In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Bringt die Lady Ailil in ihre Gemächer zurück und entschuldigt Euch für ihre Behandlung, Verin. Versichert ihr, dass ihre vertraulichen Aussagen ein Geheimnis bleiben. Aber gebt ihr zu verstehen, dass diese Verschwiegenheit an einem seidenen Faden hängt.
Und sorgt dafür, dass sie begreift, wie hauchzart dieser Faden ist. Und gebt ihr zu verstehen, dass es in ihrem Interesse liegen sollte, mich über alles auf dem Laufenden zu halten, das sie über die Aktivitäten ihres Bruders hört.« Erpressung gehörte ebenfalls zu den Werkzeugen, die sie nur ungern einsetzte, aber sie hatte es bereits bei den drei Asha'man getan, und Toram Riatin konnte möglicherweise noch immer Ärger machen, obwohl sich seine Rebellion in Luft aufgelöst zu haben schien. In Wahrheit war es ihr ziemlich gleichgültig, wer auf dem Sonnenthron saß, aber die Intrigen und Pläne derjenigen, die Throne für wichtig hielten, übten oftmals einen störenden Einfluss auf die wirklich wichtigen Dinge aus.
Verin lächelte; ihr Haarknoten hüpfte auf und ab, als sie nickte. »O ja, ich glaube, das ist ein ausgezeichneter Plan. Vor allem, weil sie ihren Bruder verabscheut. Bei Shalon die gleiche Vorgehensweise, nehme ich an? Nur dass Ihr über die Ereignisse bei den Atha'an Miere unterrichtet werden wollt? Ich bin mir nicht sicher, wie weit sie Harine hintergehen wird, egal, welche Konsequenzen es für sie haben würde.«
»Sie wird verraten, was ich ihr befehle«, sagte Cadsuane grimmig. »Haltet sie noch bis morgen fest, bis zum späten Nachmittag.« Harine durfte keinen Augenblick lang auf die Idee kommen, dass man ihre Forderungen erfüllte. Das Meervolk war nur ein weiteres Werkzeug, das man bei dem Jungen benutzen musste, nichts weiter. Alles und jeder musste von diesem Standpunkt aus betrachtet werden.
Abseits von Verin schlüpfte Corele in das Sonnengemach und schloss die Tür leise hinter sich, als hoffte sie, niemanden zu stören. Das war nicht ihre Art. Jungenhaft schlank und mit buschigen schwarzen Augenbrauen und einem Schöpf glänzenden schwarzen Haars versehen, das ihr den Rücken hinunterflutete und ihr ein wildes Aussehen verlieh, unabhängig davon, wie ordentlich ihre Kleidung auch war, hätte es eigentlich dem Naturell der Gelben entsprochen, lachend in einen Raum hineinzustürmen. Sie rieb sich die Nasenspitze und sah Cadsuane zögernd an und ihre blauen Augen ließen das gewöhnliche Funkeln vermissen.
Cadsuane winkte sie entschieden heran, und Corele holte tief Luft und rauschte über die Teppiche, wobei sie ihre blauen, gelb gestreiften Röcke mit beiden Händen anhob. Sie warf den Schwestern, die sich am anderen Ende des Raums um Sorilea scharten, und Daigian und Eben, die am entgegengesetzten Ende das Fadenspiel spielten, einen schnellen Blick zu und sprach dann mit leiser Stimme, aus der der trällernde Akzent Murandys zum Vorschein trat.
»Ich habe wunderbare Neuigkeiten, Cadsuane.« Sie klang, als wäre sie sich nicht sicher, wie wunderbar sie tatsächlich waren. »Ich weiß, Ihr habt mir befohlen, Damer hier im Palast beschäftigt zu halten, aber er bestand darauf, sich die Schwestern anzusehen, die sich noch immer im Aiel-Lager aufhalten. So freundlich er auch ist, kann er doch sehr beharrlich sein, wenn er es darauf anlegt, und so sicher, wie die Sonne aufgeht, gibt es nichts, das nicht geheilt werden kann. Und, nun ja, wie dem auch sei, er ist gegangen und hat Irgain geheilt. Cadsuane, es ist, als wäre sie niemals...« Sie verstummte, unfähig, das Wort auszusprechen. Trotzdem stand es im Raum. Gedämpft.
»Wunderbare Neuigkeiten«, sagte Cadsuane tonlos. Das waren sie auch. Tief in ihrem Inneren trug jede Schwester die Furcht mit sich herum, man könnte sie von der Macht abschneiden. Und jetzt war eine Möglichkeit gefunden worden, das zu heilen, was man nicht heilen konnte. Von einem Mann. Bevor dies seinen Abschluss gefunden hatte, würde es Tränen und Beschuldigungen geben. Aber davon einmal abgesehen würde jede Schwester, die davon hörte, es als eine weltbewegende Entdeckung betrachten — in mehr als nur einer Weise: ein Mann! —, aber verglichen mit Rand al'Thor war es nur ein Sturm in einer Teetasse. »Ich nehme an, sie bietet an, sich wie die anderen auch auspeitschen zu lassen?«
»Das braucht sie nicht«, sagte Verin gedankenverloren. Sie betrachtete stirnrunzelnd einen Tintenfleck auf ihrem Finger, schien aber etwas zu untersuchen, das sich jenseits davon befand. »Die Weisen Frauen haben offensichtlich entschieden, dass Rand Irgain und die anderen beiden ausreichend bestraft hat, als er... tat, was er tat. Während sie die anderen wie wertlose Tiere behandelten, haben sie darum gekämpft, diese drei am Leben zu erhalten. Wie ich hörte, wurde davon gesprochen, für Ronaille einen Ehemann zu finden.«
»Irgain weiß über die Eide Bescheid, die die anderen geschworen haben.« Corele klang erstaunt. »Als Damer mit ihr fertig war, fing sie schluchzend an, den Verlust ihrer Behüter zu beklagen, doch auch sie ist zu dem Eid bereit. Aber die Sache ist die: Damer will es auch bei Sashalle und Ronaille versuchen.« Überraschenderweise nahm sie fast trotzig die Schultern zurück. Sie war immer so arrogant wie die meisten Gelben gewesen, aber sie hatte stets genau gewusst, welche Stellung sie bei Cadsuane einnahm. »Cadsuane, ich kann nicht zusehen, wie eine Schwester in diesem Zustand verbleibt, wenn es einen Ausweg gibt. Ich möchte es Damer versuchen lassen.«
»Natürlich, Corele.« Anscheinend war etwas von Damers Beharrlichkeit auf sie abgefärbt. Cadsuane war bereit, es durchgehen zu lassen, solange es nicht zu weit ging. An dem Tag, an dem sie von den seltsamen Vorgängen in Schienar erfuhr, hatte sie damit angefangen, Schwestern um sich zu scharen, denen sie vertraute, jene, die sie begleiteten und andere — ihre Augen-und-Ohren, die jahrelang Siuan Sanche und Moiraine Damodred beobachtet hatten, ohne je etwas Nützliches erfahren zu haben —, aber nur, weil sie ihnen vertraute, bedeutete das nicht, dass sie sie ihre eigenen Wege gehen ließ. Dafür stand zu viel auf dem Spiel. Aber davon abgesehen, konnte auch sie keine Schwester in diesem Zustand lassen.
Die Tür flog auf und Jahar kam mit klirrenden Silberglöckchen an den Enden seiner Zöpfe hereingestürzt. Köpfe drehten sich, um den Jungen in dem gut sitzenden blauen Mantel, den Merise für ihn ausgewählt hatte, anzusehen — sogar Sorilea und Sarene starrten ihn an —, aber die Worte, die aus seinem Mund sprudelten, verscheuchten jeden Gedanken daran, wie hübsch sein sonnengebräuntes Gesicht doch war.
»Cadsuane, Alanna ist bewusstlos. Sie ist gerade im Korridor zusammengebrochen. Merise hat sie in ein Schlafgemach bringen lassen und mich zu Euch geschickt.«
Cadsuane verbannte jede entsetzte Gefühlsregung aus ihrer Miene, gab Corele und Sorilea — die man hierbei nicht ausschließen konnte —ein Zeichen und befahl Jahar vorauszugehen. Verin schloss sich ihnen ebenfalls an und Cadsuane hielt sie nicht davon ab. Verin hatte die Gabe, Dinge zu bemerken, die anderen entging.
Die schwarz livrierten Diener hatten keine Ahnung, wer oder was Jahar war, aber sie beeilten sich, Cadsuane aus dem Weg zu gehen, als sie mit raschen Schritten hinter ihm herging. Sie hätte ihm gern befohlen, schneller zu gehen, aber dann hätte sie laufen müssen. Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als ein kleinwüchsiger Mann, dessen Kopf an der Vorderseite kahl geschoren war und der einen dunklen Mantel mit waagrechten bunten Streifen auf der Vorderseite trug, ihnen den Weg vertrat und sich tief verbeugte. Sie musste stehen bleiben.
»Die Gnade sei mit Euch, Cadsuane Sedai«, sagte er glatt. »Vergebt mir, dass ich Euch belästige, da Ihr doch in solcher Eile seid, aber ich fand, ich sollte Euch mitteilen, dass sich Lady Caraline und der Hochlord Darlin nicht länger in Lady Arilyns Palast befinden. Sie sind auf einem Flussschiff auf dem Weg nach Tear. Ich fürchte, mittlerweile sind sie außerhalb Eurer Reichweite.«
»Ihr wärt überrascht, wie weit meine Macht reicht, Lord Dobraine«, sagte sie kalt. Sie hätte wenigstens eine Schwester in Arilyns Palast abkommandieren sollen, aber sie war davon überzeugt gewesen, die beiden in sicherem Gewahrsam zu wissen. »War das klug?« Sie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass es sein Werk war, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, dass er den Mut hatte, es zuzugeben. Kein Wunder, dass er sie ihretwegen nicht bedrängt hatte.