Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Dann sag es mir – warum bleiben wir hier?«
Er blinzelte ebenfalls nicht, doch ich spürte, wie sich seine Brust unter meiner Hand hob, als er tief Luft holte.
»Wie soll ich dir erklären, wie es ist, wenn man einen Platz zum Leben braucht?«, sagte er leise. »Schnee unter den Schuhen. Die Berge, die mir ihren Atem in die Nase hauchen, so wie Gott es bei Adam getan hat. Einen rauhen Felsen unter meiner Hand, wenn ich klettere, und den Anblick der Flechten darauf, die ausharren in Sonne und Wind.«
Er hatte die Luft in seinen Lungen verbraucht. Er holte tief Luft und raubte mir dabei den Atem. Er hatte die Hände hinter meinem Kopf verschränkt und hielt mich fest, Gesicht an Gesicht.
»Wenn ich wie ein Mensch leben soll, brauche ich einen Berg«, sagte er schlicht. Seine Augen waren weit geöffnet und suchten in den meinen nach Verständnis.
»Vertraust du mir, Sassenach?«, sagte er. Seine Nase war gegen die meine gepresst, doch er blinzelte nicht. Und ich auch nicht.
»Absolut.«
Ich spürte das Lächeln auf seinen Lippen, zwei Zentimeter von den meinen entfernt.
»Von ganzem Herzen?«
»Immer«, flüsterte ich, schloss die Augen und küsste ihn.
Und so wurde es abgemacht. Myers würde nach Cross Creek zurückkehren, Duncan Jamies Instruktionen überbringen, Jocasta versichern, dass es uns gutging, und so viel Proviant besorgen, wie mit unserem restlichen Geld finanzierbar war. Wenn vor dem ersten Schneefall noch Zeit blieb, sollte er mit dem Nachschub gleich zurückkehren, wenn nicht, erst im Frühjahr. Ian würde bei uns bleiben; wir würden seine Hilfe beim Bau der Hütte und auf der Jagd brauchen.
Unser tägliches Brot gib uns heute, dachte ich, während ich mich durch das feuchte Gebüsch schob, das den Bach säumte, und führe uns nicht in Versuchung.
Doch wir waren einigermaßen sicher vor Versuchungen – ob es uns gefiel oder nicht, wir würden River Run mindestens ein Jahr nicht mehr zu sehen bekommen. Was unser tägliches Brot anging, so hatte es sich bis jetzt so verlässlich wie Manna eingestellt; um diese Jahreszeit gab es reife Nüsse, Früchte und Beeren im Überfluss, und ich sammelte sie so emsig wie ein Eichhörnchen. Ich hoffte jedoch, dass Gott uns auch in zwei Monaten noch hören würde, wenn die Bäume kahl wurden, die Bäche zufroren und der Wind heulte.
Der Regen hatte den Bach merklich anschwellen lassen; das Wasser stand vielleicht dreißig Zentimeter höher als gestern. Ich kniete mich hin und stöhnte leise, als die Steifheit in meinem Rücken nachließ; das Schlafen auf dem Boden verstärkte meine üblichen, leichten Bewegungsprobleme am Morgen. Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, spülte mir den Mund aus, trank aus meinen Händen und bespritzte mich noch einmal, wobei mir das Blut in Wangen und Fingern prickelte.
Als ich mit triefendem Gesicht aufblickte, sah ich zwei Hirsche, die ein Stück flussaufwärts an einer ruhigen Stelle tranken. Ich verhielt mich ganz ruhig, um sie nicht zu stören, doch sie zeigten sich von meiner Gegenwart nicht beunruhigt. Im Schatten der Birken waren sie von demselben weichen Blau wie die Felsen und Bäume, selbst kaum mehr als Schatten, doch jede Linie ihres Körpers war so fein umrissen wie auf einer japanischen Tuschezeichnung.
Dann waren sie plötzlich fort. Ich kniff die Augen zu, und noch einmal. Ich hatte nicht gesehen, wie sie sich umdrehten oder wegliefen – aber trotz ihrer ätherischen Schönheit war ich sicher, dass ich nicht geträumt hatte, denn ich konnte die dunklen Abdrücke ihrer Hufe im Schlamm am anderen Ufer sehen. Doch sie waren fort.
Ich sah oder hörte nicht das Geringste, doch auf einmal sträubten sich mir die Haare am ganzen Körper, und ein instinktives Prickeln lief mir über Arme und Nacken. Ich erstarrte, nur meine Augen bewegten sich noch. Wo war es, was war es?
Die Sonne war aufgegangen; die Baumwipfel sahen jetzt grün aus, und die Felsen begannen zu leuchten, als sich ihre Farben erwärmten. Doch die Vögel schwiegen, nichts regte sich außer dem Wasser.
Er stand keine zwei Meter von mir entfernt, halb von einem Busch verdeckt. Die Geräusche, die er beim Trinken machte, gingen im Lärmen des Baches unter. Dann hob sich sein breiter Schädel, und sein Ohr drehte sich in meine Richtung, obwohl ich kein Geräusch gemacht hatte. Konnte er mich atmen hören?
Die Sonne hatte ihn erreicht und zu gelbbraunem Leben erweckt; sie glühte in den goldenen Augen, die mit übernatürlicher Ruhe in die meinen starrten. Der Wind hatte sich gedreht, und ich konnte ihn jetzt riechen: ein schwacher, beißender Hauch von Katze und ein stärkerer Blutgeruch. Er ignorierte mich, hob eine dunkel gefleckte Tatze und leckte sie gewissenhaft, die geschlitzten Augen ganz auf die Säuberung konzentriert.
Er rieb sich mehrfach mit der Tatze über das Ohr und reckte sich dann genüsslich im frühen Sonnenlicht – mein Gott, er musste fast zwei Meter lang sein! – und schlenderte dann davon. Sein voller Bauch wackelte dabei hin und her.
Ich hatte mich nicht bewusst gefürchtet, reiner Instinkt hatte mich auf der Stelle erstarren lassen, und schieres Erstaunen – über die Schönheit der Katze wie auch über ihre Nähe – hatte mich in der Erstarrung gehalten. Doch als er ging, taute mein zentrales Nervensystem auf und brach prompt zusammen. Ich zitterte heftig, und es dauerte einige Minuten, bis ich es schaffte, mich zu erheben.
Meine Hände bebten so sehr, dass ich den Kessel dreimal fallen ließ, als ich ihn füllte. Vertrauen, hatte er gesagt, vertraute ich ihm? Ja, das tat ich – und es würde mir unheimlich viel nützen, es sei denn, dass er beim nächsten Mal direkt vor mir stand.
Doch für diesmal – war ich am Leben. Ich stand still da, die Augen geschlossen, und atmete die reine Morgenluft. Ich konnte jedes einzelne Atom meines Körpers spüren, spürte, wie das Blut durch meinen Körper raste, um den ersehnten, frischen Sauerstoff in jede Zelle und Muskelfaser zu tragen. Die Sonne berührte mein Gesicht und wärmte mir die kalte Haut zu einem herrlichen Glühen.
Ich öffnete die Augen, und alles schillerte grün, gelb und blau; der Tag war angebrochen. Alle Vögel sangen jetzt.
Ich ging über den Pfad zur Lichtung hinauf und widerstand dem Impuls, mich umzusehen.
Jamie und Ian hatten tags zuvor ein paar hohe, schlanke Kiefern gefällt, sie in dreieinhalb Meter lange Stücke gesägt und diese mit einiger Kraftanstrengung den Berg hinunterkullern lassen. Jetzt lagen sie am Rand der kleinen Lichtung aufgestapelt, und ihre rauhe Rinde glänzte schwarz vor Feuchtigkeit.
Als ich mit dem gefüllten Wasserkessel zurückkam, war Jamie dabei, eine Linie abzuschreiten, indem er das feuchte Gras niedertrampelte. Ian hatte auf einer großen Steinplatte ein Feuer angezündet – er hatte von Jamie den praktischen Trick gelernt, neben Feuerstein und Stahl immer eine Handvoll trockenen Anzündholzes in seinem Sporran zu haben.
»Das wird ein kleiner Schuppen«, sagte Jamie und blickte mit einem konzentrierten Stirnrunzeln zu Boden. »Den bauen wir zuerst, dann können wir darin schlafen, falls es wieder regnen sollte, aber er braucht nicht so stabil gebaut zu sein wie die Hütte – das wird unser Übungsstück, was, Ian?«
»Wofür ist er sonst – außer zum Üben?«, fragte ich. Er blickte auf und lächelte mich an.
»Guten Morgen, Sassenach. Hast du gut geschlafen?«
»Natürlich nicht«, sagte ich. »Wofür ist der Schuppen?«
»Fleisch«, sagte er. »Wir graben an der Rückseite eine flache Grube und füllen sie mit Holzkohle, dann können wir so viel Fleisch wie möglich auf Vorrat räuchern. Und wir brauchen einen Ständer zum Trocknen – Ian hat gesehen, wie die Indianer es machen, um das zu bekommen, was sie ›trockenes Fleisch‹ nennen. Wir brauchen einen sicheren Aufbewahrungsort, wo keine wilden Tiere an unsere Vorräte gelangen können.«
Das schien eine vernünftige Idee zu sein; besonders wenn man in Betracht zog, was für Tiere in der Gegend lebten. Meine einzigen Zweifel betrafen das Räuchern. Ich hatte gesehen, wie man es in Schottland machte, und wusste, dass das Räuchern von Fleisch sehr aufwendig war. Jemand musste ständig dabeibleiben, um zu verhindern, dass das Feuer zu groß wurde oder ganz ausging, musste das Fleisch regelmäßig wenden und es mit Fett bestreichen, damit es nicht verkohlte und austrocknete.