Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Und Herr Cascabel würde unbedenklich einen Eid auf die Richtigkeit seiner Prophezeiung abgelegt haben, wenn die Verwicklung mit jenem Schufte von einem Ortik nicht gewesen wäre.
Er sagte sich:
»Ich bin nicht böse von Natur, aber wenn ich ihm die Gurgel durchbeißen könnte, so thäte ich's. ohne weiteres!«
Inzwischen wuchs Kayettens Angst in demselben Maße, als die Belle-Roulotte sich Perm näherte. Was für einen Entschluß würde Herr Cascabel fassen? Wie würde er Ortiks Pläne vereiteln, ohne die Sicherheit des Herrn Sergius preiszugeben? Das schien ihr geradezu unmöglich. Es fiel ihr schwer, ihre Besorgnisse zu verhehlen; und Jean, der nicht in das Geheimnis eingeweiht war, litt schrecklich darunter, sie manchmal so gequält und niedergeschlagen zu sehen.
Am Morgen des zwanzigsten Juli setzte man über die Kama und gegen fünf Uhr abends langten Herr Sergius und seine Gefährten auf dem großen Marktplatze von Perm an und trafen ihre Vorkehrungen zu einem mehrtägigen Aufenthalte.
Eine Stunde später hatte Ortik sich mit seinen Helfershelfern ins Einvernehmen gesetzt und Rostof schrieb einen Brief, welcher Herrn Sergius abends übergeben werden sollte - in welchem Briefe man ihn in dringender Angelegenheit um eine Unterredung ersuchte und ihm eine Schenke der Stadt als Begegnungsort bezeichnete. Sollte er dort nicht erscheinen, so werde man sich seiner Person zu bemächtigen wissen, und müßte man ihn auch auf der Straße nach Walska arretieren.
Als dieser Brief in der Abenddämmerung von Rostof überbracht wurde, war Herr Sergius bereits nach Schloß Walska aufgebrochen. Herr Cascabel, der gerade allein war, glaubte sich über das Eintreffen dieses Briefes sehr erstaunt stellen zu sollen. Indessen übernahm er es, denselben dem Adressaten zuzustellen, und hütete sich wohl, irgend jemand davon zu sprechen.
Die Abwesenheit des Herrn Sergius verdroß Ortik. Er würde es lieber gesehen haben, wenn der Erpressungsversuch vor der Zusammenkunft des Fürsten mit dem Grafen Narkine stattgefunden hätte. Indessen ließ er seinen Unmut nicht merken und begnügte sich größerer Verstellung halber, als man sich zum Abendessen setzte, mit der Frage:
»Herr Sergius ist nicht hier?.«
»Nein,« antwortete Herr Cascabel. »Er macht die nötigen Schritte bei den Behörden, um die Bewilligung zu unseren Vorstellungen zu erlangen.«
»Und wann wird er zurück sein?«
»Ohne Zweifel im Laufe des Abends.«
XIII. Ein langer Tag
Das Gouvernement Perm sitzt sozusagen rittlings auf dem Rücken des Ural, einen Fuß in Asien, den andern in Europa. Es wird von den Gouvernements Vologdia im Nordwesten, Tobolsk im Osten, Viatka im Westen und Orenburg im Süden begrenzt. Dank dieser Lage bildet seine Bevölkerung ein merkwürdiges Gemisch von asiatischen und europäischen Typen.
Die an der Kama gelegene Hauptstadt Perm zählt sechstausend Einwohner und treibt einen bedeutenden Metallhandel. Vor dem achtzehnten Jahrhundert ein einfacher Marktflecken, bereicherte sie sich durch die eintausendsiebenhundertdreiundzwanzig erfolgte Entdeckung einer Kupfermine und wurde eintausendsiebenhunderteinund-achtzig zur Stadt erklärt.
Rechtfertigt sie diese Bezeichnung? Um die Wahrheit zu sagen: kaum! Keine Monumente, meist enge und schmutzige Gassen, unbequeme Häuser, Gasthöfe, deren Lob den Reisenden nie in den Sinn gekommen zu sein scheint.
Schließlich waren bauliche Fragen von geringer Wichtigkeit für die Familie Cascabel. War doch ihr rollendes Haus jedem andern vorzuziehen! Sie würde es weder mit dem Saint-Nikolashotel in Newyork, noch mit dem Grandhotel in Paris vertauscht haben.
»Man bedenke!« sagte er wiederholt. Die Belle-Roulotte ist von Sakramento bis Perm gefahren!. Nichts geringeres, wenn's gefällig ist!. Man zeige mir doch ein Pariser, Londoner, Wiener oder Newyorker Hotel, das je etwas ähnliches vollbracht hätte!«
Was kann man auf Argumente dieser Art erwidern?
An jenem Tage hatte Perm sich also um ein Haus vermehrt, welches mitten auf seinem Marktplatze stand, und zwar mit Erlaubnis des Civilgouverneurs, einer Persönlichkeit, deren Funktionen denen eines französischen Departementspräfekten gleichkommen. Diese Persönlichkeit hatte nichts Verdächtiges in den Papieren der Truppe Cascabel gefunden.
Die Ankunft der Belle-Roulotte hatte sofort die öffentliche Neugier erregt. Französische Gaukler, die mitten aus Amerika kamen, in einem von Renntieren gezogenen Wagen!. Der geschickte Direktor hoffte denn auch großen Vorteil aus der Begeisterung des Publikums zu ziehen.
Der Jahrmarkt zu Perm war in vollem Gange und sollte noch einige Tage währen. Da waren also ein paar reichliche Einnahmen gesichert. Aber man durfte keine Zeit verlieren, da es sich darum handelte, erst in Perm und dann in Nischni das zur Rückkehr nach Frankreich nötige Geld zu verdienen. Später würde man schon sehen. Man stellte das der Gnade des Himmels anheim, der sich ohnehin der Familie Cascabel gegenüber immer äußerst gnädig erwiesen hatte.
Demzufolge war alle Welt zu sehr früher Morgenstunde auf den Beinen. Jean, Xander, Clou und die beiden russischen Matrosen wetteiferten mit einander in gutem Willen bei den Vorbereitungen zur Vorstellung. Was Herrn Sergius betrifft, so war er nicht zurückgekehrt, wie er versprochen - was Ortik lebhaft verdroß und Herrn Cascabel sehr beunruhigte.
Gleich anfangs hatte man die Vorstellung durch nachstehendes Plakat angekündigt - ein nach dem Diktate des Herrn Sergius mit großen Buchstaben in russischer Sprache geschriebenes Plakat:
Familie Cascabel.
Französische Truppe auf der Rückkehr aus Amerika.
Gymnastik. Taschenspielerei, Equilibristik, Kraft- und Geschicklichkeitsproben, Tanz, Grazie und Sinnenreize.
Personen:
Herr Cascabel, Herkules ersten Ranges in allen Genres. Frau Cascabel, Ringkämpferin ersten Ranges in allen Genres, Besitzerin des großen Preises vom internationalen Wettringen
zu Chicago. Herr Jean, Equilibrist in allen Genres. Herr Xander, Clown in allen Genres. Fräulein Napoleone, Tänzerin
in allen Genres. Herr Clou-de-Girofle, Hanswurst in allen Genres. Jako, Papagei in allen Genres. John Bull, Affe in allen Genres. Wagram und Marengo, Hunde in allen Genres.
Große Attraktion.
Die Räuber des Schwarzwaldes.
Pantomime mit Verlobung, Hochhzeit, Überraschungen und Lösung. Ungeheuerer Erfolg, erwiesen durch 3177 Aufführungen in Frankreich und im Ausland.
Zur Beachtung: Da die gesprochene Rede aus dieser Pantomime verbannt und durch Gebedenspiel in allen Genres ersetzt ist, so ist dieses Meisterwerk der dramatischen Kunst selbst für Personen, welche an beklagenswerter Taubheit leiden, verständlich.