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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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»Einen guten Tag, Senor Troca!« fügte er hinzu und drückte seinem Pferd dann die Hacken in die Flanken.

Marcelo Troca stand da, die Hand auf dem Hals des Esels, und schaute verwirrt dem schwarzen Pferd nach, bis der Reiter nicht mehr zu sehen war.

vergleichen, aber das Land und das Haus waren genau das, was Jona sich immer gewünscht hatte.

6. KAPITEL

DIE SCHEUNE

Der Ort und er paßten gut zusammen. Das rechteckige Stück Land, eigentlich nur ein langer, flacher Hügel mit einem schmalen Bächlein mittendurch, war kein Garten Eden, und die hacienda war nicht mit einer Burg zu

In diesem Jahr kam der Frühling zeitig nach Saragossa. Die Obst- und Olivenbäume, die er mit Adriana gestutzt und gedüngt hatte, trieben bereits üppig aus, als er nach Hause zurückkehrte. Adriana begrüßte ihn mit Tränen und Lachen, als wäre er von den Toten auferstanden.

Ehrfürchtig betrachtete sie die Silberkelche, die sein Vater angefertigt hatte. Der schwarze Beschlag erwies sich als hartnäckig und tückisch, aber Jona kehrte zusammen, was sich den Winter über auf dem Boden des Hühnerstalls angesammelt hatte, und tauchte jeden Becher in ein Säurebad aus nassem Hühnerkot. Dann rieb und rubbelte er mit dieser schrecklichen Mischung und einem weichen Tuch, und nach kräftigem Bürsten mit Seifenlauge und eifrigem Polieren mit trockenen Tüchern erstrahlten die Gefäße wie Graf Vascas Rüstung. Adriana stellte die Kelche auf ein Tischchen neben dem Kamin, so daß die Flammen sich darin funkelnd spiegelten, und drehte die Kratzer und Dellen der beiden beschädigten Becher zur Wand.

Im Olivenhain unterhalb der Hügelkuppe waren die Bäume bald schwer von kleinen, harten, grünen Früchten, die Adriana verzückt betrachtete. Sie wollte Öl daraus pressen, sobald sie voll ausgereift wären. In Jonas Abwesenheit hatte sie ein paar Ziegen für eine kleine Herde gekauft. Obwohl der Verkäufer behauptet hatte, alle Weibchen seien gedeckt worden, erwies sich nur ein einziges Tier als trächtig. Aber Adriana ließ sich von so etwas nicht verstimmen, denn in der letzten Sommerwoche wurde klar, daß sie selbst schwanger war. Jona freute sich sehr, und Adriana erstrahlte in stiller Verzückung.

Dieses Kind, das erst noch geboren werden mußte, gab den Ausschlag.

Im Frühherbst kamen Reyna und Alvaro zu Besuch, und während die Frauen beieinandersaßen und ein Glas Wein tranken, gingen die beiden Männer zur Hügelkuppe und schritten die Abmessungen der neuen Scheune ab.

Alvaro kratzte sich am Kopf, als er sah, was Jona wollte. »Brauchst du wirklich eine so große Scheune, Ramon?«

Doch Jona nickte nur und lächelte. »Wenn wir schon bauen, dann laß uns richtig bauen.«

Alvaro hatte schon mehrere Häuser errichtet, und Jona gab ihm den Auftrag, die Außenmauern hochzuziehen und mit einem Ziegeldach zu decken, das zum Dach der hacienda paßte. Den ganzen Herbst und Winter über sammelten Alvaro und Lope, der junge Mann, der sein Gehilfe war, Steine und schafften sie mit einem Ochsenkarren auf die Hügelkuppe.

Im März entband Adriana. Nachdem sie eine stürmische Nacht lang in den Wehen gelegen hatte, brachte sie im kalten Licht des Morgens ihr Kind zur Welt. Jona empfing den Knaben mit beiden Händen, und als der Kleine den Mund öffnete und schrie, küßte er die weichen, geröteten Wangen und spürte nun endlich das Eis der Einsamkeit in sich schmelzen.

»Das ist Helkias Callico«, sagte Adriana, und als er ihr den gewickelten Knaben in die Arme legte, sprach sie Worte, die nie geäußert wurden, nicht einmal in Augenblicken größter Vertrautheit. »Sohn von Jona Toledano«, flüsterte sie.

Im folgenden Frühling gruben Alvaro und Lope gemäß Jonas Anweisungen einen flachen Graben und legten das Fundament. Während die Mauern unter ihren Händen wuchsen, beteiligte auch Jona sich an der Arbeit, sooft seine Patienten ihm Zeit dazu ließen. Er lernte, Steine sorgfältig auszuwählen, so daß sie zueinander paßten, und sie so aufeinanderzuschichten, daß aus ihrem Verbund die Stärke der Mauer wurde. Er bestand sogar darauf zu lernen, wie man Mörtel mischte, wie aus zermahlenem Schieferton, Lehm, Sand, Kalkstein und Wasser ein grobes Bindemittel wurde. Alvaro wunderte sich über seine Fragen und seine Tatkraft. »Vielleicht möchtest du ja aufhören, ein Medicus zu sein, und in meinem Gewerbe arbeiten«, sagte er, doch beide genossen die gemeinsame Tätigkeit.

In der ersten Juniwoche wurde die Scheune fertig. Nachdem Alvaro und Lope bezahlt worden waren und sich verabschiedet hatten, fing Jona an, in den kühleren Stunden des Tages allein zu arbeiten und am frühen Morgen und vor Sonnenuntergang zusätzliches Baumaterial zu sammeln. Während des ganzen Sommers und bis in den Herbst wuchtete er auf seinem eigenen Land Felsbrocken und Steine in seinen Karren und lud sie in der Scheune ab.

Es war November, als er die Steine endlich verwenden konnte. Im hinteren Teil der Scheune zog er eine Linie, die einen kleinen Raum vom Rest abtrennte, und errichtete entlang dieser Linie und parallel zur Rückwand eine Innenwand.

Im dunkelsten Winkel der Scheune baute er einen niedrigen, engen Durchgang in diese Wand, und vor diesem Durchgang errichtete er einen Verschlag aus Kiefernbrettern. Der Verschlag war zweigeteilt. Im vorderen Teil stapelte er gehacktes Feuerholz, während er in den hinteren Teil eine niedrige Klapptür einbaute. Die Klapptür erlaubte ihm den Zugang zu dem Geheimzimmer, ließ sich aber, wenn sie nicht gebraucht wurde, hinter aufgestapeltem Feuerholz verstecken.

In den langen, schmalen Raum zwischen den beiden Wänden stellte er einen Tisch und zwei Stühle und versteckte dort alle äußeren Zeichen seines Judeseins - seinen Kidduschkelch, Sabbatkerzen, die zwei medizinischen Bücher auf hebräisch und ein paar vollgekritzelte Blätter mit erinnerten Gebeten, Redewendungen und Legenden.

Am ersten Freitag abend nach Vollendung der Scheune stand er zusammen mit Adriana, die ihren Sohn in den Armen hielt, auf der Hügelkuppe neben Nunos Grab. Gemeinsam blickten sie in den sich verdunkelnden Himmel, bis sie das weiße Glitzern der ersten drei Sterne erkennen konnten.

Zuvor hatte er in der Scheune bereits eine Kerze entzündet, um es nicht nach Beginn des Sabbat tun zu müssen, und in ihrem Licht räumte er nun das Feuerholz weg und öffnete die Klapptür. Er ging als erster hindurch, nahm Adriana dann den Jungen ab und trug ihn gebückt durch die niedrige Tür in den dunklen Raum. Gleich darauf gesellte sich Adriana mit der Lampe zu ihnen.

Es war eine schlichte Feier. Adriana entzündete die Kerzen, und dann sprachen sie gemeinsam den Segen und entboten der Sabbatkönigin den Willkommensgruß. Jona stimmte das Schema an: »Höre, Israel, der Ewige Gott ist ein einiges, ewiges Wesen.«

Mehr an Liturgie gab es nicht.

»Einen friedlichen Sabbat«, sagte er und küßte sie.

»Einen friedlichen Sabbat, Ramon.«

Dann saßen sie in dem stillen Raum.

»Schau das Licht«, sagte Jona zu dem Kind.

Er war nicht Abraham und der kleine Junge nicht Isaak, der auf einem Scheiterhaufen der Inquisition zum Märtyrer werden sollte, ein Brandopfer für Gott.

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