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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Wahnwitz!« rief Stawrogin.

»Warum wollen Sie nicht? Warum nicht? Fürchten Sie sich? Eben deswegen bin ich doch gerade auf Sie verfallen, weil Sie sich vor nichts fürchten. Ist der Plan unvernünftig, wie? Ich bin ja vorläufig noch ein Kolumbus ohne Amerika; ist etwa ein Kolumbus ohne Amerika vernünftig?«

Stawrogin schwieg. Unterdessen waren sie zum Hause gelangt und blieben an der Haustür stehen.

»Hören Sie,« sagte Werchowenski, indem er sich zu seinem Ohre hinbog; »ich will Ihnen einen Dienst leisten, ohne daß es Sie Geld kostet; ich werde morgen mit Marja Timofejewna ein Ende machen, ohne daß es Sie etwas kostet; und gleich morgen werde ich Ihnen Lisa zuführen. Wollen Sie Lisa haben, gleich morgen?«

»Was ist mit ihm? Ist er wirklich verrückt geworden?« dachte Stawrogin und lächelte dabei. Die Haustür wurde geöffnet.

»Stawrogin, wollen Sie unser Amerika sein?« fragte Werchowenski, indem er ihn zum letzten Male an den Arm faßte.

»Wozu?« erwiderte Nikolai Wsewolodowitsch in strengem, ernstem Tone.

»Er hat keine Lust! Hab ich's doch vorher gewußt!« rief jener in einem Anfall rasenden Zornes. »Sie lügen, Sie erbärmlicher, alberner, schlaffer Junker; ich glaube es Ihnen nicht; Appetit haben Sie schon, sogar einen Wolfshunger! ... Begreifen Sie doch, daß Ihre Rechnung jetzt schon allzu groß ist und ich auf Sie schlechterdings nicht verzichten kann! Es gibt auf der Erde keinen andern, den ich brauchen könnte, als Sie! Ich habe mir Ihre Rolle im Auslande ausgedacht; ich habe die Rolle erdacht im Hinblick auf Sie. Wenn ich Sie nicht aus dem Winkel her betrachtet hätte, wäre mir der ganze Gedanke gar nicht in den Sinn gekommen! ...«

Stawrogin antwortete ihm nicht, sondern ging die Treppe hinauf.

»Stawrogin!« rief ihm Werchowenski nach, »ich gebe Ihnen einen Tag Bedenkzeit ... na, zwei Tage ... na, drei Tage; mehr als drei kann ich Ihnen nicht gewähren; aber dann, dann bitte ich um Ihre Antwort!«

Fußnoten

1 Siehe die Anmerkung zu S. 36.

Bei Tichon1.

I.

Nikolai Wsewolodowitsch schlief in dieser Nacht nicht; während der ganzen Dauer derselben saß er auf dem Sofa und richtete oft einen starren Blick auf einen bestimmten Punkt in der Ecke bei der Kommode. Die ganze Nacht hindurch brannte bei ihm die Lampe. Gegen sieben Uhr morgens schlief er im Sitzen ein, und als Alexei Jegorowitsch nach dem ein für allemal eingeführten Brauche Punkt halb zehn mit der Tasse Morgenkaffee bei ihm eintrat und ihn durch sein Erscheinen weckte, schien er, als er die Augen öffnete, unangenehm davon überrascht zu sein, daß er so lange hatte schlafen können, und daß es schon so spät war. Schnell trank er seinen Kaffee, schnell zog er sich an und verließ eilig das Haus. Auf Alexei Jegorowitschs vorsichtige Frage, ob er keine Befehle für ihn habe, gab er keine Antwort. Auf der Straße ging er, zu Boden blickend, in tiefer Versunkenheit; nur ab und zu hob er für einen Augenblick den Kopf in die Höhe und zeigte dann plötzlich eine Art von unklarer, aber starker Unruhe. An einer Straßenkreuzung, noch nicht weit von seinem Hause, wurde ihm der Weg durch eine Schar von vorbeigehenden Bauern versperrt; es mochten etwa fünfzig oder mehr Menschen sein; sie gingen wohlanständig, fast schweigend, in absichtlich beobachteter guter Ordnung. Bei einem Laden, neben dem er einen Augenblick warten mußte, sagte jemand, das seien »Schpigulinsche Arbeiter«. Er beachtete sie kaum. Endlich, gegen halb elf, gelangte er zu dem Tore unseres Jefimjewski-Bogorodski-Klosters am Rande der Stadt, am Flusse. Erst da schien ihm etwas einzufallen, etwas Beunruhigendes, Unangenhmes; er blieb stehen, fühlte schnell nach etwas, was in seiner Seitentasche steckte, und – lächelte. Als er die Einfassungsmauer passiert hatte, fragte er den ersten Klosterdiener, der ihm begegnete, wie er zu dem hier im Ruhestande lebenden Bischof Tichon gelangen könne. Der Klosterdiener machte ihm viele Verbeugungen und übernahm es sofort, ihn hinzuführen. Bei einer kleinen Freitreppe am Ende des langen, zweistöckigen Klostergebäudes trat ihnen ein dicker, grauhaariger Mönch entgegen; dieser nahm den Besucher in gebieterischer und gewandter Manier dem Klosterdiener ab und führte ihn einen langen, schmalen Korridor entlang, ebenfalls unter steten Verbeugungen, obgleich er sich bei seiner Korpulenz nicht tief bücken konnte, sondern nur häufig und kurz mit dem Kopfe zuckte; während des Gehens lud er ihn fortwährend ein, gütigst weiter zu kommen, wiewohl Nikolai Wsewolodowitsch ihm auch ohnedies folgte. Der Mönch richtete einige Fragen an ihn und sprach von dem Vater Archimandriten; als er keine Antworten erhielt, wurde er immer noch respektvoller. Stawrogin merkte, daß man ihn hier kannte, obgleich er, soweit er sich erinnerte, nur in seiner Kindheit hier gewesen war. Als sie zu einer Tür ganz am Ende des Korridors gelangt waren, öffnete der Mönch sie, wie wenn er hier zu befehlen hätte, fragte den hinzuspringenden Novizen in familiärem Ton, ob der Eintritt gestattet sei, machte dann, ohne auch nur die Antwort abzuwarten, die Tür ganz auf und ließ unter Verbeugungen den »werten« Gast an sich vorbeipassieren; nachdem er dessen Dank empfangen hatte, verschwand er schnell, ordentlich laufartig. Nikolai Wsewolodowitsch betrat ein kleines Zimmer, und fast in demselben Augenblick erschien in der Tür des anstoßenden Zimmers ein hochgewachsener, hagerer Mann von ungefähr fünfundfünfzig Jahren in einer einfachen Haussoutane; er machte einen etwas kränklichen Eindruck; auf seinem Gesichte lag ein unbestimmtes Lächeln, und sein Blick hatte etwas Seltsames, wie Verlegenes. Das war eben jener Tichon, über welchen Nikolai Wsewolodowitsch zum ersten Male von Schatow etwas gehört und über den er seitdem auch selbst schon nebenbei nach Möglichkeit Nachrichten gesammelt hatte.

Diese Nachrichten waren verschiedenartig und einander widersprechend; aber sie hatten auch etwas Gemeinsames, nämlich dies, daß diejenigen, die Tichon liebten, und diejenigen, die ihn nicht liebten (es gab aber auch solche), sich alle über ihn möglichst schweigsam verhielten; diejenigen, die ihn nicht liebten, wahrscheinlich aus Geringschätzung, seine Anhänger aber und sogar seine glühendsten Anhänger aus einer Art von Diskretion, als ob sie etwas verheimlichen wollten, irgendeine Schwäche desselben, vielleicht, daß er ein religiöser Irrer sei. Nikolai Wsewolodowitsch hatte erfahren, daß er schon etwa sechs Jahre lang im Kloster lebe, und daß sowohl Leute aus dem niedersten Volke als auch Personen von vornehmster Lebensstellung zu ihm kämen; ja sogar in dem fernen Petersburg habe er glühende Verehrer und ganz besonders Verehrerinnen. Andererseits hatte er von einem Mitgliede unseres Klubs, einem sehr angesehenen alten Herrn, übrigens einem sehr frommen Herrn, auch eine solche Auskunft erhalten: dieser Tichon sei beinah verrückt und zweifellos ein Trinker. Ich füge meinerseits vorgreifend hinzu, daß das Letztere entschieden Unsinn war; Tichon litt nur an einem veralteten rheumatischen Übel in den Beinen und zeitweilig an nervösen Krämpfen. Nikolai Wsewolodowitsch hatte auch erfahren, daß dieser im Ruhestande lebende Bischof, sei es nun infolge seiner Charakterschwäche oder infolge »einer unverzeihlichen und seinem Range nicht anstehenden Zerstreutheit«, es nicht verstanden habe, im Kloster selbst einen besonderen Respekt vor sich zu erwecken. Man sagte, daß der Vater Archimandrit, ein finsterer, in bezug auf seine Aufseherpflichten strenger und überdies durch seine Gelehrsamkeit berühmter Mann, sogar eine feindselige Gesinnung gegen ihn hege und ihm (nicht ins Gesicht, aber anderen gegenüber) einen lässigen Lebenswandel und beinah Ketzerei vorwerfe. Die Klosterbrüderschaft aber benahm sich ebenfalls gegen den kranken hochwürdigen Herrn wenn auch nicht gerade geringschätzig, so doch sozusagen familiär. Die beiden Zimmer, aus denen Tichons Wohnung im Kloster bestand, waren gleichfalls etwas seltsam ausgestattet. Neben plumpen, altertümlichen Möbeln mit abgescheuerten Lederbezügen standen einige elegante Stücke: ein sehr kostbarer, bequemer Lehnstuhl, ein großer Schreibtisch von vorzüglicher Arbeit, ein elegant geschnitzter Bücherschrank, Tischchen, Etagèren, selbstverständlich lauter Geschenke. Auch ein wertvoller bucharischer Teppich lag da, neben ihm aber gewöhnliche Bastmatten. Es waren Stiche vorhanden, auf denen »weltliche« Sujets, auch aus dem mythologischen Zeitalter, dargestellt waren, zugleich aber in der Ecke ein großer Heiligenschrein mit Heiligenbildern, die von Gold und Silber glänzten, darunter ein aus sehr alter Zeit stammendes mit Reliquien. Auch die Bibliothek war, wie man sagte, gar zu buntscheckig und widerspruchsvoll zusammengesetzt: neben den Werken der großen Lehrer und Helden des Christentums fanden sich da »Theaterstücke und Romane, ja vielleicht sogar noch Ärgeres«.

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