Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Diese Fahrt verursachte große Beschwerden. Aber man konnte sich zu der Mitwirkung der beiden russischen Matrosen nur Glück wünschen, denn sie zeigten sich sehr ergeben und sehr brauchbar.
Am achten April machte die Belle-Roulotte am rechten Ufer des Anabaraflusses Halt, nachdem sie seit ihrer Abfahrt von Maksimova eine Strecke von vierzig Meilen zurückgelegt hatte.
Es war noch eben Zeit, diesen Fluß auf dem Eise zu passieren, obgleich der Eisstoß sich weiter unten bereits in Bewegung gesetzt hatte. Man hörte das dumpfe Krachen der Eisblöcke, welche die Strömung donnernd auf den Golf zuwälzte.
Eine Woche später hätte man nach irgend einer Furt suchen müssen, - was nicht leicht gewesen wäre, da die Wasser beim Schmelzen der Schneemassen jählings anschwellen.
Die wiederum grünende Steppe bedeckte sich mit frischem Grase, welches den Zugtieren trefflich mundete. Die Stauden knospeten. Binnen drei Wochen würden sich die ersten Blätter an ihren Zweigen entfalten. Der aufsteigende Saft verjüngte auch die mageren Baumskelette, welche die Winterkälte ausgedörrt hatte.
Hie und da bogen kleine Gruppen von Birken und Lärchenbäumen sich geschmeidiger im Windhauch. Die ganze Natur des hohen Nordens belebte sich an der Sonnenwärme.
Je weiter man sich vom Küstengebiet entfernte, desto volkreicher wurde die Landschaft. Manchmal begegnete die kleine Truppe einem Steuereinnehmer, der von Dorf zu Dorf zog, um den Tribut zu beheben. Dann machte man wohl Halt, tauschte einige Worte mit dem wandernden Beamten und bot ihm ein Glas Wodka an, das er gern entgegennahm, und trennte sich mit beiderseitigen guten Wünschen für die Reise.
Eines Tages kreuzte die Belle-Roulotte einen Gefangenentransport. Diese Unglücklichen, welche zum Salzsieden verurteilt worden, waren auf dem Wege nach Ostsibirien und erfuhren keine glimpfliche Behandlung von den sie eskortierenden Kosaken. Selbstverständlich fiel die Anwesenheit des Herrn Sergius dem Anführer der Kosakentruppe nicht weiter auf; aber der noch immer mißtrauischen Kayette schien es, als ob die russischen Matrosen ihr möglichstes thäten, um unbemerkt zu bleiben.
Am neunzehnten April, nachdem sie eine Strecke von fünfundsiebzig Meilen zurückgelegt, hielt die Belle-Roulotte auf dem rechten Ufer der Khatanga, die sich in den nach ihr benannten Golf ergießt. Diesmal gab es keine Eisbrücke mehr, über die man ans jenseitige Ufer gelangt wäre.
Nur wenige treibende Eisblöcke kennzeichneten noch das Ende des Eisganges. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, eine passierbare Furt zu finden - was zweifellos mit großem Zeitverlust verbunden gewesen wär, wenn Ortik nicht eine halbe Werst stromaufwärts eine solche entdeckt hätte. Der Übergang wurde nicht ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt, da das Wasser bis an die Achsen des Wagens hinanreichte. Dann ließ man den Fluß hinter sich; noch fünfundzwanzig Meilen und die Reisenden schlugen ihr Lager am Jegesee auf.
Welch ein Gegensatz zu dem eintönigen Anblick der Steppe! Es war wie eine Oase im Sandmeer der Sahara. Man stelle sich einen durchsichtig klaren Wasserspiegel vor, umrahmt von immergrünen Bäumen, von Fichten und Tannen, von lustig grünendem Strauchwerk, Heidelbeer-, Rauschbeer-, Stachelbeer- und Hagebuttensträuchern, welche der Frühling mit knospenden Blüten besäte.
In dem dichten Unterholz, das sich östlich und westlich vom See hinzog, würde es Wagram und Marengo nicht schwer fallen, zahlreiches Haar- oder Federwild aufzuspüren, falls Herr Cascabel ihnen gestattete, sich dort ein paar Stunden lang herumzutreiben.
Überdies schwammen Scharen von Gänsen, Enten und Schwänen auf dem See umher. Kraniche und Störche zogen, aus den mittelasiatischen Gegenden kommend, in langgestrecktem Fluge durch die Luft. Beim Anblick dieser reizenden Landschaft war man versucht, in die Hände zu klatschen.
Auf Herrn Sergius Vorschlag hin beschloß man, hier einen Aufenthalt von achtundvierzig Stunden zu nehmen. Das Lager wurde an der Spitze des Sees aufgeschlagen, im Schutze hoher Tannen, deren Wipfel sich über das Wasser neigten.
Dann gingen die Jäger der Truppe, von Wagram gefolgt, mit ihren Flinten davon, nachdem sie versprochen hatten, sich nicht zu weit zu entfernen. Kaum eine Viertelstunde später vernahm man bereits Schüsse.
Unterdessen beschlossen Herr Cascabel und Xander, Ortik und Kirschef, ihr Glück mit Fischen am Seeufer zu versuchen. Ihr Gerät beschränkte sich auf einige Angelleinen und Haken, welche sie bei den Eingeborenen von Port-Clarence gekauft hatten. Aber was braucht ein tüchtiger Fischer anderes, wenn er intelligent genug ist, um die Kniffe des Fisches zu durchschauen, und geduldig genug, um zu warten, bis er anbeißt!
In Wahrheit aber war die Geduld an jenem Tage überflüssig. Kaum hatte man die Angeln an passenden Stellen ausgeworfen, so zuckten auch schon die Korkschiffchen auf dem Wasserspiegel. Die Fische waren längs den Ufern in solchen Mengen vorhanden, daß man in einem halben Tage genug gefangen hätte, um die großen Fasten auszuhalten. Das war eine Freude für den jungen Xander. Als Napoleone sich zu ihm gesellte und nun ihrerseits die Angelrute halten wollte, mochte er sich denn auch nicht dazu zu verstehen. Infolge dessen Streit und Dazwischenkunft Cornelias. Da ihr das Ergebnis der Fischerei sowieso hinreichend schien, gebot sie den Kindern wie dem Vater, ihr Gerät zusammen zu packen; und wenn Frau Cascabel gebot, so blieb nichts übrig als zu gehorchen.
Zwei Stunden später kehrten Herr Sergius und sein Freund Jean mit Wagram zurück, der - thatsächlich und figürlich - die Ohren hängen ließ: so sehr bedauerte er, die wildreichen Gehölze verlassen zu müssen.
Die Jäger waren nicht minder glücklich gewesen als die Fischer. Der Speisezettel würde einige Tage lang ebenso abwechslungsreich als angenehm sein. Die Fische des Jege-Sees und das vortreffliche Wild des sibirischen Hochlandes würden die Kosten desselben tragen.
Unter anderen hatten die Jäger einige jener »Karallys« mitgebracht, die man in Scharen antrifft, und auch mehrere Paar »Dikoutas«, dumme Vögel, kleiner als die Haselhühner, deren Fleisch sehr schmackhaft ist.
Man kann sich vorstellen, welch ein gutes Mahl an jenem Tage aufgetragen wurde. Der Tisch war unter den Bäumen gedeckt worden und keiner der Gäste bemerkte, daß es doch vielleicht ein wenig zu kalt zu einem Festgelage unter freiem Himmel sei. Cornelia hatte sich im Rösten der Fische und im Braten des Wildbrets selber übertroffen. Da der Vorrat an Mehl sowohl, als auch an jakutischer Butter im letzten Dorfe erneuert worden, war es nicht erstaunlich, wenn der gewohnte Kuchen, goldig und mürbe, beim Dessert erschien. Jeder trank ein paar tüchtige Züge Branntwein, dank gewissen Flaschen, zu deren Veräußerung die Einwohner von Maksimova sich herbeigelassen hatten, und der Tag verging, ohne daß die glückliche Muße irgend welche Störung erlitten hätte.