Das Dorf der verschwundenen Kinder
- Автор: Хилл Реджинальд
- Год: 2002
- Язык: немецкий
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Das Dorf der verschwundenen Kinder». Краткое содержание книги:
Als in der Grafschaft Yorkshire ein siebenjähriges Mädchen entführt wird, reißt bei den Bewohnern des kleinen Ortes Danby eine tiefe Wunde wieder auf: Schon einmal, vor fünfzehn Jahren, verschwanden im Nachbarort Dendale drei kleine Mädchen spurlos. Aber auch der Hauptverdächtige, der damals 19jährige Benny Lightfoot, verschwand von einem Tag auf den anderen. Das war in dem Jahr, als die Bewohner ihre Häuser aufgaben, weil das Dorf einem Stausee weichen musste. Nun prangt ein Graffiti an einer Eisenbahnbrücke: »Benny ist wieder da!«
Über Reginald Hill
Reginald Hill, geboren 1936, lebt seit vielen Jahren in der englischen Grafschaft Yorkshire, wo die allermeisten seiner Romane auch spielen. Er hat sich den Ruf erworben, »einer der herausragenden lebenden Krimiautoren« zu sein (Sunday Telegraph) und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Diamond Dagger der britischen Crime Writers’ Association, den er für sein Lebenswerk erhielt.
»Warum nicht?«
»Es ist sehr heiß. Und steil. Du willst dich doch nicht überanstrengen.«
Sie lachte und sagte: »Red keinen Blödsinn. Ich bin ein Mädchen vom Land, weißt du nicht mehr? Wenn ich früher den Berg raufging, um Dad beim Zusammentreiben der Schafe zu helfen, kam ich schneller voran als diese Sportwanderer heutzutage und war nicht mal aus der Puste.«
Er sah sie kurz an, wandte sich ab und stieg den Pfad hinauf.
Sie ging neben ihm her und atmete kaum schneller, als sie den Grat erreicht hatten.
Eine lange Zeit stand sie schweigend da und blickte in das sonnige Tal hinunter. Dann sagte sie ruhig: »Jetzt bin ich zu Hause.«
Barsch entgegnete er: »Wie kannst du das sagen? Was ist da unten, das irgend jemand von uns Zuhause nennen könnte?«
»Du meinst die Gebäude? Das waren am Anfang auch nur Steinhaufen, und jetzt sind sie’s wieder. Ein paar Monate harter Arbeit, und du könntest sie wieder aufbauen. Nein, für mich ist das einfach so. Der Kreis hat sich geschlossen.«
»Das klingt so nach Vollendung«, meinte Wulfstan.
»Findest du? Zeit für einen Neuanfang, meinst du nicht? Du und Chloe habt das nie geschafft, oder? Ich meine, du bist weggegangen, aber letztendlich doch wieder nach Yorkshire zurückgekommen, was auch so was wie ein Kreis ist. Aber ich sehe keinen Neuanfang.«
»Es gibt Dinge, die kannst du nicht hinter dir lassen, nicht ohne eine Amputation.«
»Redest du von Mary? Die kleine Mary … Sie wäre jetzt so alt wie ich, stimmt’s? Aber sie hätte nie meine Stimme gehabt. Das ist doch was, hm? Sie hätte niemals meine Stimme gehabt. Außer natürlich, daß ich, wenn die Dinge nicht so passiert wären, wie sie passiert sind, nie die Chance gehabt hätte, sie ausbilden zu lassen. Ich hätte höchstens mal im Pub gesungen. Karaoke. Das wär wahrscheinlich das Äußerste gewesen. Statt dessen könnte es nun sein, daß sie in hundert Jahren auf mich zurückblicken, so wie wir jetzt auf die Melba zurückblicken. Die erste große Diva des neuen Millenniums. Klingt wie ein Plan, was? Man könnte fast meinen, es wäre ein Plan gewesen.«
Er sah sie durchdringend an, sagte aber nur: »Du hast vor, deinen Umfang zu vergrößern?«
»Was? Oh, Melba. Ja, vielleicht. Ich könnte es, glaube ich. Wir werden mal sehn, was die alte Frau in Italien nächstes Jahr sagt.«
»Die alte Frau in Italien ist eine der besten Gesangslehrerinnen unserer Zeit«, sagte Wulfstan. »Und nicht billig.«
»O ja«, meinte Elizabeth gleichgültig. »Wenn sie mich hört, wird sie wahrscheinlich auf Kredit arbeiten und wissen, daß sie ihr Geld bekommt. Was ist da unten wohl los?«
Ein paar Männer standen im flachen Wasser neben der Ruine von Heck. Einer von ihnen stieg aus dem Wasser, ging zu einem geparkten Range Rover und holte einen langen Wagenheber aus dem Fond. Dann kehrte er zum Wasser zurück und fing an, im Morast herumzustochern.
»Anscheinend suchen die nach was«, sagte Wulfstan.
»Ach ja? Und ist da was, das sie finden könnten, hm?«
Er sah sie einen Moment lang an und sagte dann: »Ich hab ihn gesehen, weißt du.«
»Wen?«
»Benny Lightfoot. Ich war hier oben und hab ihn gesehen.«
»Da unten?«
»Nein. Hier oben auf dem Grat. Und er ging zum Neb hin.«
»Und was hast du gemacht?«
»Ich bin ihm gefolgt, was denn sonst? Ist das nicht der Grund, warum uns böse Geister erscheinen? Damit sie uns ins Verderben stürzen?«
»Und? Hat er?«
»Natürlich. Es war kein weiter Weg. Elizabeth …«
»Ja?«
»Eines noch. Falls …«
»Ja«, sagte sie. »Ich glaube, es wird Zeit, daß wir einen Anfang machen.«
»Den Neuanfang, meinst du?«
»Das auch. Obwohl der wahrscheinlich für uns gemacht wurde. Walter, es tut mir leid.«
»Was denn? Dich trifft doch überhaupt keine Schuld.«
»Nein, aber das habe ich immer gedacht, und ich kann mich doch nicht ganz und gar irren, oder? Laß uns reden. Aber erst, wenn ich gesungen hab, ja?«
Sie nahm seine Hand und führte ihn fort vom Tal, und Hand in Hand stiegen sie den Leichenpfad wieder hinunter.
Vierzehn
Es war ein Risiko, wenn auch nur ein geringes, die Cafeteria zu verlassen, um Verstärkung anzufordern. Novello hatte genug Stunden im Kraftraum des Polizeiquartiers verbracht, um sich einem unbewaffneten Mann in den Weg zu stellen, aber zwei waren da schon etwas heikler. Und während Turnbull vermutlich keine andere Waffe als seinen Charme besaß, konnte sie bei Lightfoot nicht sicher sein.
Als sie zum Eingang zurückging, sah sie, daß sie gerade rechtzeitig kam. Die beiden Männer waren aufgestanden und steuerten auf die Tür zu. Sie bemerkte, daß Lightfoot die Ledertasche trug, was bedeutete, daß er nur noch eine Hand frei hatte. Sie machte kehrt und suchte auf dem Parkplatz Deckung.
Noch war keine Hilfe in Sicht, aber die konnte nicht mehr weit sein. Auf der Küstenstraße waren immer Streifenwagen. Sie würde sie nicht kommen hören, da sie ausdrücklich auf eine Anfahrt ohne Sirene bestanden hatte. Manchmal hatte sie den Verdacht, daß ihre männlichen Kollegen sich mehr von Polizeifilmen als von Lehrgängen beeinflussen ließen. Im Fernsehen schien sich niemand der Vorteile eines geräuschlosen Anschleichens an den Verdächtigen bewußt zu sein. Sie läuteten entweder mit einer Alarmglocke oder brüllten einfach »He! Sie!« aus einer Entfernung von fünfzig Metern. Natürlich hatte das zur Folge, daß man aufregende Verfolgungsjagden zu sehen bekam oder vehementen Schußwechsel, was optisch besser wirkte. Im wirklichen Leben wollte man aber weder gesehen noch gehört werden, bevor man nicht einen halben Nelson ausgeführt hatte.
Aber wie auch immer, sie konnte nicht mehr warten. Ein Verdächtiger in einem Auto erschwerte eine Verhaftung um das Doppelte.
Als die Männer näherkamen, wandte Novello sich ab und beobachtete sie in der Scheibe eines abgestellten Peugeot. Dann, als sie auf ihrer Höhe waren, drehte sie sich um, setzte ein strahlendes Lächeln auf und sagte: »Geordie, was für eine Überraschung! Warum stellen Sie mich Ihrem netten Freund nicht vor?«
Turnbull lächelte instinktiv zurück, ehe er Novello einordnen konnte. Sie streckte Lightfoot ihre Hand entgegen. Instinktiv ergriff er sie. Sie drehte seinen Arm scharf herum, warf ihn dabei aus dem Gleichgewicht und stieß ihm mit der Fußkappe vors Schienbein.
Er fiel vornüber gegen den Wagen und löste den Alarm aus, während Novello seinen Arm so hoch zwischen die Schulterblätter drückte, bis er vor Schmerzen aufschrie.
Sie sprach ihm ins linke Ohr, daß er wegen Mordverdachts festgenommen sei und erklärte, er habe das Recht zu schweigen, aber er brüllte trotzdem weiter. Sie schielte zur Seite, um zu sehen, wie Turnbull das alles aufnahm. Zu ihrer Überraschung stand er einfach da und beobachtete das Ganze mit einer Mischung aus Resignation und Bewunderung.
»Ich hoffe, Sie und ich werden immer gute Freunde bleiben, hübsche Frau«, sagte er. Sie lächelte. Er hatte die großartige Gabe, einen zum Lächeln zu bringen, aber in diesem Fall trug der Anblick des Polizeiwagens zur Hälfte dazu bei, der hinter Turnbulls Rücken auf den Parkplatz einbog. Angezogen vom Alarm und der inzwischen versammelten Menge Schaulustiger, steuerte der Fahrer direkt auf Novello zu, und zwei junge Constables stiegen aus.
»Sind Sie Novello?« fragte der eine.
»Ja. Legen Sie den hier in Handschellen, ich kümmere mich um den anderen.«
Sie bückte sich und nahm die Tasche, die er fallengelassen hatte. Sie zog den Reißverschluß auf.
Die Tasche war voller Geld.
Lightfoot, der jetzt mit den Händen auf dem Rücken aufrecht stand, starrte wütend und ungläubig zu Turnbull hinüber.
»Warum zum Teufel haben Sie das gemacht, Sie dämlicher Dreckskerl? Das wird Ihnen nichts weiter einbringen als das Gefängnis!«