Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Verlag Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
Jetzt bekommen wir wahrscheinlich bald die „Echsen“ und die „Kaninchen“ zu sehen, dachte Melnikow.
Tatsächlich wurden sie ihnen gezeigt, aber ganz anders als erwartet Wieder enthüllte sich ein Geheimnis.
Nach der Rückkehr des Raumschiffes „SSSR-KS 2“ waren unter den Wissenschaftlern, insbesondere den Biologen, heftige Diskussionen entbrannt. Das Vorhandensein zweier hochentwickelter Tierarten auf dem Mars bei völligem Fehlen aller — anderen und bei der Artenarmut der Flora schien rätselhaft, widersprach strikt den unumstößlichen und logischen Gesetzen der Biologie. Eine der Hauptaufgaben der Marsexpedition William Jenkins‘ hatte deswegen darin bestanden, dieses Rätsel zu lösen.
Nun erfuhren Melnikow und Wtorow hier auf der Venus, worin das Geheimnis bestand. Vor ihren Augen ließen die Phaetonen mehrere „Echsen“ und einige hundert „Kaninchen“ aus dem Raumschiff. Die rätselhaften Tiere waren also gar keine „Marsbewohner“, sondern „Phaetonen“.
Weshalb hatte man sie auf den Mars gebracht? Die Antwort drängte sich von selbst auf. Es war ein wissenschaftliches Experiment gewesen. Man hatte feststellen wollen, ob sich Tiere auf dem Mars akklimatisieren könnten. Offenbar hatten sich die Wissenschaftler des Phaeton dafür interessiert. Ihnen selbst waren die Ergebnisse unbekannt geblieben, doch Melnikow wußte, daß das Experiment gelungen war. Mit eigenen Augen hatte er die Nachkommen der Tiere gesehen, die sich auf dem fremden Planeten fleißig vermehrt hatten.
Welch eine Sensation für die Biologen! dachte er.
Der Zeit nach zu urteilen, die das Vorführen der Bilder vom Marsaufenthalt beanspruchte, waren die Phaetonen nicht lange dort gewesen. Die beiden Menschen sahen nur noch, wie sie mit Hilfe merkwürdiger Maschinen ein Denkmal errichteten: einen riesigen Dodekaeder auf einem Granitsockel. Schwerlich würden sich die Mitglieder von Jenkins‘ Expedition, wenn sie diesen steinernen Zeugen entdeckten, den Ursprung erklären können.
Danach erschien wieder das Schema. Das ringförmige Raumschiff flog zur Erde.
Melnikow hoffte, sie würden einen Blick in die ferne Vergangenheit ihres Heimatplaneten tun können. Doch es gab eine Enttäuschung. Die Phaetonen hielten es nicht für nötig, die Erde zu zeigen. Vielleicht hatten sie gewußt, daß es Menschen der Erde sein würden, die in der Zukunft ihr Raumschiff besuchten.
Erneut war das Schema zu sehen. Das Raumschiff verließ die Erde und steuerte auf einen der Asteroiden zu.
Melnikow und Wtorow bot sich ein ebenso wüster Anblick wie auf der Arsena: ein Chaos aus Felsen, Abgründen und Schluchten.
Auf dem zweiten Asteroiden sah es nicht anders aus. Die Phaetonen waren aber offensichtlich weder auf dem ersten noch auf dem zweiten gelandet. Sie hatten die Aufnahmen während des Fluges von Bord des Raumschiffes aus gemacht.
Doch dann erschien auf der „Leinwand“ der ihnen wohlbekannte runde Talkessel der Arsena. Diesmal landeten die Phaetonen und verließen ihr Raumschiff. Wieder tauchten eigenartige, komplizierte Maschinen auf. Sie brachen Felsen, schliffen sie glatt und stellten sie auf künstlich geebnetem Grund auf.
Die Maschinen arbeiteten augenscheinlich selbständig, denn keiner der Phaetonen hielt sich in ihrer Nähe auf. Es entstand ein merkwürdiges Bauwerk: ein riesiges Quadrat mit granitenen Darstellungen der Körper eines einfachen kubischen Systems.
Weshalb hatte man sie auf dem wüsten, unbewohnten Asteroiden aufgestellt? Auch auf diese Frage gab der „Film“ Antwort. Unter den Granitfiguren wurden Metallbehälter eingemauert.
So bestätigte sich die von Belopolski gleich nach dem Start von der Arsena ausgesprochene Hypothese vollauf. Auf dem Bruchstück des Phaeton war ein ungeheurer wissenschaftlicher Schatz für die Menschen hinterlassen worden. Unter den vorläufig noch unverständlichen symbolischen Figuren lagen seit Jahrtausenden die Dokumente des wissenschaftlichen und technischen Wissens einer untergegangenen Welt verborgen. Sie galt es zu finden, zutage zu fördern und auszuwerten. Da die Phaetonen nicht gewußt hatten, was sie auf der Venus erwartete, hatten sie ihr Archiv auf der Arsena deponiert.
Einen besseren Safe hätte man schwerlich finden können, dachte Melnikow.
Dann erblickten die beiden Männer die Landschaft der Venus.
Sie sahen acht junge Phaetonen aus dem ringförmigen Raumschiff, das am Ufer desselben Sees lag, an dem jetzt die „SSSRKS 3“ ankerte, aussteigen — alle in Raumanzügen. Ein Beweis dafür, daß die Venusluft für sie ebenso unverträglich war wie für den Erdenmenschen.
Den Wald, der jetzt das Raumschiff umschloß, hatte es damals noch nicht gegeben. Vom See bis zu den Bergen erstreckte sich eine mit dichtem und hohem gelbbraunem Gras bedeckte Ebene.
Das Raumschiff der Phaetonen blieb sehr lange an ein und derselben Stelle der Venus liegen. Das konnte man an den Gesichtern der Besatzung erkennen, die immer älter wurden. Die Phaetonen bereisten den Planeten mit ihren merkwürdigen Fahrzeugen, die halb wie ein Auto, halb wie ein Flugzeug aussahen.
Melnikow und Wtorow erlebten mit, wie das erste Mitglied der fremden Besatzung starb, und wohnten seiner Bestattung bei. Und wieder enthüllte sich ihnen ein Geheimnis. Der Körper des Toten wurde in eine steinerne Schale gelegt, eine Flamme loderte auf und verzehrte den Leichnam restlos. Die Leichen der anderen wurden später auf die gleiche Weise bestattet.
Die Zahl der Phaetonen nahm ab. Nach jeder Bestattungszeremonie erlosch die Flamme in der Schale wieder. Sie wurde gelöscht, aber wie, zeigte man den beiden Menschen nicht. Nun war auch klar, weshalb die Flamme im Raumschiff immer noch brannte. Es war schließlich niemand mehr dagewesen, sie zu loschen. Der letzte Phaetone hatte sich selbst verbrannt.
Seine Grabesflamme hatte sie an der Schwelle des Raumschiffes als Ewiges Licht begrüßt — Symbol ewig lebendigen Geistes!
Der größere Teil des „Films“ war der Venus gewidmet. Eines ihrer Rätsel nach dem anderen wurde gelöst.
Die Phaetonen lehrten die Venusbewohner, schwach leuchtende Bäume anzupflanzen, deren Heimat offensichtlich der Phaeton war. Sie bauten an diesem und anderen Flüssen Staudämme und brachten den Venusianern das Flößen bei. Sie versahen sie mit vielen Werkzeugen, darunter auch mit Linealen, die als einzige bei den Venusbewohnern bis heute in Gebrauch geblieben waren. Alles andere hatten sie offensichtlich im Laufe der Zeit vergessen oder verloren. Die Phaetonen halfen ihnen, in einer Höhle eine Stadt zu bauen. Sie lehrten sie, die „Schildkröten“ zu fangen und abzurichten, sie zu Haustieren für schwere Arbeiten zu machen. Auch wurde deutlich, daß sich die Phaetonen mit den Venusianern in deren Sprache verständigt hatten, wofür sie besondere Apparate mit einer Art von Kopfhörern verwendeten.
Nur verschwindend wenig von dem, womit die Phaetonen sie ausgerüstet hatten, war den Venusianern erhalten geblieben — armselige Spuren der ungeheuren, geduldigen Arbeit jener, die von einem anderen Planeten zugewandert waren. Aber hätte es denn anders sein können? Zu kurz war der Auf enthalt der Phaetonen auf der Venus gewesen. Ihre Saat war nur unvollständig aufgegangen.
Am Ende des „Films“ wurde klar und einfach gezeigt, wie die Türen im Raumschiff zu öffnen waren. Melnikows Vermutung, sie reagierten auf Gesten, bestätigte sich nicht. Es existierten Knöpfe, und der „Film“ zeigte, wo sie zu finden waren.
Daß sich die fünfeckigen Öffnungen vor ihnen wie von selbst aufgetan hatten, gehörte zu den Vorbereitungen der Phaetonen auf die Ankunft der Menschen. Man hatte sie auf einem vorher festgelegten Weg durch das Schiff „geführt“.
Nachdem der „Film“ abgelaufen war, begann er wieder von vorn. Anscheinend hatten die Herren des Raumschiffes angenommen, die ihnen unbekannten Zuschauer könnten bei einer einzigen Vorführung nicht alles erfassen und sich merken.