Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Sodann nahm Borromée eine Lampe, die ewig auf einem Schranke brannte, hob eine Falltür auf und stieg selbst in den Keller hinab.
Sogleich klopfte Chicot auf eine eigentümliche Weise an den Verschlag. Sofort wurde Bonhomet aufmerksam, schaute in die Luft und horchte. Chicot klopfte zum zweiten Male und wie ein Mensch, der sich wundert, daß man einem ersten Rufe nicht gefolgt ist. Da eilte Bonhomet in den Winkel und sah Chicot aufrecht und mit drohendem Gesicht.
Bei diesem Anblick stieß der Wirt einen Schrei aus; er hielt Chicot für tot und dachte, er stehe einem Gespenst gegenüber.
»Was soll das heißen, Meister,« sagte Chicot, »seit wann laßt Ihr Leute wie mich zweimal rufen?«
»Oh! teurer Herr Chicot,« erwiderte Bonhomet, »seid Ihr es, oder ist es Euer Schatten?«
»Ob ich es bin, oder ob es mein Schatten ist, ich hoffe, daß Ihr mir, sobald Ihr mich erkennt, Punkt für Punkt gehorchen werdet.«
»Ah! gewiss, mein lieber Herr, befehlt nur.«
»Was Ihr auch in diesem Kabinett hören möget, und was auch vorgeht, Ihr werdet hoffentlich warten, bis ich Euch herbeirufe.«
»Dies wird mir um so leichter sein, Herr Chicot, als mir Euer Gefährte das gleiche befohlen hat.«
»Ja, aber er wird nicht rufen, versteht Ihr mich wohl, Herr Bonhomet, sondern ich werde rufen; und wenn er ruft, hört Ihr, so soll es sein, als ob er nicht riefe.«
»Abgemacht, Herr Chicot.«
»Gut; und nun entfernt alle Eure anderen Kunden unter irgendeinem Vorwand, und in zehn Minuten müssen wir frei und ebenso einsam sein, als ob wir gekommen wären, um am Karfreitag hier zu fasten.«
»In zehn Minuten, edler Herr Chicot, wird mit Ausnahme Eures ergebensten Dieners keine Katze mehr im ganzen Wirtshause sein.«
»Geht, Bonhomet, geht, Ihr habt Euch meine ganze Achtung erhalten,« sagte Chicot mit majestätischer Gebärde.
»Oh! mein Gott! mein Gott! was wird in meinem armen Hause vorfallen?« sagte Bonhomet, während er sich entfernte, und da er rückwärts ging, stieß er auf Borromée, der mit zwölf Flaschen aus dem Keller zurückkam.
»Du hast gehört,« sagte dieser, »in zehn Minuten keine Seele mehr im ganzen Wirtshaus.«
Bonhomet machte mit seinem sonst so hochmütigen Kopfe ein Zeichen des Gehorsams und begab sich in seine Küche. Borromée kehrte in seinen Winkel zurück und fand Chicot, der ihn, das Bein vorwärts gestreckt und ein Lächeln auf den Lippen, erwartete.
Wir wissen nicht, wie Bonhomet die Sache anfing, als aber die zehnte Minute abgelaufen war, trat der letzte Student über die Schwelle seines Hauses und sagte zum letzten Schreiber, dem er den Arm reichte: »Ho! ho! das Wetter steht heute auf Sturm bei Meister Bonhomet; machen wir uns aus dem Staub, oder es trifft uns der Hagel.«
Was in dem Winkel des Füllhorns vorfiel.
Als der Kapitän mit einem Korb von zwölf Flaschen in der Hand in den Winkel zurückkehrte, empfing ihn Chicot mit so offener und lächelnder Miene, daß Borromée versucht war, ihn für einen Einfaltspinsel zu halten.
Die Vorbereitungen dauerten nicht lange. Als erfahrene Trinker forderten die beiden Genossen einige eingesalzene Eßwaren in der lobenswerten Absicht, den Durst nicht erlöschen zu lassen. Bonhomet brachte ihnen die verlangten Speisen, wobei ihm jeder einen letzten mahnenden Blick zuwarf.
Bonhomet antwortete beiden, aber der aufmerksame Beobachter würde einen großen Unterschied zwischen dem an Borromée und dem an Chicot gerichteten Blicke gefunden haben. Dann ging der Wirt hinaus, und die zwei Gefährten fingen an zu trinken.
Anfangs leerten sie eine Anzahl volle Gläser, ohne ein Wort zu sprechen. Chicot besonders war herrlich; ohne etwas anderes gesagt zu haben, als: »Bei meiner Seele, das ist ein schöner Burgunder!« und: »Bei meiner Seele, das ist ein vortrefflicher Schinken!« hatte er zwei Flaschen geleert, das heißt eine Flasche auf jede Bemerkung. »Bei Gott!« murmelte Borromée beiseit, »es ist ein seltenes Glück, daß ich es mit einem solchen Trunkenbold zu tun habe.«
Bei der dritten Flasche schlug Chicot die Augen zum Himmel auf und sagte: »In der Tat, wir trinken auf eine Weise, daß wir uns betrinken werden.«
»Ja, die Wurst ist so gesalzen,« sagte Borromée.
»Ah! das ist Euch genehm; wohl, so fahren wir fort; ich habe einen starken Kopf.«
Und jeder von ihnen leerte abermals seine Flasche.
Der Wein brachte auf die beiden Gefährten eine ganz entgegengesetzte Wirkung hervor: er löste Chicots und band Borromées Zunge.
»Ah!« murmelte Chicot, »du schweigst, Freund; du zweifelst an dir.«
»Ah!« sagte Borromée leise zu sich selbst, »du schwatzest, du betrinkst dich also.«
»Wieviel Flaschen braucht Ihr, Gevatter?« fragte Borromée. – »Wozu?«
»Um heiter zu werden?« – »Vier; ich habe meine Rechnung.«
»Und um angestochen zu werden?« – »Sagen wir sechs.«
»Und um berauscht zu sein?« – »Nehmen wir das Doppelte.«
»Gaskogner,« dachte Borromée, »er stammelt und ist erst bei der vierten.«
»Dann haben wir Muße,« sagte Borromée und zog aus dem Korbe eine fünfte Flasche für sich und eine fünfte für Chicot.
Chicot bemerkte nun, daß von den fünf zu Borromées Rechten stehenden Flaschen die eine zur Hälfte, die anderen zu zwei Dritteln leer waren, keine aber ganz leer. Dies bestätigte ihn in dem Gedanken, daß der Kapitän Übles gegen ihn im Schilde führe. Er erhob sich, um die fünfte Flasche entgegenzunehmen, die ihm der Kapitän reichte, und schwankte auf den Beinen. »Gut,« sagte er, »habt Ihr es gefühlt?« – »Was?«
»Ein Erdstoß.« – »Bah!«
»Ja, bei allen Teufeln! zum Glück ist das Wirtshaus zum Füllhorn solid, obgleich es auf einem Zapfen ruht.« – »Wieso ruht es auf einem Zapfen?«
»Allerdings, da es sich dreht.«
»Es ist richtig,« sagte Borromée, sein Glas bis auf den letzten Tropfen leerend; »ich fühlte wohl die Wirkung, erriet aber die Ursache nicht. Nun Wohl, mein lieber Mitbruder,« fuhr Borromée fort, »denn nicht wahr, Ihr seid Kapitän wie ich?«
»Kapitän von der Fußsohle bis zu den Haarspitzen.«
»Ei! mein lieber Kapitän, so sagt mir doch, was war eigentlich die Ursache Eurer Verkleidung?«
»Welcher Verkleidung?« – »Der, die Ihr trugt, als Ihr zu Dom Modeste kamt.«
»Wie war ich denn verkleidet?« – »Als Bürger.«
»Ah! es ist wahr.« – »Sagt mir das.«
»Gern; doch nicht wahr, Ihr werdet mir dann Eurerseits sagen, warum Ihr als Mönch verkleidet waret; Vertrauen für Vertrauen.« – »Topp.«
»Schlagt ein,« sagte Chicot und reichte dem Kapitän die Hand.
Dieser schlug senkrecht in Chicots Hand.
»Nun ist es an mir,«, sagte dieser.
Und er schlug neben Borromées Hand. »Ihr wollt also wissen, warum ich als Bürger verkleidet war?« fragte, Chicot mit einer Zunge, die immer schwerer wurde. – »Ja, da bin ich neugierig.«
»Und Ihr werdet mir Eurerseits alles sagen?« – »Bei meinem Ehrenwort, so wahr ich Kapitän bin.«
»Mit zwei Worten seid Ihr auf dem laufenden.«
»Ich höre.« – »Ich spionierte für den König.«
»Wie, Ihr spioniertet?« – »Ja.«
»Ihr spioniert also gewerbsmäßig.« – »Nein, als Liebhaber.«
»Was habt Ihr bei Dom Modeste bespäht?« – »Alles. Ich bespähte zuerst Dom Modeste, sodann Bruder Borromée, ferner den kleinen Jacques und endlich das ganze Kloster.«
»Und was habt Ihr entdeckt, mein würdiger Freund?« – »Zuerst habe ich entdeckt, daß Dom Modeste ein großer Dummkopf ist.«
»Dazu braucht man nicht sehr geschickt zu sein.« – »Verzeiht, verzeiht, Seine Majestät Heinrich III., der kein Einfaltspinsel ist, betrachtet ihn als ein Licht der Kirche und gedenkt einen Bischof aus ihm zu machen.«