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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Gib mir ein Blatt Papier«, sagte er und fummelte unter dem Mantel nach seinem Schreibstift.

»Ein Blatt Papier?« sagte Colin. »Wozu?«

Dunworthy nahm dem EG-Protestler das Flugblatt aus der Hand und begann die Rückseite zu beschreiben. »Mr. Basingame genehmigt das Offnen des Netzes«, sagte er.

Colin las mit schiefgelegtem Kopf von der Seite mit. »Das wird er nie glauben, Mr. Dunworthy. Auf der Rückseite eines Flugblattes?«

»Dann bring mir ein Blatt Papier!« rief er zornig.

Colins Augen weiteten sich. »Ja, gut. Warten Sie hier, ja?« Er sagte es beschwichtigend. »Gehen Sie nicht fort.«

Er lief wieder hinein und kam gleich darauf mit mehreren Blättern Schreibmaschinenpapier zurück. Dunworthy nahm sie ihm aus der Hand und schrieb die Anweisung und setzte nach dem Gedächtnis Basingames Namen darunter. »Geh und hol dein Buch. Wir treffen uns im Brasenose College.«

»Wollen Sie Ihren Mantel nicht anziehen?«

»Dafür ist jetzt keine Zeit«, sagte er. Er faltete das Blatt zweimal kreuzweise und steckte es in die Brusttasche seines Jacketts.

»Es regnet. Sollten Sie nicht ein Taxi nehmen?«

»Es gibt keine Taxis.« Er machte sich auf den Weg.

»Tante Mary wird mich umbringen, wissen Sie«, rief Colin ihm nach. »Sie sagte, es sei meine Verantwortung, dafür zu sorgen, daß Sie Ihre Impfung bekommen.«

Er hätte doch ein Taxi nehmen sollen. Bis er Brasenose erreichte, goß es in Strömen, ein kalter, schräg niederprasselnder Regen, der innerhalb einer Stunde in Graupeln übergehen würde. Dunworthy war durchgefroren und naß bis auf die Haut.

Wenigstens hatte der Regen die Demonstranten vertrieben. Vor dem Tor lagen nur noch ein paar nasse Flugblätter, die sie zurückgelassen hatten. Die Toreinfahrt war mit einem Scherengitter verschlossen. Der Pförtner hatte sich in seine Loge zurückgezogen und den Rolladen heruntergelassen.

»Aufmachen!« rief Dunworthy. Er rüttelte kräftig am Scherengitter. »Machen Sie sofort auf!«

Der Portier zog den Rolladen hoch und schaute heraus. Als er Dunworthy erkannte, zeigte er sich alarmiert, dann kriegerisch. »Brasenose steht unter Quarantäne«, sagte er. »Das College ist geschlossen.«

»Öffnen Sie sofort das Tor!« sagte Dunworthy.

»Ich fürchte, das kann ich nicht tun, Sir«, sagte er. »Mr. Gilchrist hat Anweisung gegeben, daß niemand eingelassen werden darf, bis der Ursprung des Virus festgestellt ist.«

»Wir kennen den Ursprung«, sagte Dunworthy. »Öffnen Sie das Tor!«

Der Pförtner ließ den Rolladen herunter, und nach einer Minute kam er aus der Loge und herüber zum Tor. »Waren es die Weihnachtsdekorationen?« fragte er. »Es hieß, der Christbaumschmuck sei infiziert gewesen.«

»Nein«, sagte Dunworthy. »Öffnen Sie endlich das Tor und lassen Sie mich ein!«

»Ich weiß nicht, ob ich das tun sollte, Sir«, sagte der Pförtner unbehaglich. »Mr. Gilchrist…«

»Mr. Gilchrist ist nicht mehr mit der Leitung beauftragt.« Er zog das gefaltete Papier aus dem Jackett und steckte es durch das Scherengitter.

Der Pförtner entfaltete und las es.

»Mr. Gilchrist ist nicht länger amtierender Dekan«, sagte Dunworthy. »Mr. Basingame hat mich autorisiert, die Absetzoperation zu leiten. Öffnen Sie das Tor!«

»Mr. Basingame«, sagte der Pförtner, auf die bereits vom Regen verwischte Unterschrift starrend. »Warten Sie, ich hole die Schlüssel.«

Er verschwand mit dem Papier in der Pförtnerloge. Dunworthy stand mit eingezogenen Schultern an das Scherengitter gedrückt, um dem eiskalten Regen zu entgehen, und fröstelte.

Er hatte sich gesorgt, daß Kivrin auf dem kalten Boden würde schlafen müssen, und sie war inmitten eines Holocaust, wo die Menschen erfroren, weil niemand mehr die Kraft hatte, Holz zu hacken, und die Tiere in den Ställen und auf den Feldern starben, weil niemand am Leben war, sie zu füttern oder die Weidetore zu öffnen. Achtzigtausend Tote in Siena, dreihunderttausend in Rom, mehr als hunderttausend in Florenz. Die Hälfte von Europa.

Endlich kam der Pförtner mit einem großen Schlüsselring heraus und zum Tor. »Einen Augenblick, Sir«, sagte er, während er den richtigen Schlüssel heraussuchte.

Kivrin war sicherlich zum Absetzort zurückgekehrt, sobald sie bemerkt hatte, daß es das Jahr 1348 war. Dort würde sie die ganze Zeit ausgeharrt und gewartet haben, daß das Netz geöffnet wurde, in Angst und Sorge, daß sie nicht gekommen waren, sie zurückzuholen.

Wenn sie es bemerkt hatte. Wie konnte sie in einem entlegenen Dorf wissen, daß sie sich im Jahr 1348 befand? Badri hatte ihr gesagt, daß mit einer Verschiebung von mehreren Tagen zu rechnen sei. Sie würde das Datum mit den Adventsonntagen verglichen und gedacht haben, daß sie genau dort sei, wo sie sein sollte. Sie konnte überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen sein, nach dem Jahr zu fragen. Sie würde glauben, daß es 1320 sei, und unterdessen brach ringsumher die Seuche aus.

Das Schloß schnappte auf, und Dunworthy stieß das Scherengitter weit genug auf, um sich durchzuzwängen. »Bringen Sie die Schlüssel mit«, sagte er zum Pförtner. »Ich brauche sie zum Aufsperren des Laboratoriums.«

»Dieser Schlüssel ist nicht hier«, sagte der Pförtner und verschwand wieder in der Loge.

In der Tordurchfahrt war es eiskalt, und der Regen fegte schräg herein, noch kälter als vorher, wie es ihm schien. Dunworthy stand zitternd bei der Tür des Pförtnerhauses, versuchte etwas Wärme aus dem Inneren aufzufangen und rammte die geballten Fäuste in die Jackentaschen, um das Zittern zu unterdrücken.

Er hatte sich Sorgen wegen der Diebe und Halsabschneider gemacht, dabei war sie in einer Zeit, wo man die Toten auf den Straßen gestapelt, wo man in der Panik und allgemeinen Hysterie Juden und Fremde als Brunnenvergifter verdächtigt und auf Scheiterhaufen verbrannt hatte.

Er hatte sich gesorgt, daß Gilchrist keine Parameterüberprüfungen hatte vornehmen lassen, hatte Badri mit seiner Sorge angesteckt, und Badri, schon fiebernd, hatte neue und falsche Koordinaten eingegeben.

Der Pförtner blieb ungewöhnlich lang aus, und Dunworthy begann zu argwöhnen, daß er Gilchrist warnte.

Er wollte zur Tür hinein, doch im gleichen Augenblick kam der Pförtner mit einem Schirm heraus und klagte über die Kälte. Er bot Dunworthy die Hälfte des Schirms.

»Ich bin schon durchnäßt«, sagte Dunworthy und schritt vor ihm her über den Hof.

Die Tür zum Laboratorium war mit einem gelben Plastikstreifen versiegelt. Dunworthy riß ihn ab, während der Pförtner seine Taschen nach dem Schlüssel für die Alarmanlage durchsuchte und dabei den Schirm von einer Hand in die andere nahm.

Dunworthy blickte über die Schulter zu Gilchrists Räumen hinauf. Von dort konnte man das Laboratorium sehen, und im Wohnzimmer brannte Licht, aber Dunworthy konnte keine Bewegung ausmachen.

Der Pförtner fand den flachen Schlüssel, der die Alarmanlage ausschaltete. Er tat es und begann nach dem Türschlüssel zu suchen, den er kurz zuvor eingesteckt hatte. »Ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen ohne Mr. Gilchrists Genehmigung das Laboratorium aufsperren sollte«, sagte er.

»Mr. Dunworthy!« rief Colin über den Hof. Sie blickten beide auf. Colin kam durch den Regen gerannt, das in den Schal gewickelte Buch unter den Arm geklemmt. »Sie hat — Teile — von Oxfordshire — erst im März erreicht«, keuchte er. »Verzeihung. Ich bin — die ganze -Strecke gerannt.«

»Welche Teile?« fragte Dunworthy.

Colin reichte ihm das Buch und bückte sich, die Hände auf den Knien, um wieder zu Atem zu kommen. »Steht nicht — darin.«

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