Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Was erzählst du deinen Nichten und Neffen eigentlich über ihn?«, fragte ich leise im Lärm von Ians Prusten. »Über Charles?«
Jamies Blick wurde scharf und richtete sich auf mich; ich hatte also recht gehabt. Seine Augen wurden wärmer, und der Hauch eines Lächelns verriet mir, dass ich seine Gedanken richtig gelesen hatte, doch dann verschwand die Wärme und mit ihr das Lächeln.
»Ich spreche niemals von ihm«, sagte er genauso leise und wandte sich ab, um die Pferde zu holen.
Drei Stunden später durchquerten wir den letzten der windumtosten Pässe und traten auf den Hang hinaus, der nach Lallybroch hinunterführte. Jamie, der vorausritt, hielt sein Pferd an und wartete, bis Ian und ich an seiner Seite waren.
»Da ist es«, sagte er. Er sah mich an und lächelte mit hochgezogener Augenbraue. »Hat es sich sehr verändert?«
Ich war wie gebannt und schüttelte den Kopf. Aus dieser Entfernung machte das Haus einen völlig unveränderten Eindruck. Es war aus weißgekälktem Stein erbaut, und seine drei Stockwerke leuchteten makellos inmitten der Ansammlung etwas heruntergekommener Nebengebäude und der mit Steinmäuerchen umzäunten braunen Felder auf. Auf der kleinen Anhöhe hinter dem Haus standen die Überreste des alten, Broch genannten Rundturms, dem das Anwesen seinen Namen verdankte.
Bei näherem Hinsehen konnte ich erkennen, dass sich die Nebengebäude ein wenig verändert hatten; Jamie hatte mir erzählt, dass die englischen Soldaten im Jahr nach Culloden den Taubenschlag und die Kapelle niedergebrannt hatten, und ich konnte die Lücken sehen, wo sie gestanden hatten. Eine Stelle, an der die Mauer des Gemüsegartens eingerissen worden war, war mit andersfarbigen Steinen geflickt worden, und ein neuer Schuppen aus Steinen und Holzabfällen diente offenbar als Taubenschlag, zumindest der Schar rundlicher Federtiere nach, die nebeneinander auf dem Giebelbalken saßen und die spätherbstliche Sonne genossen.
Die Kletterrose, die Jamies Mutter Ellen gepflanzt hatte, war zu einem ausschweifenden Gewirr herangewachsen, das an einem Spalier an der Hauswand wuchs und gerade erst die letzten Blätter verlor.
Eine Rauchsäule stieg aus dem westlichen Schornstein auf und wurde mit dem Wind, der vom Meer herüberwehte, nach Süden getragen. Ich sah plötzlich das Kaminfeuer im Salon vor mir, dessen Licht am Abend rosig auf Jennys klare Züge fiel, während sie in ihrem Sessel saß und laut aus einem Roman oder einem Gedichtband vorlas, während ihr Jamie und Ian, die konzentriert über einer Schachpartie saßen, mit halbem Ohr zuhörten. Wie viele Abende hatten wir so verbracht, die Kinder oben in den Betten, ich am Rosenholzsekretär, wo ich Rezepte für Arzneien niederschrieb, oder mit den niemals endenden häuslichen Flickarbeiten beschäftigt?
»Meinst du, wir werden wieder hier leben?«, fragte ich Jamie und bemühte mich, meine Stimme von jeder Sehnsucht frei zu halten. Das Haus in Lallybroch war mein Zuhause gewesen wie kein anderes, doch das war lange her – und seitdem hatte sich vieles verändert.
Er hielt einen Moment inne und überlegte. Schließlich schüttelte er den Kopf und nahm die Zügel wieder auf. »Ich kann es nicht sagen, Sassenach«, erwiderte er. »Es wäre schön, aber – ich weiß nicht, wie sich die Dinge fügen, aye?« Seine Stirn war leicht gerunzelt, als er auf das Haus hinunterblickte.
»Das macht nichts. Wenn wir in Edinburgh leben – oder sogar in Frankreich … es macht nichts, Jamie.« Ich blickte in sein Gesicht auf und berührte seine Hand, um ihn zu beruhigen. »Solange wir zusammen sind.«
Der leise Ausdruck der Sorge verschwand, und seine Züge erhellten sich. Er nahm meine Hand, hob sie an seine Lippen und küsste sie sanft.
»Ich mache mir auch keine großen Gedanken, Sassenach, solange du bei mir bleibst.«
Wir saßen im Sattel und blickten einander in die Augen, bis uns ein lautes, befangenes Hüsteln in unserem Rücken an Ians Gegenwart erinnerte. Er hatte unterwegs gewissenhaft Rücksicht auf unsere Privatsphäre genommen und war geradezu peinlich auf uns bedacht gewesen, indem er sein Lager stets in einiger Entfernung von uns aufschlug und sich bemerkenswerte Mühe gab, uns nicht zufällig bei einer indiskreten Umarmung zu überraschen.
Jamie grinste und drückte mir die Hand, ehe er sie losließ und sich seinem Neffen zuwandte.
»Fast da, Ian«, sagte er, während der Junge sein Pony an unsere Seite trieb. »Wenn es nicht regnet, sind wir noch vor dem Abendessen da«, fügte er hinzu und blinzelte unter seiner Hand hindurch, um abzuschätzen, was die Wolken, die langsam über das Monadhliath-Gebirge hinwegdrifteten, im Schilde führen mochten.
»Mmphm.« Ian schien von dieser Aussicht nicht begeistert zu sein, und ich sah ihn mitfühlend an.
»›Zuhause ist der Ort, wo sie dich aufnehmen müssen, wenn du dort hingehen musst‹«, zitierte ich.
Ian warf mir einen ironischen Blick zu. »Aye, genau das fürchte ich auch, Tante Claire.«
Jamie, der diesen Wortwechsel hörte, sah sich um und blinzelte Ian ernst zu – seine Version eines ermutigenden Augenzwinkerns.
»Sei nicht so niedergeschlagen, Ian. Du erinnerst dich doch an das Gleichnis des verlorenen Sohns, oder? Deine Mutter wird froh sein, dich heil zurückzuhaben.«
Ian warf ihm einen zutiefst desillusionierten Blick zu.
»Wenn du glaubst, dass es das gemästete Kalb ist, das sie schlachten werden, Onkel Jamie, dann kennst du meine Mutter nicht so gut, wie du glaubst.«
Einen Moment saß der Junge da und kaute auf seiner Unterlippe, dann holte er tief Luft und richtete sich im Sattel auf.
»Bringen wir es hinter uns, aye?«, sagte er.
»Werden es ihm seine Eltern wirklich so schwermachen?«, fragte ich, während ich zusah, wie sich Ian vorsichtig den Weg über den felsigen Hang suchte.
Jamie zuckte mit den Schultern.
»Nun, sie werden ihm natürlich vergeben, aber vorher bekommt er vermutlich eine ordentliche Strafpredigt, und eine Tracht Prügel. Ich kann von Glück sagen, wenn es mir nicht schlimmer ergeht«, fügte er ironisch hinzu. »Mich werden Jenny und Ian auch nicht begeistert aufnehmen, fürchte ich.« Er trieb sein Pferd an und machte sich auf den Weg ins Tal.
»Komm, Sassenach. Bringen wir es hinter uns, aye?«
Ich war mir nicht sicher, was für einen Empfang ich in Lallybroch erwarten sollte, doch am Ende konnte ich beruhigt sein. Wie bei all unseren bisherigen Ankünften wurde unser Eintreffen durch das Gebell eines bunt gemischten Hunderudels verkündet, das aus den Hecken, den Feldern und dem Gemüsegarten gerannt kam und erst alarmiert, dann freudig kläffte.
Ian legte dem Pferd die Zügel auf den Hals, ließ sich in das pelzige Meer hinuntergleiten, das uns willkommen hieß, und ging in die Hocke, um die Hunde zu begrüßen, die an ihm hochsprangen und ihm das Gesicht leckten.
Er stand lächelnd auf, einen halb ausgewachsenen Welpen im Arm, mit dem er zu mir kam, um ihn mir zu zeigen.
»Das ist Jocky«, sagte er und hielt das zappelnde, braun-weiße Tierchen hoch. »Er gehört mir; Pa hat ihn mir geschenkt.«
»Braver Hund«, sagte ich zu Jocky und kratzte ihn hinter den Schlappohren. Der Hund bellte und wand sich ekstatisch und versuchte, an mir und Ian gleichzeitig zu lecken.
»Du hast gleich überall Hundehaare, Ian«, sagte eine hohe, klare Stimme in unüberhörbar missbilligendem Ton. Als ich von dem Hund aufblickte, sah ich, wie sich ein hochgewachsenes, schlankes Mädchen von vielleicht siebzehn von seinem Sitz am Straßenrand erhob.
»Und du hast überall Gras, ha!«, gab Ian zurück und fuhr zu der Sprecherin herum.
Das Mädchen schüttelte seine dunkelbraunen Locken und bückte sich, um sich über den Rock zu streichen, auf dessen handgewebtem Stoff tatsächlich einige buschige Grasähren klebten.
»Pa sagt, du verdienst es nicht, einen Hund zu haben«, stellte sie fest. »Einfach so fortzulaufen und ihn zurückzulassen.«