Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Ich bin Braut! denkt ein Mädchen, vor Stolz bebend, beim Eintreten dieses Momentes, der ihr ganzes Leben beleuchtet, sie wächst in die Höhe und schaut von da auf den dunklen Pfad herab, auf dem sie gestern einsam und unbemerkt gewandert ist.
Warum bebte Oljga nicht? Auch sie war unbemerkt auf einsamem Pfad gewandelt, auch ihr war auf dem Kreuzweg er begegnet, hatte ihr die Hand gereicht, aber sie nicht ins Licht der blendenden Strahlen, sondern gleichsam zu einem weiten Fluß, zu unabsehbaren Feldern und freundlich lächelnden Hügeln geführt. Sie blinzelte nicht vor Glanz, ihr Herz erstarrte nicht, und ihre Phantasie flammte nicht auf. Sie ließ den Blick mit stiller Freude auf den Wogen des Lebens, auf seinen weiten Feldern und den grünen Hügeln ruhen. Ihre Schultern überlief kein Zittern, ihr Blick leuchtete nicht vor Stolz auf; erst dann, als sie den Blick von den Feldern und Hügeln auf denjenigen, der ihr die Hand reichte, richtete, fühlte sie, daß ihr langsam eine Träne über die Wange rollte ...
Sie saß noch immer da, als schliefe sie - so still war der Traum ihres Glückes; sie rührte sich nicht und atmete fast nicht. In Träumen versunken, blickte sie in die stille, blau schimmernde Nacht hinein, die mit sanftem Licht, mit Wärme und Duft erfüllt war. Das Glück hatte seine weiten Flügel ausgebreitet und glitt langsam, wie eine Wolke am Himmel, über ihren Kopf hin ... In diesem Traum sah sie sich nicht für zwei Stunden in Tüll und Spitzen eingewickelt und dann das ganze Leben lang in Lumpen des Alltags. Sie träumte von keinem Festmahl, von keinen Lichtern und fröhlichen Stimmen; sie träumte von einem so einfachen, so schmucklosen Glück, daß sie noch einmal, ohne vor Stolz zu beben, sondern nur in tiefer Rührung, flüsterte: »Ich bin seine Braut!«
Fünftes Kapitel
Mein Gott! Wie düster und trostlos sah es anderthalb Jahre nach Oblomows Namenstag in seiner Wohnung aus, als Stolz zu ihm unerwartet zum Essen kam. Auch Ilja Iljitsch selbst war aufgedunsen, und in seinen Augen hatte sich Langeweile gegraben, die wie eine Krankheit von dort hervorblickte. Er ging eine Weile im Zimmer herum, legte sich hin und schaute auf den Plafond; dann nahm er ein Buch von der Etagere, öffnete es, überflog ein paar Zeilen mit den Augen, gähnte und begann mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln. Sachar war noch plumper und unordentlicher geworden; die Ellbogen seines Rockes waren geflickt, er sah so arm und hungrig aus, als ob er wenig zu essen habe, wenig schlafe und für drei arbeite. Oblomows Schlafrock war abgenützt und ging aus den Fugen, so sorgfältig man seine Löcher auch zunähte; er hätte sich längst einen neuen anschaffen sollen. Die Decke auf dem Bett sah auch ganz abgenützt aus und wies hie und da Flicken auf; die Vorhänge an den Fenstern waren längst verblichen und wirkten, trotzdem sie gewaschen waren, wie Fetzen. Sachar brachte ein altes Tischtuch herein, bedeckte damit den halben Tisch auf der Seite, an der Oblomow saß, brachte dann vorsichtig, sich auf die Zunge beißend, das Gedeck und eine Karaffe mit Schnaps herein, legte das Brot hin und ging. Die Tür der Hausfrau öffnete sich, und Agafja Matwejewna kam rasch herein, eine Pfanne mit einer zischenden Eierspeise tragend.
Auch sie hatte sich furchtbar und nicht zu ihrem Vorteil verändert. Sie war sehr abgemagert. Sie hatte keine runden, weißen, weder errötenden noch erbleichenden Wangen mehr; ihre dünnen Augenbrauen glänzten nicht; ihre Augen waren eingefallen. Sie trug ein altes Kattunkleid; ihre Hände waren von der Arbeit, vom Feuer oder von beidem rot und grob geworden. Akulina war nicht mehr im Hause. Anissja hatte in der Küche und im Gemüsegarten zu tun, sie pflegte die Hühner, scheuerte die Fußböden und wusch die Wäsche; sie konnte allein nicht fertig werden, und Agafja Matwejewna mußte, ob sie wollte oder nicht, selbst in der Küche arbeiten. Sie stieß, siebte und rieb jetzt wenig, denn es wurde wenig Kaffee, Zimt und Mandeln verwendet, und sie dachte nicht einmal mehr an ihre Spitzen. Jetzt mußte sie oft Zwiebeln schneiden und Meerrettich und dergleichen Gewürze reiben. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich tiefe Traurigkeit wider. Doch sie seufzte nicht ihretwegen, nicht weil sie keinen Kaffee zum Trinken hatte, sie grämte sich nicht, weil sie keine Gelegenheit hatte, sich zu betätigen, in größerem Umfange zu wirtschaften, Zimt zu stoßen, Vanille in die Soße zu legen oder dicken Rahm zu sieden, sondern weil Ilja Iljitsch schon das zweite Jahr das alles nicht bekam, weil man den Kaffee für ihn nicht pudweise aus dem besten Geschäft holte, sondern für ein paar Kopeken in dem Krämerladen kaufte; weil der Rahm nicht von einer Finnin gebracht wurde, sondern aus demselben Laden geholt werden mußte; weil sie ihm statt eines saftigen Kotelettes eine mit hartem, altem Schinken aus dem Krämerladen zubereitete Eierspeise brachte. Was bedeutete das? Nichts anderes, als daß die aus Oblomowka eintreffenden Gelder, die Stolz regelmäßig schickte, zur Deckung des Schuldscheines, den Oblomow der Hausfrau ausgestellt hatte, verwendet wurden. Die »gesetzliche Sache« des Bruders war über alle Erwartungen gelungen. Bei der ersten Andeutung Tarantjews auf die skandalöse Angelegenheit war Ilja Iljitsch errötet und verlegen geworden; dann gingen sie zum Ausgleich über, tranken alle drei, und Oblomow unterschrieb den Schuldschein, der für vier Jahre ausgestellt wurde; nach einem Monat unterschrieb Agafja Matwejewna einen ebensolchen Brief auf den Namen des Bruders, ohne zu ahnen, was es war und warum sie es tat. Der Bruder sagte, es sei ein notwendiges Dokument, das sich auf das Haus beziehe, und befahl ihr, zu schreiben: »Diesen Schuldschein hat Frau Soundso (Rang, Vor- und Zuname) eigenhändig unterschrieben.«
Es machte sie nur verwirrt, daß sie so viel schreiben mußte, und sie bat den Bruder, lieber Wanjuscha schreiben zu lassen, er könnte das so gut, sie selbst würde aber vielleicht noch etwas Unrechtes hineinschreiben. Doch der Bruder bestand energisch darauf, und sie unterschrieb mit schiefen und großen Buchstaben. Seitdem war nie mehr die Rede davon. Oblomow tröstete sich beim Unterschreiben teilweise damit, daß dieses Geld den Waisen zugute kommen würde, und dann am nächsten Tage, als ihm der Kopf klar war, dachte er beschämt an diese Angelegenheit, bestrebte sich, sie zu vergessen, vermied es, mit dem Bruder zusammenzukommen, und wenn Tarantjew davon zu sprechen begann, drohte er, sofort aus der Wohnung auszuziehen und aufs Gut zu reisen. Als dann das Geld aus dem Gut eintraf, kam der Bruder zu ihm und erklärte, es wäre für Ilja Iljitsch leichter, die Auszahlung der Schuld sofort aus den Einkünften zu beginnen, dann wäre die Schuld in drei Jahren beglichen, während beim Eintreten des Termins, an dem der Schein eingelöst werden mußte, das Gut öffentlich versteigert werden müßte, da Oblomow kein bares Geld besaß und auch keine Aussichten darauf hatte. Oblomow begriff, in welche Falle man ihn gelockt hatte, als alles, was Stolz schickte, zur Bezahlung der Schuld verwendet wurde und ihm nur eine kleine Summe zum Leben übrigblieb. Der Bruder beeilte sich, diese freiwillige Abmachung mit seinem Schuldner auszunützen und die Schuld innerhalb zweier Jahre einzuheben, damit ihm nicht etwas in den Weg kam und ihn daran hinderte; infolgedessen geriet Oblomow plötzlich in Verlegenheit. Zuerst bemerkte er es nicht sehr, da er die Gewohnheit hatte, nicht zu wissen, wieviel er in seiner Tasche hatte; aber dann fiel es Iwan Matwejewitsch ein, um eine Kaufmannstochter anzuhalten; er mietete eine Wohnung für sich und übersiedelte. Die wirtschaftliche Tätigkeit von Agafja Matwejewna wurde plötzlich eingeschränkt; die Störe, das schneeweiße Kalbfleisch und die Kapaune begannen in der anderen Küche, in Muchojarows neuer Wohnung zu erscheinen. Dort brannte abends Licht und versammelten sich die künftigen Verwandten des Bruders, seine Kollegen und Tarantjew. Alles ging dort hinüber. Agafja Matwejewna und Anissja blieben mit offenem Mund und müßigen Händen bei leeren Pfannen und Töpfen zurück. Agafja Matwejewna erfuhr zum erstenmal, daß sie nur ein Haus, einen Gemüsegarten und Hühner besaß, und daß weder Zimt noch Vanille bei ihr wuchsen; sie sah, daß die Verkäufer auf dem Markt nach und nach aufhörten, sich vor ihr tief zu verbeugen, und daß der ehrfurchtsvolle Gruß und das Lächeln auf die neue, dicke, elegant gekleidete Köchin ihres Bruders übergingen. Oblomow überließ der Hausfrau das ganze Geld, das der Bruder ihm übriggelassen hatte, und sie mahlte drei, vier Monate lang, ohne sich Gedanken zu machen, pudweise Kaffee, stieß Zimt, briet Kalbfleisch und Kapaune und setzte das bis zum Tag fort, an dem sie ihre letzten siebzig Kopeken ausgegeben hatte und ihm mitteilte, sie hätte kein Geld mehr. Er drehte sich bei dieser Nachricht dreimal auf dem Sofa um, schaute dann in seine Lade; es war nichts drin. Er wollte sich erinnern, worauf er es ausgegeben hatte, ihm fiel aber nichts ein; er tastete mit der Hand auf dem Tisch herum, ob es keine Kupfermünze gab, fragte Sachar, doch dieser wußte nichts. Sie ging zum Bruder hin und sagte naiv, es wäre kein Geld im Hause.