Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Nach dieser Warnung schritt Ian zielsicher über den Axtgriff hinweg, drehte sich nach links und bugsierte sein Ende der Last vorsichtig um die Ecke der halbfertigen Wand aus Stämmen.
»›– oder hinter verschlossenen Türen alle Arten von Schindluder treiben, besitzen einen Verstand, der sie auf den geraden Pfad der Tugend führen könnte‹«, resümierte Jamie Marcus Aurelius’ Selbstbetrachtungen. »›Wenn man also begreift‹ – einen Schritt höher. Aye, gut, jetzt haben wir’s –, ›wenn man also begreift, dass alles andere auch solchen Menschen angeboren ist, dann ist das Einzige, was den guten Menschen auszeichnet, die Bereitwilligkeit, mit der er jede Erfahrung willkommen heißt, die der Webstuhl des Schicksals für ihn webt; seine Weigerung, das Göttliche, das seiner Brust innewohnt, zu beflecken oder es durch Sinnesverwirrungen durcheinanderzubringen …‹ Gut so, und hau … ruck!«
Sein Gesicht wurde scharlachrot vor Anstrengung, als sie jetzt an der richtigen Stelle ankamen und gemeinsam den abgevierten Stamm auf Schulterhöhe hievten. Zu beansprucht, um mit Marc Aurels Selbstbetrachtungen fortzufahren, steuerte Jamie die Bewegungen seines Neffen mit Kopfrucken und atemlos hervorgebrachten kurzen Befehlen, während sie den sperrigen Holzbalken in die Einkerbung der darunterliegenden Querbalken manövrierten.
»Ach, die Zuckungen seiner Impulse, was?« Ian strich sich eine Haarlocke aus dem schweißnassen Gesicht. »Ich spüre leichte Zuckungen in der Magengegend. Ist das schon abartig?«
»Ich glaube, das ist eine der Tageszeit angemessene körperliche Empfindung«, gestand Jamie ihm zu und stöhnte leise, als sie den Balken den letzten Zentimeter in Position manövrierten. »Noch etwas nach links, Ian.«
Der Stamm senkte sich in die vorbereiteten Einkerbungen, und die beiden traten mit einem gemeinsamen Seufzer der Erleichterung zurück. Ian grinste seinen Onkel an.
»Das heißt, du hast auch Hunger, oder?«
Jamie grinste zurück, doch bevor er antworten konnte, hob Rollo den Kopf, spitzte die Ohren, und ein leises Knurren grollte in seiner Brust. Daraufhin hörte Ian auf, sich das Gesicht mit seinem Hemdschoß abzuwischen, und wandte suchend den Kopf.
»Wir kriegen Gesellschaft, Onkel Jamie«, sagte er und deutete mit einem Kopfnicken zum Waldrand. Jamie erstarrte. Bevor er sich jedoch umdrehen oder nach einer Waffe greifen konnte, hatte ich erkannt, was Rollo und Ian im wechselnden Licht der Blätter gesehen hatten.
»Keine Sorge«, sagte ich belustigt. »Es ist dein ehemaliger Saufkumpan – für eine Stippvisite herausgeputzt. Anscheinend eine kleine Überraschung, die der Webstuhl des Schicksals gewebt hat, auf dass du sie bereitwillig willkommen heißt.«
Nacognaweto wartete höflich im Schatten des Kastanienhains, bis er sicher war, dass wir ihn gesehen hatten. Dann trat er aus dem Wald und kam langsam näher, diesmal nicht von seinen Söhnen gefolgt, sondern von drei Frauen. Zwei von ihnen trugen große Bündel auf dem Rücken.
Eine war ein junges Mädchen, kaum älter als vielleicht dreizehn, und die Zweite, die in den Dreißigern war, eindeutig die Mutter des Mädchens. Die dritte Frau, die sie begleitete, war viel älter – nicht die Großmutter, dachte ich beim Anblick ihrer gebeugten Haltung und ihres weißen Haars, vielleicht die Urgroßmutter.
Sie hatten sich tatsächlich für ihren Besuch herausgeputzt; Nacognawetos Unterschenkel waren nackt, seine Füße steckten in Schnürstiefeln, doch er trug eine Musselinkniehose, die am Knie locker saß, und darüber ein Hemd aus rotgefärbtem Leinen, das von einem prachtvollen Gürtel mit Verzierungen aus Stachelschweinborsten und weißen und lavendelblauen Muscheln gerafft wurde. Darüber trug er eine perlenbestickte Lederweste, und eine Art locker gewickelter Turban aus blauem Kaliko thronte auf seinem offenen Haar, aus dem über jedem Ohr eine Krähenfeder herabbaumelte. Schmuck aus Muscheln und Silber – ein Ohrring, mehrere Halsbänder, eine Gürtelschnalle und kleine Ornamente, die er sich ins Haar gebunden hatte – vervollständigte das Bild.
Die Frauen waren etwas weniger prunkvoll aufgemacht, aber immer noch eindeutig in ihrem Sonntagsstaat mit langen, weiten Kleidern, die ihnen bis an die Knie reichten und unter denen weiche Stiefel und Lederleggings zu sehen waren. Sie waren mit Hirschlederschürzen gegürtet, die mit dekorativen Mustern bemalt waren, und die beiden jüngeren Frauen trugen ebenfalls schmuckvolle Westen. Sie näherten sich im Gänsemarsch und blieben auf halbem Weg auf der Lichtung stehen.
»Mein Gott«, murmelte Jamie, »eine Gesandtschaft.« Er wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht und stieß Ian zwischen die Rippen. »Sag für mich guten Tag, Ian; ich bin gleich wieder da.«
Ian, der ein etwas verblüfftes Gesicht zog, trat vor, um die Indianer zu begrüßen, und winkte mit seiner großen Hand als offizielle Willkommensgeste. Jamie packte mich am Arm und schob mich um die Ecke in das halbfertige Haus.
»Was –«, begann ich verblüfft.
»Zieh dich um«, unterbrach er mich und schob die Kleiderkiste in meine Richtung. »Zieh deine prunkvollsten Sachen an, aye? Sonst würden wir ihnen nicht genug Respekt zollen.«
»Prunkvoll« war nicht gerade die Beschreibung, die auf irgendeins meiner Kleidungsstücke zutraf, doch ich tat mein Bestes, indem ich mir hastig einen gelben Leinenrock um die Taille schnürte und mein einfaches, weißes Halstuch durch ein mit Kirschen besticktes Tuch ersetzte, das Jocasta mir mitgeschickt hatte. Das würde reichen, dachte ich – schließlich waren es offensichtlich die Männchen der Gattung, die hier im Zentrum der Aufmerksamkeit standen.
Nachdem Jamie in Rekordzeit seine Kniehose abgestreift und sich das rote Plaid um die Hüften geschlungen hatte, befestigte er es mit einer kleinen, bronzenen Brosche, zog eine Flasche unter dem Bettgestell hervor und war durch die offene Seite des Hauses verschwunden, bevor ich mein Haar in Ordnung bringen konnte. Daraufhin gab ich den Versuch als vergebliche Liebesmüh auf und eilte ihm nach draußen nach.
Die Frauen beobachteten mich mit der gleichen Faszination, die ich für sie hegte, doch sie hielten sich im Hintergrund, während Jamie und Nacognaweto die üblichen Begrüßungen austauschten, wobei formell Brandy ausgeschenkt und gemeinsam getrunken wurde, ein Ritual, in das sie Ian mit einschlossen. Erst dann trat die zweite Frau auf eine Geste Nacognawetos hin vor und grüßte uns mit einem schüchternen Kopfnicken.
»Bonjour, Messieurs, Madame«, sagte sie leise und blickte uns nacheinander an. Ihre Augen ruhten mit unverhüllter Neugier auf mir und registrierten jedes Detail meiner Erscheinung, daher hatte ich auch keine Hemmungen, sie ebenso anzustarren. Ein Mischling, dachte ich, vielleicht französisch?
»Je suis sa femme«, sagte sie und neigte ihren Kopf graziös in Nacognawetos Richtung, während ihre Worte meine Vermutungen über ihre Abstammung bestätigten. »Je m’appelle Gabrielle.«
»Äh … je m’appelle Claire«, sagte ich und deutete mit einer etwas weniger graziösen Geste auf mich. »S’il vous plaît …« Ich wies auf den Stapel Baumstämme und lud sie zum Sitzen ein, während ich mich insgeheim fragte, ob wir genug Eichhörncheneintopf hatten, um sie einzuladen.
Unterdessen beäugte Jamie Nacognaweto mit einer Mischung aus Belustigung und Verärgerung.
»Soso, kein Franz’, wie?«, sagte er. »Nicht ein Wort, nehme ich an!« Der Indianer sah ihn mit völlig ausdruckslosem Gesicht an und nickte seiner Frau zu, damit sie mit der Vorstellung fortfahre.
Die ältere Frau hieß Nayawenne und war nicht Gabrielles Großmutter, wie ich gedacht hatte, sondern Nacognawetos. Sie war von leichtem Knochenbau, dünn und von Rheumatismus gebeugt, doch sie hatte glänzende Augen wie die Spatzen, denen sie so ähnlich sah. Um den Hals trug sie einen kleinen Lederbeutel, der mit einem ungeschliffenen, durchbohrten grünen Stein und den gefleckten Schwanzfedern eines Spechtes geschmückt war. Ein größerer Beutel, diesmal aus Stoff, hing an ihrer Taille. Sie sah, wie mein Blick auf die grünen Flecken auf dem groben Tuch fiel, und lächelte, wobei sie zwei vorstehende, gelbe Vorderzähne entblößte.