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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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»Du trainierst hart, Coll Ohmsford«, sagte er mit seiner charakteristischen, flüsternden Stimme. »Ulfkingroh verliert jeden Tag mehr an Boden gegen dich.«

Coll nickte wortlos und wartete darauf, daß der andere ihm mitteilen würde, was er eigentlich hatte sagen wollen.

»Es geht um den Umhang«, sagte Rimmer Dall wie als Antwort. »Es ist an der Zeit, daß du erfährst, wozu er dient.«

Coll konnte seine Überraschung nicht verbergen. »Warum?«

Der andere schaute fort, als überlege er die Antwort. Die behandschuhte Hand hob sich und fiel wieder herab wie eine schwarze Sense. »Ich habe dir erzählt, daß dein Bruder in Gefahr sei und du daher auch in Gefahr seist, und das alles wegen der Magie und wegen dem, was sie vermag. Ich hatte geplant, dich dafür zu benutzen, deinen Bruder zu mir zu locken. Ich ließ es bekannt werden, daß du hier bist. Aber dein Bruder bleibt in Tyrsis und will nicht zu dir kommen.«

Er hielt inne und wartete auf Colls Reaktion. Colls Gesicht war eine ausdruckslose Maske.

»Die Magie, die er in sich birgt«, flüsterte der Erste Sucher, »die Magie, die im Wunschgesang verborgen liegt, beginnt ihn zu verschlingen. Er hat es vielleicht noch gar nicht bemerkt. Er versteht es vielleicht nicht. Du hast diese Magie in ihm gespürt, nicht wahr? Du weißt, daß sie da ist?«

Er zuckte die Achseln. »Ich hatte vorgehabt, mit ihm zu reden, falls ich ihn finden würde. Ich glaube jetzt, daß er sich vielleicht weigern wird, mir zuzuhören. Ich hatte gehofft, daß es die Dinge voranbringen würde, daß ich dich in der Südwache habe. Anscheinend war das nicht der Fall.«

Coll atmete tief ein. »Ihr wart ein Narr, wenn Ihr glaubtet, Par würde herkommen. Und ein noch größerer Narr, wenn Ihr dachtet, Ihr könntet mich dazu benutzen, ihn zu fangen.«

Rimmer Dall schüttelte den Kopf. »Du glaubst mir noch immer nicht, nicht wahr? Ich will dich beschützen, nicht benutzen. Ich will deinen Bruder retten, solange noch Zeit dazu ist. Er ist ein Schattenwesen, Coll. Er ist wie ich, und seine Magie ist eine Gabe, die ihn entweder retten oder zerstören kann.«

Eine Gabe. Par hatte dieses Wort oft gebraucht, dachte Coll betrübt. »Dann laßt mich zu ihm gehen. Gebt mich frei.«

Der große Mann verzog die Mundwinkel und lächelte. »Das habe ich auch vor. Aber nicht, bevor ich deinem Bruder noch einmal gegenübergetreten bin. Ich denke, das Spiegeltuch wird es mir ermöglichen. Das ist die Magie der Schattenwesen – eine sehr mächtige Magie. Es hat lange Zeit gedauert, bis ich sie zu benutzen verstand. Wer auch immer den Umhang trägt, erscheint denjenigen, denen er begegnet, als jemand, den sie kennen und dem sie vertrauen. Er verbirgt, wer sie in Wahrheit sind. Er verbirgt ihre Identität. Ich werde ihn tragen, wenn ich mich auf die Suche nach deinem Bruder begebe.« Er hielt inne. »Du könntest mir dabei helfen. Du könntest mir sagen, wo ich ihn vielleicht finden kann, wo er deiner Meinung nach sein könnte. Ich weiß, daß er in Tyrsis ist. Aber ich weiß nicht, wo genau. Wirst du mir helfen?«

Coll war skeptisch. Wie konnte Rimmer Dall auch nur daran denken, ihn so etwas zu fragen? Aber der große Mann schien sich seiner selbst so sicher, als habe er mit allem recht, als kenne er die Wahrheit weit besser als Coll.

Coll schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, wo Par ist.«

Eine langen Augenblick lang reagierte Rimmer Dall überhaupt nicht, sondern stand nur da und sah Coll an. Mit harten Augen fixierte er ihn aufmerksam, als wäre die Lüge auf seinem Gesicht abzulesen.

»Ich werde ein anderes Mal erneut fragen«, sagte er schließlich. Die schweren Stiefel schabten über den Fels des Gehweges. »Kehre zu deinem Training zurück. Ich werde ihn selbst finden, auf die eine oder andere Weise. Wenn es soweit ist, werde ich dich freilassen.«

Er wandte sich ab und ging davon. Coll sah ihm nach. Er beobachtete jedoch nicht den Mann, sondern betrachtete den Umhang, den er trug, und dachte: Wenn ich nur fünf Sekunden lang diesen Umhang bekommen könnte...

Er dachte noch immer darüber nach, als er am nächsten Tag erwachte. Ein Umhang, der die Identität des Trägers vor denjenigen verbergen konnte, denen er begegnete, der ihn als jemanden erscheinen ließ, dem sie vertrauen konnten – hier war vielleicht ein Weg, der ihn aus der Südwache herausführen könnte. Rimmer Dall stellte sich das Spiegeltuch vielleicht als ein Versteck vor, das es ihm erlauben würde, Par eine Falle zu stellen, aber Coll hatte eine weit bessere Idee für den Gebrauch der Magie. Wenn er in den Besitz des Umhanges gelangen und ihn anlegen könnte... Seine Erregung über seine Idee erlaubte es ihm nicht, den Gedanken zu beenden. Er überlegte, wie er es wohl schaffen könnte, und sein Verstand arbeitete, während er sich anzog, die Länge seiner Zelle durchschritt und auf sein Frühstück wartete. Dann kam ihm einen Moment lang in den Sinn, daß es außerordentlich leichtsinnig von Rimmer Dall gewesen war, ihm die Magie zu zeigen, wo die Schattenwesen doch so bemüht waren, derartiges zu verbergen. Aber andererseits war der Erste Sucher ja wohl erpicht auf seine Hilfe, Par auszumachen, und der Umhang war nutzlos, wenn sie Par nicht fanden. Wahrscheinlich hatte Dall gehofft, Coll einfach überreden zu können, indem er ihn wissen ließ, daß er solche Magie besaß.

Doch dann wurde dieser Gedanke plötzlich von einem anderen verdrängt. Was, wenn der Umhang ein Trick war? Wie konnte er sichergehen, daß das Spiegeltuch auch tat, was von ihm gefordert wurde? Welchen Beweis hatte er? Er schreckte auf, als sein metallener Essensnapf durch den Türschlitz am Fußboden glitt. Er starrte einen Moment lang hilflos vor sich hin und zögerte. Warum sollte der Erste Sucher jedoch lügen? Was konnte er damit gewinnen?

Die Fragen quälten und überwältigten ihn schließlich, und er schob sie beiseite, um sein Frühstück zu sich zu nehmen. Als er das beendet hatte, ging er hinunter in den Übungshof, um mit Ulfkingroh zu trainieren. Er mußte erneut mit Rimmer Dall sprechen und mehr über den Umhang und seine Magie herausfinden. Aber er konnte es sich nicht leisten, allzu interessiert zu wirken. Er konnte nicht zulassen, daß der Erste Sucher sein wahres Motiv erriet. Das bedeutete, daß er warten mußte, bis Rimmer Dall zu ihm kam.

Aber der Erste Sucher erschien weder an diesem noch am nächsten Tag, und erst drei Tage später, als Coll bei Einsetzen der Dämmerung erschöpft zurück in seine Zelle schlich, materialisierte er sich aus den Schatten und schloß sich ihm an.

»Hast du noch einmal darüber nachgedacht, ob du mir nicht helfen willst, deinen Bruder zu finden?« fragte er beiläufig, und sein Gesicht versenkte sich in die Kapuze seines schwarzen Umhanges.

»Ein wenig«, räumte Coll ein.

»Die Zeit vergeht schnell, Bewohner des Vale.«

Coll zuckte angelegentlich die Achseln. »Es bereitet mir Mühe, alles zu glauben, was Ihr mir erzählt. Ein Gefangener wird selten aufgefordert, seinem Gefängniswärter zu vertrauen.«

»Nein?« Coll konnte das düstere Lächeln des anderen fast spüren. »Ich hätte gedacht, es wäre genau umgekehrt.«

Sie gingen ein paar Schritte schweigend nebeneinander, und Colls Gesicht brannte vor Wut. Er wollte den anderen herausfordern, wo er ihn so nahe hatte. Sie waren allein in diesen dunklen Gängen, nur sie beide. Er unterdrückte die Versuchung, denn er wußte, wie dumm es wäre, dieser jetzt nachzugeben.

»Ich glaube, Par würde die Magie des Spiegeltuches durchschauen«, sagte er schließlich.

Dall schaute ihn an. »Wie?«

Coll atmete tief ein. »Seine eigene Magie würde ihn warnen.«

»Du glaubst also, es würde mir nicht gelingen, nahe genug an ihn heranzukommen, um auch nur mit ihm sprechen zu können?« Die flüsternde Stimme war heiser und leise.

»Das frage ich mich«, erwiderte Coll.

Dall blieb stehen und wandte sich ihm zu. »Wie wäre es, wenn ich die Magie an dir ausprobieren würde? Dann könntest du dir dein eigenes Urteil bilden.«

Coll runzelte die Stirn und verbarg die freudige Erregung, die plötzlich in ihm aufwallte. »Ich weiß nicht. Es hat vielleicht nichts zu bedeuten, wenn sie an mir funktioniert.«

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