In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Ich sage ihm nie Dinge, die er nicht zu wissen braucht«, bemerkte Min und betrachtete stirnrunzelnd eine schmächtige Dienerin mit weit aufgerissenen Augen, deren Hofknicks dazu führte, dass sie beinahe auf den rotbraunen Fliesenboden fiel. Elayne warf Min einen Blick zu und erinnerte sich an die Zeit, in der sie selbst Kniebundhosen getragen hatte, und sie fragte sich, ob sie es nicht noch einmal versuchen konnte. Sie boten mit Sicherheit größere Bewegungsfreiheit als Röcke. Allerdings nicht die hochhackigen Stiefel, entschied sie wohlüberlegt. Sie machten Min beinahe so groß wie Aviendha, aber selbst Birgitte schwankte in ihnen, und mit den eng anliegenden Hosen und einem Mantel, der kaum ihre Hüften bedeckte, bot Min definitiv einen skandalösen Anblick.
»Du lügst ihn an?« Aviendhas Tonfall war voller Misstrauen. Sogar die Art und Weise, wie sie ihr dunkles Schultertuch zurechtrückte, kündete von Missbilligung, und sie starrte Min an Elayne vorbei an.
»Natürlich nicht«, erwiderte Min scharf und starrte zurück. »Nur wenn es unbedingt nötig ist.« Aviendha kicherte, dann sah sie überrascht aus, dass sie es getan hatte, und setzte eine steinerne Miene auf.
Was sollte sie mit ihnen machen? Sie mussten einander mögen. Sie mussten es einfach. Aber die beiden Frauen hatten sich seit ihrem Zusammentreffen wie fremde Katzen in einem kleinen Zimmer angestarrt. Oh, sie hatten allem zugestimmt — sie hatten keine andere Wahl gehabt, da keine von ihnen auch nur erahnen konnte, wann ihnen der Mann das nächste Mal zur Verfügung stand —, aber sie hoffte, dass sie einander nicht wieder zeigten, wie geschickt sie mit ihren Messern umgehen konnten. Ganz beiläufig, ohne jede angedeutete Drohung, aber auch ganz offen. Andererseits hatte Aviendha die Zahl der Messer, die Min am Leib trug, durchaus beeindruckt.
Ein junger Diener, der ein Tablett mit hohen Zylindem für die Kandelaber trug, verbeugte sich, als sie vorbeirauschte. Unglücklicherweise starrte er sie so gebannt an, dass er vergaß, auf seine Last zu achten. Das Geräusch auf den Bodenfliesen zersplitternden Glases hallte durch den Korridor.
Elayne seufzte erneut. Sie hoffte, dass sich jeder bald an die neue Ordnung der Dinge gewöhnt hatte. Natürlich war nicht sie allein das Objekt der Aufmerksamkeit, oder Aviendha oder selbst Min, obwohl sie sicher einen Teil davon auf sich zog. Nein, es waren Caseille und Deni, die ihnen dichtauf folgten, die Diener stolpern und die Augen aufreißen ließen. Sie hatte jetzt acht Leibwächterinnen und diese beiden hatten vor ihrer Tür Wache gestanden, als sie aufgewacht war.
Einige der ungläubigen Blicke rührten vermutlich daher, dass Elayne überhaupt von einer Leibwache begleitet wurde, aber mit Sicherheit lag es daran, dass es Frauen waren. Daran hatte sich noch keiner gewöhnt. Aber Birgitte hatte gesagt, sie würde dafür sorgen, dass sie wie eine Zeremonienwache aussahen, und das hatte sie auch getan. Nachdem sie Elaynes Gemächer in der vergangenen Nacht verlassen hatte, musste sie jede Näherin und Hutmacherin des Palasts an die Arbeit gesetzt haben. Jede der Frauen trug einen hellroten Hut mit einer langen weißen Feder, die sich flach an die breite Krempe schmiegte, sowie eine breite, mit Spitze abgesetzte rote Schärpe quer über der Brust, auf der drohend aufgerichtete Weiße Löwen marschierten. Die mit weißen Kragen versehenen scharlachroten Mäntel waren aus Seide und der Schnitt war etwas verändert worden, sodass sie besser saßen und kurz über den Knien der scharlachroten Kniebundhosen endeten, deren Außenseiten von einem weißen Streifen geschmückt wurden. Aus Ärmeln und Kragen quoll weiße Spitze, und ihre schwarzen Stiefel waren gewachst worden, bis sie glänzten. Sie sahen ziemlich schneidig aus und selbst die immer so gelassene Deni stolzierte ein wenig. Elayne vermutete, dass sie noch stolzer sein würden, sobald die Schwertgürtel und Scheiden mit dem Golddraht und die lackierten Helme und Brustpanzer fertig waren. Birgitte ließ die Brustpanzer für die Frauen passend machen, und Elayne war fest davon überzeugt, dass das den Waffenschmieden des Palasts mit Sicherheit fast die Augen aus dem Kopf getrieben hatte!
Im Augenblick war Birgitte fleißig damit beschäftigt, Frauen zu befragen, um die zwanzig für die Leibwache benötigten zusammenzubekommen. Elayne konnte fühlen, wie sie sich konzentrierte; da es keinerlei Anzeichen körperlicher Aktivitäten gab, musste es das sein, es sei denn, sie würde lesen oder Steine spielen, und sie gönnte sich nur selten einen Augenblick für sich selbst. Elayne hoffte, sie würde es auch bei den zwanzig belassen. Und sie hoffte, dass Birgitte beschäftigt genug war, dass sie nichts bemerkte, bis es dann zu spät war, wenn sie den Bund verhüllte. Wenn sie nur daran dachte, was für Sorgen sie sich gemacht hatte, Birgitte könnte spüren, wenn sie etwas tat, mit dem sie nicht einverstanden war. Und dabei hatte die Lösung in einer einfachen Frage an Vandene gelegen. Die Antwort war eine traurige Erinnerung daran gewesen, wie wenig sie doch eigentlich darüber wusste, eine Aes Sedai zu sein, vor allem über solche Dinge, die für die anderen Schwestern eine Selbstverständlichkeit waren. Anscheinend wusste jede Schwester, die einen Behüter hatte, wie das zu bewerkstelligen war, selbst jene, die zölibatär lebten.
Es war schon seltsam, wie sich manche Dinge regelten. Wären da nicht die Leibwächterinnen und die Frage gewesen, wie es zu schaffen war, sowohl ihnen als auch Birgitte aus dem Weg zu gehen, wäre sie nie auf die Idee gekommen, danach zu fragen, hätte sie nie gelernt, wie man den Bund für solche Gelegenheiten verhüllen konnte. Nicht, dass sie in absehbarer Zeit geplant hätte, ihren Leibwächterinnen zu entkommen, aber es war besser, rechtzeitig vorbereitet zu sein. Birgitte würde ihr und Aviendha mit Sicherheit nicht erlauben, allein in die Stadt zu gehen, ob nun am Tag oder in der Nacht. Das war vorbei.
Ihre Ankunft vor Nynaeves Tür verdrängte jeden Gedanken an Birgitte. Mal davon abgesehen, dass sie den Bund erst im letzten Augenblick verhüllen durfte. Rand war auf der anderen Seite der Tür. Rand, der manchmal ihren Verstand so durcheinander brachte, dass sie sich fragte, ob sie wie eine dieser dummen Puten aus einem Roman war, die wegen eines Mannes die Beherrschung verloren. Sie war immer der Ansicht gewesen, dass diese Geschichten nur von Männern geschrieben sein konnten. Aber manchmal machte Rand sie sprachlos. Wenigstens bekam er das nicht mit, wofür sie dem Licht dankte.
»Wartet hier draußen und lasst niemanden hinein«, befahl sie den Gardistinnen. Sie konnte jetzt keine Unterbrechungen gebrauchen. Mit etwas Glück waren ihre Leibwächter neu genug, dass keinem auffiel, was ihre schönen Uniformen zu bedeuten hatten. »Es wird nur ein paar Minuten dauern.«
Sie salutierten schneidig, führten den Arm quer über die Brust und stellten sich beiderseits der Tür auf; Caseille mit steinernem Gesicht und der Hand auf dem Schwertgriff, Deni mit schmalem Lächeln und der langen Keule in beiden Händen. Elayne war fest davon überzeugt, dass die stämmige Frau glaubte, Min hätte sie hergebracht, damit sie ihren heimlichen Geliebten treffen konnte. Vermutlich war auch Caseille dieser Ansicht. Sie waren nicht mal annähernd so diskret vor den beiden Frauen gewesen, wie sie es hätten sein sollen; keiner hatte seinen Namen erwähnt, aber es hatte genug von ›er hat dies getan‹ und ›er hat das getan‹ gegeben. Wenigstens hatte keine von ihnen versucht, sich zu entschuldigen, um Birgitte Meldung zu machen. Wenn sie ihre Leibwächterinnen waren, dann waren sie ihre Leibwächterinnen und nicht Birgittes. Nur dass sie Birgitte nicht raushalten würden, wenn sie den Bund zu früh verhüllte.
Elayne begriff, dass sie zögerte. Der Mann, von dem sie jede Nacht träumte, war auf der anderen Seite der Tür, und sie stand hier wie ein Schulmädchen. Sie hatte so lange gewartet und so viel gewollt und jetzt hatte sie beinahe Angst. Sie würde hier nicht scheitern. Mit einer bewussten Anstrengung riss sie sich zusammen.