Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Myers hatte mir auch ein paar Frauenwerkzeuge mitgebracht: einen riesigen Nähkorb, der bestens mit Nadeln, Stecknadeln, Scheren, Garnknäueln und Leinen-, Musselin- und Wolltuchstücken ausgestattet war. Nähen war zwar nicht meine Lieblingsbeschäftigung, doch der Anblick entzückte mich trotzdem, da Jamie und Ian sich ständig durch dichtes Gesträuch bewegten oder auf den Dächern herumkrochen und die Knie, Ellbogen und Schultern all ihrer Kleidungsstücke daher konstant reparaturbedürftig waren.
»Schon wieder eins!« Jamie schoss neben mir im Bett hoch.
»Schon wieder ein was?«, fragte ich verschlafen und öffnete ein Auge. Es war sehr dunkel in der Blockhütte, denn das Herdfeuer war bis auf die Glut heruntergebrannt.
»Schon wieder ein verdammtes Leck! Es hat mich am Ohr getroffen, verflucht!« Er sprang aus dem Bett, ging zum Feuer und steckte einen Holzstock hinein. Als dieser brannte, brachte er ihn zurück, stellte sich auf das Bett und hielt seine Fackel hoch, während er auf der Suche nach dem boshaften Leck das Dach wütend anstarrte.
»Häh?« Ian, der auf einem niedrigen, zusammenklappbaren Rollbett schlief, drehte sich um und gab ein fragendes Stöhnen von sich. Rollo, der darauf bestand, das Bett mit ihm zu teilen, äußerte ein kurzes »Uff«, fiel wieder zu einem grauen Fellhaufen zusammen und nahm sein lautes Schnarchen wieder auf.
»Ein Leck«, sagte ich zu Ian, während ich Jamies Fackel genau im Auge behielt. Es kam nicht in Frage, dass mein kostbares Federbett durch einen verirrten Funken in Flammen aufging.
»Oh.« Ian lag mit dem Arm über dem Gesicht da. »Hat es wieder geschneit?«
»Muss es wohl.« Die Fenster waren mit angenagelten Quadraten aus eingeöltem Hirschleder abgedeckt, und von draußen kam kein Geräusch, doch die Luft hatte jene merkwürdige Gedämpftheit an sich, die mit dem Schnee kam.
Der Schnee fiel lautlos und türmte sich auf dem Dach auf, wenn dann die Wärme der Schindeln anfing, ihn von unten zum Schmelzen zu bringen, tropfte er an der Dachfläche herab und hinterließ ein glitzerndes Eiszapfengitter an den Traufen. Dann und wann aber fand das wandernde Wasser einen Riss in einer Schindel oder eine Fuge, deren überlappenden Ränder sich verzogen hatten, und die Tropfen steckten ihre Eisfinger durch das Dach.
Jamie betrachtete alle derartigen Störungen als persönlichen Affront und duldete keinen Aufschub, wenn es darum ging, mit ihnen fertigzuwerden.
»Da!«, rief er aus. »Da ist es. Siehst du?«
Ich verlagerte meinen glasigen Blick von den behaarten Knöcheln vor meiner Nase zur Decke hinauf. In der Tat zeigte das Licht der Fackel die schwarze Linie eines Risses in einer Schindel und eine dunkle, feuchte Stelle, die sich an ihrer Unterseite ausbreitete. Während ich dort hinsah, bildete sich ein klarer Tropfen, der rot im Fackelschein glitzerte, und fiel mit einem Plop! neben mir auf das Kissen.
»Wir könnten das Bett ein Stück zur Seite rücken«, schlug ich vor, wenn auch ohne große Hoffnung. Ich erlebte das nicht zum ersten Mal. Jegliche Andeutung, dass die Reparaturarbeiten doch bis zum Tagesanbruch warten könnten, traf auf erstaunte Ablehnung; ein richtiger Mann, so gab man mir zu verstehen, könne so etwas nicht gutheißen.
Jamie stieg vom Bett herunter und stieß Ian mit dem Fuß zwischen die Rippen.
»Steh auf und klopf gegen die Stelle, wo der Riss ist, Ian. Ich kümmere mich von außen darum.« Indem er eine frische Schindel, einen Hammer, ein Beil und einen Sack Nägel ergriff, ging er auf die Tür zu.
»Geh bloß nicht so aufs Dach!«, rief ich aus und setzte mich abrupt auf. »Das ist dein gutes Wollhemd!«
Er blieb an der Tür stehen, warf mir einen kurzen, erbosten Blick zu, legte dann mit dem vorwurfsvollen Ausdruck eines frühchristlichen Märtyrers seine Werkzeuge hin, zog sich das Hemd aus, ließ es zu Boden fallen, hob die Werkzeuge wieder auf und schritt majestätisch hinaus, um sich um die undichte Stelle zu kümmern, die Pobacken in hingebungsvoller Entschlossenheit zusammengekniffen.
Dumpfes Hämmern auf dem Dach, das definitiv nicht von den Hufen acht winziger Rentiere stammte, teilte uns mit, dass Jamie angekommen war. Ich rollte mich aus dem Weg und stand resigniert auf, als Ian auf das Bett stieg und mit einem langen Stück Feuerholz an der feuchten Stelle herumstocherte und an den Schindeln rüttelte, so dass Jamie die undichte Stelle von außen erkennen konnte.
Es folgte kurzes Rucken und Klopfen, während die kaputte Schindel losgehebelt und ersetzt wurde, dann war das Leck vollständig beseitigt, und nur der kleine Schneehaufen, der durch das Loch an der Stelle der entfernten Schindel hereingefallen war, zeugte noch von seiner Existenz.
Wieder im Bett, wickelte Jamie seinen frostigen Körper um mich, presste mich an seine eisige Brust und schlief prompt ein, erfüllt von der rechtschaffenen Genugtuung eines Mannes, der Heim und Herd gegen jede Bedrohung verteidigt hat.
Wir hatten sehr unsicher und zaghaft auf dem Berg Fuß gefasst – doch wir hatten Fuß gefasst. Wir hatten nicht viel Fleisch – wir hatten kaum Zeit gehabt, mehr als Eichhörnchen und Kaninchen zu jagen, und diese nützlichen Nager hatten sich jetzt in die Winterruhe begeben –, jedoch eine beträchtliche Menge an getrocknetem Gemüse, von Yamswurzeln über Kürbisse bis hin zu wilden Zwiebeln und Knoblauch, dazu ein paar Häufchen Nüsse und den kleinen Vorrat an Kräutern, die ich hatte sammeln und trocknen können. Es ergab einen kargen Speiseplan, doch wenn wir sorgsam mit unseren Vorräten umgingen, konnten wir bis zum Frühjahr überleben.
Da es draußen nur wenige Aufgaben zu erledigen gab, hatten wir Zeit, uns zu unterhalten, uns Geschichten zu erzählen und zu träumen. Jamie nahm sich die Zeit, neben nützlichen Objekten wie Löffeln und Schüsseln auch einen Satz hölzerner Schachfiguren zu schnitzen, und versuchte oft, Ian oder mich zum Spielen zu verführen.
Ian und Rollo, die sich beide sehr eingepfercht fühlten, begaben sich oft nach Anna Ooka und machten manchmal ausgedehnte Jagdausflüge mit den jungen Männern aus dem Dorf, die sich über seine und Rollos Gesellschaft freuten.
»Der Junge spricht die Indianersprache viel besser als Griechisch oder Latein«, stellte Jamie mit einigem Missvergnügen fest, während er Ian dabei zusah, wie er beim Aufbruch zu einer dieser Expeditionen freundschaftliche Beleidigungen mit seinem indianischen Begleiter austauschte.
»Na ja, wenn Marc Aurel darüber geschrieben hätte, wie man einer Stachelschweinfährte folgt, hätte er eine begeistertere Zuhörerschaft gefunden, schätze ich«, erwiderte ich beschwichtigend.
So lieb ich Ian hatte, war ich persönlich doch nicht unglücklich darüber, dass er so häufig abwesend war. Manchmal waren drei definitiv einer zu viel.
Es gibt nichts Schöneres im Leben als ein Federbett und ein offenes Feuer – außer einem Federbett mit einem warmen und zärtlichen Liebhaber darin. Wenn Ian nicht da war, mühten wir uns nicht erst mit den Binsenlichtern ab, sondern gingen bei Anbruch der Dunkelheit zu Bett und lagen dann in enger Umarmung im Warmen. Dann redeten wir bis spät in die Nacht, lachten und erzählten uns Geschichten, erinnerten uns an die Vergangenheit, machten Pläne für die Zukunft und hielten mitten im Gespräch inne, um die wortlosen Freuden der Gegenwart zu genießen.
»Erzähl mir von Brianna.« Geschichten aus Briannas Kindheit hörte Jamie am liebsten. Was sie gesagt, angezogen und getan hatte, wie sie ausgesehen hatte, was sie alles gekonnt hatte, was sie mochte.
»Habe ich dir schon erzählt, wie sie mich in die Schule eingeladen haben, um über den Arztberuf zu sprechen?«
»Nein.« Er verlagerte sein Gesicht, um es sich bequemer zu machen, drehte sich auf die Seite und schmiegte sich an meinen Rücken. »Warum solltest du das tun?«
»Man nannte das Berufstag; die Lehrer haben viele Leute mit unterschiedlichen Berufen eingeladen, damit sie erklärten, was sie machten, und die Kinder einen Eindruck davon bekämen, was beispielsweise ein Anwalt tut oder ein Feuerwehrmann –«