Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Wie jedes gut gezimmerte Stück, war dieses klar, kurz gefaßt, einfach erdacht und einfach durchgeführt.
Die Thatsachen folgten einander logisch darin. So sehr, daß man sich fragen konnte, »ob das nicht wirklich geschehen sei!«
Man urteile darüber nach dieser Rezension, welche die meisten Kritiker sich zum Muster nehmen könnten.
Es war die stark dramatisierte Geschichte zweier Liebenden, die einander vergötterten. Zum besseren Verständnis des Lesers erwähnen wir, daß Napoleone das junge Mädchen und Xander den jungen Mann spielte. Unglücklicherweise ist Xander arm, und Napoleonens Mutter, die hochmütige Cornelia, will nichts von dieser Heirat wissen.
Ganz neu ist dabei, daß jener Liebe auch das Vorhandensein eines argen Einfaltspinsels, Clou-de-Girofles, im Wege steht, der ebenso reich an Geld als arm an Geist ist und in Napoleone verliebt, dieselbe heiraten will. Und - vielleicht erreicht das erfinderische Genie des Verfassers hier seinen Höhepunkt - die Mutter, welche auf klingende Münze sieht, verlangt nichts besseres, als Clou ihre Tochter zu geben.
Es wäre wirklich schwer, eine Handlung geschickter einzuleiten und interessanter zu gestalten. Selbstverständlich kann der alberne Clou nicht den Mund öffnen, ohne eine Dummheit zu sagen. Er ist lächerlich in seiner Erscheinung, unbeholfen, mit einer ellenlangen Nase, die er in alles hineinzustecken pflegt. Und wenn er mit seinen Hochzeitsgeschenken angezogen kommt, dem gesichterschneidenden John Bull und dem Papagei Jako - dem einzigen unter den Künstlern, der im Stücke spricht -, so ist es rein, um sich zu wälzen.
Indessen verstummt das Gelächter bald vor dem tiefen Schmerz der beiden jungen Leute, die sich nur insgeheim, sozusagen bei »Nacht und Nebel«, sehen können.
Und nun ist gerade der Tag der Hochzeit angebrochen, zu welcher Cornelia ihre Tochter zwingen will. Napoleone hat ihren schönsten Putz angelegt, aber in Thränen zerfließend, in heller Verzweiflung! Und es ist wirklich abscheulich, wenn man bedenkt, daß dies hübsche Hühnchen einem so widerwärtigen Dorfhahn angehören soll!
All das spielt auf dem Kirchenplatze Die Glocke läutet, die Thüren der Kirche sind geöffnet, man braucht bloß hineinzugehen. Xander kniet auf den Stufen der Vorhalle!. Der Weg wird nur über seine Leiche gehen!. Es ist außerordentlich packend!
Plötzlich - und im ganzen dramatischen Repertoire der Comedie Fran9aise und des Ambigu ist vielleicht nie ein ähnlicher Theatercoup vorgekommen - plötzlich erscheint ein junger Militär mit solchem Affekt, daß die Leinwand im Hintergrunde zittert. Es ist Jean, der leibliche Bruder der unglücklichen Braut. Er kehrt aus einem Kriege zurück, wo er die Feinde besiegt hat, - Feinde, welche je nach dem Lande variieren können, wo das Stück aufgeführt wird; in Amerika sind es Engländer, in Deutschland Franzosen, in der Türkei Russen, und so weiter.
Der tapfere und sympathische Jean kommt gerade zur rechten Zeit. Er wird seinem Willen Geltung zu verschaffen wissen. Er hat erfahren, daß Xander Napoleone liebt, und Napoleone Xander. Er stößt Clou mit kräftigem Arme zurück; er provoziert ihn zum Zweikampf; und dieser Tropf bekommt eine solche Angst, daß er sich beeilt, der Heirat zu entsagen.
Man sieht, wie packend das Stück ist, wie die Situationen in einander greifen!. Aber es kommt noch besser.
Denn als man Cornelia holt, welcher Clou ihr Wort zurückgeben will, ereignet sich ein Zwischenfall. Cornelia ist verschwunden!. Man eilt hierhin und dorthin!. Niemand!
Plötzlich dringt Geschrei aus den Tiefen des nahen Waldes. Xander erkennt die Stimme der Frau Cascabel, und obgleich es sich um seine zukünftige Schwiegermutter handelt. zögert er nicht. er fliegt ihr zu Hilfe. Offenbar ist die gebieterische Dame von der Fracassarschen Bande, vielleicht von Fracassar, dem berühmten Hauptmann der Räuber des Schwarzwaldes selber, entführt worden.
In der That ist es so, und während Jean bei seiner Schwester bleibt, um sie nötigenfalls zu beschützen, läutet Clou die Glocke und schreit um Hilfe. Ein Schuß fällt. Das Publikum schnappt nach Luft; man kann sich schwer vorstellen, daß die Aufregung im Theater jemals einen höheren Grad zu erreichen vermöchte.
Da erscheint Herr Cascabel im kalabrischen Kostüm des fürchterlichen Fracassar auf der Bühne, gefolgt von seinen Mitschuldigen, welche Cornelia trotz ihres Widerstandes einherschleppen. Aber der heldenmütige erste Liebhaber kommt an der Spitze einer Brigade bis an den Gürtel gestiefelter Gendarmen zurück. Seine Schwiegermutter wird befreit, die Räuber werden gefaßt, und der verliebte Xander heiratet seine Braut Napoleone.
Zu erwähnen ist noch, daß in Ermangelung hinreichenden Personals die Räuber sowohl als die Gendarmen nicht persönlich auf der Bühne erscheinen. Clou hat ihre verschiedenen Schreie in der Coulisse auszustoßen und macht die Sache täuschend. Was Herrn Cascabel betrifft, so ist er genötigt, sich die Handschellen selber anzulegen. Aber, man kann es nicht oft genug wiederholen, der Effekt dieser Lösung ist dank der so klaren Inscenierung ein außerordentlicher.
So war das aus dem mächtigen Schädel Cäsar Cascabels entsprungene Stück beschaffen, welches im Permer Cirkus aufgeführt werden sollte. Ohne Zweifel würde es dort seinen gewohnten Erfolg erzielen, wenn die Darsteller auf der Höhe ihrer Aufgabe standen.
Gewöhnlich war dies der Fall; Herr Cascabel gab sich sehr grimmig. Cornelia sehr eingebildet auf ihre Geburt und ihr Vermögen, Jean sehr ritterlich, Xander sehr sympathisch, Napoleone sehr rührend. Die Rollen trugen, wie man zu sagen pflegt, die Künstler. Aber man muß gestehen, daß die Familie an jenem Tage nicht eben in begeisterter Stimmung war. Sie war sehr traurig und würde es auf der Bühne zu keinem rechten Schwung bringen. Das Mienenspiel würde ungewiß sein, die Gesten nicht hinreichend deutlich. Vielleicht würden die Thräneneffekte sicherer wirken, da jedermann Lust zu weinen hatte, aber mit den Lacheffekten würde es erbärmlich aussehen!
Und als man sich zum Gabelfrühstück setzte und den Platz des Herrn Sergius leer sah - was wie ein Vorgeschmack der nahen Trennung erschien - ward man noch betrübter. Niemand hatte Hunger, niemand hatte Durst. Es war herzzerreißend!
Nun! damit war der Direktor der Truppe nicht einverstanden. Er hatte für vier gegessen. Und nach beendeter Mahlzeit zögerte er nicht, seiner Unzufriedenheit Worte zu leihen.
»Heda!« rief er; »nimmt das kein Ende?. Ich sehe lauter ellenlange Gesichter!. Von dir angefangen, Cornelia, bis zu dir, Napoleone!. Clou ist wirklich der einzige, der etwas annehmbar aussieht!. Teufel! Das paßt mir nicht, Kinder, ganz und gar nicht!. Ich will, daß man heiter sei, daß man lebhaft spiele, daß man sein Bestes thue, daß die Geschichte gefalle; sonst werde ich verflixt böse werden!«