Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Dieser Brief lautete:
»Liebe Schwester, die Expedition nach Antwerpen ist sonst gelungen, für uns aber gescheitert; man wird Euch sagen, der Herzog von Anjou sei tot, glaubt es nicht, er lebt. Er lebt. Versteht Ihr? das ist die ganze Frage. Es liegt eine ganze Dynastie in diesen zwei Worten; diese zwei Worte trennen das Haus Lothringen von Frankreichs Thron mehr, als es der tiefste Abgrund tun würde.
Beunruhigt Euch Indessen nicht zu sehr hierüber. Ich habe entdeckt, daß zwei Personen, die ich gestorben glaubte, noch vorhanden sind, und es liegt für den Prinzen in dem Leben dieser beiden Personen eine starke Aussicht auf den Tod. Denkt also nur an Paris; in sechs Wochen wird es Zeit sein, daß die Lige handelt; die Ligisten müssen also erfahren, daß der Augenblick naht, und sich bereithalten.
Die Armee ist auf den Beinen; wir zählen zwölftausend sichere und wohlausgestattete Leute; ich werde mit dieser Armee nach Frankreich ziehen unter dem Vorwand, die deutschen Hugenotten zu bekämpfen, die Heinrich von Navarra Unterstützung bringen; ich werde die Hugenotten schlagen und, unter der Maske eines Freundes in Frankreich einziehend, als Herr und Gebieter handeln.
»N.S. Ich billige vollkommen Euren Plan in Beziehung auf die Fünfundvierzig; nur erlaubt mir, Euch zu sagen, teure Schwester, daß Ihr diesen Burschen mehr Ehre erweist, als sie verdienen.
»Euer wohlgewogener
H. von Lothringen.«
»Nun,« sagte Chicot, »das ist alles klar, mit Ausnahme der Nachschrift. Gut, die Nachschrift werden wir im Auge behalten.«
»Lieber Herr Chicot,« wagte Bonhomet zu fragen, als er sah, daß Chicot aufgehört hatte zu schreiben, »lieber Herr Chicot, Ihr habt mir noch nicht gesagt, was ich mit dem Leichnam tun soll.« – »Das ist ganz einfach.«
»Ja, für Euch, der Ihr voll Einbildungskraft seid, aber nicht für mich.« – »Nun, stelle dir zum Beispiel vor, dieser unglückliche Kapitän sei auf der Straße mit Schweizern in Streit geraten, und man habe ihn verwundet hierher gebracht, hättest du dich geweigert, ihn aufzunehmen?«
»Gewiß nicht, wenn Ihr es mir nicht etwa verboten hättet, lieber Herr Chicot.« – »Nimm an, in diesen Winkel niedergelegt, sei er trotz der Sorge, die du auf ihn verwendet, in deinen Händen vom Leben zum Tode übergegangen. Das wäre ein Unglück, nicht wahr?«
»Gewiß ...« – »Und statt dir Vorwürfe zuzuziehen, würdest du Lobeserhebungen für deine Menschenfreundlichkeit verdienen. Denke, sterbend hat dieser arme Kapitän den dir wohlbekannten Namen des Priors der Jakobiner von Saint-Antoine ausgesprochen.«
»Den Namen Dom Modeste Gorenflots?« rief Bonhomet voll Erstaunen. – »Ja, Dom Modeste Gorenflots. Nun wohl, du wirst Dom Modeste benachrichtigen; Dom Modeste wird herbeieilen, und da man in einer von den Taschen des Toten seine Börse wiederfindet, du begreifst, es ist wichtig, daß man diese Börse findet, ich sage dir das nur zur Nachachtung, und da man in einer von den Taschen des Toten seine Börse und in der andern diesen Brief findet, so faßt man keinen Verdacht.«
»Ich verstehe, lieber Herr Chicot,« – »Mehr noch, du erhältst eine Belohnung, statt bestraft zu werden.«
»Ihr seid ein großer Mann, lieber Herr Chicot; ich laufe in die Priorei von Saint-Antoine.« – »Warte doch, zum Teufel! Ich habe gesagt, die Börse und den Brief.«
»Ah! ja, und den Brief, Ihr habt ihn?« – »Ganz richtig.«
»Ich soll nicht sagen, daß er gelesen und abgeschrieben worden ist?« – »Bei Gott, gerade dafür, daß dieser Brief unberührt geblieben, wirst du eine Belohnung erhalten.«
»Es ist also ein Geheimnis in diesem Brief?« – »In diesen Zeitläuften finden sich in allem Geheimnisse, mein lieber Bonhomet.«
Nach dieser weisen Antwort befestigte Chicot äußerst geschickt die Seide wieder unter dem Siegelwachs, dann verband er das Wachs so künstlich, daß das geübteste Auge nicht den geringsten Sprung, hätte sehen können.
Sobald dies geschehen war, steckte er den Brief in die Tasche des Toten, ließ sich auf seine Wunde mit Öl und Weinhefe getränkte Leinwand auflegen, zog den schützenden Panzer über seine Haut, das Hemd über seinen Panzer, sein Wams über sein Hemd, hob seinen Degen auf, trocknete ihn ab, stieß ihn wieder in die Scheide und entfernte sich.
Doch er kehrte noch einmal um und sagte: »Wenn dir aber die Fabel, die ich erfunden habe, nicht gut vorkommt, so kannst du den Kapitän anklagen, er habe sich selbst den Degen durch den Leib gerannt.«
»Ein Selbstmord?« – »Bei Gott, du begreifst, das gefährdet niemand.«
»Doch man wird den Unglücklichen nicht in geweihter Erde begraben.« – »Puh!« versetzte Chicot, »macht man ihm damit ein großes Vergnügen?« »Ich glaube wohl.« – »So tue, was du willst, mein lieber Bonhomet, Gott befohlen.«
Dann sagte er, zum zweiten Male zurückkehrend: »Ah! ich will bezahlen, da er tot ist.«
Chicot warf hierauf drei Goldtaler auf den Tisch, legte zum Zeichen des Stillschweigens seinen Finger auf seine Lippen und ging hinaus.
Der Gatte und der Liebhaber.
Nicht ohne mächtige Gemütsbewegung sah Chicot wieder die ruhige und öde Rue des Augustins, die Ecke, welche die Häuser, die vor dem seinigen standen, bildeten, und endlich sein Haus selbst mit seinem dreieckigen Dach, seinem wurmstichigen Balkon und den mit Drachenköpfen verzierten Dachrinnen.
Er hatte so sehr gefürchtet, nur eine Lücke an Stelle dieses Hauses zu finden, daß ihm das Haus als Wunder der Reinlichkeit, der Freundlichkeit und des Glanzes erschien.
Auch seinen Goldtalerschatz fand er unversehrt in dem Stützbalken, in dem er ihn, wie wir wissen, versteckt hatte.
»Alle Wetter,« murmelte Chicot, als er, seinen Schatz vor seinen Augen, mitten im Zimmer kauerte, »alle Wetter, ich habe da einen vortrefflichen Nachbar, einen würdigen Mann, der mein Geld in Achtung erhalten und selbst geachtet hat; das ist wahrhaftig eine unschätzbare Handlung in diesen Zeitläuften. Bei Gott! ich bin diesem artigen Mann einen Dank schuldig, und er soll ihn noch diesen Abend haben.«
Hierauf setzte Chicot das zudeckende Brettchen wieder auf den Balken, trat an das Fenster und schaute nach dem Hause gegenüber. Es hatte immer noch die graue, düstere Farbe, welche die Einbildungskraft unwillkürlich den Gebäuden leiht, deren Charakter sie kennt.
»Es muß ihre Stunde zum Schlafengehen noch nicht gekommen sein.« sagte Chicot, »und überdies sind diese Leute, dessen bin ich sicher, keine argen Schläfer; wir wollen also sehen.«
Er stieg hinab und klopfte, nachdem er seiner lachenden Miene allen Liebreiz zu geben bemüht gewesen, an die Tür des Nachbars.
Er hörte auf der Treppe gehen, und zwar mit behendem Schritte, und wartete dennoch ziemlich lange, ehe er zum zweiten Male klopfte.
Bei dieser neuen Aufforderung öffnete sich die Tür, und ein Mann erschien im Schatten.
»Meinen Dank und guten Abend,« sagte Chicot, indem er die Hand ausstreckte; »ich bin nun zurückgekehrt und komme, um Euch meine Erkenntlichkeit auszudrücken, lieber Nachbar.«
»Was beliebt?« machte eine Stimme, deren Ton Chicot sehr in Erstaunen setzte.
Zugleich tat der Mann, der die Tür geöffnet hatte, einen Schritt rückwärts.
»Ah! ich täusche mich,« sagte Chicot, »Ihr wart nicht mein Nachbar, als ich abreiste, und, Gott vergebe mir, dennoch kenne ich Euch.«
»Und ich kenne Euch auch,« erwiderte der junge Mann.
»Ihr seid der Herr Vicomte Ernauton von Carmainges.«
»Und Ihr, Ihr seid der Schatten.«
»In der Tat,« rief Chicot, »ich falle aus den Wolken.« »Was wünscht Ihr, mein Herr?« fragte der junge Mann etwas ärgerlich.
»Verzeiht, ich störe Euch wohl, mein lieber Herr.« – »Nein, doch Ihr werdet mir wohl erlauben, Euch zu fragen, was zu Euren Diensten steht?«