Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Daraufhin wurde das Tor geöffnet, das möglicherweise auf höheren Befehl verschlossen geblieben war; ein jeder stieg in seinen Wagen und befahl dem Kutscher, das verwünschte Schloss zu verlassen; man hätte meinen können, diese tapferen Soldaten, die auf dem Schlachtfeld oft genug und ohne mit der Wimper zu zucken dem Tod ins Auge gesehen hatten, ergriffen vor einem Gespenst die Flucht.
Savary, den das Geschehen vielleicht stärker beeindruckt hatte als die anderen, begab sich ebenfalls nach Paris zurück; am Schlagbaum jedoch begegnete er dem als Staatsrat gewandeten Monsieur Réal, der nach Vincennes fuhr. Er hielt ihn an und fragte: »Wohin fahren Sie?«
»Nach Vincennes«, erwiderte Monsieur Réal.
»Und was wollen Sie dort tun?«, fragte Savary.
»Ich will den Herzog von Enghien verhören, wie es mir der Erste Konsul befohlen hat.«
»Der Herzog von Enghien ist seit einer Viertelstunde tot«, sagte Savary.
Monsieur Réal stieß einen Ausruf der Verwunderung und des Entsetzens aus und erbleichte sichtlich. »Oh«, sagte er, »wer kann es so eilig gehabt haben, diesen bedauernswerten Fürsten um sein Leben zu bringen?«
»Bei dieser Antwort«, schreibt Savary in seinen Erinnerungen, »begann ich mich zu fragen, ob der Tod des Herzogs von Enghien wirklich das Werk des Ersten Konsuls war.«
Monsieur Réal kehrte nach Paris zurück.
Savary fuhr nach La Malmaison, um Bonaparte Bericht zu erstatten. Er kam dort um elf Uhr an.
Der Erste Konsul wirkte nicht minder erstaunt als Monsieur Réal, als er vom Tod des Herzogs erfuhr. Wieso hatte man die Bitte des Fürsten nicht erfüllt, der mit ihm zu sprechen verlangt hatte?
»Soweit ich seinen Charakter beurteilen kann«, sagte Bonaparte, »hätte wir alles einvernehmlich regeln können«, und dann, während er mit großen Schritten hin- und herging: »Ich verstehe das Ganze nicht! Dass das Tribunal aufgrund des Geständnisses des Herzogs von Enghien sein Urteil fällte, ist völlig begreiflich; aber dieses Geständnis erfolgte schließlich zu Beginn der Verhandlung, und das Urteil hätte erst exekutiert werden dürfen, nachdem Monsieur Réal ihn über eine Sache befragt hatte, die unbedingt zu erhellen war.« Und er wiederholte: »Die Sache bleibt mir rätselhaft! Das ist eine Untat, die keinen Sinn hat und nur dazu dient, mich verhasst zu machen!«
Gegen elf Uhr erschien Admiral Truguet, der von diesen Geschehnissen nichts wusste, in La Malmaison, um dem Ersten Konsul den Bericht vorzulegen, den er auf sein Geheiß über die Organisation der Flotte vor Brest ausgearbeitet hatte. Da der Admiral nicht in Bonapartes Kabinett vorgelassen werden konnte, wo dieser sich mit Savary befand, wurde er in den Salon gebeten, in dem er Madame Bonaparte in Tränen aufgelöst und in tiefster Verzweiflung vorfand. Sie hatte erfahren, dass der Herzog von Enghien hingerichtet worden war, und konnte die Ängste nicht verbergen, die ihr die Folgen dieser schrecklichen Katastrophe einflößten.
Auch den Admiral ergriff beim Erfahren dieser unerwarteten Nachricht ein unbezähmbares Zittern, das sich noch verschlimmerte, als man ihm sagte, der Erste Konsul wolle ihn sehen.
Er ging durch das Speisezimmer, in dem die Adjutanten frühstückten; sie wollten ihn zum Frühstück einladen, doch er sagte, er sei nicht hungrig; er zeigte ihnen sein Portefeuille und gab zu verstehen, dass er es eilig habe, brachte jedoch kein Wort hervor.
Als er zu Bonaparte kam, riss er sich zusammen und sagte: »Citoyen Erster Konsul, ich unterbreite Ihnen den Bericht über die Flotte von Brest, den Sie verlangt haben.«
»Danke«, sagte Bonaparte, ohne in seinem Umhergehen innezuhalten, und dann blieb er unvermittelt stehen und fügte hinzu: »Nun, Truguet, jetzt gibt es einen Bourbonen weniger.«
»Pah!«, sagte Truguet. »Sollte etwa Ludwig XVIII. den letzten Atemzug getan haben?«
»Nein. Es handelt sich um Folgendes!«, erklärte Bonaparte nervös. »Ich habe den Herzog von Enghien in Ettenheim ausheben lassen; ich habe ihn nach Paris bringen lassen, und heute Morgen um sechs Uhr wurde er in Vincennes füsiliert.«
»Aber was war der Zweck einer so unerbittlichen Maßnahme?«, fragte Truguet.
»Mein Gott«, erwiderte Bonaparte, »es war an der Zeit, den zahllosen Meuchelmorden ein Ende zu machen, die gegen mich angestiftet wurden; jetzt wird niemand mehr zu sagen wagen, ich wolle Moncks Rolle spielen.«
Zwei Tage nach diesem entsetzlichen Geschehen sandte Bourrienne einen Eilboten zu Madame Bonaparte, um sie zu fragen, ob sie ihn empfangen könne, denn er machte sich Sorgen.
Der Bote kam mit bejahender Antwort zurück.
Bourrienne eilte nach La Malmaison, und kaum war er angekommen, wurde er in das Boudoir geleitet, in dem Joséphine mit Madame Louis Bonaparte und Madame Rémusat allein war. Alle drei Damen waren vor Schmerz außer sich.
»Ach, Bourrienne!«, rief Madame Bonaparte, als sie ihn sah. »Was für ein scheußliches Unglück! Wenn Sie wüssten, wie er sich in letzter Zeit aufgeführt hat! Aller Welt geht er aus dem Weg, niemanden will er sehen! Wer konnte ihm nur eine solche Tat einflüstern?«
Daraufhin berichtete Bourrienne ihnen alle Einzelheiten der Hinrichtung, die ihm Harel erzählt hatte.
»Welche Grausamkeit!«, rief Joséphine. »Wenigstens wird niemand behaupten können, ich sei daran schuld, denn ich habe nichts unversucht gelassen, um ihn von diesem abscheulichen Vorhaben abzubringen; er hatte mir nichts davon anvertraut, aber Sie wissen, wie gut ich ihn kenne. Er hat alles zugegeben; aber wenn Sie wüssten, mit welcher Herzlosigkeit er mein Flehen abgewiesen hat! Ich habe nicht aufgegeben, ich habe mich vor ihm auf die Knie geworfen. ›Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten!‹, hat er mir wutentbrannt entgegengeschleudert. ›Das geht Frauen nichts an, lassen Sie mich in Ruhe!‹ Und er hat mich so heftig weggestoßen, wie ich es seit seiner Rückkehr aus Ägypten nicht mehr erlebt habe. Was wird man in Paris darüber denken? Ich bin überzeugt, dass man überall nur das Schlechteste von ihm annimmt, denn selbst hier machen seine eingefleischtesten Liebediener einen betroffenen Eindruck. Sie wissen, wie er sich aufführt, wenn er sich selbst nicht ausstehen kann und sich das um keinen Preis anmerken lassen will – dann wagt niemand, das Wort an ihn zu richten, und alle führen sich auf wie die reinsten Leichenbitter. Hier habe ich die Haare und einen Goldring des armen Prinzen mit der Bitte, sie jemandem zu senden, der ihm teuer war. Der Leutnant, dem er sie gab, hat sie Savary anvertraut, und Savary gab sie mir. Savary sprach mit Tränen in den Augen von den letzten Worten des Herzogs, und er schämte sich nicht zu weinen, als er zu mir sagte: ›Ach, Madame, einen solchen Menschen kann man nicht sterben sehen, ohne ergriffen zu sein.‹«
Monsieur de Chateaubriand, der noch nicht zu seinem Botschafterposten in der Republik Wallis aufgebrochen war, ging durch den Tuileriengarten, als er einen Mann und eine Frau eine amtliche Bekanntmachung verkünden hörte: »Mit Beschluss der in Vincennes zusammengetretenen Militärkommission wird Louis-Antoine-Henri de Bourbon, Herzog von Enghien, geboren am 2. August 1772 in Chantilly, zum Tode verurteilt.«
Dieser Ruf traf ihn wie ein Blitzschlag; einen Augenblick lang verharrten er und die anderen Passanten wie versteinert.
Er ging nach Hause, setzte sich an einen Tisch, schrieb sein Entlassungsgesuch und schickte es noch am selben Tag an Bonaparte.
Dieser erkannte Chateaubriands Handschrift auf dem Briefumschlag und drehte und wendete den ungeöffneten Brief hin und her.
Schließlich erbrach er das Siegel, las den Brief und warf ihn zornentbrannt auf den Tisch. »Umso besser!«, sagte er. »Dieser Mann und ich hätten uns nie verstanden; er ist nichts als Vergangenheit, ich aber bin die Zukunft.«