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Die drei Musketiere

Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:

Der junge, draufgängerische d’Artagnan aus der Gascogne macht sich 1625 auf den Weg nach Paris und wird zum Freund dreier Musketiere. Diese sind der prahlsüchtige, naiv-heldische Porthos, der undurchschaubare Athos, ein edler Ritter, dessen Ehe gescheitert ist, sowie Aramis, ein ehemaliger Geistlicher. Alle vier kämpfen gegen die Leibgarde des Staatsmanns und Kardinals Armand-Jean Richelieu (1585 bis 1642) und dessen Spionin Mylady de Winter.
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
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«Moses, ein Diener Gottes… er ist nur ein Diener, versteht Ihr wohl, Moses segnet mit den Händen, er läßt sich die zwei Arme halten, während die Hebräer ihre Feinde schlagen. Er segnet also mit beiden Händen. Ueberdies sagt das Evangelium: Imposuite manus, und nicht manum, leget die Hände auf, und nicht die Hand.«

«Leget die Hände auf, «wiederholte der Pfarrer mit einer Geberde.

«Bei dem heiligen Petrus dagegen, dessen Nachfolger die Päpste sind, «fuhr der Jesuit fort:» porrige digitos, strecket die Finger aus. Begreift Ihr das nun?«

«Gewiß, «erwiederte Aramis, der ein Vergnügen an dieser Abhandlung zu haben schien,»gewiß, aber die Sache ist sehr kitzeliger Natur.«

«Die Finger, «wiederholte der Jesuit;»der heilige Petrus segnete mit den Fingern. Der Papst segnet also auch mit den Fingern. Und mit wie viel Fingern segnet er? Mit drei Fingern. Einen für den Vater, einen für den Sohn und einen für den heiligen Geist.«

Alle Anwesenden bekreuzten sich.

D'Artagnan glaubte dieses Beispiel nachahmen zu müssen.

«Der Papst ist der Nachfolger des heiligen Petrus und stellt die drei göttlichen Gewalten dar. Der Rest, ordines inferiores der kirchlichen Hierarchie, erscheint im Namen der heiligen Erzengel und Engel. Die niedersten Geistlichen, wie unsere Diakone und Sakristane, segnen mit den Weihwedeln, welche als eine unbegränzte Zahl von segnenden Fingern zu betrachten sind. Dies ist der ganze auf seine Einfachheit zurückgeführte Gegenstand, Argumentum omni denutatum ornamento. Aus diesem, «fuhr der Jesuit fort,»wollte ich zwei Bände von dem Umfang des Folianten hier machen.«

Und in seiner Begeisterung schlug er auf den heiligen Chrysostomus in Folio, daß der Tisch sich unter seinem Gewichte bog.

D'Artagnan bebte.

«Ich lasse gewiß den Schönheiten dieser These Gerechtigkeit widerfahren, «sagte Aramis,»aber ich muß zu gleicher Zeit erkennen, daß ich ihrer Last erliegen würde. Ich hatte folgenden Text gewählt; sagt mir, lieber d'Artagnan, ob er Eurem Geschmack entspricht: Non inutile est desiderium in oblatione, oder besser: Etwas Bedauern bei dem Opfer, das ich dem Herrn darbringe, steht mir nicht übel an.«

«Halt!«rief der Jesuit,»diese These riecht nach Ketzerei. Es ist ein ähnlicher Vorschlag in dem Augustinus des Ketzervaters Jansen enthalten, dessen Buch früher oder später von Henkershand verbrannt werden wird. Nehmt Euch in Acht, mein junger Freund, Ihr neigt Euch zu falschen Lehren, Ihr richtet Euch zu Grunde, mein junger Freund.«

«Ihr richtet Euch zu Grunde, «sprach der Pfarrer schmerzlich den Kopf schüttelnd.

«Ihr berührt den bekannten Punkt vom freien Willen, der eine menschliche Klippe ist. Ihr greift die Insinuationen der Pelagianer und Semi-Pelagianer an.«

«Aber, ehrwürdiger Herr…, «versetzte Aramis, etwas betäubt von dem Hagel von Argumenten, der auf seinen Kopf fiel.

«Wie wollt Ihr beweisen, «fuhr der Jesuit fort, ohne daß er ihm zum Sprechen Zeit ließ,»wie wollt Ihr beweisen, daß man die Welt bedauern muß, wem. man Gott ein Opfer darbringt? Hört folgendes Dilemma: Gott ist Gott, und die Welt ist der Teufel. Die Welt bedauern, heißt den Teufel bedauern. Das ist mein Schluß.«

«Das ist auch der meinige, «sagte der Pfarrer.

«Aber ich bitte…«versetzte Aramis.

«Desideras diabolum! Unglücklicher!«rief der Jesuit.

«Er bedauert den Teufel. Ha! mein junger Freund, «sprach der Pfarrer seufzend,»bedauert den Teufel nicht, darum bitte ich Euch.«

D'Artagnan wirbelte es im Kopfe. Es kam ihm vor, als sei er in einem Narrenhaus und solle ein Narr werden, wie diejenigen, welche er vor sich sah. Nur war er genöthigt zu schweigen, da er die Sprache nicht verstand, welche man in seiner Gegenwart sprach.

«Aber hört mich doch, «sagte Aramis mit einer Höflichkeit, unter der etwas Ungeduld durchzuscheinen anfing;»ich sage nicht, daß ich bedaure, nein; ich werde nie dieses Wort aussprechen, welches nicht orthodox wäre…«

Der Jesuit hob die Arme zum Himmel auf und der Pfarrer that dasselbe.

«Nein, aber gebt wenigstens zu, daß es nicht sehr schön ist, dem Herrn nur das anzubieten, was man mit gänzlichem Ueberdruß und Widerwillen betrachtet. Habe ich Recht, d'Artagnan?«

«Ich glaube, bei Gott!«rief dieser.

Der Pfarrer und der Jesuit sprangen von ihren Stühlen auf.

«Folgendes ist mein Ausgangspunkt; es ist ein Syllogismus: Es fehlt der Welt nicht an Reizen, ich verlasse die Welt, folglich bringe ich ein Opfer; nun sagt aber die Schrift ganz bestimmt: Bringt dem Herrn ein Opfer dar.«

«Das ist wahr, «sprachen die Antagonisten.

«Und dann, «sagte Aramis, sich in das Ohr kneipend, um es roth zu machen, wie er die Hände schüttelte, damit sie weiß wurden,»und dann habe ich hierüber ein gewisses Ringelgedicht gemacht, das ich im vorigen Jahre Herrn Voviture mittheilte und worüber mir dieser große Mann tausend Komplimente sagte.«

«Ein Ringelgedicht?«sagte der Jesuit verächtlich.

«Ein Ringelgedicht?«sprach der Pfarrer maschinenmäßig.

«Sprecht, sprecht, «rief d'Artagnan,»das bringt ein wenig Abwechslung in die Sache.«

«Nein, es ist religiöser Natur, «antwortete Aramis,»es ist Theologie in Versen.«

«Teufel, «murmelte d'Artagnan.

«Hört, «sagte Aramis mit einer bescheidenen Miene, welche nicht ganz von einer gewissen Färbung von Heuchelei frei war:

O weinet nicht um früh entschwundne Freuden, Vertraut auf Gott In eurer Noth, Er wird gewißlich enden eure Leiden.

D'Artagnan und der Pfarrer schienen erfreut, der Jesuit beharrte bei seiner Meinung.

«Hütet Euch vor dem profanen Geschmack im theologischen Styl. Was sagt der heilige Augustin? Severus sit clericorum sermo.«

«Ja, die Rede sei klar, «sprach der Pfarrer.

«Eure These, «unterbrach ihn der Jesuit rasch, als er sah, daß sein Acolyt vom rechten Weg abkam,»Eure These wird höchstens den Damen gefallen. Sie wird den Erfolg einer Proceßrede von Herrn Patrou haben.«

«Möge es Gott gefallen!«rief Aramis entzückt.

«Ihr seht es, «rief der Jesuit,»die Welt spricht noch mit lauter Stimme in Euch. Altissima voce. Ihr folgt der Welt, Freund, und ich fürchte, die Gnade ist noch nicht ganz wirksam.«

«Beruhigt Euch, ehrwürdiger Herr, ich stehe für mich.«

«Weltliche Anmaßung!«

«Ich kenne mich, mein Vater, mein Entschluß ist unwiderruflich.«

«Also besteht Ihr darauf, diese These auszuführen?«

«Ich fühle mich berufen, diese und keine andere zu behandeln. Ich will sie fortsetzen und Ihr werdet hoffentlich mit den Verbesserungen zufrieden sein, die ich nach Eurem Rathe daran vorgenommen habe.«

«Arbeitet langsam, «sprach der Pfarrer,»wir lassen Euch in vortrefflicher Stimmung zurück.«

«Ja der Boden ist ganz eingesäet, «sagte der Jesuit,»und wir haben nicht zu befürchten, daß ein Theil des Korns auf einen Felsen, ein anderer an den Weg falle, und daß die Vögel des Himmels das Uebrige fressen. Aves coeli comederunt illam.«

«Die Pest ersticke Dich mit Deinem Latein, «sagte d'Artagnan, der kaum mehr an sich halten konnte.

«Gott befohlen, mein Sohn, «sprach der Pfarrer,»morgen also.«

«Morgen, junger Verwegener, «sagte der Jesuit,»Ihr versprecht ein Licht der Kirche zu werden. Wolle der Himmel, daß dieses Licht zu einem verzehrenden Feuer werde.«

Die zwei schwarzen Männer standen auf, grüßten Aramis und d'Artagnan und gingen nach der Thüre. Bazin, der im Zimmer stehen geblieben war und die ganze Controverse mit frommem Jubel gehört hatte, stürzte ihnen entgegen, nahm das Brevier des Pfarrers, das Meßbuch des Jesuiten und marschirte ehrfurchtsvoll vor ihnen her, um ihnen den Weg zu bahnen.

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