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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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»Schlaf jetzt, mein wunderbares Mädchen«, flüstert er und gibt mir einen letzten Kuss.

Und bevor ich mit einer sarkastischen Erwiderung kontern kann, bin ich eingeschlafen.

NEUNZEHN

Weiche Lippen streichen über meine Schläfe, gefolgt von einer Spur zärtlicher Küsse. Ein Teil von mir würde sich am liebsten umdrehen und sie erwidern, doch mein Bedürfnis nach Schlaf ist zu übermächtig.

»Wach auf, Anastasia«, höre ich Christians samtweiche Stimme.

»Nein«, stöhne ich.

»In einer halben Stunde müssen wir zum Abendessen aufbrechen.« Belustigung schwingt in seiner Stimme mit.

Widerstrebend öffne ich die Augen. Draußen dämmert es. Christian hat sich über mich gebeugt und sieht mich eindringlich an.

»Los, Schlafmütze, aufstehen.« Noch einmal küsst er mich. »Hier ist etwas zu trinken. Ich warte unten auf dich. Nicht wieder einschlafen, sonst gibt’s Ärger«, warnt er, wenn auch milde. Mit einem letzten, flüchtigen Kuss verlässt er das kühle, schlicht eingerichtete Zimmer, während ich mir blinzelnd den Schlaf aus den Augen reibe.

Das Nickerchen hat mich zwar erfrischt, trotzdem bin ich nervös. Ich lerne seine Familie kennen! Heilige Scheiße, gerade noch hat er mich mit einer Reitgerte gevögelt und mit einem Kabelbinder gefesselt, den ich ihm persönlich verkauft habe, und gleich werde ich seinen Eltern die Hand schütteln. Wenigstens habe ich Kate zur Unterstützung an meiner Seite. Ich bewege meine Schultern. Sie sind stocksteif. Die Anweisung, mit einem Personal Trainer zu trainieren, erscheint mir plötzlich nicht mehr ganz so abwegig; vielmehr ist es ein absolutes Muss, wenn ich auch nur annähernd mit ihm mithalten will.

Im Zeitlupentempo stehe ich auf. Mein Kleid hängt an der Tür des Kleiderschranks, mein BH liegt daneben auf einem Stuhl. Aber wo ist mein Höschen? Ich sehe unter dem Stuhl nach. Nichts. Dann fällt es mir wieder ein – er hat es zusammengeknüllt und in seine Hosentasche gestopft. Die Erinnerung treibt mir die Schamesröte ins Gesicht … Ich kann mich nicht einmal überwinden, daran zu denken. Er war regelrecht … barbarisch. Aber wieso hat er mir mein Höschen nicht zurückgegeben?

Ich gehe ins Badezimmer. Die Vorstellung, ohne Unterwäsche herumlaufen zu müssen, macht mich ganz nervös. Als ich mich nach einer herrlichen, wenn auch viel zu kurzen Dusche abtrockne, kapiere ich es endlich – das hat er mit Absicht getan. Er will, dass ich mich schäme und ihn bitte, es mir zurückzugeben, damit er die Macht hat, Ja oder Nein zu sagen. Meine innere Göttin grinst. Tja, zu diesem Spielchen gehören aber zwei. Ich beschließe, ihm diese Befriedigung nicht zu verschaffen. Dann trete ich seinen Eltern eben ohne Unterwäsche gegenüber. Anastasia Steele!, schimpft mein Unterbewusstsein, aber ich bin nicht bereit, ihm zuzuhören. Stattdessen reibe ich mir im Geiste bereits die Hände. Damit werde ich ihn um den Verstand bringen.

Ich kehre ins Schlafzimmer zurück, ziehe meinen BH an, schlüpfe in mein Kleid und streife meine Schuhe über. Dann löse ich meinen Zopf und bürste eilig mein Haar. Mein Blick fällt auf das Glas mit der hellrosa Flüssigkeit. Was mag das sein? Cranberrysaft mit Mineralwasser. Hm. Es schmeckt köstlich.

Ich flitze noch einmal ins Bad, um mich im Spiegel anzusehen  – strahlende Augen, die Wangen von einem rosigen Hauch überzogen und ein selbstgefälliges Lächeln, das beim Gedanken an meinen Höschen-Plan um meine Lippen spielt. Ich gehe nach unten. Ich habe gerade mal eine Viertelstunde gebraucht. Nicht übel, Ana.

Christian steht in der grauen Flanellhose, die ich so gern mag, weil sie sich so sexy um seine Hüften schmiegt, und dem obligatorischen weißen Leinenhemd vor dem Panoramafenster. Gibt es in seinem Schrank eigentlich noch andere Farben? Aus den Surround-Boxen dringt leise Frank Sinatra.

Als ich hereinkomme, dreht er sich um und lächelt mich erwartungsvoll an.

»Hi«, sage ich leise und zaubere ein sphinxgleiches Lächeln auf mein Gesicht.

»Hi, wie fühlst du dich?« Seine Augen funkeln belustigt.

»Gut. Danke. Und du?«

»Mir geht es ausgesprochen gut, Miss Steele.«

Er kann es offenkundig kaum erwarten, dass ich endlich etwas sage.

»Ich hätte nicht gedacht, dass du Sinatra-Fan bist.«

Er hebt die Brauen und mustert mich abschätzend. »Ich habe nun mal einen vielseitigen Geschmack, Miss Steele«, erwidert er und geht wie ein Panther auf und ab, bis er schließlich vor mir stehen bleibt. Sein Blick ist so eindringlich, dass mir die Luft wegbleibt.

Im Hintergrund singt Frank mit samtweicher Stimme Witchcraft. Es ist ein alter Song, eines von Rays Lieblingsliedern. Müßig streicht Christian mit den Fingerspitzen über meine Wange. Die Berührung jagt wohlige Schauder durch meinen ganzen Körper, bis in mein Innerstes.

»Tanz mit mir«, raunt er mit Reibeisenstimme.

Er zieht die Fernbedienung aus der Tasche, dreht die Lautstärke hoch und streckt einladend die Arme aus. Ich sehe in seine grauen Augen, die vor Verheißung, Sehnsucht und Belustigung funkeln. Dieser Mann ist atemberaubend, und ich bin restlos verzaubert von ihm. Ich lege meine Hand in seine. Mit einem lässigen Grinsen zieht er mich an sich und legt den Arm um meine Taille.

Angesteckt von seiner Lockerheit und seiner guten Laune, lege ich meine freie Hand auf seine Schulter und lächle ihn an. Er neigt sich leicht zur Seite, und schon beginnen wir uns zu bewegen. Lieber Gott, dieser Mann kann vielleicht tanzen! Wir belegen den ganzen Raum mit Beschlag, wirbeln über den glatten Fußboden, von der Fensterfront bis zur Küche und wieder zurück. Christian führt auf eine Art und Weise, die es mir leicht macht, mich im Takt der Musik zu wiegen.

Wir schweben um den Esstisch herum, hinüber zum Klavier, vor dem Panoramafenster vorbei, hinter dem sich das magisch funkelnde Lichtermeer von Seattle ausbreitet. Ich lache ausgelassen, während die letzten Klänge des Songs ertönen.

»’cause there is no nicer witch than you«, summt er und küsst mich zärtlich. »Das hat ein bisschen Farbe in Ihre Wangen gebracht, Miss Steele. Danke für den Tanz. Sollen wir aufbrechen, damit Sie meine Eltern kennen lernen?«

»Das Vergnügen ist ganz meinerseits, und ja, ich kann es kaum erwarten«, antworte ich atemlos.

»Hast du auch alles, was du brauchst?«

»O ja«, erwidere ich mit einem zuckersüßen Lächeln.

Ich nicke so lässig, wie ich es unter seinem eindringlichen Blick nur kann. Ein breites Grinsen erscheint auf seinem Gesicht, und er schüttelt den Kopf.

»Na gut. Wenn Sie es so haben wollen, Miss Steele.«

Er ergreift meine Hand, nimmt sein Jackett von einem Barhocker und führt mich durch die Diele zum Aufzug. Die vielen Gesichter des Christian Grey. Ob ich diesen launenhaften Mann jemals verstehen werde?

Ich trete neben ihn in den Aufzug und sehe ihn an. Er lächelt in sich hinein, als würde er sich insgeheim über irgendetwas amüsieren, allerdings fürchte ich, dass es irgendetwas mit mir zu tun hat. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ich werde gleich seinen Eltern gegenübertreten und trage keinen Slip. Ich hab’s dir ja gleich gesagt, meldet sich mein Unterbewusstsein überflüssigerweise zu Wort. In der relativen Sicherheit seines Apartments mag das Ganze eine kesse, witzige Idee gewesen sein, doch nun bewege ich mich praktisch in aller Öffentlichkeit ohne Unterwäsche! Er sieht mich an, und da ist es wieder – dieses unglaubliche Knistern zwischen uns. Das belustigte Funkeln in seinen Augen erlischt. Seine Miene verdüstert sich, und seine Augen …

In diesem Augenblick öffnen sich die Aufzugtüren, und wir stehen im Erdgeschoss. Christian schüttelt den Kopf, als müsse er sich sammeln, und lässt mir mit einer Gentleman-Geste den Vortritt. Aber wem will er etwas vormachen? Christian ist kein Gentleman. Er hat meinen Slip in der Hosentasche.

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