Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Für Mrs. McMurdo und Mrs. Hayes bedeutete seine Anwesenheit eine ebenso offene Erklärung seiner Absichten, als hätte er eine ganzseitige Anzeige in der Abendzeitung geschaltet. Zu schade, dass Brianna es nicht merkte.
Oder? Sie sah ihn mit einem halb versteckten Lächeln an, und er spürte den Druck ihrer Finger auf seinem Arm, nur einen Moment lang.
»Och, da kommt der Kleine mit dem Weihrauchfass!«, rief Mrs. Hayes aus, als sie einen weiteren weißgewandeten Jungen aus dem Allerheiligsten kommen sah. »Lass uns lieber schnell reingehen, Chrissie, sonst kriegen wir keinen Sitzplatz mehr!«
»Was für eine Freude, Sie kennenzulernen, meine Liebe«, sagte Mrs. McMurdo zu Brianna und neigte dabei den Kopf so weit zurück, dass er abzufallen drohte. »Meine Güte, und wie groß sie ist!« Sie warf Roger einen zwinkernden Blick zu. »Was für ein Glück, dass Sie den passenden Kerl gefunden haben, was?«
»Chrissie!«
»Komme schon, Jessie, komme schon. Immer mit der Ruhe, wir haben Zeit.« Indem sie ihren Hut zurechtrückte, der mit einem kleinen Büschel Moorhuhnfedern verziert war, drehte sich Mrs. McMurdo seelenruhig um, um sich ihrer Freundin anzuschließen.
Über ihnen begann erneut die Glocke zu läuten, und Roger ergriff Briannas Arm. Er sah, wie Jessie Hayes sich vor ihnen umsah. In ihren Augen leuchtete die Spekulation, und ihr wissendes Lächeln war verschmitzt.
Brianna tauchte die Finger in ein kleines Steinbassin, das neben der Tür in die Wand eingelassen war, und bekreuzigte sich. Roger kam die Geste plötzlich merkwürdig vertraut vor, obwohl sie so »papistisch« war.
Vor Jahren waren er und der Reverend auf einer Bergwanderung auf eine Heiligenquelle gestoßen, die in einem Hain versteckt lag. Eine Steinplatte stand am Rand der kleinen Quelle, die Überbleibsel des eingemeißelten Bildes darauf waren fast vollständig verwittert, kaum noch mehr als der Schatten eines menschlichen Körpers.
Eine geheimnisvolle Stimmung hatte über der kleinen, dunklen Quelle gehangen. Er und der Reverend hatten eine Zeitlang schweigend dagestanden. Dann hatte sich der Reverend gebückt, eine Handvoll Wasser geschöpft und es in stummem Zeremoniell über den Fuß des Steines gegossen, eine weitere Handvoll geschöpft und es sich ins Gesicht gespritzt. Erst dann waren sie an der Quelle niedergekniet, um von dem kalten, frischen Wasser zu trinken.
Über den gebeugten Rücken des Reverends hinweg hatte Roger Stoffstreifen gesehen, die über der Quelle an die Äste geknotet waren. Weihegaben, symbolische Bittgebete, hinterlassen von den Leuten, die dieses alte Heiligtum immer noch aufsuchten.
Seit wie vielen tausend Jahren segneten sich die Menschen schon so mit Wasser, bevor sie sich aufmachten, ihr Glück zu suchen? Roger tauchte die Finger in das Wasser und berührte verlegen seinen Kopf und sein Herz, und vielleicht betete er sogar dabei.
Sie fanden Sitzplätze im östlichen Querschiff, Schulter an Schulter mit einer Familie zusammengedrängt, die murmelnd damit beschäftigt war, ihre Habseligkeiten und schläfrigen Kinder zu verstauen und Mäntel, Handtaschen und Babyflaschen hin und her zu reichen, während eine kleine, heisere Orgel irgendwo unsichtbar »Zu Bethlehem geboren« spielte.
Die Musik verstummte. Es folgte erwartungsvolle Stille, und dann ertönten kraftvoll die Klänge von »Auf, gläubige Seelen«.
Roger erhob sich mit dem Rest der Gemeinde, als die Prozession durch den Mittelgang kam, angeführt von einigen weißgewandeten Messdienern. Einer davon schwenkte ein Weihrauchfass, das duftende Rauchwölkchen in die Menge schickte. Ein anderer trug ein Buch und ein Dritter ein großes Kruzifix mit einer grausigen Christusfigur, deren schreiend rote Farbe sich blutig im rot-goldenen priesterlichen Ornat wiederholte.
Unwillkürlich verspürte Roger einen Anflug von schockiertem Widerwillen; diese Mischung aus heidnischem Brauchtum und dem Auf und Ab lateinischer Gesänge war seinen unbewussten Vorstellungen von dem, was sich in einer Kirche gehörte, völlig fremd.
Doch als die Messe ihren Lauf nahm, kam ihm alles normaler vor; es gab Lesungen aus der Bibel, die ihm durchaus bekannt waren, und dann kam das gewohnte Absinken in die irgendwie angenehme Langeweile einer Predigt, in deren Verlauf die unvermeidlichen Weihnachtsbotschaften von »Frieden«, »gutem Willen« und »Liebe« an die Oberfläche seines Bewusstseins stiegen, träge wie weiße Lilien, die auf einem Teich aus Worten trieben.
Als sich die Gemeinde schließlich wieder erhob, hatte Roger jedes Gefühl der Fremdheit verloren. Inmitten des warmen, vertrauten Kirchenmiefs aus Bohnerwachs, feuchter Wolle, Leuchtpetroleum und einem leichten Hauch von Whisky, mit dem sich einige der Kirchgänger für den langen Gottesdienst gestärkt hatten, bemerkte er den süßen, erdigen Geruch des Weihrauchs kaum noch. Er atmete tief ein und glaubte, den Hauch frischen Grases von Briannas Haar aufzufangen.
Es leuchtete im gedämpften Licht des Querschiffs, dicht und weich auf dem dunklen Violett ihres Pullovers. Die kupfernen Funken wurden vom Dämmerlicht gedämpft, so dass es die rotbraune Farbe eines Hirschfells hatte und ihm dasselbe Gefühl hilfloser Sehnsucht einflößte, das er verspürt hatte, als ihn einmal ein Reh auf einem Highlandpfad überrascht hatte – das starke Verlangen, es zu berühren, das wilde Wesen zu streicheln und es irgendwie bei sich zu behalten, gepaart mit der Gewissheit, dass das geringste Zucken seines Fingers es in die Flucht schlagen würde.
Was man auch immer von Paulus halten mochte, dachte er, der Mann hatte gewusst, wovon er sprach, als es um das Haar der Frauen ging. Unziemliche Lust, was? Er dachte plötzlich an den kahlen Flur und den Dampf, der von Briannas Körper aufstieg, an die feuchten, kühlen Haarschlangen auf seiner Haut. Er wandte den Blick ab und versuchte, sich auf die Vorgänge am Altar zu konzentrieren, wo der Priester eine große, flache Brotscheibe hochhielt, während ein kleiner Junge wie wild ein Glockenspiel schüttelte.
Er sah ihr zu, als sie nach vorn ging, um die Kommunion zu empfangen, und schreckte leicht zusammen, als er sich bewusst wurde, dass er wortlos betete.
Er entspannte sich ein wenig, als er den Inhalt seines Gebetes erkannte; es war nicht das unwürdige »Gib, dass sie die Meine wird«, das er erwartet hätte. Es war das bescheidenere – und annehmbarere, so hoffte er – »Gib, dass ich ihrer würdig bin, dass ich sie richtig liebe; gib, dass ich für sie sorgen darf«. Er nickte zum Altar, bemerkte dann den seltsamen Blick des Mannes neben ihm und richtete sich auf, wobei er sich verlegen räusperte, als hätte man ihn bei einem sehr persönlichen Gespräch überrascht.
Sie kam zurück, die Augen weit offen und auf etwas tief in ihrem Inneren gerichtet, ein leichtes, verträumtes Lächeln auf ihrem breiten, schönen Mund. Sie kniete nieder, und er tat es ihr nach.
Jetzt waren ihre Züge weich, doch es war kein sanftes Gesicht. Streng, mit einer geraden Nase und dichten roten Brauen, die nur durch ihren eleganten Schwung nicht wuchtig wirkten. Kinn und Wangen waren so klar geformt, als wären sie aus weißem Marmor gemeißelt, es war ihr Mund, der sich von einem Moment zum nächsten verändern konnte, sich von sanfter Großzügigkeit in den Mund einer mittelalterlichen Äbtissin verwandeln konnte, deren Lippen in der kühlen Versteinerung des Zölibates versiegelt waren.
Die Stimme, die neben ihm mit schwerem Glasgower Akzent »Stille Nacht« dröhnte, riss ihn unsanft aus seinen Gedanken, gerade rechtzeitig, dass er sehen konnte, wie der Priester den Mittelgang entlangrauschte, umringt von seinen Messdienern und einer Wolke aus triumphierendem Rauch.
»Stille Nacht, Heilige Nacht«, sang Brianna leise vor sich hin, während sie den River Walk entlanggingen, »alles schläft, einsam wacht – hast du eigentlich das Gas ausgemacht?«
»Ja«, versicherte er ihr. »Keine Sorge; wenn das Pfarrhaus bei diesem Herd und diesem Durchlauferhitzer bis jetzt noch nicht in Flammen aufgegangen ist, dann muss es der Beweis himmlischen Schutzes sein.«