Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
Sylveste sah den Chimären lange und durchdringend an. Dann antwortete er: »Eines sollten Sie wissen, Triumvir. Ich kann mit Mühe meine Frau erkennen, wenn das Licht günstig ist und sie nicht allzu weit von mir entfernt steht.«
»So gut…« Hegazi sah ihn immer noch fasziniert an.
Sie wurden tiefer ins Schiffsinnere geführt. Beim letzten Mal hatte man Sylveste geradewegs auf die Krankenstation gebracht. Damals war der Captain noch halbwegs mobil gewesen und hatte wenigstens kurze Strecken gehen können. Hier dagegen war Sylveste noch nie gewesen. Das musste allerdings nicht unbedingt heißen, dass die Krankenstation sehr weit entfernt war. Das Schiff war so groß und so verwinkelt wie eine kleine Stadt, und obwohl er damals fast einen ganzen Monat hier verbracht hatte, fand er sich nur schwer zurecht. Aber er spürte, dass er sich auf ganz neuem Terrain befand, dass er Bereiche — Sajaki und die Besatzung sprachen von Zonen — durchquerte, die man ihm noch nie gezeigt hatte. Wenn ihn sein Instinkt nicht trog, dann trug ihn der Fahrstuhl weg vom schlanken Bug des Schiffes, nach unten, wo der konische Rumpf seine größte Breite erreichte.
»Kleinere technische Mängel Ihrer Augen sind weiter kein Problem«, sagte Sajaki. »Die lassen sich leicht beheben.«
»Ohne eine funktionierende Calvin-Version? Das glaube ich nicht.«
»Dann reißen wir Ihnen diese Augen heraus und ersetzen sie durch bessere.«
»Das würde ich nicht tun. Außerdem… hätten Sie Calvin dann immer noch nicht, was würde es Ihnen also nützen?«
Sajaki zischte etwas, und der Fahrstuhl kam langsam zum Stehen. »Sie glauben mir also nicht, dass wir eine Sicherheitskopie besitzen? Nun, Sie haben natürlich Recht. Unsere Kopie hatte einige merkwürdige Fehler. Als wir etwas damit anfangen wollten, war sie längst unbrauchbar geworden.«
»Typisch Software.«
»Ja… vielleicht bringe ich Sie doch noch um.« Er zog mit einer fließenden Bewegung die Waffe so langsam aus dem Halfter, dass Sylveste genug Zeit hatte, die Bronzeschlange zu bewundern, die sich um den Lauf wand. Nach welchem Prinzip die Waffe funktionierte, war nicht erkennbar; es hätte eine Strahlen- oder eine Projektilpistole sein können, aber Sylveste zweifelte nicht daran, dass sie ihn auf diese Entfernung jederzeit töten konnte.
»Sie haben so lange nach mir gesucht, dass Sie mich jetzt bestimmt nicht erschießen werden.«
Sajakis Finger spannte sich um den Abzug. »Sie unterschätzen mich, ich neige dazu, meinen Launen nachzugeben, Dan. Ich könnte Sie allein deshalb töten, weil es eine Tat von geradezu kosmischer Sinnlosigkeit wäre.«
»Dann müssten Sie sich jemand anderen suchen, der Ihren Captain heilt.«
»Was hätte ich verloren?« Unter dem Schlangenmaul wechselte ein Statuslämpchen von Grün auf Rot. Sajakis Finger wurde weiß.
»Warten Sie«, sagte Sylveste. »Sie brauchen mich nicht zu töten. Glauben Sie wirklich, ich hätte die einzige Kopie von Cal vernichtet, die noch existiert?«
Sajaki war sichtlich erleichtert. »Es gibt noch eine?«
»Ja.« Sylveste nickte seiner Frau zu. »Und sie weiß, wo sie zu finden ist. Nicht wahr, Pascale?«
Einige Stunden später sagte Caclass="underline" »Ich habe schon immer gewusst, dass du kaltschnäuzig und berechnend bist, Sohn, ein Dreckskerl, wie er im Buche steht.«
Sie waren dem Captain ganz nahe. Sajaki war mit Pascale weggegangen, aber jetzt war sie wieder da — zusammen mit allen anderen Besatzungsmitgliedern, die Sylveste bekannt waren, und der Erscheinung, die er niemals hatte Wiedersehen wollen. »Ein unerträglich heimtückisches… Nichts.« Die Erscheinung sprach so ruhig und ohne jegliche Emotion wie ein Schauspieler, der seinen Text nur durchgeht, um zu messen, wie lange er dafür braucht. »Eine hirnlose Ratte.«
»Vom Nichts zur Ratte?«, fragte Sylveste. »Aus einer bestimmten Sicht könnte man das fast als Fortschritt betrachten.«
»Glaube das ja nicht, Sohn«, höhnte Calvin und beugte sich auf seinem Lehnstuhl vor. »Du hältst dich für unglaublich schlau, nicht wahr? Aber jetzt habe ich dich an den Eiern, falls du überhaupt welche besitzt. Man hat mir erzählt, was du getan hast. Wie du mich, nur um ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen, einfach umgebracht hast.« Er hob den Blick zur Decke. »Was für eine klägliche Rechtfertigung für Vatermord! Ich hätte zumindest gehofft, du würdest mich aus einem halbwegs ehrenwerten Grund töten. Aber nein, das war wohl zu viel verlangt. Ich wäre fast enttäuscht von dir, wenn das nicht hieße, ich hätte einmal höhere Erwartungen in dich gesetzt.«
»Wenn ich dich tatsächlich getötet hätte«, sagte Sylveste, »würde uns dieses Gespräch vor gewisse ontologische Probleme stellen. Außerdem habe ich immer gewusst, dass noch eine Kopie von dir existierte.«
»Aber du hast eins von meinen Ichs ermordet!«
»Bedauere, das ist ein klassischer Kategorisierungsfehler. Du bist nur Software, Cal. Kopiert und gelöscht zu werden ist deine natürliche Existenzform.« Sylveste war auf weitere Proteste gefasst, aber Cal schwieg. »Im Übrigen stimmt es nicht, dass ich Sajaki einen Strich durch die Rechnung machen wollte. Ich brauche seine… Kooperation nicht weniger als er die meine.«
»Meine Kooperation?« Der Triumvir kniff die Augen zusammen.
»Wir kommen noch dazu. Ich will nur sagen, als ich die Kopie zerstörte, wusste ich, dass eine andere existierte und dass Sie mich bald zwingen würden, ihr Versteck zu verraten.«
»Also eine völlig sinnlose Tat?«
»Keineswegs. Ich durfte für eine Weile beobachten, wie Sie Ihre Felle davonschwimmen sahen, Yuuji-san. Ich habe einen Blick in Ihre Seele getan und dafür hat sich das Risiko gelohnt. Es war kein schöner Anblick, wenn ich das sagen darf.«
»Woher… wusstest du?«, fragte Cal. »Woher wusstest du, dass ich kopiert worden war?«
»Ich dachte, er wäre nicht zu kopieren«, sagte die Frau, die man ihm als Khouri vorgestellt hatte. Sie war klein und flink und möglicherweise war ihr ähnlich wie Sajaki nicht ganz zu trauen. »Ich dachte, die Sims hätten Spoiler… Kopierschutz… was es eben so gibt.«
»Das sind die Alpha-Simulationen, meine Liebe«, erklärte Calvin. »Und eine solche bin ich nicht — wie man dazu auch stehen mag. Nein, ich bin nur ein einfaches Beta-Sim, das allen Turing-Standards gerecht wird, aber — philosophisch betrachtet — kein Bewusstsein besitzt. Deshalb wirft es auch keine ethischen Probleme auf, wenn es mich mehr als einmal gibt. Allerdings…« — er holte tief Atem und füllte das Schweigen, das andere vielleicht gern zum Nachdenken genützt hätten — »glaube ich nicht mehr an diesen neuro-kognitiven Quatsch. Ich kann nicht für mein Alpha-Sim sprechen, das vor etwa zweihundert Jahren verschwunden ist, aber ich bin jetzt bei vollem Bewusstsein, wie das auch zugegangen sein mag. Vielleicht gilt das für alle Beta-Sims, vielleicht hat die Komplexität meiner Vernetzung irgendwann eine kritische Grenze überschritten.
Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich denke, und deshalb bin ich außer mir vor Zorn.«
Sylveste hörte das alles nicht zum ersten Mal. »Er ist ein Turing-kompatibles Beta-Sim. Deshalb muss er so reden. Wenn er nicht behaupten würde, bei Bewusstsein zu sein, fiele er automatisch hinter die Turing-Standards zurück. Aber das heißt nicht, dass das, was er sagt — die Geräusche, die er… die es… von sich gibt, irgendeine Berechtigung hätten.«
»Die gleiche Argumentation könnte ich auf dich anwenden, mein lieber Sohn«, sagte Calvin. »Und sie führt letztlich nur zu einer Schlussfolgerung: Da ich über das Alpha nichts weiß, muss ich davon ausgehen, dass es nur noch mich gibt. Auch wenn du es nicht einsehen willst, mein Wert beruht auf meiner Einmaligkeit, und deshalb muss ich mich aufs Schärfste dagegen verwahren, dass man Kopien von mir anfertigt. Jede Kopie mindert meinen Wert. Sie gibt mir den Status einer Ware, eines Produkts, das jedermann herstellen, vervielfältigen und wieder entsorgen kann, wie es seinen kleinlichen Bedürfnissen entspricht.« Er hielt inne. »Also — ich würde nicht sagen, dass ich nichts unternehmen würde, um meine Überlebenschancen zu erhöhen — aber ich hätte niemals eingewilligt, mich kopieren zu lassen.«