Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Der König erhob sich lächelnd aus seiner Träumerei, nahm den Grafen bei der Hand und sagte: »Ich werde tun, was du von mir verlangst, mein Sohn, du willst Gott gehören, und du hast recht, er ist ein besserer Herr als ich. Du sollst nach deinen Wünschen ordiniert werden, lieber Graf, ich verspreche es dir.« – »Eure Majestät erfüllt mich mit Freude!« rief der junge Mann und küßte Heinrich die Hand mit einem Entzücken, als ob er zum Herzog, zum Pair oder zum Marschall von Frankreich ernannt worden wäre. »Es ist also abgemacht.«
»Bei meinem Königswort, bei meiner adligen Ehre.«
Du Bouchages Antlitz verklärte sich; etwas wie ein Lächeln der Verzückung zog über seine Lippen hin; er verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor dem König und verschwand.
»Das ist ein glücklicher, ein sehr glücklicher junger Mann!« rief Heinrich.
»Gut!« versetzte Chicot, »mir scheint, du hast ihn um nichts zu beneiden, er ist nicht kläglicher als du, Sire.«
»Aber, begreifst du denn, Chicot, er wird Mönch werden, er wird sich dem Himmel ergeben.«
»Ei! wer zum Teufel hindert dich denn, dasselbe zu tun? Er verlangt vergeblich Dispense von seinem Bruder, dem Kardinal; doch ich kenne einen Kardinal, der dir alle notwendigen Dispense gibt; dieser steht noch besser mit Rom als du; du kennst ihn nicht? Es ist der Kardinal von Guise.«
»Chicot!«
»Und wenn dich die Tonsur beunruhigt, nun, die schönste Schere der Rue de la Coutellerie, eine goldene Schere, meiner Treu, und die schönsten Hände der Welt werden dir dieses kostbare Symbol geben, das dann die Zahl der Kronen, die du getragen hast, auf drei bringen wird.«
»Schöne Hände, sagst du?« – »Nun! willst du etwa Übles von den Händen der Frau Herzogin von Montpensier sagen, nachdem du so von ihren Schultern gesprochen hast? Welch ein König bist du, und wie streng zeigst du dich in Beziehung auf deine Untertaninnen.«
Der König faltete die Stirn und fuhr über seine Schläfe mit einer Hand hin, die so weiß war, wie die, von denen man sprach, aber sicher mehr zitterte.
»Gut, gut,« sagte Chicot, »lassen wir dies, denn ich sehe, daß dich dieses Gespräch langweilt, und kehren wir zu den Dingen zurück, die mich persönlich interessieren.«
Chicot vollendete eben diese Worte, als der Huissier Nambu von der Türschwelle aus rief: »Ein Bote des Herrn Herzogs von Guise für Seine Majestät.«
»Ist es ein Kurier oder ein Edelmann?« fragte der König. – »Es ist ein Kapitän, Sire.«
»Laßt ihn eintreten, er sei willkommen.«
Zu gleicher Zeit trat ein Gendarmenkapitän in der Felduniform ein und machte die gewöhnliche Verbeugung.
Die zwei Gevattern.
Chicot hatte sich bei dieser Ankündigung wieder gesetzt; er wandte seiner Gewohnheit gemäß unverschämterweise den Rücken der Tür zu, und sein halb verschleierter Blick versenkte sich in eine innere Betrachtung, die bei ihm so häufig stattfand, als die ersten Worte, die der Bote der Herren von Guise sprach, ihn beben ließen.
Demzufolge öffnete er die Augen wieder. Zum Glück oder zum Unglück schenkte der König, nur mit dem Ankömmling beschäftigt, dieser bei Chicot stets vielsagenden Gebärde keine Aufmerksamkeit. Der Bote stand zehn Schritte von dem Lehnstuhle, in den Chicot sich duckte, und da das Profil kaum über den Stuhl hervorragte, so sah Chicots Auge den Boten gänzlich, während der Bote nur Chicots Auge sehen konnte.
»Ihr kommt von Lothringen?« fragte der König den Boten, dessen Wuchs ziemlich edel, und dessen Miene ziemlich kriegerisch war.
»Nein, Sire, von Soissons, wo mir der Herr Herzog, der diese Stadt seit einem Monat nicht verlassen hat, den Brief übergab, den ich zu den Füßen Eurer Majestät niederzulegen die Ehre habe.«
Chicots Auge funkelte und verlor keine Gebärde des Ankömmlings, wie seinen Ohren keines seiner Worte entging.
Der Bote öffnete seinen mit silbernen Spangen geschlossenen Koller und zog aus einer mit Seide gefütterten ledernen Tasche, die an seinem Herzen ruhte, nicht einen, sondern zwei Briefe hervor, denn der eine zog den andern nach, an den er sich durch das Wachs seines Siegels angehängt hatte; als daher der Kapitän nur einen ziehen wollte, fiel der zweite auf den Boden.
Chicots Auge folgte diesem Briefe im Flug, wie das Auge der Katze dem Vogel. Er sah auch, wie sich bei dem unerwarteten Fall dieses Briefes eine Röte auf den Wangen des Boten verbreitete, und wie er in Verlegenheit geriet, um den ersten dem König zu geben und den andern aufzuheben.
Doch Heinrich sah nichts. Heinrich, ein Muster des Vertrauens, merkte nichts. Er öffnete nur den Brief, den man ihm bot, und las ihn.
Als der Bote den König in das Lesen vertieft sah, vertiefte er sich in die Betrachtung des Königs, auf dessen Gesicht er den Wiederschein aller Gedanken, die der interessante Inhalt in seinem Geiste hervorrufen konnte, zu suchen schien.
»Ah! Meister Borromée! Meister Borromée!« murmelte Chicot, während er mit den Augen jeder Bewegung des Getreuen des Herrn von Guise folgte. »Ah! du bist Kapitän und gibst dem König nur einen Brief, während du zwei in deiner Tasche hast; warte, mein Kind, warte.«
»Es ist gut! es ist gut!« sagte der König, indem er jede Zeile des Briefes des Herrn von Guise mit sichtbarer Zufriedenheit zum zweiten Male las, »geht, Kapitän, geht und sagt dem Herzog, ich sei ihm dankbar für sein Anerbieten.«
»Eure Majestät beehrt mich nicht mit einer geschriebenen Antwort?« fragte der Bote.
»Nein, ich werde ihn in einem Monat oder in sechs Wochen sehen und ihm folglich selbst danken, geht.«
Der Kapitän verbeugte sich und verließ das Gemach.
»Nu siehst wohl, Chicot,« sagte nun der König zu seinem Gefährten, den er immer noch in seinem Lehnstuhle glaubte, »du siehst wohl, Herr von Guise ist rein von jeder Machenschaft. Dieser brave Herzog, er hat die Sache von Navarra erfahren; er befürchtet, die Hugenotten könnten keck werden und das Haupt erheben, denn es ist ihm zu Ohren gekommen, die Deutschen wollten schon dem König von Navarra Verstärkung schicken. Was tut er nun? Errate, was er tut!«
Chicot antwortete nicht; Heinrich glaubte, er erwarte seine Erklärung, und fuhr fort: »Er bietet mir die Armee an, die er in Lothringen angeworben hat, und meldet mir, in sechs Wochen werde diese Armee mit ihrem General ganz und gar zu meiner Verfügung stehen. Was sagst du dazu, Chirot?«
Völliges Stillschweigen von selten des Gaskogners.
»In der Tat, mein lieber Chicot,« sagte der König, »du hast das Alberne, daß du halsstarrig bist wie ein spanisches Maultier, und daß du, wenn man das Unglück hat, dich von einem Irrtum zu überzeugen, was häufig vorkommt, schmollst, ah! ja, du schmollst wie ein Dummkopf.«
Nicht ein Hauch widersprach Heinrich in seiner Meinung, die er so offenherzig über seinen Freund geäußert hatte. Es gab etwas, was Heinrich noch mehr mißfiel als der Widerspruch, dies war das Schweigen.
»Ich glaube, dieser Bursche hat die Frechheit gehabt, einzuschlafen,« sagte er. »Chicot,« fuhr er fort, indem er auf den Lehnstuhl zuschritt, »dein König spricht mit dir, willst du antworten?«
Doch Chicot konnte nicht antworten, denn er war gar nicht da. Heinrich fand den Stuhl leer. Seine Augen durchliefen das ganze Zimmer; der Gaskogner war ebensowenig im Zimmer wie im Stuhl.
Der König wurde von einem abergläubischen Schauer ergriffen; es kam ihm zuweilen der Gedanke, Chicot sei ein übermenschliches Wesen, eine teuflische Verkörperung, allerdings guter Art, aber dennoch teuflisch.
Er rief Nambu. Dieser versicherte Seiner Majestät auf das bestimmteste, er habe Chicot fünf Minuten vor der Entfernung des Gesandten hinausgehen sehen. Nur sei er mit der Vorsicht eines Menschen hinausgegangen, der nicht wolle, daß man ihn weggehen sehe.