Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ah! ja; habe ich nicht so etwas wie von einem sonderbaren Abenteuer mitBanditen sprechen hören, deren Händen er auf eine wunderbare Weise entrissen wurde? Ich glaube, er hat meiner Frau und meiner Tochterbei seiner Rückkehr aus Italien dergleichen erzählt.
Die FrauBaronin erwartet die Herren, meldete der Lakai.
Die Apfelschimmel
Dem Grafen voran durchschritt derBaron eine Reihe von Zimmern, die durch ihre schwerfällige Pracht und den darin herrschenden übermäßig schlechten Geschmack auffielen, und gelangte in dasBoudoir der Frau Danglars, ein kleines achteckiges Gemach, mit einem von indischem Musselin überzogenen Atlas tapeziert. Die Polsterstühle waren von altem vergoldetem Holz und hatten alten Überzug; über den Türen hingen Gemälde, Schäferszenen nachBoucher darstellend; zwei mit der übrigen Ausstattung im Einklang stehende hübsche Pastelle in Medaillenform machten endlich aus diesem Zimmer das einzige einigermaßen stilvolle des ganzen Hauses, was nur die Folge davon war, daß sich dieBaronin mit Lucien Debray allein die Ausschmückung vorbehalten hatte.
Frau Danglars, die trotz ihrer sechsunddreißig Jahre noch schön genannt werden konnte, saß an ihrem Klavier, einem Meisterwerke von eingelegter Arbeit, während Lucien, an einem Tische sitzend, in einem Albumblätterte.
Lucien hatte schon vor der Erscheinung des Grafen Zeit gehabt, derBaronin allerlei Dinge inBeziehung auf dessen Person zu erzählen. Man weiß, welchen Eindruck Monte Christo während des Frühstücksbei Albert auf dessen Gäste hervorbrachte; dieser Eindruck, so wenig empfänglich im ganzen Debray war, hatte sichbei ihm noch nicht verwischt, und die Mitteilungen, die er derBaronin über den Grafen machte, waren ganz davon erfüllt. Durch die früheren Erzählungen Morcerfs und durch die neuenBerichte Debrays angeregt, hatte die Neugierde derBaronin den höchsten Grad erreicht. Sie empfing Herrn Danglars mit einem Lächeln, wie es ihm gewöhnlich nicht zuteil wurde, während sie dem Grafen auf seinen Gruß eine zeremoniöse, aber zugleich freundliche Verneigung gewährte.
Lucien wechselte mit dem Grafen einen halbvertrauten Gruß und nickte Danglars zu.
FrauBaronin, sagte Danglars, erlauben Sie mir, Ihnen den Herrn Grafen von Monte Christo vorzustellen, den mein Korrespondent in Rom mit den dringendsten Empfehlungen an mich gewiesen hat. Ich habe nur ein Wort zu sagen, das ihn im Augenblick zum Liebling aller unserer schönen Damen machen wird; er kommt nach Paris, um ein Jahr hier zubleiben und während dieses Jahres sechs Millionen auszugeben. Dies verspricht eine Reihe vonBällen, Diners und Soupers, wobei der Herr Graf, wie ich hoffe, uns ebensowenig vergessen wird, wie wir ihnbei unseren kleinen Festen!
Trotz der plumpen Art dieser Vorstellung ist doch ein Mensch, der nach Paris kommt, um in einem Jahre ein fürstliches Vermögen zu verbrauchen, etwas so Seltenes, daß Frau Danglars auf Monte Christo einen recht neugierigenBlick warf.
Wann sind Sie angelangt, mein Herr? fragte sie. — Gestern früh.
Und Sie kommen Ihrer Gewohnheit gemäß, wie man mir gesagt hat, vom Ende der Welt?
Diesmal nur von Cadix.
Oh! Sie erscheinen in einer abscheulichen Jahreszeit; Paris ist im Sommer fürchterlich; es gibt keineBälle, keine Gesellschaften, keine Feste. Die italienische Oper ist in London, die französische Oper überall, nur nicht in Paris; und was das Théâtre‑Françaisbetrifft, so wissen Sie, daß es nirgends mehr zu finden ist. Somitbleiben uns als einzige Zerstreuung nur noch ein paar unglückliche Wettrennen auf dem Marsfelde und in Satory. Werden Sie rennen lassen, Herr Graf?
Ich, erwiderte Monte Christo, werde in Paris alles mitmachen, wenn ich das Glück habe, jemand zu finden, der mich recht in das Pariser Leben einführt.
Sie sind Liebhaber von Pferden, Herr Graf?
Ich habe einen Teil meines Lebens im Orient zugebracht, gnädige Frau, und die Orientalen schätzen, wie Sie wissen, nur zwei Dinge in der Welt, den Adel der Pferde und die Schönheit der Frauen.
Ah! Herr Graf, entgegnete dieBaronin, Sie hätten, meine ich, die Frauen voransetzen können!
Sie sehen, FrauBaronin, daß ich recht hatte, wenn ich mir soeben einen Führer wünschte, der mir in den französischen Sitten Anleitung zu geben vermöchte.
In diesem Augenblick trat die Lieblingskammerfrau derBaronin Danglars ein, näherte sich ihrer Gebieterin und flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr. Frau Danglars entgegnete erbleichend: Es ist unmöglich!
Nein, es ist die genaue Wahrheit, sagte die Kammerfrau.
Frau Danglars fragte, sich an ihren Gatten wendend: Ist es wahr, mein Herr?
Was, FrauBaronin? erwiderte er, sichtbarbeunruhigt.
Man sagt mir, mein Kutscher habe, als er anspannen wollte, meine Pferde nicht mehr im Stalle gefunden. Ich frage Sie, was soll dasbedeuten?
FrauBaronin, hören Sie mich!
Oh! ich höre schon, denn ichbin neugierig, zu erfahren, was Sie mir sagen werden; ich mache diese Herren zu Richtern zwischen uns und will Ihnen zunächst mitteilen, wie sich die Sache verhält. DerBaron hat zehn Pferde im Stall; unter diesen zehn Pferden gehören mir zwei, reizende Tiere, die schönsten Pferde von Paris; Sie kennen sie, Herr Debray, meine Apfelschimmel. Nun, jetzt eben, als Frau von Villefort meinen Wagen von mir entlehnt, als ich ihr ihn für morgen zu einer Spazierfahrt zusage, finden sich meine zwei Pferde nicht mehr vor. Herr Danglars hat wahrscheinlich ein paar tausend Franken dabei verdient. Wie verhaßt ist mir doch dieser gemeine Krämergeist!
FrauBaronin, erwiderte Danglars, die Pferde waren zu lebhaft und kaum vier Jahre alt, ich werde ähnliche, sogar schönere für Sie finden, wenn es welche gibt, aber sanfte, ruhige Pferde, die mir keine solche Angst einflößen.
DieBaronin zuckte die Achseln mit der Miene tiefer Verachtung.
Danglars schien diese mehr als deutliche Gebärde nicht zubemerken und sagte, sich an Monte Christo wendend: In der Tat, ichbedaure, Sie nicht früher gekannt zu haben, Herr Graf; Sie richten Ihr Haus ein?
Ja wohl. Ich hätte Ihnen diese Tiere angetragen; denken Sie, ich habe sie um ein Nichts weggegeben; aber wie gesagt, ich wollte sie los sein, es waren zu feurige Tiere.
Mein Herr, sagte der Graf, ich danke Ihnen, ich habe heute morgen ziemlich gute und nicht zu teuer gekauft. Doch sehen Sie, Herr Debray! Sie sind, glaube ich, Kenner?
Während Debray ans Fenster trat, näherte sich Danglars seiner Frau und sagte ganz leise zu ihr: Stellen Sie sich vor, man kam undbot mir einen ungeheuren Preis für die Pferde. Ich weiß nicht, welcher Narr, der sich mit Gewalt zu Grunde richten will, heute seinen Intendanten zu mir schickte; nur so viel ist gewiß, daß ich sechzehntausend Frankenbei dem Handel gewinne. Schmollen Sie nicht, und ich gebe Ihnen viertausend davon und Eugenie ebenfalls viertausend.
Frau Danglars ließ einen niederschmetterndenBlick auf ihren Gatten fallen.
Wenn ich mich nicht täusche, sind Ihre Pferde, Ihre eigenen Pferde, an den Wagen des Grafen gespannt, rief Debray.
Meine Apfelschimmel! rief Frau Danglars und eilte ans Fenster. Danglars war ganz verblüfft.
Ist es möglich? rief Monte Christo, den Erstaunten spielend.
Es ist unglaublich, murmelte derBankier.
DieBaronin sagte Debray ein paar Worte ins Ohr, und dieser näherte sich Monte Christo.
DieBaronin läßt Sie fragen, um welchen Preis ihr Gatte sein Gespann an Sie verkauft hat?
Ich weiß es nicht genau; es ist eine Überraschung, die mir mein Intendant, ich glaube um dreißigtausend Franken, bereitet hat.
Debray überbrachte derBaronin die Antwort.
Danglars erwiderte nichts, er sah eine unheilvolle Szene voraus; bereits war die Stirn derBaronin gefaltet und weissagte Sturm. Debray fühlte dies, schützte ein Geschäft vor und entfernte sich, Monte Christo, der mit Genugtuung die Lage der Dingebemerkte, verbeugte sich vor Frau Danglars, ging ebenfalls weg und überließ denBaron dem Grimme seiner Gemahlin.