Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
»Er hat mit seinen Berichten über das Tote Land nicht übertrieben, große Königin«, unterstützte ihn Rodario. »Wir haben gesehen, was die Orks anrichten. Nôd’onn treibt sie voran, und nur Euer Volk kann sie aufhalten. Sprecht mit den Königen und Clanführern der Vierten und Zweiten und fürchtet Euch nicht vor dem, was sie zu Euch sagen könnten. Es ist keine Zeit zum Zaudern.«
Tungdil warf ihm einen dankbaren Blick zu. Wer hätte das gedacht?
Xamtys blickte sie gütig an. »Sobald ihr zur Reise ins Graue Gebirge aufbrecht, werden meine Clans und ich nach langen Zyklen unsere Brüder und Schwestern treffen.« Sie schaute entschlossen, die Keule schlug gegen den Thron. »Ihr habt Recht, die Sache duldet keinen Aufschub.«
»Das ist sehr freundlich von dir«, presste Boëndal unter Schmerzen stockend hervor, »doch ich will deine Hilfe nicht. Ich werde die Verwundung ohne deine Magie überstehen.«
Die Helfer hatten ihn in eine warme Kammer getragen, sein Kettenhemd abgenommen und seine Wunden freigelegt, damit sie behandelt werden konnten. Die ersten Verbände waren durchgeblutet, nun wartete er auf neue.
Andôkai, die nicht weniger blass war als er, saß neben seinem Bett, die Einschüsse betrachtend. Sein Körper rang mit den Auswirkungen der Albaepfeile: Einige innere Organe waren von der Spitze verletzt worden, und dazu kam der nicht unwesentliche Blutverlust. »Ich kenne mich mit Verwundungen aus, und das, was ich sehe, lässt mich an deinen Worten zweifeln«, meinte sie aufrichtig, und die blauen Augen spiegelten ihre Besorgnis wider. »Überwinde deinen Stolz und denke daran, dass wir weiter müssen.«
»Es geht nicht um Stolz«, sprang ihm sein Bruder aufgebracht bei, der auf der anderen Seite neben der Schlafstätte stand und sorgsam über alles wachte. Er hatte sich nicht einmal erlaubt, etwas zu essen, nur seinen Mantel hatte er abgelegt. »Wir wollen deine Magie nicht, es ist schlechte Magie. Du betest Samusin an und könntest das Böse in ihn hineinzaubern.«
»Unsinn«, wies sie den Vorwurf zurück.
Boëndal schloss die Augen, und seine Atmung wurde schneller. »Ich... will... nicht.«
»Ohne deine zwergische Robustheit und deinen Dickschädel wärst du schon lange tot«, sagte sie kühl. »Wie lange möchtest du mit deinem Leben spielen? Lass mich dir helfen, so lange ich es noch kann. Auch meine Kraft schwindet.«
Doch er antwortete nicht mehr; stattdessen nickte Boїndil zur Tür. »Sieh nach deinem eigenen Verletzten, Zauberin, und lass die Zwerge ihre Verwundeten selbst pflegen.«
Die Maga stand auf, eine Hand an ihren Schwertgriff gelegt, und schritt schweigend zur Tür.
»Er meint es nicht so«, raunte Boëndal. »Ich danke dir für dein Angebot, aber Vraccas wird dafür sorgen, dass ich überlebe.«
Andôkai warf sich den Mantel um die Schultern. »Ich wünsche dir, dass dein Gott dich erhört.« Laut fiel die Tür ins Schloss, und es wurde still in der Kammer.
»Ich bin mir nicht mehr so sicher...«, sagte Boëndal nach einer Weile.
»Sei ruhig, Bruder«, unterbrach Boїndil ihn. »Vraccas hat dich gesehen und wird dir ein langes Leben schenken. Wenn einer den Tod verdient, bin ich es. Sei also unbesorgt.« Er gab ihm noch einen Schluck Wasser zu trinken und verließ das Zimmer ebenfalls, um die Helfer mit den frischen Verbänden herbeizuscheuchen.
»Vraccas stehe ihm bei!« Seine Rüstung lastete tausendmal schwerer als sonst, die Beine fühlten sich an, als stemmten sie Tonnen, und seine Gedanken kreisten einzig um Boëndal. Sein wächsernes Gesicht machte ihm Angst, die Pfeilwunden trennten ihn um Haaresbreite vom Einzug in die Ewige Schmiede. Die Zauberin hatte mit ihrer Bemerkung über die Zähigkeit seines Volkes Recht. Ein Mensch überstand solche Verletzungen nicht, und ob sie ein Zwerg überstünde, das würden die kommenden Umläufe zeigen.
Im Gang stieß er auf Tungdil, der sich anschickte, den Verwundeten zu besuchen. »Wie geht es ihm?«, wollte er beunruhigt wissen.
»Er schläft. Die Verbände sind durchgeblutet, und er benötigt dringend neue«, sagte der Krieger fahrig. Das irre Funkeln in seinen Augen war unendlich großer Sorge gewichen.
»Ich dachte, Andôkai wolle nach ihm sehen? Hat ihre Magie nichts erreicht?«, wunderte er sich.
»Wir wollen nicht, dass sie uns hilft«, antwortete Ingrimmsch. »Magie ist nichts, taugt nichts. Mit Samusin wollen wir schon mal gar nichts zu tun haben.« Er ging an ihm vorbei und rief nach den Pflegern, die daraufhin angelaufen kamen und frische Verbände brachten.
Tungdil wusste, dass er sich einen Streit über Magie mit den Zwillingen sparen konnte. Überzeugung und Starrsinn lagen allzu dicht beieinander. Eher würde Boëndal sterben, als sich von der Maga heilen zu lassen.
Leise betrat er die Kammer und betrachtete den Zwerg, der wie tot in den Kissen lag, das Gesicht bleich, die Brust hob und senkte sich kaum. Die Pfleger wuschen das verkrustete Blut sorgsam ab und nähten die klaffenden Wunden wieder zusammen. Anschließend deckten sie eingeweichte Moose darüber, deren Saft die Qualen linderte.
»Wir werden ohne ihn Weiterreisen müssen«, meinte Tungdil halblaut zu Ingrimmsch. »In seiner Verfassung macht er keine hundert Schritt, ohne dass er uns stirbt.«
»Nein... Ich schaffe es, Gelehrter«, kam es leise, aber bestimmt aus Boëndals Mund. Er richtete seine Augen flehend auf ihn, fasste seine Hand. »Nach zwei Umläufen geht es wieder. Es ist nur ein Kratzer!«
Tungdil blickte fragend zu einem der Pfleger, der den Kopf schüttelte. »Nein, das wird nicht gehen. Die äußeren Wunden sind nicht die Schwierigkeit, sondern die inneren Verletzungen. Jede Bewegung sorgt für eine Verschlimmerung. Er würde qualvoll zu Grunde gehen. Er kann nicht reisen.«
»Bleib hier und genese, Boëndal. Wir treffen uns rechtzeitig zur großen Schlacht gegen Nôd’onn«, entschied Tungdil schweren Herzens. »Du hast deinen Anteil geleistet.«
»Ich gehe mit! Wo einer von uns beiden ist, da ist auch der andere. Es ist die größte Tat, die jemals von unserem Volk...«
Er wollte sich aufrichten, aber sobald er seinen Oberkörper ein wenig rührte, stöhnte er laut auf, und ein dunkelroter Fleck entstand auf den frisch angelegten Verbänden. »Es scheint, als ob du Recht hättest, Gelehrter«, knurrte er durch die zusammengebissenen Zähne hindurch und schaute zu seinem Bruder. »Du wirst ihn und die anderen allein beschützen müssen.«
Boїndil stand stocksteif neben dem Bett, er wusste nicht, was er sagen sollte. »Zum ersten Mal in unseren Leben werden wir getrennt sein«, sprach er mit belegter Stimme und fasste die Hand Boëndals. »Ich werde dich bei den Kämpfen vermissen. Die ersten einhundert Schweineschnauzen sind für dich.«
»Du hast Großes vor«, lächelte er schwach. »Aber übernimm dich nicht. Ich kann dir nicht den Rücken frei halten.« Sie umarmten sich, Tränen rannen über ihre bärtigen Wangen. Einen solchen Abschied hatten sie noch niemals begangen.
»Und zügle deine Tobsucht, Bruder. Du wirst deine Wut besser kontrollieren müssen als sonst, versprich es mir!«
»Ich verspreche es«, schwor Ingrimmsch feierlich. »Doch nun ruh dich aus.« Zusammen mit Tungdil verließ er die Kammer. »Wann brechen wir auf?«
»So früh wie möglich«, antwortete Tungdil. »Andôkai hat Djerůn auf magische Weise zusammengeflickt. Ihm es geht es so weit gut, dass er reisen kann, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie wir ihn in eine Lore bekommen.«
»Wir brauchen sowieso mehrere«, schätzte Boїndil. »Hammerfaust, Schimmerbart, die drei Schauspieler, unsere Metalle, die Maga und ihr Schoßkrieger, das passt niemals in einen Karren.«