Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Das Fort.
Während sie sich dem Gebäude näherten, konnte Sonea den Blick nicht mehr von der Festung lösen. Im Geschichtsunterricht hatte sie gelernt, dass das Fort kurz nach dem Sachakanischen Krieg erbaut worden war. Es war größer, als sie erwartet hatte, wahrscheinlich doppelt oder sogar dreimal so groß wie das Hauptgebäude der Universität. Der gewaltige Steinquader versperrte die schmale Lücke zwischen den beiden hohen Felswänden. Wer immer diesen Weg nahm – es gab keinen Weg an dem Gebäude vorbei.
Es waren keinerlei Risse zu erkennen und kein Verputz, und doch war das Fort erbaut worden, lange bevor Lord Coren entdeckt hatte, wie man Stein schmelzen konnte. Sonea schüttelte erstaunt den Kopf. Diese Architekten längst vergangener Zeiten mussten das Fort aus dem Berg selbst gehauen haben.
Als sie näher kamen, schwangen zwei große Metalltüren auf. Zwei Männer traten hindurch. Einer trug die Uniform eines Hauptmanns der Wache, der andere rote Kriegerroben. Sonea blinzelte überrascht, dann starrte sie den Magier ungläubig an.
»Lord Balkan«, sagte Fergun, als sich der Hauptmann respektvoll verneigte, »das ist Hauptmann Larwen.«
Natürlich, dachte sie. Man hat Fergun zur Strafe dafür, dass er mich erpresst hat, in ein entlegenes Fort geschickt. Mir war nur nicht klar, dass es dieses Fort war.
Während der Hauptmann mit Lord Balkan sprach, blickte Sonea auf ihre Hände hinab und verfluchte ihr Pech. Zweifellos hatte Fergun sich auf diesen Augenblick gefreut. Er hatte viel riskiert mit seinen Bemühungen, die Gilde davon zu überzeugen, dass sie niemanden von außerhalb der Häuser in ihren Reihen dulden sollte. Jetzt hat sich seine Behauptung, den Hüttenleuten sei nicht zu trauen, als wahr erwiesen, dachte sie.
Aber das stimmte nicht. Sie hatte nur deshalb schwarze Magie erlernt und benutzt, um die Gilde und Kyralia zu retten.
Auch Fergun hatte geglaubt, die Gilde zu retten. Ein unbehagliches Mitgefühl für ihn stieg in ihr auf. Gab es wirklich einen Unterschied zwischen ihr und ihrem früheren Feind?
Ja, dachte sie. Ich versuche, ganz Kyralia zu retten. Er wollte nur verhindern, dass Mitglieder der unteren Klassen Magie erlernen.
Aus den Augenwinkeln sah sie, dass er sie beobachtete.
Beachte ihn nicht, sagte sie sich. Er ist es nicht wert.
Aber warum sollte sie sich klein machen? Er war nicht besser als sie. Also hob sie den Kopf und erwiderte seinen Blick. Er verzog verächtlich die Lippen, und aus seinen Augen leuchtete Befriedigung.
Du hältst dich für so überlegen, dachte sie, aber eines solltest du nicht vergessen. Ich bin stärker als du. Selbst ohne die verbotene Magie, die ich erlernt habe, hätte ich dich in der Arena jederzeit besiegen können, Krieger.
Seine ganze Miene strahlte Hass aus. Sonea sah ihn kalt an. Ich habe eine Magierin getötet, die genau wie du hilflose Menschen zu ihren Opfern gemacht hat. Wenn es die einzige Möglichkeit wäre, Kyralia zu schützen, würde ich wieder töten. Du machst mir keine Angst, Magier. Du bist ein Nichts, ein jämmerlicher Narr, ein…
Plötzlich drehte Fergun sich um und musterte den Hauptmann, als hätte dieser etwas Wichtiges gesagt. Sonea wartete darauf, dass er sich wieder zu ihr umwandte, aber er tat es nicht. Als die Formalitäten erledigt waren, trat der Hauptmann beiseite und blies in eine Pfeife. Die Eskorte setzte sich in Bewegung und zog in die Festung ein.
Der breite Korridor hinter ihnen hallte wider vom Getrappel vieler Hufen. Die Eskorte ritt noch einige Schritte weiter und verringerte ihr Tempo, als sie sich einer Steinmauer näherte, die die Hälfte des Durchgangs blockierte. Um sie zu passieren, musste sie sich in einer Reihe formieren. Nach dem Engpass ging der Korridor noch etwa hundert Schritte weiter und endete zunächst vor einem geschlossenen Stahltor, das sich langsam öffnete. Sie ritten hindurch; auf der anderen Seite des Tors führte der Durchgang eine Strecke weit über Holzbohlen zur nächsten Sperrmauer, die sie wieder nur einer nach dem anderen passieren konnten.
Sonea spürte einen kalten Luftzug auf dem Gesicht. Hinter dem nächsten, bereits geöffneten Stahltor lag eine weitere, von Felsmauern umrahmte Schlucht.
Auf der sachakanischen Seite des Passes hatte sich bereits die Nacht herabgesenkt. Zwei Reihen von Lampen beleuchteten steile Felswände. Dahinter führte die Straße in die Dunkelheit.
Als die Eskorte die Schlucht passiert hatte, begann Soneas Herz zu hämmern. Wo sie das Fort hinter sich hatten, trabte ihr Pferd jetzt über sachakanische Erde. Sie senkte den Blick.
Felsen wäre wohl die bessere Beschreibung, fügte sie in Gedanken hinzu.
Sie drehte sich im Sattel um und blickte zum Fort zurück. In einigen Fenstern brannte Licht, das die Silhouetten seiner Bewohner nachzeichnete.
Das Geklapper der Hufe verblasste. Ihr Pferd blieb stehen.
»Absitzen.«
Als Akkarin sich aus dem Sattel schwang, wurde Sonea klar, dass Balkans Befehl ausschließlich für sie und Akkarin galt. Sie ließ sich zu Boden gleiten und zuckte zusammen, so steif waren ihre Glieder. Lord Osen beugte sich hinab, um nach den Zügeln zu greifen und die Pferde wegzuführen.
Als die Pferde mit Osen verschwunden waren, standen nur noch sie und Akkarin in dem Ring der Krieger. Über Balkans Kopf flackerte eine Lichtkugel auf.
»Prägt Euch die Gesichter dieser beiden Magier ein«, rief Balkan. »Es sind Akkarin, ehemals Hoher Lord der Magiergilde, und Sonea, ehemals Novizin des Hohen Lords. Sie sind für das Verbrechen, schwarze Magie praktiziert zu haben, aus der Gilde ausgestoßen und aus den Verbündeten Ländern verbannt worden.«
Eine Welle der Kälte durchlief Sonea. Zumindest war dies das letzte Mal, dass sie die rituellen Worte würde hören müssen. Sie betrachtete die dunkle Straße jenseits des Lampenlichts.
»Wartet!«
Sie hielt den Atem an. Osen trat vor.
»Ja, Lord Osen?«
»Ich möchte noch einmal mit Sonea sprechen, bevor sie fortgeht.«
Balkan nickte langsam. »Nun gut.«
Als Osen von seinem Pferd stieg, seufzte Sonea. Er kam langsam und mit angespannter Miene auf sie zu.
»Sonea, das ist deine letzte Chance.« Er sprach sehr leise, vielleicht damit die Eskorte ihn nicht hörte. »Komm mit mir zurück.«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein.«
Er wandte sich zu Akkarin um. »Wollt Ihr, dass sie diese Chance ausschlägt?«
Akkarin hob die Augenbrauen. »Nein, aber sie scheint fest entschlossen zu sein, genau das zu tun. Ich bezweifle, dass ich ihre Meinung ändern könnte.«
Osen runzelte die Stirn und drehte sich wieder zu Sonea um. Er öffnete den Mund, besann sich dann jedoch eines Besseren und schüttelte lediglich den Kopf.
»Ich möchte Euch raten, gut auf sie aufzupassen«, murmelte er an Akkarin gewandt.
Akkarin sah den Magier nur ausdruckslos an. Osen runzelte erneut die Stirn und machte auf dem Absatz kehrt, um wieder in den Sattel seines Pferdes zu steigen.
Auf ein Zeichen von Balkan zog sich die Eskorte, die die Straße nach Sachaka blockiert hatte, zurück.
»Setzt nie wieder einen Fuß in eins der Verbündeten Länder«, sagte Balkan. Seine Stimme klang weder wütend noch bedauernd.
»Komm, Sonea«, sagte Akkarin leise. »Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.«
Sie sah ihn an. Seine Miene war abweisend und schwer zu deuten. Als er sich langsam in Bewegung setzte, folgte sie ihm in einigem Abstand.
Hinter ihnen war noch immer eine Stimme zu hören. Sonea lauschte aufmerksam. Es war Lord Osen.
»… Fuß in eines der Verbündeten…«