Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Chicot nahm, immer auf der andern Seite des Tisches, einen Stuhl, setzte sich ganz ruhig und sagte, die Achseln zuckend: »Mein Gott! wie albern doch die Soldaten sind! Sie behaupten, sie verstehen den Degen zu handhaben, und der geringste Bürger könnte sie wie Mücken töten. Gut, gut! nun will er mir ein Auge ausstoßen. Ah! du steigst auf den Tisch; das fehlte nur noch. Doch nimm dich in acht, du erzdummer Esel, die Stöße von unten nach oben sind furchtbar, und wenn ich wollte, würde ich dich spießen wie eine Lerche.«
Und er stieß ihn in den Bauch, wie er ihn auf die Stirn gestoßen hatte.
Borromé wurde rot vor Wut und sprang vom Tische herab.
»So ist es gut,« sagte Chicot, »wir sind nun auf gleicher Höhe und können plaudern, während wir fechten. Ah! Kapitän, Kapitän, wir morden also hin und wieder, zwischen zwei Komplotten?«
»Ich tue für meine Sache, was Ihr für die Eurige tut,« erwiderte Borromée, zu ernsten Gedanken zurückgeführt und unwillkürlich erschrocken über das düstere Feuer, das aus Chicots Augen sprang.
»Das heiße ich sprechen,« versetzte Chicot, »und dennoch, Freund, sehe ich mit Vergnügen, daß ich's besser verstehe als Ihr.«
Borromée hatte einen Stoß nach Chicot geführt, der dessen Brust gestreift.
»Nicht schlecht, doch ich kenne den Stoß; es ist der, den Ihr dem kleinen Jacques gezeigt habt. Ich sagte also, ich tauge mehr als Ihr, Freund, denn ich habe den Streit nicht angefangen, so große Lust ich auch dazu hatte; mehr noch, ich ließ Euch Euer Vorhaben ausführen, indem ich Euch jeden Raum dazu gönnte, und selbst in diesem Augenblick pariere ich nur; dies geschieht, weil ich Euch einen Vorschlag zu machen habe.«
»Nichts!« rief Borromée, außer sich über Chicots Ruhe, »nichts!«
Und er führte einen Stoß der den Gaskogner durchbohrt haben müßte, hätte dieser nicht mit seinen langen Beinen einen Schritt gemacht, der ihn aus dem Bereich seines Gegners brachte.
»Ich will dir trotzdem diesen Vorschlag nennen, damit ich mir nichts vorzuwerfen habe.«
»Schweige,« rief Borromée, »unnötig, schweige.«
»Höre,« erwiderte Chioct, »es geschieht zur Beruhigung meines Gewissens; begreifst du? Ich habe keinen Durst nach deinem Blut und will dich nur in der höchsten Not töten.«
»Aber töte mich doch, töte, wenn du kannst,« schrie Borromée wütend.
»Nein, ich habe schon einmal in meinem Leben einen Eisenfresser, wie du bist, getötet, einen Eisenfresser, der sogar stärker war als du. Bei Gott! Du kennst ihn wohl, er gehörte auch zum Hause Guise und war ein Advokat.«
»Ah! Nicolas David,« murmelte Borromée, indem er sich erschrocken in Verteidigungsstand setzte. – »Ganz richtig.«
»Ah! du hast ihn getötet?« – »Oh! mein Gott, ja, mit einem hübschen kleinen Stoß, den ich dir zeigen werde, wenn du meinen Vorschlag nicht annimmst.«
»Nun, worin besteht dein Vorschlag? Laß hören.« – »Du gehst vom Dienst des Herzogs von Guise in den des Königs über, jedoch ohne den des Herzogs von Guise zu verlassen.« »Das heißt, ich soll Spion werden wie du?« – »Nein, es wird ein Unterschied stattfinden; mich bezahlt man nicht, aber dich wird man bezahlen; du fängst damit an, daß du mir den Brief des Herrn Herzog von Guise an die Herzogin von Montpensier zeigst; du läßt mich eine Abschrift nehmen, und ich lasse dich in Ruhe bis zu einer neuen Gelegenheit. Nun! bin ich nicht artig?« – »Halt, hier hast du meine Antwort.«
Borromées Antwort war ein Stoß über den Arm seines Gegners, den er so rasch ausführte, daß die Spitze des Degens Chicots Schulter streifte.
»Ah! ah!« sagte Chicot, »ich sehe wohl, daß ich dir durchaus den Stoß von Nicolas David zeigen muß; es ist ein einfacher, schöner Stoß.«
Nun machte Chicot, der sich bis jetzt nur verteidigend gehalten hatte, einen Schritt vorwärts und griff ebenfalls an.
»Sieh den Stoß,« sagte Chicot, »ich mache eine Finte in Tiefquart.«
Und er machte seine Finte; Borromée parierte zurückweichend, doch nachdem er einen ersten Schritt rückwärts getan hatte, mußte er stehenbleiben, denn der Verschlag fand sich hinter ihm.
»Gut! so ist es, du parierst den Zirkelstoß, und darin hast du unrecht, denn mein Faustgelenk ist besser als deines; ich binde also den Degen, ich komme in einer Hochterz zurück, ich falle weit aus, und du bist getroffen, oder vielmehr du bist tot.«
Der Stoß war in der Tat blitzartig auf die Auseinandersetzung gefolgt, und der feine Degen war, in Borromées Brust eindringend, wie eine Nadel zwischen zwei Rippen durchgeschlüpft und hatte sich tief und mit einem matten Ton in den tannenen Verschlag eingearbeitet.
Borromée streckte die Arme aus und ließ seinen Degen fallen, seine Augen erweiterten sich blutig, sein Mund öffnete sich, ein roter Schaum erschien auf seinen Lippen, sein Kopf neigte sich auf seine Schulter mit einem Seufzer, der einem Röcheln glich; dann hörten seine Beine auf, ihn zu unterstützen, und zusammensinkend erweiterte sein Körper den Einschnitt des Degens, vermochte ihn aber nicht vom Verschlag loszumachen, an dem er von Chicots höllischem Faustgelenk festgehalten wurde, so daß der Unglückliche, einem riesigen Nachtfalter ähnlich, an die Wand angenagelt blieb, an die seine Füße in geräuschvollen Stößen anschlugen.
Kalt und unempfindlich, wie er es unter solchen Umständen war, besonders wenn er in seinem Herzen die Überzeugung hegte, er habe alles getan, was ihm sein Gewissen zu tun vorgeschrieben, ließ Chicot den Degen los, der horizontal steckenblieb, öffnete den Gürtel des Kapitäns, durchsuchte sein Wams, nahm den Brief und las die Aufschrift: »Herzogin von Montpensier.«
Das Blut floß indessen in schäumenden Fäden aus der Wunde, und der Schmerz des Todeskampfes prägte sich in den Zügen des Verwundeten aus.
»Ich sterbe, ich verscheide,« murmelte er; »mein Gott und Herr, erbarme dich meiner!«
Diese letzte Anrufung der göttlichen Barmherzigkeit von einem Menschen, der hieran ohne Zweifel nur im letzten Augenblick gedacht hatte, rührte Chicot.
»Wir wollen mildherzig sein,« sagte er, »und da dieser Mensch sterben muß, so sterbe er wenigstens so sanft wie möglich.«
Und er näherte sich dem Verschlag, zog seinen Degen mit Anstrengung aus der Wand, unterstützte den Körper und verhinderte dadurch, daß er schwer auf die Erde fiel.
Doch diese letztere Vorsicht war unnötig, der Tod war rasch und eisig herbeigeeilt; er hatte schon die Glieder des Besiegten gelähmt, seine Beine bogen sich, er schlüpfte in Chicots Arme und rollte schwerfällig auf den Boden.
Diese Erschütterung ließ aus der Wunde eine Welle schwarzen Blutes hervorspringen, mit der vollends der Rest des Lebens aus Borromée entfloh.
Chicot öffnete die Verbindungstür und rief Bonhomet.
Er brauchte nicht zweimal zu rufen; der Schenkwirt hatte an der Tür gehorcht und wußte nur nicht, welcher von den beiden Gegnern unterlegen war.
Zum Lobe Meister Bonhomets müssen wir sagen, sein Gesicht nahm einen Ausdruck wahrer Freude an, als er Chicots Stimme hörte und sah, daß es der Gaskogner war, der unversehrt die Tür öffnete. Chicot, dem nichts entging, bemerkte diesen Ausdruck und wußte ihm in seinem Innern Dank dafür.
Bonhomet trat zitternd in das kleine Kabinett ein.
»Ah! guter Jesus!« rief er, als er den Leib des Kapitäns in seinem Blute gebadet sah. Chicot beruhigte den entsetzten Wirt und ließ sich von ihm seine Wunde mit Öl reiben, während 'er selbst den Brief des Herzogs von Lothringen abschrieb.