Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Die Frequenzen - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Frequenzen

Электронная книга - «Die Frequenzen». Краткое содержание книги:

Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach Söhne und Planeten, seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.
1 ... 89 90 91 92 93 94 95 96 97 ... 139
Перейти на страницу:

— Raus, raus! bellte ein großer, dicker Kopf.

Uljana sprang sofort auf und versuchte aus ihrem Versteck zu entkommen, das gar kein Versteck war, sondern eine Falle. Aber der Ausgang war versperrt. Der wild verzerrte Mund spuckte sie an, sie zuckte zusammen.

— Los! Raus, raus, raus! bellte jetzt auch ein zweites, noch größeres Gesicht.

— Das ist kein Katzenklo, knurrte der erste.

Endlich öffnete sich zwischen den beiden ein enger Korridor, gerade breit genug, um durchzuschlüpfen. Uljana schaffte es.

Einer der Männer, die beide einen orangen Overall mit der Aufschrift Stahlstift trugen, stampfte mit dem Fuß auf, um sie zu verscheuchen. Sie flüchtete ins Gebüsch. Sie kannte diese Art von Zorn und wusste, dass sie dagegen keine Chance hatte.

Da ihr aufgrund des großen Schreckens selbst das Tageslicht Angst machte, verkroch sie sich am Parkplatz unter einem der Autos und wartete dort, zwinkernd und atmend, bis sie sich wieder beruhigt hatte.

— Drecksköter, sagte der erste Arbeiter.

— Egal, sagte der andere. Wenigstens hat er nicht in die Säule geschissen. Hat sich nur ausgeruht. Ein Streuner.

— Gott sei Dank ist der Zmal nicht da. Was glaubst du, wie der sich aufgeplustert hätte, wenn da in seinem Kunstwerk ein Hund übernachtet.

— Wie spricht man den Namen aus?

— Zmal, oder? Ich weiß es nicht.

— Ich sag Tsmal. Ist das falsch?

— Mir doch egal. Hilf mir lieber.

Sie öffneten die Tür ein Stück weiter und betätigten den Lichtschalter. Eine einzelne Glühbirne erhellte mit ihrem harten Licht den Innenraum, in dem sich ein kleiner Sessel und ein Bild befanden, das ein Schiff zeigte, welches im himmelblauen Meer spazieren fuhr.

— Ich versteh nicht, sagte der Dickere der beiden. Nein, ich versteh wirklich nicht, wie wir das hinkriegen sollen. Diese scheiß Künstler!

Er ließ seinen Zeigefinger wie einen verrückt gewordenen Satelliten um sein Ohr kreisen und sagte:

— In dem Konzeptpapier, das er uns geschickt hat, steht: Flackerndes Licht. Hm …

Er kratzte sich an der Wange.

— Konzeptpapier, äffte der andere ihn nach.

— Ja, ha! Ich meine: das handschriftliche Fax, das heute Morgen in der Kaffeekassa gelegen ist.

Die Männer lachten. Sie lehnten sich zurück und stießen die Luft durch die Zähne aus:

— Ts-s-s!

— Aber ernsthaft, fragte der erste Arbeiter, kannst du dir was drunter vorstellen?

— Nicht wirklich. Er meint wohl, so wie wenn man im Keller das Licht anmacht und die Glühbirne hat einen Wackelkontakt und flimmert die ganze Zeit. Aber wie sollen wir das mit einer gesunden Glühbirne hinkriegen?

— Dabei ist das bestimmt nicht einmal ungefährlich. Was ist, wenn wir einen Kurzschluss oder einen Kabelbrand verursachen?

— Na ja, dann brennt dieser hässliche Klotz hier ab.

— Hast Recht. Auch kein großes Unglück.

— Eben. Und kein Haus in der Nähe, nur dieser Parkplatz. Vielleicht fängt diese Hecke dort Feuer, wer weiß. Aber sonst ist der Platz perfekt für ein kleines Feuerchen zur Eröffnungsfeier.

— Weißt du was, mir ist das alles zu blöd. Schrauben wir die Birne halt nur zur Hälfte rein, dann wird sie schon flackern.

— Gut, probieren wir’s.

Der Schlankere der beiden Männer griff durch die enge Raumschiffluke ins Innere der Säule. Er berührte die Glühbirne mit der Hand und schrie auf.

— Aaah!

— A wie Anfängerfehler, du sagst es! Hahaha!

Der andere klopfte sich auf den Schenkel.

— Scheiße! Au! schrie der Dünne, blies auf die verbrannten Finger und klemmte sie sich unter den Arm.

— Mach du, sagte er. Ich bin verletzt.

— Ach Quatsch, du bist nicht verletzt. So lang hat das Licht ja noch gar nicht gebrannt.

— Los jetzt! Ich hab keine Lust, den ganzen Tag mit dir zu streiten. Ich bin froh, wenn ich diese blöde Säule nicht mehr sehen muss.

— Schon gut, schon gut.

Der Dickere wickelte sich einen Fetzen um die Hand und schraubte die Birne aus der Fassung. Er schraubte und schraubte und — plötzlich ging das Licht aus.

— Du musst es mit Gefühl machen, sagte sein Kollege, der seine Hand immer noch unter den Arm geklemmt hatte.

— Versuch ich doch.

Er schraubte langsamer. Das Licht flimmerte einmal auf, dann war es wieder dunkel.

— Das ist mit Abstand der dümmste Auftrag, den wir je bekommen haben!

— Warte, ich hab’s gleich …

Das Licht flackerte auf, ging wieder aus, flackerte.

— Genau so, sagte der Dünne. Das ist perfekt. Flackernder geht’s nicht.

Er beobachtete mit offenem Mund, wie sein Kollege die Glühbirne vorsichtig losließ. Sie hing ganz still an ihrem Kabel von der Decke.

— Okay. Dann probieren wir’s mal. Es soll schließlich auch bei der Eröffnung morgen Abend funktionieren.

Der Dickere steckte den warm gewordenen Fetzen zurück in seine Hosentasche und schaltete das Licht aus. Dunkelheit. Er wartete ein paar Sekunden, tauschte einen viel sagenden Blick mit seinem Kollegen, dann schaltete er wieder ein. Ein elektrisches Knirschen ertönte, dann explodierte die Glühbirne, und Glassplitter regneten zu Boden.

— Scheißdreck! brüllte der Dünne, warf seine Haube auf den Boden und trat gegen die Säule. Ich bring dich um, du verdammtes Scheißding, ich bring dich um!

Der Pferdebiss

Ich hasse es, wenn Leute zuerst lang und breit in den Telefonhörer atmen, bevor sie sich dazu herablassen, ein Wort zu sagen.

– Äh …

— Hallo?

– Äh … ja, also … hier ist dein … äh …

Die Stimme am anderen Ende der Leitung machte tatsächlich noch einmal Äh, damit ich sie identifizieren konnte. Nachdem ich sie erkannt hatte, setzte ich mich auf den Fußboden, Gott sei Dank auf den Fußboden, denn im selben Augenblick flogen mehrere Handgranaten zum offenen Fenster herein, darunter auch kleinere Raketen und Giftpfeile, die federnd in der Wand stecken blieben, in der Winterlandschaft, die auf dem heutigen Kalenderblatt zu sehen war, und in meinem Lieblingsposter, einer verkleinerten Reproduktion von Paul Klees Meisterwerk Die Zwitschermaschine, dieser herrlichen Fantasie mit den spiralhalsigen Vögeln, die durch eine Kurbel in Gang gesetzt werden konnten, ach ja, diese unschuldigen, kleinen, kindlichen Vögel, und jetzt steckte da ein gefährlicher Pfeil mitten im Bild, und schon riss es entzwei, wohl wegen der wilden Zersetzungskraft des Giftes und des Drucks der Explosionswellen, welche in konzentrischen Kreisen durch mein Zimmer jagten — ich konnte nicht mehr atmen, mir blieb die Luft weg, wie in einem Überschallflugzeug ohne Pilotenkanzel, dem Wind ausgesetzt, diesem immerwährenden Aufprall gegen die trägen, alles zersetzenden Luftmassen, die die Gesichtshaut in absurde Schlottermasken verwandeln, in groteske Faltenspiele, und die den Mund mit heißer Luft füllen, sodass man die Lippen nicht mehr schließen kann und mit einem dämlich aufgeblasenen Pferdegrinsen, einsam zwischen Himmel und Erde zappelnd, in einem kleinen, kompakten Höllengefährt, seinen Geist aufgibt mit einem letzten, niederfrequenten Gnadenlaut:

— Oh.

Das Telefon löste sich von meinem Ohr. Vorsichtig, mit zitterndem Daumen, legte ich auf. Ich drückte den entsprechenden Knopf. So. Das heutige Datum erschien, darunter Uhrzeit und Dauer des Anrufs. 0:49. Neunundvierzig Sekunden. Neunundvierzig, sieben ins Quadrat. Eine hässliche Zahl. Mein Sinn für Synästhesie teilte ihr die Farbe Rot zu. Die Sieben ist eher gelb, vielleicht ein wenig orange.

Gelb mal Gelb ergibt also Rot.

1 ... 89 90 91 92 93 94 95 96 97 ... 139
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)