Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Medicus - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
1 ... 120 121 122 123 124 125 126 127 128 ... 162
Перейти на страницу:

Die Nacht versprach hitzig zu werden. Sie sahen, wie Karim sehr sorgfältig vier Frauen auswählte. »Warum braucht er vier?« fragte Rob.

»Er sucht sie nicht für sich selbst aus«, erklärte Mirdin, was stimmte, denn Karim führte die Frauen zum Zelt des Schahs.

Die Soldaten reichten die anderen Frauen von Mann zu Mann weiter und losten sie untereinander aus. Die Männer, die noch nicht an der Reihe waren, sahen den anderen zu und spornten sie an. Die Wachen wurden abgelöst, damit sie sich ebenfalls beteiligen konnten. Die Nacht war von Frauengeschrei und betrunkenem Gegröle erfüllt. Mirdin hatte sich geweigert, eine Waffe für den Kampf mitzunehmen, aber er hatte das Spiel des Schahs mitgebracht, und das war ein Segen, denn er und Rob spielten jeden Abend, bis es dunkel wurde. Jetzt endlich wurde hart um den Sieg gekämpft, die Ergebnisse waren knapp, und gelegentlich, wenn er etwas Glück hatte, gewann auch Rob.

Beim Spielen vertraute er Mirdin einmal an, daß er sich um Mary Sorgen mache.

»Es geht ihr bestimmt gut, denn Fara behauptet, daß die Frauen das Kinderkriegen von Natur aus beherrschen«, scherzte Mirdin gutgelaunt.

Rob hätte gern gewußt, ob es eine Tochter oder ein Sohn werden würde.

»Wie viele Tage nach ihrer letzten Regel habt ihr gebumst?« Rob zuckte die Schultern.

»Al-Habib hat geschrieben, daß es beim Geschlechtsverkehr vom ersten bis zum fünften Tag nach Ende der Blutung ein Junge wird. Wenn es vom fünften bis zum achten Tag nach der Periode passiert, ein Mädchen.« Er zögerte, denn al-Habib hatte auch geschrieben, daß bei einem Beischlaf nach dem fünfzehnten Tag die Möglichkeit bestehe, daß das Kind ein Hermaphrodit wird.

»Al-Habib behauptet auch, daß braunäugige Väter Söhne und blauäugige Väter Töchter zeugen. Ich komme aber aus einem Land, wo die meisten Männer blaue Augen haben, und sie haben trotzdem immer viele Söhne gehabt«, meinte Rob.

»Zweifellos hat al-Habib nur über Menschen geschrieben, wie man sie im Orient findet«, schränkte Mirdin ein.

Statt sich im Spiel des Schahs zu üben, unterhielten sie sich auch manchmal über Ibn Sinas Anleitungen zur Behandlung von Kampf-wunden, oder sie kontrollierten ihre Vorräte und bereiteten sich darauf vor, daß sie ihre Arbeit als Chirurgen ausführen konnten. Es war gut, daß sie dies taten, denn eines Abends wurden sie zum Abendessen in

Aläs Zelt geladen, um seine Fragen über ihre Vorbereitungen zu beantworten. Karim war anwesend und begrüßte seine Freunde verlegen. Es wurde bald klar, daß er Befehl hatte, sie zu prüfen und sich von ihrer Leistungsfähigkeit ein Bild zu machen. Diener brachten Wasser und Tücher, damit sie sich vor dem Essen die Hände waschen konnten. Alä tauchte seine Hände in eine schön getriebene Goldschüssel und trocknete sie mit hellblauen Leinenhandtüchern ab, in die mit Goldfäden Sätze aus dem Koran gestickt waren.

»Sagt uns, wie ihr Hiebwunden behandeln werdet«, forderte Karim

sie auf.

Rob wiederholte, was Ibn Sina gelehrt hatte: Man mußte Öl kochen und es so heiß wie möglich auf die Wunde gießen, um Eiterbildung und üble Säfte zu vermeiden. Karim nickte.

Alä war beim Zuhören blaß geworden. Jetzt befahl er entschieden, daß sie ihm Schlafmittel verabreichen sollten, falls er tödlich verwundet werde, um den Schmerz zu lindern, sobald ein mullah mit ihm das letzte Gebet gesprochen habe.

Die Mahlzeit war für königliche Begriffe einfach: am Spieß gebratenes Geflügel und Gemüse, das unterwegs gesammelt worden war. Aber die Speisen waren besser zubereitet als die Kost, an die sie gewöhnt waren, und sie wurden auf Tellern serviert. Nachher forderte Mirdin Alä beim Spiel des Schahs heraus, während Musikanten auf Zimbeln spielten, aber der Shahansha schlug ihn mühelos. Der Abend war eine willkommene Abwechslung von ihrem täglichen Einerlei, aber Rob fühlte sich nicht unglücklich, als sie gnädig vom Herrscher entlassen wurden. Er beneidete Karim nicht, der in letzter Zeit oft auf dem Staatselefanten ritt und dabei mit dem Schah in dem Gehäuse saß.

Rob war noch immer von den Elefanten begeistert und beobachtete sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit genau. Manche waren mit Kriegspanzern versehen, die dem Harnisch der Menschen ähnelten. Fünf Elefanten trugen zwanzig zusätzliche mahouts, die Alä als Reserve mitgenommen hatte, weil er hoffte, daß sie dann die in Mansura erbeuteten Elefanten betreuen würden. Alle mahouts waren Inder, die bei früheren Überfällen gefangengenommen worden waren. Da

sie ausgezeichnet behandelt und reichlich entlohnt wurden, wie es ihrem Wert entsprach, konnte der Schah ihrer Treue sicher sein. Die Elefanten suchten sich ihr Futter selbst. Am Ende jedes Tages führten die kleinen, dunklen Wärter sie an Orte, wo Pflanzen wuchsen und wo sie sich mit Gras, Blättern, kleinen Zweigen und Rinde vollfraß611; oft gewannen sie ihre Nahrung, indem sie erstaunlich mühelos Bäume umwarfen.

Eines Abends verjagten die weidenden Elefanten ein schnatterndes Rudel von menschenähnlichen, fellbedeckten kleinen Geschöpfen mit Schwänzen, die Rob aus Beschreibungen als Affen kannte. Danach sahen sie jeden Tag Affen und eine Vielfalt von Vögeln, dazu gelegentlich Schlangen auf dem Boden und in den Bäumen. Harsha, der mahout des Schahs, erzählte Rob, daß der Biß einiger Schlangen tödlich sei. »Wenn jemand gebissen wird, muß man die Bißstelle mit dem Messer aufschneiden und das gesamte Gift heraussaugen und ausspucken. Dann muß man ein kleines Tier töten und dessen Leber auf die Wunde binden, um das restliche Gift herauszuziehen.«

Der Inder wies darauf hin, daß die Person, die das Gift aussaugte, keine offene Wunde und keinen Schnitt im Mund haben dürfe. »Sonst dringt das Gift dort ein, und er stirbt noch am selben Tag.« Eines Abends kamen Rob und Mirdin zum fünfhundertvierundzwan-zigsten Gebot, das auf den ersten Blick erstaunlich wirkte: »Wenn ein Mann eine Sünde begangen hat, auf der die Todesstrafe steht, und er zum Tod verurteilt wird und ihr ihn an einem Baum aufhängt, darf seine Leiche nicht die ganze Nacht an dem Baum hängen bleiben, sondern ihr müßt ihn gewiß am selben Tag begraben.« Mirdin empfahl Rob, sich die Worte gut einzuprägen. »Ihretwegen sezieren wir tote Menschen nicht, wie es die heidnischen Griechen taten.«

Rob bekam eine Gänsehaut und richtete sich auf. »Die Weisen und Gelehrten leiten von diesem Gebot drei Erlässe ab«, kommentierte Mirdin. »Erstens; Wenn die Leiche eines verurteilten Verbrechers mit so viel Achtung behandelt wird, sollte die Leiche eines angesehenen Bürgers erst recht schnell begraben werden, ohne Schimpf und Schande ausgesetzt zu sein. Zweitens: Wer seine Toten über Nacht unbestattet läßt, übertritt ein negatives Gebot. Und drittens: Die Leiche muß vollständig und unversehrt bestattet werden, denn wenn man auch nur ein kleines Stück Gewebe vergißt, ist es, als hätte kein Begräbnis stattgefunden.«

»Das also ist die Wurzel allen Übels!« staunte Rob. »Weil dieses Gesetz verbietet, die Leiche eines Mörders unbestattet zu lassen, haben Christen, Mohammedaner und Juden ihren Ärzten verboten, den Körper zu studieren, den sie heilen wollen.« »Es ist Gottes Gebot«, ermahnte ihn Mirdin streng. Rob legte sich zurück und starrte in die Dunkelheit. »Eure Handlungsweise bedeutet eine Mißachtung der Toten. Ihr bringt sie mit solcher Hast unter die Erde, als könntet ihr nicht erwarten, sie aus den Augen zu bekommen.«

»Das stimmt, wir machen kurzen Prozeß mit der Leiche. Nach dem Begräbnis ehren wir das Andenken des Verstorbenen durch die shiva, sieben Tage, während denen die Leidtragenden trauernd und betend in ihrem Hause bleiben.«

»Es ergibt keinen Sinn. Das ist ein unvernünftiges Gebot.« »Du sollst nicht sagen, daß Gottes Wort unvernünftig ist!« »Ich spreche nicht von Gottes Wort, ich spreche von der Auslegung des Wortes Gottes durch die Menschen.

1 ... 120 121 122 123 124 125 126 127 128 ... 162
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)