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Die Goldhändlerin

Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:

Deutschland im Jahre 1485 - Für die junge Jüdin Lea endet ein Jahr der Katastrophen: Ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kamen bei einem Pogrom ums Leben. Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben und das ihrer Geschwister zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die »Samuel« unbedingt verheiraten wollen. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet ...

Autorin

Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
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Sie schluchzte auf und trocknete einen Tränenschwall.

Lea lächelte ihr aufmunternd zu. »Sag frei heraus, was dir auf der Seele brennt. Du hast uns damals gerettet, und ich werde für dich tun, was ich kann.«

»Schuld an allem ist Alban von Rittlage, dieser gemeine Verräter!«, brach es aus Gretchen heraus. »Peter hat viele Jahre in seinen Diensten gestanden, bis Rittlage vor einem halben Jahr sein Amt als kaiserlicher Vogt in Sar-ningen niedergelegt hat, um sich als einer der Hauptleute des schwäbischen Kreises in seiner Herrschaft Elzsprung niederzulassen. Seine Gefolgsleute und seinen Stab an Schreibern und Bütteln hat er jedoch nicht mitgenommen, sondern sie allesamt vor die Tür gesetzt. Vorher aber hat er den Sarninger Bürgern noch zweitausend Gulden als Strafe für die Vertreibung der Juden auferlegt, und die Leute, die es wagten, ihn daran zu erinnern, dass er selbst der Anstifter dieser Tat gewesen war, als Verleumder in den Kerker geworfen. Nachdem er Sarningen verlassen hatte, hat sich der Hass der Bürger gegen die Männer gerichtet, die in den Diensten des Vogts gestanden hatten. Man hat Peter angedroht, uns das Haus über dem Kopf anzuzünden, wenn wir Sarningen nicht bald verlassen, und im letzten Monat ist er überfallen und zusammengeschlagen worden. Wir müssen fort, aber ohne Empfehlung oder eine größere Summe gemünzten Goldes wird uns keine Stadt als Bürger aufnehmen. Wir besitzen weder das eine noch das andere, und meine Eltern verfügen auch nicht über so viel Vermögen oder Einfluss am markgräflichen Hof, dass wir nach Hartenburg übersiedeln und Peter dort eine Stelle bekommen könnte.«

Lea hatte zunächst nur den Namen Rittlage verstan-den, denn im gleichen Moment stieg ihr das Blut in die Ohren, so dass sie nichts anderes vernahm als ihren Herzschlag. »Du sagst, Rittlage wäre zu einem der Hauptleute des schwäbischen Reichskreises aufgestiegen?«

Gretchen nickte bedrückt. »So ist es. Man sagt, er würde bereits nach einer passenden Erbin suchen, um seinen Besitz durch eine Heirat zu vermehren.«

Tausend Gedanken schossen Lea gleichzeitig durch den Kopf. Sie hielt es für einen Fehler Rittlages, sich seiner alten Gefolgsleute entledigt zu haben und die Bürger von Sarningen für etwas bezahlen zu lassen, für das er selbst verantwortlich war. Anscheinend fühlte er sich nach den Jahren, die seit dem Sarninger Pogrom vergangen waren, sicher vor üblen Nachreden oder Racheakten.

Sie dachte an Herzog Maximilian, dem sie Rittlages Schuldverschreibungen übergeben hatte, und lächelte selbstzufrieden. Der Geldbedarf des Herrn war allgemein bekannt, und er würde über seine Bankiers jeden Kreuzer der Summe und noch Etliches an Zinsen von Rittlage eintreiben lassen. Für einen Augenblick fragte sie sich, was geschehen würde, wenn der ehemalige Vogt sich weigerte zu zahlen. Maximilian, der Sohn und designierte Nachfolger des Kaisers, würde das höchstwahrscheinlich als Beleidigung auffassen und ihm die Fehde antragen. Ihr schien es unwahrscheinlich, dass Rittlage seine reichsfreie Herrschaft Elzsprung gegen eine solche Macht halten konnte, und mit seinem Besitz würde er auch all seine neuen Ämter verlieren und froh sein müssen, wenn ihn ein anderer Adeliger in seine Dienste nahm. Lea hoffte, dass er tief genug sinken würde, um ein Opfer der Feinde zu werden, die er sich mit seinen Ränken geschaffen hatte.

Gretchen bemerkte das Lächeln auf Leas Lippen und blickte sie verdattert an. »Du freust dich wohl noch, dass es uns so schlecht geht.«

Lea schüttelte den Gedanken an Rittlages Schicksal ab und lachte. »Du Schaf, ich dachte doch an etwas ganz anderes. Natürlich helfe ich euch. Sag mir, wie viel Geld ihr braucht, um euch woanders anzusiedeln. Warte ...! Dein Peter ist doch Schreiber?«

Gretchen nickte eifrig. »Oh ja, er beherrscht die Amtssprache, versteht es, ein Stadtarchiv zu führen, und kennt die Geheimzeichen der kaiserlichen Post. Er hat auch dem Kämmerer assistiert und kann sehr gut rechnen. Glaub mir, er ist sehr klug und kennt sich in vielen Dingen aus.«

Lea blickte auf die sich im warmen Sommerwind wiegenden Wiesenblumen und dachte kurz nach. »Ein Geschäftsfreund von mir hat das Monopol für den Handel mit spanischen Weinen für die Grafschaft Flandern erhalten und brauchte jemand, der dieses Monopol für ihn überwacht. Wenn dein Peter dazu bereit wäre, müsstet ihr jedoch nach Flandern reisen und euch dort niederlassen.«

»Das Angebot wird er bestimmt annehmen!« Man sah Gretchen an, wie glücklich sie über die Aussicht war, Sarningen nicht als Bettlerin verlassen und heimatlos über die Landstraßen ziehen zu müssen.

Während des Gesprächs hatte sich die Reisegruppe, mit der Gretchen gezogen war, zum Aufbruch bereitgemacht. Eine alte Frau trat mit einem etwa zweijährigen Knaben auf dem Arm auf Gretchen zu und machte eine auffordernde Geste. »Komm endlich, Gretchen. Wir ziehen weiter.«

»Danke, Katharina, aber ich werde euch hier verlassen und mit Samuel Goldstaub, dem Nachbarn meiner Eltern, auf dem kürzesten Weg nach Hartenburg gehen.« Gret-chen streckte die Arme nach dem Kind aus, welches die andere noch einmal herzte, ehe sie es ihr mit einem bösen Seitenblick auf den Juden reichte.

»Das ist Peters und mein größter Schatz«, sagte Gret-chen stolz.

Lea starrte das Kind an und musste den Wunsch unterdrücken, es an sich zu nehmen und auf ihren Armen zu wiegen. Der glückselige Gesichtsausdruck, mit dem Gret-chen ihren Sohn betrachtete, erinnerte sie schmerzlich daran, worauf sie verzichten musste. Für einen Augenblick verfluchte sie das Schicksal, das sie wie eine entwurzelte Pflanze vor sich hertrieb, und wünschte sich, ebenfalls einen braven Mann und ein hübsches Kind zu besitzen. Dann aber holte sie tief Luft und straffte die Schultern. Sie hatte ihren Weg doch halb und halb freiwillig gewählt und würde ihn weitergehen müssen bis zum bitteren Ende.

»Was waren das für Leute?«, fragte sie Gretchen, als die Gruppe weitergezogen war.

»Pilger auf dem Weg nach St. Maria am Stein. Die großen Handelszüge, unter deren Schutz man als Frau auch allein reisen kann, nehmen zu viel Geld, und so habe ich mich diesen Leuten angeschlossen. Ich hatte vor, mich oben bei Briesthal von ihnen zu trennen, weil die Fuhrleute von dort aus den Weg nach Hartenburg nehmen. Aber jetzt habe ich ja dich und deinen Knecht als Begleiter.«

»Wenn wir jetzt aufbrechen und stramm gehen, können wir die Stadt noch vor dem Abend erreichen.« Lea wartete Gretchens Antwort nicht ab, sondern steckte sich das letzte Stück Käse in den Mund und ging die Zeche zahlen. Als sie sich ihre Kiepe auf den Rücken lud, hatte Gretchen schon ihr Bündel auf den Rücken und das Kind in einem Tuch vor die Brust gebunden. Die beiden Frauen gingen voran, während Jochanan ihnen im Abstand von ein paar Schritten folgte.

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