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Die drei Musketiere

Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:

Der junge, draufgängerische d’Artagnan aus der Gascogne macht sich 1625 auf den Weg nach Paris und wird zum Freund dreier Musketiere. Diese sind der prahlsüchtige, naiv-heldische Porthos, der undurchschaubare Athos, ein edler Ritter, dessen Ehe gescheitert ist, sowie Aramis, ein ehemaliger Geistlicher. Alle vier kämpfen gegen die Leibgarde des Staatsmanns und Kardinals Armand-Jean Richelieu (1585 bis 1642) und dessen Spionin Mylady de Winter.
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
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Aber d'Artagnan nahm keine Rücksicht auf die Beredsamkeit des Meisters Bazin, und da er es nicht über sich gewinnen konnte, sich in eine Polemik mit dem Diener seines Freundes einzulassen, so schob er ihn ganz einfach mit einer Hand aus die Seite und drehte mit der andern den Knopf der Thüre von Nro. S.

Die Thüre öffnete sich und d'Artagnan trat in das Zimmer ein.

Aramis saß in einem schwarzen Oberrock mit einer runden und platten Kopfbedeckung, welche nicht wenig Ähnlichkeit mit einer Calotte hatte, vor einem länglichen, mit Papierrollen und ungeheuren Folianten bedeckten Tische. Zu seiner Rechten saß der Superior der Jesuiten, zu seiner Linken der Pfarrer von Montdidier. Die Vorhänge waren halb geschlossen und ließen nur ein mystisches, glückseliger Träumerei entsprechendes Licht eindringen. Alle weltlichen Gegenstände, welche das Auge berühren, wenn man in das Zimmer eines jungen Mannes eintritt, und besonders, wenn dieser junge Mann ein Musketier ist, waren wie durch einen Zauber verschwunden, und ohne Zweifel hatte die Furcht, ihr Anblick möchte seinen Herrn auf Gedanken von dieser Welt zurückbringen, Bazin veranlaßt, den Degen, die Pistolen, den Federhut und die Stickereien und Spitzen jeder Art und Gattung bei Seite zu schaffen.

Aber an ihrer Stelle glaubte d'Artagnan in einem dunkeln Winkel etwas wie eine Geißel an einem Nagel hängen zu sehen.

Bei dem Geräusch, das d'Artagnan verursachte, als er die Thüre öffnete, hob Aramis seinen Kopf in die Höhe und erkannte sogleich den Freund. Aber zum großen Erstaunen des jungen Mannes schien sein Anblick keinen großen Eindruck auf den Musketier hervorzubringen, so sehr hatte sich sein Geist von allen irdischen Dingen losgeschält.

«Guten Morgen, mein lieber d'Artagnan, «sprach Aramis,»glaubt mir, daß ich mich unendlich freue. Euch wiederzusehen.«

«Und ich Euch, «erwiderte d'Artagnan,»obgleich ich noch nicht ganz gewiß weiß, ob es Aramis ist, mit dem ich spreche.«

«Mit ihm selbst, mein Freund, mit ihm selbst, aber was konnte Dich zu einem Zweifel veranlassen…«

«Ich fürchtete mich im Zimmer zu täuschen und glaubte Anfangs in die Wohnung eines Tieners der heiligen Kirche einzutreten. Dann erfaßte mich ein neuer Schrecken, als ich Euch in Gesellschaft dieser Herren fand, denn ich glaubte, Ihr wäret ernstlich krank.«

Die zwei schwarzen Herren schleuderten d'Artagnan, dessen Absicht sie begriffen, einen drohenden Blick zu, aber d'Artagnan kümmerte sich nicht darum.

«Ich störe Euch vielleicht, lieber Aramis, «fuhr er fort,»denn nach dem, was ich sehe, muß ich glauben, daß Ihr diesen Herren Beichte ableget.«

Aramis erröthete unmerklich.

«Ihr mich stören! ei, ganz im Gegentheil, lieber Freund; das schwöre ich Euch. Und zum Beweise erlaubt mir vor Allem mich zu freuen, daß ich Euch gesund und wohlbehalten wiedersehe.«

«Ah, nun kommt er endlich, «dachte d'Artagnan,»es steht nicht ganz schlimm!«

«Denn dieser Herr, mein Freund, ist einer dräuenden Gefahr entgangen, «fuhr Aramis salbungsreich fort, indem er mit der Hand auf d'Artagnan deutete.

«Lobet Gott, mein Herr, «erwiederten die zwei Geistlichen und verbeugten sich gleichzeitig.

«Ich habe dies nicht versäumt, ehrwürdige Herren, «antwortete der junge Mann und gab ihnen den Gruß zurück.

«Ihr kommt zu gelegener Zeit, lieber d'Artagnan; Ihr werdet an der Diskussion Theil nehmen und sie mit Eurem Lichte erleuchten. Der Herr Prinzipal von Amiens, der Herr Pfarrer von Montdidier und ich argumentiren über gewisse theologische Fragen, deren Interesse uns seit geraumer Zeit in Anspruch nimmt. Ich werde entzückt sein, Eure Meinung darüber zu vernehmen.«

«Die Meinung eines Mannes vom Schwerte entbehrt jeglichen Gewichts, «antwortete d'Artagnan, der über die Wendung, welche die Dinge nahmen, unruhig zu werden anfing,»und Ihr könnt Euch, glaubt mir, ganz an die Wissenschaft dieser Herren halten.«

«Im Gegentheil, «versetzte Aramis,»Eure Meinung wird höchst werthvoll für uns sein. Hört, warum es sich handelt: der Herr Prinzipal glaubt, meine These müsse hauptsächlich dogmatisch und didaktisch sein.«

«Eure These! Ihr macht also eine These?«

«Allerdings, «antwortete der Jesuit,»für die Prüfung, die der Ordination vorhergeht, ist eine These unerläßlich.«

«Der Ordination!«rief d'Artagnan, welcher nicht glauben konnte, was ihm die Wirthin und Bazin gesagt hatten.»Ordination!«wiederholte er, und ließ seine Äugen erstaunt auf den drei Personen, welche er vor sich hatte, umher laufen.

«Da nun, «fuhr Aramis fort, indem er auf seinem Fauteuil eine Haltung annahm, als säße er in einem Chorstuhl, und zugleich seine frauenhaft weiße und fleischige Hand, die er in der Luft hielt, um das Blut zurückkehren zu machen, wohlgefällig betrachtete;»da nun, wie Ihr gehört habt, d'Artagnan, der Herr Prinzipal meine These dogmatisch haben will, während ich wünsche, daß sie ideal sein möchte, so hat mir der Herr Prinzipal nachfolgenden Gegenstand vorgeschlagen, welcher noch nicht behandelt worden ist, und worin ich allerdings Stoff zu prachtvollen Entwickelungen finden werde:

«Utramque manum in benedicendo clericis inferioribus necessariae sit.«

D'Artagnan, dessen wissenschaftliche Bildung wir kennen, veränderte sein Gesicht bei diesem Citat so wenig als bei demjenigen, das ihm Herr von Treville in Beziehung auf die Geschenke gemacht hatte, von denen er glaubte, er habe sie vom Herzog von Buckingham erhalten.

«Was so viel heißen will, «fuhr Aramis fort, um ihn, die Sache zu erleichtern:»die zwei Hände sind für die Priester der niederen Ordnung unerläßlich, wenn sie den Segen geben.«

«Ein bewunderungswürdiger Gegenstand!«rief der Jesuit.

«Bewunderungswürdig und dogmatisch, «wiederholte der Pfarrer, der, im Lateinischen ungefähr eben so bewandert, wie d'Artagnan, sorgfältig den Jesuiten beobachtete, um gleichen Schritt mit ihm zu halten und seine Worte wie ein Echo zu wiederholen.

D'Artagnan blieb vollkommen gleichgültig bei der Begeisterung der zwei schwarzen Männer.

«Ja bewunderungswürdig! prorsus admirabile!«fuhr Aramis fort,»aber es heischt ein großes Studium der Kirchenväter und der heiligen Schrift. Ich erkläre nun diesen gelehrten geistlichen Herren, und zwar in aller Demuth, daß ich in der Wachtstube der Musketiere und beim Dienste des Königs dieses Studium etwas vernachläßigt habe. Ich würde mich bequemer, facilius natans, bei einem Gegenstande meiner Wahl finden, der bei diesen rein theologischen Fragen das wäre, was die Moral für die Metaphysik in der Philosophie ist.«

D'Artagnan langweilte sich sehr.

«Seht, welches Exordium!«rief der Jesuit.

«Exordium!«wiederholte der Pfarrer, um etwas zu sagen.

«Quem ad modum inter colorum immensitatem!«

Aramis warf einen Seitenblick auf d'Artagnan und sah ihn dergestalt gähnen, daß er den Kiefer beinahe ausrenkte.

«Sprechen wir Französisch, mein Vater, «sagte er zu dem Jesuiten,»Herr d'Artagnan wird mehr Genuß an unseren Worten finden.«

«Ja, ich bin müde von der Reise, «sagte d'Artagnan,»und alles Latein entgeht mir.«

«Vor Allem, «sprach der Jesuit, etwas aus der Fassung gebracht, während der Pfarrer äußerst erfreut d'Artagnan voll Dankbarkeit anschaute;»betrachtet einmal den Nutzen, den man aus dieser Glosse ziehen könnte.«

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