Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Sie reichte ihm, ohne zu zittern, ruhig, im stolzen Bewußtsein ihrer Unschuld, die Hand, ging durch den Hof, wobei der Hund verzweifelt bellte und an der Kette zerrte, stieg in den Wagen und fuhr fort. In den Fenstern der Hausfrau erschienen Köpfe; hinter der Ecke am Zaun schaute Anissja hervor. Als der Wagen in eine andere Straße einbog, kam Anissja und sagte, sie hätte den ganzen Markt abgesucht, es wäre aber kein Spargel zu finden. Sachar kam nach drei Stunden zurück und schlief volle vierundzwanzig Stunden.
Oblomow schritt lange im Zimmer herum, ohne seine Füße zu fühlen und seine eigenen Schritte zu hören; er ging so, als schwebe er über der Erde. Sowie das Knirschen der Wagenräder auf dem Schnee, die sein Leben und sein Glück fortführten, verstummt war, verging seine Unruhe, sein Kopf und sein Rücken richteten sich auf, das Leuchten der Begeisterung kehrte auf sein Gesicht zurück, und die Augen wurden vor Glück und Rührung feucht. In seinen Organismus ergossen sich Wärme, Frische und Kraft. Und er bekam wie früher wieder einmal Lust, irgendwohin, weit fort zu fahren und überall zu sein; mit Oljga zu Stolz und aufs Gut, in die Felder und Wälder zu reisen, dann wollte er sich in sein Zimmer zurückziehen und sich in eine Arbeit vertiefen, zum Ribinskyhafen fahren, die Straße bahnen, das soeben erschienene Buch lesen, von dem alle sprachen, und heute in die Oper gehen ... Ja, heute war sie bei ihm, dann würde er bei ihr sein und abends in die Oper gehen. Wie ausgefüllt der Tag war! Wie leicht atmete es sich bei diesem Leben, in Oljgas Sphäre, in den Strahlen ihres jungfräulichen Leuchtens, ihrer frischen Kraft, ihres jungen, aber feinen, tiefen und gesunden Verstandes! Er ging, als flöge er, als trüge ihn jemand durch das Zimmer! »Vorwärts, vorwärts!« sagte Oljga; höher, immer höher, dorthin, zu jenem Striche, wo die Zärtlichkeit und Grazie ihre Macht verlieren und wo das Reich des Mannes beginnt! Wie klar sie in das Leben blickt! Wie sie in diesem schwerverständlichen Buch ihren Weg abliest und instinktiv auch seinen Weg errät. Ihre beiden Leben müssen sich wie zwei Flüsse vereinigen; er würde ihr Führer und Lehrer sein! Sie sah seine Kräfte und Fähigkeiten, wußte, was er vermochte, und erwartete demütig seine Herrschaft.
Einzige Oljga! Dieses durch nichts zu verwirrende, kühne, einfache und entschlossene Weib, das natürlich wie das Leben selbst war!
»Wie häßlich es hier tatsächlich ist!« sagte er, um sich blickend, »und dieser Engel ist in den Sumpf herabgestiegen und hat ihn durch seine Anwesenheit geheiligt!« Er blickte liebevoll auf den Sessel, auf dem sie gesessen hatte, und seine Augen leuchteten plötzlich auf; er erblickte auf dem Fußboden neben dem Sessel einen winzigen Handschuh.
»Ein Pfand! Ihre Hand; das ist ein Vorzeichen! Oh! ...« stöhnte er, leidenschaftlich den Handschuh an die Lippen pressend.
Die Hausfrau schaute zur Tür herein und fragte, ob er sich nicht die Leinwand ansehen wollte, die man gebracht hatte, falls er welche brauchte. Doch er bedankte sich trocken, dachte gar nicht daran, die Ellbogen anzublicken, und entschuldigte sich, indem er Arbeit vorschützte. Dann vertiefte er sich in die Erinnerungen an den Sommer, dachte an jede Kleinigkeit, an jeden Baum, jeden Busch, an jede Bank, an jedes gesprochene Wort und fand alles holder, als es um die Zeit, da er es genossen hatte, gewesen war. Er konnte sich gar nicht mehr beherrschen, sang, sprach freundlich mit Anissja, scherzte, daß sie keine Kinder hatte, und versprach Pate zu sein, sowie sie ein Kind bekam. Dann tollte er mit Mascha so herum, daß die Hausfrau hereinkam und Mascha fortjagte, damit sie den Zimmerherrn nicht bei der »Arbeit« störe. Der Rest des Tages steigerte noch seinen Übermut; Oljga war lustig und sang, dann waren sie in der Oper, nach der Vorstellung trank er bei ihnen Tee, und die Tante, der Baron, Oljga und er führten dabei ein so herzliches, aufrichtiges Gespräch, daß Oblomow sich ganz als Mitglied dieser kleinen Familie fühlte; er hatte genug einsam gelebt; jetzt hatte er einen Unterschlupf gefunden, sein Leben hatte ein festes Ziel; er besaß Licht und Wärme - wie schön lebte es sich damit!
In der Nacht schlief er wenig; er las in Oljgas Büchern und bewältigte anderthalb Bände.
Morgen muß vom Gut ein Brief kommen, dachte er, und sein Herz klopfte ... und klopfte ... Endlich!
Achtes Kapitel
Als Sachar am nächsten Tag das Zimmer aufräumte, fand er auf dem Schreibtisch einen kleinen Handschuh, betrachtete ihn lange, lächelte und reichte ihn dann Oblomow.
»Wahrscheinlich hat ihn das Iljinskysche Fräulein vergessen«, sagte er.
»Zum Teufel!« donnerte Ilja Iljitsch ihn an, ihm den Handschuh aus den Händen reißend, »du lügst! Was für ein Iljinskysches Fräulein? Das gehört der Näherin aus dem Geschäft, die mir die Hemden zur Anprobe gebracht hat. Wie wagst du es, dir solche Sachen auszudenken?«
»Warum schimpfen Sie mich! Was denke ich mir denn aus? Man spricht ja schon bei der Hausfrau davon ...«
»Wovon spricht man?«
»Daß das Iljinskysche Fräulein mit ihrem Stubenmädchen hier war ...«
»Mein Gott!« rief Oblomow entsetzt aus, »woher kennen sie denn das Iljinskysche Fräulein? Du oder Anissja haben es ausgeplaudert ...«
Plötzlich schob sich Anissja bis zur Hälfte durch die Vorzimmertür.
»Wie, schämst du dich nicht, solchen Unsinn zu reden, Sachar Trofimitsch? Hören Sie ihm nicht zu, Väterchen, niemand hat das gesagt, weiß das und, bei Gott ...«
»Nun, nun, nun!« krächzte Sachar sie an, mit dem Ellbogen auf ihre Brust zielend, »warum steckst du überall deine Nase herein, wenn du gar nicht gefragt wirst!«
Anissja verschwand. Oblomow drohte Sachar mit beiden Fäusten und öffnete dann rasch die Tür in die Zimmer der Hausfrau. Agafja Matwejewna saß auf dem Fußboden und durchsuchte den Kram in einem alten Koffer; neben ihr lagen Haufen von Fetzen, Watte, alten Kleidern, Knöpfen und Pelzstückchen.
»Hören Sie«, begann Oblomow freundlich, aber aufgeregt, »meine Dienstboten plaudern lauter dummes Zeug; glauben Sie ihnen um alles in der Welt nicht!«
»Ich habe nichts gehört«, sagte die Hausfrau. »Was plaudern sie?«
»Bezüglich des gestrigen Besuches«, fuhr Oblomow fort, »sie sagen, daß bei mir ein Fräulein war ...«
»Was geht es uns an, wer unsere Mietspartei besucht?« sagte die Hausfrau.
»Glauben Sie, bitte, nicht daran; das ist nichts als Verleumdung! Es war gar kein Fräulein da; es ist nur die Näherin hier gewesen, die mir Hemden näht. Sie hat sie mir zur Anprobe gebracht ...«
»Wo haben Sie Ihre Hemden bestellt? Wer näht Ihnen?« fragte die Hausfrau lebhaft.
»Im französischen Geschäft ...«
»Zeigen Sie sie mir, wenn man sie Ihnen bringt; ich kenne zwei Mädchen, die so nähen und so steppen, wie es keine Französin machen kann. Ich habe es gesehen, sie haben für den Grafen Metlinskij genäht und haben ihre Arbeit hergebracht, um sie mir zu zeigen; niemand kann das so machen. Die Hemden, die Sie tragen, sind bei weitem nicht so schön genäht ...«
»Sehr wohl, ich werde daran denken. Glauben Sie nur um Gottes willen nicht, daß das Fräulein da war ...«
»Was geht es uns an, wer zur Partei kommt? Und wenn es auch ein Fräulein war ...«
»Nein, nein!« leugnete Oblomow. »Aber ich bitte Sie, das Fräulein, das Sachar meint, ist sehr groß und hat eine Baßstimme, während diese Näherin, wie sie wohl gehört haben, mit einer ganz feinen Stimme spricht; sie hat eine wunderschöne Stimme. Bitte, glauben Sie nicht ...«
»Was geht das uns an?« sagte die Hausfrau, als er ging.
»Vergessen Sie also nicht, mir zu sagen, wenn Sie sich Hemden nähen lassen wollen. Meine Bekannten können so steppen ... sie heißen Lisaweta Nikolawna und Maria Nikolawna.«