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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Akkarin setzte sich in die Nähe des Eingangs. Seine Lichtkugel erlosch wieder, und Sonea fragte sich, wie sie jemals Schlaf finden sollte, solange sie wusste, dass ganz in der Nähe ein Ichani nach ihnen suchte.

Aber die Erschöpfung gewann die Oberhand über ihre Angst und die scharfen Kanten der Steine, und schon bald wanderten ihre Gedanken fort von allen Sorgen des Augenblicks.

22

Ein Meinungsaustausch

Von außen waren über den hohen, runden Mauern, die den Palast umgaben, nur dessen Türme zu sehen. Als die Kutsche der Gilde in die Ringstraße einbog, die um die Mauer herumführte, blickte Lorlen auf, und ein Stich der Furcht durchzuckte ihn. Sein letzter Besuch im Palast lag viele Jahre zurück. Um die Angelegenheiten, die es zwischen dem König und der Gilde zu besprechen galt, kümmerte sich stets der Hohe Lord. Obwohl zwei Magier – die Ratgeber des Königs – dem Monarchen täglich aufwarteten, bestand ihre Aufgabe darin, zu schützen und zu beraten, nicht hingegen darin, Befehle bezüglich der Gilde zu empfangen oder auszuführen. Jetzt, da Akkarin fort war, oblagen die Pflichten des Hohen Lords dem Administrator.

Als hätte ich nicht schon genug zu tun, dachte Lorlen. Heute jedoch hatte der König darum gebeten, dass alle höheren Magier sich im Palast einfanden. Lorlen betrachtete seine Begleiter.

Während Lady Vinara vollkommen ruhig wirkte, zeigte Lord Sarrins Gesicht einen sorgenvollen Ausdruck. Auslandsadministrator Kito trommelte mit den Fingern der einen Hand auf die andere. Lorlen war sich nicht sicher, ob dies ein Zeichen von Nervosität oder von Ungeduld war. Nicht zum ersten Mal wünschte er, dass Kitos Pflichten ihn nicht so häufig von der Gilde weggeführt hätten. Wenn er Kito besser gekannt hätte, wäre es ihm vielleicht möglich gewesen, an diesen kleinen Gewohnheiten die Stimmung des Mannes abzulesen.

Die Kutsche verlangsamte ihre Fahrt und bog dann in die Auffahrt zum Palast ein. Zwei riesige, geschwärzte Eisentore schwangen nach innen auf, ein jedes bemannt von zwei Wachposten. Mehrere andere Wachen, die zu beiden Seiten des Eingangs standen, verneigten sich, als Lorlens Kutsche in einen großen, umfriedeten Innenhof fuhr.

Im Hof verteilt standen stolz die Statuen früherer Könige. Vor den prächtigen Palasttoren kam die Kutsche schließlich zum Stehen. Als Lorlen ausstieg, trat ein Wachmann vor und verbeugte sich.

Lorlen beobachtete, wie die zweite Kutsche der Gilde hinter der ersten hielt, dann ging er auf den Begrüßer an den Toren zu. Die Aufgabe der Grüßer bestand darin, jeden Besucher des Palastes mit geziemender Förmlichkeit willkommen zu heißen und später einen Bericht zu verfassen. Als Kind hatte Lorlen zu seiner Faszination gehört, dass die Grüßer ihre eigene Kurzschrift entwickelt hatten, um diesen Prozess zu beschleunigen.

Der Mann verneigte sich elegant.

»Administrator Lorlen. Es ist mir eine Ehre, Euch kennen zu lernen.« Der Blick seiner wachsamen Augen bewegte sich von einem Magier zum anderen, während er jeden von ihnen begrüßte. »Willkommen im Palast.«

»Vielen Dank«, erwiderte Lorlen. »Der König hat uns hergerufen.«

»Man hat mich davon in Kenntnis gesetzt.« Der Mann hielt in einer Hand ein kleines Brett. Aus einem Schlitz an der Seite zog er ein quadratisches Stück Papier und schrieb mit einem Tintenstock mehrere schnelle Zeichen darauf. Ein Junge, der in der Nähe wartete, eilte herbei, verneigte sich und nahm das Papier entgegen.

»Euer Führer«, sagte der Grüßer. »Er wird Euch jetzt zu Seiner Majestät König Merin bringen.«

Der Junge huschte zu einer der riesigen Palasttüren hinüber, zog sie auf und trat dann beiseite. Lorlen ging den anderen Magiern voran in die Eingangshalle des Palastes.

Sie war einer der Hallen in der Universität nachgebildet. Einige sehr zierlich wirkende Wendeltreppen führten von der Halle in das darüberliegende Geschoss. Es gab jedoch noch viele weitere solcher Treppen im Palast; sie waren alle mit Gold geschmückt und wurden jeweils von mehreren herabhängenden Lampen erhellt. In der Mitte des Raums klickte und sirrte ein kunstvoll gearbeiteter Zeitmesser. Sie folgten dem Jungen eine Treppe hinauf.

Ihr Führer geleitete sie durch hohe Türen, breite Korridore und Hallen. Nachdem sie eine weitere lange, schmale Treppe hinaufgestiegen waren, gelangten sie zu einer Tür von gewöhnlicher Größe, die von zwei Wachen versperrt wurde. Der Junge bat sie zu warten, dann schlüpfte er an den Wachen vorbei. Nach kurzer Zeit kam er zurück und erklärte, dass der König sie empfangen wolle.

Als Lorlen in den Raum dahinter trat, erregten die hohen, schmalen Fenster sofort seine Aufmerksamkeit. Sie gaben den Blick auf die gesamte Stadt und das umliegende Land frei. Er begriff, dass sie sich in einem der Palasttürme befanden. Als er nach Norden blickte, erwartete er beinahe, eine dunkle Linie von Bergen zu sehen, aber natürlich lag die Grenze weit jenseits des Horizonts.

Der König saß in einem großen, bequemen Sessel auf der gegenüberliegenden Seite des Raums. Die Ratgeber des Königs standen links und rechts von ihm, und ihre Mienen waren wachsam und ernst. Lord Mirken war der Ältere von beiden. Lord Rolden und der König waren fast gleichaltrig, und Lorlen wusste, dass Rolden dem König ebenso ein Freund war wie ein Beschützer.

»Euer Majestät«, sagte Lorlen. Er ließ sich auf ein Knie nieder und hörte das Rascheln von Roben hinter sich, als die anderen höheren Magier seinem Beispiel folgten.

»Administrator Lorlen«, erwiderte der König, »und höhere Magier der Gilde. Steht bequem.«

Lorlen und die anderen erhoben sich.

»Ich wünsche, mit Euch und Euren Kollegen die Behauptungen des ehemaligen Hohen Lords zu erörtern«, fuhr der König fort. Sein Blick wanderte von einem Magier zum nächsten, dann runzelte er die Stirn. »Wo ist Lord Balkan?«

»Das Oberhaupt der Krieger ist noch in der Nordfestung, Euer Majestät«, erklärte Lorlen, »ebenso wie die Magier, die Akkarin zur Grenze eskortiert haben.«

»Wann wird Lord Balkan zurückkehren?«

»Er beabsichtigt, im Fort zu bleiben für den Fall, dass Akkarin versuchen sollte, über diesen Weg nach Kyralia zurückzukehren. Allerdings hat er noch einen zweiten Grund für sein Verhalten: Falls sich Akkarins Worte als wahr erweisen und diese Ichani versuchen sollten, nach Kyralia einzudringen, wäre es ebenfalls gut, wenn Balkan noch dort wäre.«

Das Stirnrunzeln des Königs vertiefte sich. »Ich brauche ihn hier, wo ich mich mit ihm beraten kann.« Er zögerte. »Meine Ratgeber haben mir gesagt, Ihr hättet Befehl gegeben, dass für die nächste Zeit keine Gedankenrede mehr benutzt werden dürfe. Was ist der Grund dafür?«

»Gestern Nacht hörte ich die Gedankenstimme eines mir unbekannten Magiers.« Bei der Erinnerung daran überlief Lorlen ein Frösteln. »Er schien ein Gespräch belauscht zu haben, das ich mit meinem Assistenten führte.«

Der König kniff die Augen zusammen. »Was hat dieser Fremde gesagt?«

»Ich hatte Lord Osen für die Information gedankt, dass Akkarin und Sonea nunmehr auf sachakanischem Boden seien. Der Fremde wiederholte den Dank.«

»Das ist alles, was dieser Fremde gesagt hat?«

»Ja.«

»Ihr könnt jedoch nicht wissen, ob dieser Fremde ein Ichani war.« Der König klopfte mit den Fingern auf die Armlehne seines Sessels. »Aber wenn die Ichani tatsächlich existieren und Eure Gespräche belauscht hätten, könnten sie während der vergangenen Tage sehr viel erfahren haben.«

»Ja, bedauerlicherweise.«

»Und wenn ich Lord Balkan zurückbeordere, würden sie das ebenfalls hören. Wenn Balkan seine Krieger verlässt und nach Hause zurückkehrt, werden sie dann auch ohne ihn in der Lage sein, das Fort gegen einen Angriff zu verteidigen?«

»Ich könnte ihn fragen, aber wenn seine Antwort ein Nein ist und er dennoch aufbricht, würde jeder, der dieses Gespräch belauscht, wissen, dass das Fort schwach ist.«

Der König nickte. »Ich verstehe. Sprecht mit ihm. Wenn er das Gefühl hat, nicht gehen zu können, dann muss er bleiben.«

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