großen Koffer bei sich hatte und ich ganz vorne saß. Sie stellte den Koffer so, daß er weit in den Gang hinausstand und der Schaffner und jedermann darüber fallen mußte. Sie hatte Orchideen angesteckt, als ob sie von einer großen Gesellschaft oder so käme. Sie war ungefähr vierzig oder fünfundvierzig, schätze ich, sah aber sehr gut aus. Frauen bringen mich um. Im Ernst. Ich meine damit nicht, daß ich nicht übermäßig sexy bin -obwohl ich ziemlich sexy bin; ich mag Frauen einfach, das meine ich. Sie lassen immer ihre Koffer im Gang stehen.

Wir saßen also nebeneinander, und plötzlich sagte sie: «Entschuldigen Sie, ist das nicht ein Etikett von Pencey?» Dabei schaute sie auf meinen Koffer im Gepäcknetz oben.

«Ja, das stimmt», sagte ich. Tatsächlich war ein verdammtes Pencey-Etikett auf einem der beiden Koffer. Ziemlich albern, zugegeben.

«So, Sie sind in Pencey?» fragte sie. Sie hatte eine angenehme Stimme. Vor allem für Telefongespräche geeignet. Sie hätte immer ein gottverdammtes Telefon mit sich herumtragen sollen.

«Ja, dort bin ich», sagte ich, «Wie nett! Vielleicht kennen Sie dann auch meinen Sohn. Ernest Morrow? Er ist auch in Pencey.»

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