Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Другие приключения » Die Geheimnisse von Paris
Die Geheimnisse von Paris - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Geheimnisse von Paris

Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:

Die Geheimnisse von Paris
1 ... 100 101 102 103 104 105 106 107 108 ... 164
Перейти на страницу:

»... und die Sie, wenn mich nicht solch herbes Unglück verfolgte, nie erfahren hätten! Das schwöre ich Ihnen ... Aber verzeihen Sie mir das törichte Zeug und vergessen Sie es ... Jetzt darf ich mich in solchen Träumen ja doch nicht mehr wiegen.«

Schon zum zweiten Male machte sie den Versuch, Germain ein Geständnis zu entlocken, ohne daß es ihr gelang, ihn dazu zu bringen, denn das Unglück hatte ihn schüchtern und mißtrauisch gemacht. Wie konnte er auch denken, daß ihn, auf dem jetzt solche Anklage lastete, ein Mädchen wie Lachtaube noch lieben könnte! Sie aber, schmerzlich bedrückt, daß sie nicht verstanden wurde, unterdrückte einen Seufzer, noch immer hoffend, daß sich ihr eine Gelegenheit bieten werde, dem Manne ihrer Wahl ihr Herz zu offenbaren. Verlegen antwortete sie deshalb: »Ich sage das doch nur, weil ich meine, Sie sollten sich nicht unnütz in Gefahr begeben.« – »Und ich sage Ihnen meinerseits, daß ich zuweilen versucht habe, mich mit denjenigen Gefangenen zu befassen, die nicht gerade zu den abgefeimten Verbrechern gehören; aber wenn Sie ahnen könnten, welche Sprache die Menschen führen! O, es kann einen schaudern.« – »Sie Aermster! Wie tief beklage ich Sie!« – »Und lebt man an solch schrecklichem Orte, in solch abscheulicher Gemeinschaft, dann,« rief er, »dann kann man sich wirklich denken, daß für jemand, der unschuldig hierher gerät, wenig dazu gehört, als verstockter Sünder den Weg hinaus zu nehmen!« – »Aber nicht Sie, nicht Sie!« rief Lachtaube. – »Ich ebenso gut wie viele andere, die tausendmal besser sind als ich!« – »O sprechen Sie nicht so! Sie tun mir schrecklich weh!« – »Was soll ich Ihnen aber sagen, wenn Sie sich darüber beschweren, daß ich traurig sei? Andere Gründe zu Betrübnis und Kummer habe ich doch nicht,« sagte er, und wieder standen ihm Tränen in den Augen ... »Ich kenne nur ein Mittel, mich für Ihr Mitgefühl erkenntlich zu zeigen, und das ist, Ihnen nichts zu verheimlichen. Und so gestehe ich Ihnen mit Grauen, daß ich mich schon jetzt gar nicht wiederkenne. Wenn ich auch die Elenden verachte und fliehe, so wirkt doch ihre Anwesenheit, ihre Berührung niederdrückend, lähmend auf mich. Mir ist zumute, als wohnte ihnen die schlimme Macht inne, die Atmosphäre zu verderben, in der sie leben. Ich fühle, wie das Verbrechen durch all meine Poren eindringt. Und würde ich auch freigesprochen von meinem Fehltritt, den ich doch nur, durch Mitleid getrieben, begangen habe, so wird mich doch immer der Umgang mit ehrlichen Menschen in Verlegenheit setzen und mit Scham erfüllen. Denn in den Augen des Gesetzes gelte ich doch als untreu, wenn es auch minder schlecht ist, aus solcher Absicht, wie sie mich geleitet, sich an fremdem Eigentume zu vergreifen, als um sich zu bereichern. Ein Diebstahl bleibt es immer, was ich getan habe, wenn auch einer unter mildernden Umständen. Mich mit unbescholtenen Menschen auf eine Stufe zu stellen, ist mir verwehrt, ich muß mich vielmehr auf gleicher Stufe ansehen mit den schlechten Subjekten, in deren Gemeinschaft ich jetzt lebe. Und das – ich spüre es recht wohl an mir – verhärtet das Gewissen! Es mag ja wohl ein Trost sein, sich sagen zu können: ich bin nicht minder rechtschaffen als der ehrlichste Mensch auf Erden, bin bei weitem kein solcher Bösewicht wie diejenigen, deren Dach ich jetzt teile; aber das bleibt doch immer ein schlechter Trost!«

Auch dem Mädchen war das Weinen nahe, und in einem rührenden, fast feierlichen Tone, den er noch nie an ihr gekannt, sagte sie: »Hören Sie, was ich Ihnen jetzt sage, Germain! Es ist recht und wahr, wenn ich mich auch nicht so geläufig wie Sie ausdrücken kann ... Erstlich einmal sind Sie im großen Unrecht, wenn Sie meinen, Sie ständen allein und verlassen da.« – »O, Sie dürfen nicht meinen, daß ich je vergessen könnte, was Sie aus Mitleid für mich getan ...« – »Sie sollen dies Wort auch nicht gebrauchen! Denn was ich für Sie empfinde, ist nicht Mitleid. Und da Sie es allein nicht verstehen wollen, so muß ich versuchen, es Ihnen klar zu machen ... Als wir Nachbarn waren, da liebte ich Sie wie einen treuen Kameraden, wie einen Bruder, wie einen braven Freund. Sie erwiesen mir mancherlei Gefälligkeit oder Aufmerksamkeit, und ich bemühte mich, Ihnen alles wett zu machen, soweit ich bei meinen schwachen Kräften dazu imstande war. Wir machten Sonntags gemeinsame Ausflüge, Sie gaben mir Unterricht im Lesen und Schreiben, ließen es auch an allerlei gutem Rat nicht fehlen, waren – mit einem Worte – der getreueste aller Nachbarn, die ich je gehabt habe, und der einzige, der nie Liebesdienste als Entgelt von mir verlangt hat. Und als Sie Ihr Quartier verließen, da gaben Sie mir einen großen Beweis von Vertrauen, indem Sie mir, dem armen Mädchen, ein wichtiges Geheimnis anvertrauten, das machte mich stolz. Und ich dachte hinfort lieber und öfter an Sie als an meine andern Nachbarn.«

»Wirklich? Sie haben mich von andern bevorzugt?«– »Allerdings, und wie hätte ich es nicht gesollt? Ich hätte ja dumm und auch schlecht sein müssen! Ich habe nie anders bei mir gedacht, als: einen besseren Menschen als Germain gibts in ganz Paris nicht, und wenn ich eine Freundin besäße, die ich recht glücklich sehen möchte, dann sagte ich zu ihr: Heirate Germain, denn seine Frau hat einmal den Himmel auf Erden!« – »Sie haben an mich gedacht, weil Sie meinten, ich schwärmte für eine andere?« – »Allerdings, und niemand hätte sich mehr gefreut, Sie glücklich zu sehen, als ich ... Sie sehen, wie offen ich bin!«

»Und ich danke Ihnen dafür vom Grunde meines Herzens.« – »So standen also die Dinge, als Sie von dem herben Unglück heimgesucht wurden, das Sie hierher führte! Da erhielt ich den guten lieben Brief, in dem Sie mich ersuchten, jene Papiere zu holen, aus denen ich erfuhr, daß Sie mich immer geliebt, aber nicht gewagt hatten, mir es zu sagen, jene Papiere, in denen ich las« – und Lachtaube konnte sich der Tränen nicht enthalten – »daß Sie an meine Zukunft gedacht, und mir für den Fall, daß Sie eines gewaltsamen Todes stürben, was Sie damals wohl zu fürchten hatten, das Wenige vermachten, was Sie sich erspart hatten – was ich in jenem Augenblicke, als ich dieses – ich sage es mit tiefer Trauer im Herzen – Testament las, in welchem jede Zeile eine Erinnerung an mich enthielt, empfunden habe, das kann ich Ihnen nicht sagen... und doch sollte ich diese Beweise Ihrer Zuneigung erst erfahren, wenn Sie nicht mehr unter den Lebenden wandelten! Wer möchte sich da Wundern, daß aus solch edlem Benehmen Liebe erwächst?« – »Mädchen! Was sagen Sie? Sie lieben mich? Ist's wahr, Sie könnten mich lieben?« – »Und warum sollte ich es nicht?« fragte mit triumphierendem Lächeln das Mädchen, »und wenn Sie es mir nicht bekennen wollen, warum sollte ich zurückhalten mit solchem Bekenntnis?«

»Ach, wie unglücklich ich bin!« – rief Germain in Verzweiflung. – »Sie lieben mich – nun, da ich Ihrer nicht mehr wert bin.« – »Meiner nicht mehr wert? Was Sie da sagen, hat weder Sinn noch Verstand; gerade als hätte ich sonst gesagt, ich wäre Ihrer Freundschaft nicht wert, weil ich im Gefängnisse gewesen bin, – denn ich habe doch auch gesessen: bin ich aber deshalb weniger ein braves Mädchen?« – »Ja, aber Sie kamen in das Gefängnis, Weil Sie ein armes verlassenes Kind waren, während ich! – mein Gott! welcher Unterschied!« – »Nun, in dieser Hinsicht haben wir uns beide nichts vorzuwerfen, – Und bin ich nicht vielmehr ehrgeizig, denn meinem Stande nach dürfte ich gar nicht daran denken, einen andern Mann als einen Handwerker oder dergleichen zu wählen. – Ich bin ein Findelkind, besitze nichts als mein Stübchen und meinen guten Mut, und doch komme ich keck daher und trage mich Ihnen zur Frau an –«

1 ... 100 101 102 103 104 105 106 107 108 ... 164
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)