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Wer die Wahrheit sucht

Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:

An einem frühen Dezembermorgen wird Guy Brouard — Millionär, Mäzen und Frauenheld — ermordet an einem Strand der englischen Kanalinsel Guernsey aufgefunden. Verdächtige und Motive gibt es mehr als genug. Nur die junge Amerikanerin China River hat keines. Doch alle Indizien weisen ausgerechnet auf sie. China hatte ihren Bruder aus Kalifornien nach Guernsey begleitet, um Guy Brouard die Architekturpläne für ein von ihm gestiftetes Museum zum Gedenken an die deutsche Besatzung der Insel im Zweiten Weltkrieg zu übergeben. Eine andere Verbindung existiert augenscheinlich nicht.
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
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Stephen sah sie an und verzog geringschätzig den Mund. Dann schrie er:»Biscuit! Du blödes Vieh! Spring endlich rein«, und warf den Stein.

Er traf den Hund seitlich am Kopf. Das Tier jaulte auf, sprang auf die Füße und rannte ins Schilf, wo sie es wimmern hörten.

«Ist sowieso nur der Hund von meiner Schwester«, bemerkte Stephen verächtlich. Er wandte sich ab und begann, Steine ins Wasser zu werfen, aber Deborah sah, dass er dem Weinen nahe war.

China trat mit zornigem Gesicht zu ihm hin und zischte:»Du widerlicher kleiner Kotzbrocken«, aber Deborah legte ihr besänftigend die Hand auf den Arm und sagte behutsam:»Stephen.«

Er unterbrach sie.»Mir sagt sie, ich soll mit dem Hund rausgehen«, erklärte er voll Bitterkeit.»>Komm, Darling, mach einen kleinen Spaziergang mit ihm.< Ich sag ihr, sie soll das Jemima sagen. Ist doch ihr blöder Hund. Aber nein. Das bringt sie nicht über sich. Die arme kleine Jemima hockt in ihrem Zimmer und heult sich die Augen aus, weil sie von dieser Scheißinsel nicht weg will.«

«Weg von der Insel?«, fragte Deborah.

«Klar, wir ziehen weg. Der Makler sitzt bei uns zu Hause im Wohnzimmer und würde meiner Mutter am liebsten an die Titten gehen. Er redet von irgendwelchen Vereinbarungen >zum beiderseitigen Nutzen<, als ob er in Wirklichkeit nichts anderes im Sinn hat, als sie zu bumsen. Der Köter bellt ihn an, und Jemima ist total hysterisch, weil sie nicht nach Liverpool zu unserer Großmutter will, aber mir geht das echt am Arsch vorbei. Mir ist alles recht, wenn ich nur hier wegkomme. Also schlepp ich den blöden Köter hierher, aber ich bin leider nicht Jemima, und sie ist die Einzige, auf die er hört.«

«Warum zieht ihr von hier weg?«Deborah hörte regelrecht, wie es in Chinas Kopf arbeitete. Ihr selbst ging es nicht viel anders.

«Das ist doch sonnenklar«, antwortete Stephen. Aber bevor sie das Thema weiter vertiefen konnte, sagte er:»Was wollen Sie überhaupt?«und schaute hinüber zum Schilf, wo Biscuit still geworden war.

Deborah fragte ihn nach Moulin des Niaux. Ob er dort mal mit Mr. Brouard gewesen sei.

Ein Mal, ja.»Meine Mutter hat ein Riesending daraus gemacht, aber er hat mich nur mitgenommen, weil sie es unbedingt wollte. «Er lachte spöttisch.»Wir sollten uns nahe kommen. Die dumme Kuh. Als ob er je vorgehabt hätte. Es war total blöd. Ich, Guy, Frank, Franks Vater, der ungefähr zwei Millionen Jahre alt ist, und dazu der ganze Krempel. Haufenweise Kartons, Säcke, Schränke voll Zeug. Die reine Zeitverschwendung.«

«Was habt ihr dort getan?«

«Getan? Sie haben Mützen sortiert. Mützen, Kappen, Helme, was auch immer. Wer wann was, wo, wie und warum auf dem Kopf getragen hat. Es war unheimlich langweilig — echt, nichts als Zeitverschwendung. Nach einer Weile bin ich raus und bin spazieren gegangen.«

«Du hast also nicht beim Sortieren geholfen?«, fragte China.

Stephen schien einen Unterton in ihrer Stimme zu hören, denn er sagte:»Warum wollen Sie das wissen? Was tun Sie hier überhaupt? Müssten Sie nicht im Knast sein?«

Wieder griff Deborah ein.»War noch jemand dabei? An dem Tag, an dem du dir die Sammlung angesehen hast?«

«Nein. Nur Guy und ich. «Er konzentrierte sich wieder auf Deborah und das Thema, das ihn im Moment offenbar am meisten beschäftigte.»Wie gesagt, es sollte das große Vater-Sohn-Ereignis werden. Ich sollte ausflippen vor Freude drüber, dass er mal eine Viertelstunde lang Vater spielen wollte. Und er sollte merken, dass ich als Sohn viel besser geeignet wäre als Adrian, der ja ein erbärmlicher Trottel ist, während man von mir wenigstens erwarten kann, dass ich's schaffe, auf die Uni zu gehen, ohne durchzudrehen, weil Mami nicht da ist, um mir das Händchen zu halten. Es war alles so blöd, einfach hirnverbrannt blöd. Als hätte der je daran gedacht, sie zu heiraten.«

«Na ja, jetzt ist es ja vorbei«, sagte Deborah.»Jetzt kannst du nach England zurück.«

«Nur weil sie von Brouard nicht gekriegt hat, was sie wollte«, sagte er und warf einen verächtlichen Blick in Richtung zum Haus seiner Mutter.»Das war doch von vorneherein klar, dass sie von dem nichts zu erwarten hatte. Ich hab's ihr immer wieder gesagt, aber sie hört ja nie zu. Jeder, der Augen im Kopf hatte, konnte sehen, was da lief.«

«Was denn?«, fragten Deborah und China gleichzeitig.

Stephen sah sie mit der gleichen Geringschätzung an, mit der er zuvor sein Zuhause und seine Mutter bedacht hatte.»Er hat sich's woanders geholt«, sagte er kurz.»Ich hab's ihr immer wieder gesagt, aber sie wollte es nicht hören. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er's mit einer anderen treiben würde nach den ganzen Verrenkungen, die sie gemacht hatte, um sich ihn zu schnappen — mit Operation und allem Drum und Dran, auch wenn er dafür gezahlt hat. >Das bildest du dir ein<, hat sie immer zu mir gesagt. >Darling, das denkst du dir doch nur aus, weil du selber ein bisschen Pech gehabt hast. Warte nur ab, eines Tages hast du auch deine eigene Freundin. Glaub mir.

So ein großer, gut aussehender, strammer Junge wie du.< Mein Gott! So eine blöde Kuh!«

Deborah versuchte, das alles zu sortieren, um ein klares Bild zu bekommen: der Mann, die Frau, der Junge, die Mutter, und die Beschuldigungen. Sie sagte:»Weißt du, wer die andere Frau war, Stephen?«Endlich sah es so aus, als würden sie weiterkommen. Deborah bedeutete China, die begierig noch einen Schritt näher an Stephen Abbott herangetreten war, den Jungen nicht durch ihren Eifer, der Sache möglichst schnell auf den Grund zu kommen, zu verschrecken.

«Klar, weiß ich das. Cynthia Moullin.«

Deborah sah China an, die den Kopf schüttelte. Deborah sagte zu Stephen:»Cynthia Moullin? Wer ist das?«

Eine Schulkameradin, wie sich herausstellte. Ein Teenager aus der Weiterbildungsfachschule.

«Aber woher weißt du das alles?«, fragte Deborah, und als er vielsagend die Augen verdrehte, erkannte sie die Wahrheit.»Mr. Brouard hat sie dir ausgespannt? War es so?«Statt einer Antwort sagte er:»Wo ist dieser blöde Köter?«

Als ihr Bruder den dritten Morgen in Folge nicht ans Telefon ging, hielt Valerie Duffy es nicht mehr aus. Nachdem Kevin zur Arbeit gegangen war, nachdem Ruth Brouard gefrühstückt hatte und sie sich eine freie Stunde gönnen konnte, setzte sie sich in ihren Wagen und fuhr nach La Corbiere. Sie wusste, sie würde nicht vermisst werden.

Bei ihrer Ankunft am Muschelhaus sah sie als Erstes den verwüsteten Garten und erschrak heftig. Dieses Werk der Zerstörung sprach eine deutliche Sprache. Henry war ein guter Mensch — ein hilfsbereiter Bruder, ein treuer Freund und seinen Töchtern ein liebevoller Vater — , aber er war jähzornig und explodierte schnell. Sie hatte seinen blind wütenden Zorn nicht mehr erlebt, seit sie erwachsen war, dafür jedoch seine Auswirkungen. Zum Glück hatte er ihn noch nie gegen einen Menschen gerichtet, obwohl sie gefürchtet hatte, dass er genau das tun würde, als sie an jenem Tag hierher gekommen war. Er war gerade dabei gewesen, seiner jüngsten Tochter ihre Lieblingsplätzchen zu backen, als sie ihm eröffnet hatte, dass sein Arbeitgeber und guter Freund Guy Brouard regelmäßig mit seiner ältesten Tochter Geschlechtsverkehr hatte.

Es war das einzige Mittel gewesen, der Geschichte einen Riegel vorzuschieben. Sie hatte versucht, mit Cynthia zu sprechen, ohne das Geringste zu erreichen.»Wir lieben uns, Tante Val«, hatte das junge Mädchen ihr mit der ganzen großäugigen Unschuld der frisch Entjungferten erklärt.»Du warst doch bestimmt auch mal verliebt und weißt, wie das ist?«

Das Mädchen war nicht davon zu überzeugen gewesen, dass Männer wie Guy Brouard gar nicht lieben konnten. Sie wusste, dass er neben ihr auch mit Anai's Abbott schlief, aber das ließ sie völlig ungerührt.»Oh, darüber haben wir gesprochen. Er muss das tun«, sagte Cynthia.»Sonst denken die Leute, er hätte was mit mir.«

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