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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ali streckte die Hand nach der für die schöne Griechinbestimmten Wohnung aus, die so abgesondert und durch eine Tapetentür verborgen war, daß man das ganze Hausbesichtigen konnte, ohne zu vermuten, daß es hier noch einen Salon und zweibewohnte Zimmer gab. Ali streckte also die Hand nach dieser Wohnung aus, deutete die Zahl drei mit den Fingern seiner linken Hand an, legte dann den Kopf auf die wieder flach gemachte Hand und schloß die Augen, als schliefe er.

Oh! sagte Monte Christo, der an diese Sprache gewöhnt war, es sind ihrer drei, und sie warten im Schlafzimmer, nicht wahr?

Alibejahte, indem er mit dem Kopfe nickte.

Madame wird heute abend müde sein und ohne Zweifel schlafen wollen; veranlasse sie nicht zum Sprechen; die französischen Kammerfrauen sollen ihre neue Gebieterin nurbegrüßen und sich dann zurückziehen. Du wachst darüber, daß die griechische Kammerfrau nicht mit den französischen Frauen verkehrt.

Ali verbeugte sich.

Bald hörte man den Hausmeister anrufen; das Gitter öffnete sich, ein Wagen hielt vor der Freitreppe. Der Graf ging hinab; der Kutschenschlag warbereits offen; er reichte seine Hand einer Frau, die in einen großen, seidenen, ganz mit Gold gestickten, von ihrem Haupte herabfallenden Schleier gehüllt war. Die junge Frau nahm die ihr dargebotene Hand, küßte sie mit ehrfurchtsvoller Liebe und ließ ein paar zärtliche Worte laut werden, auf die der Graf mit sanftem Ernste antwortete. Dann wurde die junge Frau, eine junge Griechin, in ihre Gemächerbegleitet.

Der unbegrenzte Kredit

Am andern Tage, gegen zwei Uhr nachmittags, hielt eine mit zwei prächtigen Pferdenbespannte Kalesche vor der Tür des Grafen. Ein Mann von etwa fünfzig Jahren inblauem Frack und weißer Weste mit ungeheurer goldener Uhrkette streckte seinen Kopf aus dem Coupé, auf dessen Füllung eineBaronenkrone gemalt war, und schickte seinen Diener zum Hausmeister, um zu fragen, obder Graf von Monte Christo zu Hause sei.

Inzwischenbetrachtete er mit großer Aufmerksamkeit das Äußere des Hauses und die Livree einigerBedienten, die hin und her gingen. Sein Auge war lebhaft, aber mehr verschmitzt als geistreich; seine Lippen waren so dünn, daß sie, statt gegen außen vorzuspringen, in den Mund zurücktraten; diebreiten und hervorragendenBackenknochen, die niedergedrückte Stirn, die Ausbuchtung des Hinterhauptes, die übermäßige Ohrmuschel trugen dazubei, für jeden Physiognomiker dem Gesichte dieser Person einen fast abstoßenden Charakter zu verleihen.

Der Diener klopfte an das Fenster des Hausmeisters und fragte: Wohnt hier nicht der Graf von Monte Christo?

Seine Exzellenz wohnt hier, antwortete der Hausmeister; aber… Erbefragte Ali mit einemBlicke. Ali machte ein verneinendes Zeichen.

Aber Seine Exzellenz ist nicht zu sprechen, sagte der Hausmeister.

Dann nehmen Sie diese Karte des HerrnBaron von Danglars und geben sie dem Herrn Grafen. Sagen Sie ihm, daß mein Herr, der jetzt zur Kammer fährt, einen Umweg macht, um sich die Ehre zu geben, ihm einenBesuch abzustatten.

Der Diener kehrte zum Wagen zurück und meldete, was man ihm gesagt.

Oh! oh! rief Danglars, dieser Herr ist also so vornehm, das; man ihn Exzellenz nennt, und daß nur sein Kammerdiener mit ihm sprechen darf; gleichviel, da er einen Kredit auf mich hat, muß ich ihnbesuchen, für den Fall, daß er Geld zu erheben wünscht.

Und er warf sich in seinen Wagen zurück und rief dem Kutscher so laut zu, daß man es auf der andern Seite der Straße hören konnte: In die Deputiertenkammer!

Durch eine Jalousie hatte Monte Christo denBaron gesehen und ihn mit derselben Aufmerksamkeit gemustert, mit der Danglars das Haus, den Garten und die Livreenbesichtigt hatte.

Dieser Mensch, sagte er, ist offenbar ein häßliches Geschöpf; erkennt man nicht sofort, wenn man ihn sieht, die Schlange an der platten Stirn, den Geier an dem gewölbten Schädel und den Habicht an dem scharfen Schnabel?

In demselben Augenblick trat der Intendant ein. Monte Christo wandte sich an ihn und sagte: Haben Sie die Pferde gesehen, die soeben vor meiner Tür hielten?

Allerdings, Exzellenz, sie sind sehr schön.

Wie kommt es, fragte Monte Christo, die Stirn faltend, daß es, wenn ich die zwei schönsten Pferde von Paris verlange, hier noch zwei andere Pferde gibt, die so schön sind, wie die meinigen, und daß diese Pferde nicht in meinem Stalle stehen?

Herr Graf, sagteBertuccio, die Pferde, von denen Sie sprechen, waren nicht käuflich.

Monte Christo zuckte die Achseln und erwiderte: Lassen Sie sich sagen, mein Herr Intendant, daß stets alles für den käuflich ist, der den Preis zu machen weiß.

Herr Danglars hat 16 000 Franken dafürbezahlt.

Dann hätte man ihm 32 000bieten müssen; er istBankier, und einBankier versäumt nie eine Gelegenheit, sein Kapital zu verdoppeln.

Spricht der Herr Graf im Ernste? fragteBertuccio.

Monte Christo schaute den Intendanten wie ein Mensch an, der darüber erstaunt, daß man eine solche Frage an ihn zu richten wagt, und sagte sodann: Ich habe heute abend einenBesuch zu erwidern, die zwei Pferde müssen dann mit neuem Geschirr an meinen Wagen gespannt sein.

Bertuccio verbeugte sich, um wegzugehen; an der Türblieber noch einmal stehen und fragte: Um wieviel Uhr gedenkt Exzellenz denBesuch zu machen? — Um fünf Uhr.

Ich erlaube mir, Eure Exzellenz zubemerken, daß es zwei Uhr ist, sagte der Intendant.

Ich weiß es, erwiderte Monte Christo mit trockenem Tone; dann fügte er, zu Ali gewendet, hinzu: Laß alle Pferde an Madame vorüberfahren, damit sie sich das Gespann auswählen kann, das ihr am meisten gefällt; will sie mit mir zu Mittag speisen, so mag sie es mir sagen lassen, man serviert dannbei ihr; geh und schicke mir den Kammerdiener.

Ali war kaum verschwunden, als der Kammerdiener ebenfalls eintrat.

HerrBaptistin, sagte der Graf, Sie sind seit einem Jahre in meinem Dienst; das ist die Probezeit, die ich gewöhnlich meinen Leuten auferlege. Sie sagen mir zu.

Baptistin verbeugte sich.

Nun fragt es sich nur noch, obich Ihnen zusage.

Oh! Herr Graf! riefBaptistin.

Hören Sie mich zu Ende! Sie erhalten im Jahr fünfzehnhundert Franken, Sie haben eine Tafel, wie sie sich viele wünschen würden. Ein Diener, haben Sie selbst wieder Diener, die für Ihr Weißzeug und Ihre andernBedürfnisse sorgen. Außer den fünfzehnhundert Franken Gehalt stehlen Sie mirbei den Ankäufen, die Sie für meine Toilette zu machen haben, noch ungefähr weitere fünfzehnhundert Franken jährlich.

Oh! Herr Graf.

Ichbeklage mich nicht, HerrBaptistin, denn ich finde dies nicht übermäßig; doch wünsche ich, daß es hierbeibleiben möge. Sie werden also nirgends einen Posten dem ähnlich finden, den Sie Ihr Glück finden ließ. Ich schlage meine Leute nie, ich fluche nie, ich gerate nie in Zorn, ich vergebe stets einen Irrtum, doch nie eine Nachlässigkeit oder Vergeßlichkeit. MeineBefehle sind gewöhnlich kurz, aber klar und genau; ich will sie lieber zwei- oder dreimal wiederholen, als falsch ausgelegt zu sehen. Ichbin reich genug, um alles zu erfahren, was ich erfahren will, und ichbin sehr neugierig, das sage ich Ihnen zum voraus. Erfahre ich nun, Sie hätten im Guten oder im Schlechten von mir gesprochen, meine Handlungenbeurteilt, mein Tun überwacht, so würden Sie auf der Stelle mein Haus verlassen. Ich warne meine Diener nur ein einziges Mal, Sie sind gewarnt, gehen Sie! Baptistin verbeugte sich und machte ein paar Schritte, um sich zu entfernen.

Doch halt, sagte der Graf, ich vergaß, Ihnen zu sagen, daß ich jedes Jahr eine gewisse Summe auf den Kopf meiner Leute anlege. Die, welche ich wegschicke, verlieren natürlich dieses Geld, das denBleibenden zu gut kommt, die nach meinem Tode ein Recht darauf haben. Sie sind ein Jahrbei mir; die Ansammlung Ihres Vermögens hatbegonnen, sorgen Sie dafür, daß es zunimmt.

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