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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Dunworthy wickelte den Schal vom Buch und schlug es an der Stelle auf, die Colin mit einem Eselsohr angemerkt hatte, aber seine Brillengläser waren so mit Regentropfen beperlt, daß er nicht lesen konnte, und die aufgeschlagenen Seiten waren im Nu naß.

»Darin steht, daß die Pest in Melcombe ausbrach und sich nordwärts nach Bath und gegen Osten ausbreitete«, sagte Colin. »Sie war um Weihnachten in Oxford, aber Teile von Oxfordshire erreichte sie erst im Frühling, und ein paar abgelegene Dörfer blieben bis Juli verschont.«

Dunworthy starrte wie blind auf die unleserlichen Seiten. »Das sagt uns nichts«, murmelte er.

»Ich weiß.« Colin richtete sich auf, stieß schnaufend den Atem aus. »Aber wenigstens steht nicht darin, daß die Pest um Weihnachten in ganz Oxfordshire war. Vielleicht ist sie in einem der Dörfer, die erst im März an der Reihe waren.«

Dunworthy wischte die nassen Seiten mit dem baumelnden Ende des Schals und klappte das Buch zu. »Die Pest breitete sich von Bath ostwärts aus«, sagte er leise. »Skendgate liegt ein kleines Stück südlich der Straße von Bath nach Oxford.«

Der Pförtner hatte den Schlüssel endlich gefunden und stieß ihn ins Schloß.

»Ich rief wieder bei Andrews an, aber dort meldet sich noch immer niemand.«

Der Pförtner öffnete die Tür.

»Wie wollen Sie das Netz ohne einen Techniker handhaben?« fragte Colin.

»Das Netz handhaben?« sagte der Pförtner, den Schlüssel noch in der Hand. »Ich verstand Sie so, daß Sie Daten vom Computer abzufragen wünschten. Mr. Gilchrist wird nicht erlauben, daß Sie das Netz ohne Genehmigung in Betrieb nehmen.« Er zog das Blatt mit Basingames gefälschter Unterschrift hervor und überlas den Text.

»Ich genehmige es«, sagte Dunworthy und schritt an ihm vorbei ins Laboratorium.

Der Pförtner wollte ihm nach, blieb mit dem offenen Schirm am Türrahmen hängen und bemühte sich, das Schirmgestell zusammenzuklappen.

Colin duckte sich unter dem Schirm durch und folgte Dunworthy hinein.

Gilchrist mußte die Heizung ausgeschaltet haben. Im Laboratorium war es kaum wärmer als draußen, aber Dunworthys Brillengläser beschlugen sich trotzdem, naß wie sie waren. Er nahm sie ab und versuchte sie am nassen Anzugjackett abzuwischen.

»Hier«, sagte Colin und gab ihm eine zusammengerollte Länge Toilettenpapier. »Es ist Klopapier, das ich für Mr. Finch gesammelt habe. Die Sache ist die, es wird schwierig genug sein, sie zu finden, wenn wir am richtigen Ort landen, und Sie sagten selbst, daß es furchtbar kompliziert ist, die genaue Zeit und den richtigen Ort zu bekommen.«

»Wir haben beides schon«, sagte Dunworthy. Er wischte die Brillengläser am Toilettenpapier und setzte die Brille wieder auf. Die Sicht war noch immer unscharf.

»Ich fürchte, ich muß Sie bitten, zu gehen«, sagte der Pförtner. »Ich kann Sie hier ohne Mr. Gilchrists Genehmigung nicht einlassen.«

»Oh, verdammt«, stieß Colin hervor. »Da ist Mr. Gilchrist.«

»Was hat das zu bedeuten?« fragte Gilchrist. »Was tun Sie hier?«

»Ich werde Kivrin zurückholen«, sagte Dunworthy.

»Wer hat Sie bevollmächtigt?« konterte Gilchrist. »Dies ist das Netz des Brasenose College, und Sie haben sich unberechtigt Zutritt verschafft.« Er wandte sich zum Pförtner. »Ich gab Ihnen Anweisung, daß Mr. Dunworthy keine Erlaubnis zum Betreten des Grundstücks hat.«

»Mr. Basingame hat ihn bevollmächtigt«, sagte der Pförtner. Er übergab ihm das feuchte Papier.

Gilchrist nahm es ihm mit einem Ruck aus den Fingern. »Basingame!« Er starrte darauf. »Das ist nicht Basingames Unterschrift«, sagte er erbost. »Hausfriedensbruch und nun Urkundenfälschung. Mr. Dunworthy, ich beabsichtige, Anzeige zu erstatten. Und wenn Mr.

Basingame zurückkehrt, werde ich ihn von diesem dreisten Übergriff unterrichten.«

Dunworthy trat einen Schritt auf ihn zu. »Und ich werde Mr. Basingame unterrichten, daß sein Stellvertreter sich weigerte, eine Absetzoperation abzubrechen, daß er absichtlich eine Historikerin gefährdete, daß er den Zugang zu diesem Laboratorium verweigerte, und daß der zeitliche Aufenthalt der Historikerin infolgedessen nicht bestimmt werden konnte.« Er fuchtelte zur Konsole hinüber. »Wissen Sie, was diese Fixierung sagt? Diese Fixierung, die Sie meinen Techniker zehn Tage lang nicht lesen lassen wollten? Wissen Sie, was diese Fixierung besagt? Daß Kivrin nicht im Jahr 1320 ist, sondern im Jahr 1348, mitten im Schwarzen Tod.« Wieder gestikulierte er zum Bildschirm. »Und sie ist seit zwei Wochen dort. Wegen Ihrer Dummheit. Wegen…«, er brach ab.

»Sie haben kein Recht, so zu mir zu sprechen«, sagte Gilchrist. »Und kein Recht, in diesem Laboratorium zu sein. Ich verlange, daß Sie es augenblicklich verlassen.«

Dunworthy antwortete nicht. Er trat einen Schritt auf die Konsole zu.

»Rufen Sie den Proktor«, sagte Gilchrist zum Pförtner. »Ich wünsche, daß die beiden hinausgeworfen werden.«

Der Bildschirm war nicht nur leer, sondern auch dunkel, und das gleiche galt für die Funktionsleuchten auf der Konsole. Die Stromzufuhr war ausgeschaltet. »Sie haben den Strom abgeschaltet«, sagte Dunworthy und seine Stimme klang so alt wie Badris sich angehört hatte. »Sie haben das Netz stillgelegt.«

»Jawohl«, sagte Gilchrist, »und es war auch gut so, da Sie glauben, Sie hätten das Recht, ohne Genehmigung hier einzudringen.«

Er streckte eine Hand zum leeren Bildschirm aus und wankte ein wenig. »Sie haben das Netz stillgelegt«, wiederholte er.

»Fehlt Ihnen was, Mr. Dunworthy?« fragte Colin. Er trat einen Schritt näher.

»Ich dachte mir, daß Sie imstande sein würden, einzubrechen und das Netz zu öffnen«, sagte Gilchrist, »da die Autorität des Fachbereiches für Sie keine Bedeutung zu haben scheint. Ich unterbrach die Stromzufuhr, um derartige Versuche zu verhüten, und wie man sieht, tat ich das Richtige. Im übrigen kann es sich nur um ein unverantwortliches Versagen Ihres Technikers handeln, wenn beim Absetzen eine Verschiebung von achtundzwanzig Jahren eingetreten ist.«

Dunworthy kannte die Redensart, jemand sei von einer schlechten Nachricht »erschlagen« worden. Badris Geständnis, er habe Kivrin ins Jahr 1348 geschickt, war ihm in seiner vollen Bedeutung erst nach und nach klar geworden, aber diese Nachricht schien ihn mit einer körperlichen Gewalt zu treffen, ihm den Atem herauszupressen, daß er nicht Luft holen konnte. »Sie haben das Netz stillgelegt«, sagte er. »Sie haben die Fixierung verloren.«

»Die Fixierung verloren?« sagte Gilchrist. »Unsinn! Ihr Techniker wird doch wohl die Koordinaten gespeichert haben, wenn er sie schon falsch berechnete, nicht wahr? Wenn der Strom wieder eingeschaltet wird…«

»Bedeutet das, daß wir nicht wissen, wo Kivrin ist?« fragte Colin.

»Ja«, sagte Dunworthy und dachte, als er fiel, ich werde wie Badri über die Konsole fallen, aber er tat es nicht. Er fiel beinahe sanft, wie jemand, der in sich zusammensinkt, und glitt mit einknickenden Knien, einer Liebenden gleich, in Gilchrists ausgestreckte Arme.

»Ich wußte es«, hörte er Colin sagen. »Das ist nur gekommen, weil Sie Ihre T-Zellen-Verstärkung nicht bekommen haben. Großtante Mary wird mich umbringen.«

26

»Das ist unmöglich«, sagte Kivrin. »Es kann nicht 1348 sein.« Aber es paßte alles zusammen. Daß Imeynes Kaplan gestorben war, daß sie keine Diener hatten, daß Eliwys nicht nach Oxford hatte schicken wollen, um zu erfahren, wer Kivrin war. Frau Yvolde hatte erwähnt, daß es dort viel Krankheit gebe, und der Schwarze Tod hatte Oxford um Weihnachten 1348 erreicht. »Was ist geschehen?« fragte sie, und ihre Stimme stieg zu einem unkontrollierten Winseln an. »Was ist geschehen? Ich sollte nach 1320! Mr. Dunworthy sagte, ich solle es bleiben lassen, die Mediävisten wüßten nicht, was sie täten, aber sie konnten mich nicht in das falsche Jahr geschickt haben!« Sie brach ab. »Ihr dürft hier nicht bleiben! Es ist der Schwarze Tod!«

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