Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ah! ganz gewiß, hinsichtlich der Grammatik ist nichts dagegen einzuwenden, anders steht es geschäftlich.
Scheint Ihnen das Haus Thomson und French nicht vollkommen sicher, HerrBaron? sagte Monte Christo mit der naivsten Miene der Welt. Teufel! das wäre mir ärgerlich, denn ich habe einige Fonds dort angelegt.
Vollkommen sicher, erwiderte Danglars mitbeinahe spöttischem Lächeln; aber der Sinn des Wortes unbegrenzt istbei finanziellen Dingen so unbestimmt…
Daß er unbegrenzt ist, nicht wahr?
Das ist es gerade, was ich sagen wollte; das Unbestimmte aber ist der Zweifel, und im Zweifel enthalte dich, spricht der Weise.
Und dasbedeutet, daß, wenn das Haus Thomson und French geneigt ist, Tollheiten zubegehen, das Haus Danglars keine Lust hat, demBeispiel zu folgen.
Wieso, Herr Graf?
Ja gewiß, die Herren Thomson und French machen Geschäfte ohnebestimmte Zahlen, aber Herr Danglars hat eine Grenzebei den seinigen; er ist ein weiser Mann, wie er soebenbemerkte.
Mein Herr, sagte derBankier stolz, es hat noch niemand an meiner Kasse etwas auszusetzen gefunden.
Dann werde ich anfangen, wie es scheint, erwiderte Monte Christo.
Wer sagt Ihnen das?
Die Erläuterungen, die Sie von mir verlangen, denn sie sind Zögerungen sehr ähnlich.
Danglarsbiß sich in die Lippen; zum zweiten Male wurde er von diesem Manne geschlagen, und zwar diesmal auf dem Gebiete, das er als sein eigenstesbezeichnete. Seine spöttische Höflichkeit war nur geheuchelt undberührte jenes Extrem, das der Unverschämtheit so nahe steht. Monte Christo dagegen lächelte aufs anmutigste undbesaß, wenn er wollte, ein gewisses naives Wesen, das ihm sehr zum Vorteile gereichte.
Mein Herr, sagte Danglars nach kurzem Stillschweigen, ich will versuchen, mich dadurch verständlich zu machen, daß ich Siebitte, selbst die Summe zubestimmen, die Sie von mir zu erheben gedenken.
Mein Herr, antwortete Monte Christo, entschlossen, keinen Zollbreitbei dieser Verhandlung zurückzuweichen, wenn ich einen unbegrenzten Kredit auf Sie verlangt habe, so geschah dies, weil ich denBetrag der Summen, deren ich vielleichtbedarf, nicht kannte.
DerBankier glaubte, der Augenblick sei gekommen, den Meister zu zeigen, er warf sich in seinen Polsterstuhl zurück und sagte mit stolzem, plumpem Lächeln: Oh! mein Herr, scheuen Sie sich nicht, Ihren Wunsch auszudrücken, Sie werden sich überzeugen, daß die Kasse des Hauses Danglars, sobeschränkt sie auch ist, doch den ausgedehntesten Forderungen zu entsprechen vermag, und sollten Sie auch eine Million verlangen…
Wiebeliebt?
Ich sage eine Million, wiederholte Danglars mit dem Nachdruck der Gemeinheit.
Und was soll ich mit einer Million tun? entgegnete der Graf. Guter Gott! wenn ich nur eine Million gebraucht hätte,… einer solchen Erbärmlichkeit wegen würde ich mir nicht haben einen Kredit auf Sie eröffnen lassen! Eine Million habe ich stets in meinerBrieftasche. Hierbei zog Monte Christo aus einem kleinen Täschchen, das auch seine Visitenkarten enthielt, zwei Anweisungen auf die Staatsbank, je über 500 000 Franken.
Einen Menschen wie Danglars mußte man mit einem Keulenschlage niederstrecken, leichte Stiche taten ihm nichts. DerBankier wanktebetäubt und schaute Monte Christo mit verdutzten Augen an, deren Stern sich furchtbar erweiterte. Gestehen Sie mir, daß Sie dem Hause Thomson und French mißtrauen? sagte Monte Christo. Mein Gott, das ist ganz einfach, ich habe diesen Fall vorgesehen. Hier sind noch zweiBriefe, dem ähnlich, den Sie erhalten haben, der eine ist von Arnstein in Wien an den HerrnBaron Rothschild, der andere vonBaring in London an Herrn Laffitte. Sagen Sie ein Wort, und ich überhebe Sie jeder Unruhe, indem ich mich an eins von denbeiden Häusern wende.
Das wirkte, Danglars warbesiegt. Er öffnete sichtbar zitternd diebeidenBriefe von Wien und London, die ihm der Graf mit den Fingerspitzen reichte, und untersuchte die Echtheit der Unterschriften mit einer ängstlichen Aufmerksamkeit, die für Monte Christobeleidigend gewesen wäre, wenn er sie nicht der Verwirrung desBankiers zu gut gehalten hätte.
Oh! mein Herr, diese drei Unterschriften sind Millionen wert, sagte Danglars, indem er sich erhob, als wollte er in dem Manne, der vor ihm stand, die personifizierte Macht des Geldesbegrüßen. Drei unbegrenzte Kredite auf unsere größten Häuser! Verzeihen Sie, Herr Graf, aber wenn man auch aufhört, mißtrauisch zu sein, so kann man doch noch erstauntbleiben.
Oh! ein Haus wie das Ihrige dürfte wohl nicht staunen, erwiderte Monte Christo mit aller ihm zu Gebote stehenden Höflichkeit. Sie können mir also einiges Geld schicken?
Befehlen Sie, Herr Graf, ichbin zu Ihren Diensten.
Nun, da wir uns verstehen… nicht wahr, wir verstehen uns?
Danglars machte einbejahendes Zeichen mit dem Kopfe.
Und Sie haben kein Mißtrauen mehr? fuhr Monte Christo fort.
Oh! Herr Graf, rief derBankier, ich hatte es nie.
Nun also, da wir uns verstehen, wollen wir eine runde Summe für das erste Jahr feststellen, sechs Millionen etwa.
Sechs Millionen, gut! versetzte derBankier ganzbetäubt.
Brauche ich mehr, fuhr Monte Christo gleichgültig fort, so setzen wir mehr. Doch ich gedenke nur ein Jahr in Frankreich zubleiben, und während dieses Jahres überschreite ich diese Summe wohl nicht… übrigens werden wir sehen… Schicken Sie mir morgen zunächst 500 000 Franken, ich werdebis zur Mittagsstunde zu Hause sein; und wäre dies auch nicht der Fall, so fände sich ein Empfangsscheinbei meinem Intendanten.
Das Geld wird morgen vormittag um zehn Uhrbei Ihnen sein, Herr Graf, erwiderte Danglars.
Der Graf stand auf.
Ich muß Ihnen gestehen, Herr Graf, sagte Danglars, ich glaubte von allen großen Vermögen in Europa Kenntnis zu haben, aber das Ihre, das dochbeträchtlich zu sein scheint, war mir völlig unbekannt; ist es neu?
Nein, mein Herr, es ist von sehr altem Datum; es war eine Art Familienschatz, den man nichtberühren durfte, der Zuschlag der Zinsen hat das Kapital verdreifacht. Die vom Erblasser festgesetzte Frist ist erst vor ein paar Jahr en abgelaufen, und erst seitdembin ich im Genuß; somit ist es ganz natürlich, daß Ihnen von diesem Kapital nichtsbekannt ist. Übrigens werden Sie den Stand der Dinge in einiger Zeit genauer kennen lernen.
Der Grafbegleitete diese Worte mit jenembleichen Lächeln, das Franz d'Epinay sobange gemacht hatte.
Mit Ihrem Geschmack und Ihrer Gesinnung, mein Herr Graf, fuhr Danglars fort, werden Sie in der Hauptstadt einen Luxus entwickeln, der uns arme kleine Millionäre insgesamt in den Staubtreten muß. Doch dürfte ich um die Ehrebitten, Sie der FrauBaronin von Danglars vorstellen zu dürfen? Entschuldigen Sie meinen Eifer, Herr Graf, doch ein Kunde, wie Sie, gehörtbeinahe zur Familie.
Monte Christo verbeugte sich. Danglars läutete, und es erschien ein Lakai in auffallender Livree, den sein Herr fragte: Ist die FrauBaronin zu Hause?
Ja, HerrBaron. Die FrauBaronin hat Gesellschaft. Und wer istbei der FrauBaronin? Herr Debray? fragte Danglars mit einer Gelassenheit, die Monte Christo, derbereits von den durchsichtigen Geheimnissen im Hause des Finanzmannes unterrichtet war, innerlich lächeln ließ.
Ja, HerrBaron, Herr Debray, antwortete der Lakai.
Danglars machte ein Zeichen mit dem Kopfe. Dann, sich gegen Monte Christo wendend, sagte er: Herr Lucien Debray, ein alter Freund von uns, ist geheimer Sekretärbeim Minister des Innern. Was meine Fraubetrifft, so muß ich Ihnenbemerken, daß sie einer sehr alten Familie angehört; sie ist ein Fräulein von Servières, Witwe aus erster Ehe mit dem Obersten Marquis von Nargonne.
Ich habe nicht die Ehre, die FrauBaronin von Danglars zu kennen; aber Herrn Lucien Debray traf ich unmittelbar nach meiner Ankunftbei Herrn von Morcerf.
Ah! Sie kennen den kleinen Vicomte.
Wir waren miteinander zur Zeit des Karnevals in Rom.