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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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Die Südtür schwang auf, und Baine trat herein, ein in Öltuch gewickeltes Päckchen unterm Arm und einem Äußeren, als käme er geradewegs vom Wrack der »Hesperus«.

»Baine!« rief Tossie, und er platschte zu uns.

»Ich habe Ihren Schal gebracht, Miss«, sagte er, schob die Plane etwas von einer Ecke der Kirchenbank zurück und legte das Bündel darauf, damit er es auspacken konnte.

»Baine, was halten Sie hiervon?« fragte Tossie und zeigte auf des Bischofs Vogeltränke. »Meinen Sie nicht auch, daß das hier das schönste Kunstwerk ist, das Sie je gesehen haben?«

Baine erhob sich aus seiner gebückten Haltung, schaute darauf und versuchte, das Wasser aus seinen Augen zu blinzeln. Eine beträchtliche Pause entstand, während der er seinen Ärmel auswrang. »Nein«, sagte er dann.

»Nein?« Bei Tossie wurde dieses Wort zu einem Schreichen.

»Nein.« Baine beugte sich wieder über die Bank und faltete das Öltuch auseinander, um die sorgfältig zusammengelegten und völlig trockenen Schals herauszuholen. Er erhob sich wieder, holte aus seiner Jacke ein feuchtes Taschentuch, wischte seine Hände daran ab und nahm dann den rosafarbenen Schal an beiden Seiten. »Ihr Schal, Miss«, sagte er und hielt ihn ihr hin.

»Den will ich jetzt nicht«, sagte Tossie. »Was meinen Sie mit Nein?«

»Ich meine damit, daß die Skulpturen scheußlich und geschmacklos sind, das Design miserabel, die Ideen vulgär und die Ausführung schlampig«, sagte er, faltete den Schal wieder und legte ihn in das Wachstuch zurück.

»Wie können Sie so etwas sagen?« Tossies Wangen röteten sich.

Baine streckte sich wieder. »Entschuldigen Sie, Miss. Ich dachte, Sie hätten mich nach meiner Meinung gefragt.«

»Habe ich auch, aber ich wollte hören, daß Sie es auch für schön halten.«

Baine verbeugte sich leicht. »Wie Sie wünschen, Miss.« Er schaute mit unbeteiligter Miene auf des Bischofs Vogeltränke. »Es ist sehr schön.«

»Ich wünsche nicht«, sagte Tossie und stampfte mit ihrem kleinen Fuß auf. »Wie können Sie bloß denken, es sei nicht schön? Sehen Sie doch einmal die niedlichen kleinen drei Kinder im Wald![65] Und den süßen Spatzen mit dem Erdbeerblatt im Schnabel!«

»Wie Sie wünschen, Miss.«

»Hören Sie auf damit!« Tossies Rüschen zitterten vor Wut. »Warum haben Sie gesagt, es sei eine Scheußlichkeit?«

»Dies hier«, er streckte die Hand zu des Bischofs Vogeltränke aus, »ist überladen, künstlich und außerdem« — er schaute intensiv auf die drei kleinen Kinder im Wald — »rührselig und kitschig, genau an den Geschmack der künstlerisch ungebildetesten Mittelschicht appellierend.«

Tossie wandte sich zu Terence. »Wie kannst du zulassen, daß er solche Dinge sagt?« fragte sie.

»Es ist ja auch ein bißchen viel drauf«, sagte Terence und fügte hinzu: »Was soll das hier darstellen?« Sein Finger wies auf den Minotaurus. »Einen Gaul oder ein Flußpferd?«

»Einen Löwen«, sagte Tossie wutschnaubend. »Und das hier ist Androkles, der ihm einen Dorn aus der Pfote zieht.«

Ich schaute zu Verity, die sich in die Lippe biß.

»Und es ist nicht rührselig und kitschig!«

»Wie Sie wünschen, Miss.«

Baines Leben wurde gerettet, weil just in diesem Moment Mrs. Mering mit dem Kurator wieder hinter den Holzbarrikaden auftauchte.

»Die römische Kavallerie«, flüsterte Verity.

»Und direkt daneben Bacchus mit einem Pergel Weintrauben«, gab ich leise zurück.

»Ich hoffe sehr, daß Sie auch einen Basar bei Ihrem Kirchfest in Erwägung ziehen«, sagte Mrs. Mering gerade und lenkte den Kurator zu uns. »Die Leute haben so viele Schätze auf ihren Dachböden, die sich ausgezeichnet für Basare eignen.«

Sie hielt inne, als sie des Bischofs Vogeltränke ansichtig wurde. »So was wie das hier zum Beispiel. Oder einen Schirmständer. Vasen sind so nützlich. Wir hatten auf unserem Kirchfest eine aus Porzellan mit einen gemalten Wasserfall, die verkauft wurde für…«

Tossie unterbrach sie. »Sie halten das hier doch für schön, oder?« fragte sie den Kurator.

»Aber natürlich«, erwiderte er. »Ich halte das für eines der besten Beispiele moderner Kunst. Erstklassige Darstellungen und ein hoher moralischer Anspruch. Besonders die Darstellung der Sieben Ägyptischen Plagen. Die Vase wurde vor einigen Jahren von den Trubshaws gespendet beim Tod von Emily Jane Trubshaw. Sie hatte sie auf der Weltausstellung erstanden, und es war ihr wertvollster Besitz. Der Vikar versuchte, die Familie von der Spende abzuhalten. Seiner Meinung nach sollte die Vase besser im Familienbesitz bleiben, aber sie ließen sich nicht abhalten.«

»Ich glaube, es ist das Schönste, was ich je gesehen habe«, sagte sie.

»Ganz meine Meinung«, stimmte der Kurator zu. »Es erinnert mich immer an das Albert Memorial.«

»Oh, ich liebe das Albert Memorial«, sagte Tossie. »Ich konnte einen Blick darauf werfen, als wir nach Kensington fuhren, um Mrs. Guppies Vortrag über Ektoplasma zu hören, und ich fand keine Ruhe, bevor Papa mich nicht zum Memorial mitgenommen hatte. Ich liebe die Mosaiken und den vergoldeten Turm!« Sie klatschte in die Hände. »Und die Statue des Prinzen, wie er den Katalog der Ausstellung liest!«

»Es ist ein außergewöhnliches Denkmal«, sagte Terence.

»Und unzerstörbar«, murmelte Verity.

»Ich finde die Skulpturen, welche die vier Kontinente darstellen, sehr gut ausgeführt«, sagte der Kurator. »Obwohl meiner Meinung nach Asien und Afrika weniger geeignet für junge Damen sind.«

Tossie errötete ganz reizend. »Ich fand die Elefanten so niedlich! Und das Fries der großen Wissenschaftler und Architekten.«

»Haben Sie schon einmal den Bahnhof St. Pancras gesehen?« fragte der Kurator. »Den halte ich ebenfalls für ein außergewöhnlich gelungenes Stück Architektur. Vielleicht möchten Sie unsere Neuerungen an der Kirche sehen?« setzte er hinzu. »Obwohl diese natürlich mit dem Albert Memorial nicht mithalten können, hat doch J. O. Scott eine ausgezeichnete Arbeit geleistet.« Er nahm Tossies Arm und führte sie zum Chor hoch. »Die Emporen wurden entfernt und alle geschlossenen Kirchenbänke ebenso.«

Immer noch Tossie Arm haltend, wies er zu den Lichtgaden hoch. »Scott hat in die Eichenpfosten Eisenpfähle eingesetzt, um die Wände der Lichtgaden zusammenzuhalten und sie stabiler zu machen. Ein klassisches Beispiel, wie überlegen moderne Baumaterialien sind, verglichen mit altmodischem Stein und Holz.«

»Das glaube ich auch«, sagte Tossie eifrig.

Obwohl es eigentlich mehr ein klassisches Beispiel für das unglückselige Wenden der Titanic war. Als die Kathedrale in jener Nacht des fünfzehnten November Feuer fing, krümmten sich die Eisenpfähle und brachen zusammen und mit ihnen die Bögen der Lichtgaden und die inneren Säulengänge. Ohne die Pfähle wäre die Kathedrale vielleicht stehengeblieben. Die äußeren Mauern und der Turm, der nicht renoviert worden war, taten es jedenfalls.

»Nachdem wir die Renovierungsarbeiten beendet haben«, sagte der Geistliche gerade zu Tossie, »werden wir eine Kirche haben, die in ein modernes Zeitalter paßt, eine Kirche, die noch in Hunderten von Jahren bewundert werden wird. Würden Sie gern die Arbeiten sehen, die wir am Turm durchführen?«

»Oh, gern«, sagte Tossie und ließ ihre Locken wippen.

Von der Südtür her kam ein Geräusch. Ich schaute auf. Eine junge Frau in grauem Kleid kam herein. Sie hatte einen großen Korb und eine lange Nase, und sie marschierte mit hartem, stakkatohaftem Schritt, der wie Gewehrfeuer klang, durch das Kirchenschiff.

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65

Engl. Märchen. — Anm. d. Ü.

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