Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Auch Gideon war froh; er reckte den Hals und wieherte den beiden Pferden auf der Koppel zu, die innerhalb ihres Zaunes hin und her trabten und ihn lauthals begrüßten. Claires Stute stand mit durchhängenden Zügeln am Zaun und verzog die Lippe zu einem Ausdruck, der wie Verachtung aussah, das freche Weibsstück. Irgendwo hinter ihnen auf dem Pfad erklang tiefes, überglückliches Eselsgeschrei; das Maultier Clarence hatte den Lärm gehört und war entzückt, wieder nach Hause zu kommen.
Die Tür flog auf, und Mrs. Bug kam herausgeflitzt, rundlich und völlig aufgewühlt. Er lächelte bei ihrem Anblick und hielt Claire den Arm hin, damit sie vom Pferd gleiten konnte, bevor er dann selbst abstieg.
»Alles bestens, alles bestens, und wie geht es Euch, Sir?«, versicherte Mrs. Bug ihm, noch bevor seine Schuhe auf dem Boden auftrafen. Sie hatte einen Zinnbecher in der einen Hand, ein Poliertuch in der anderen und hielt nicht eine Sekunde lang mit Polieren inne, selbst als sie den Kopf hob, um sich von ihm auf die verwitterte, runde Wange küssen zu lassen.
Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern drehte sich zur Seite und stellte sich auf die Zehenspitzen, um Claire strahlend einen Kuss auf die Wange zu drücken.
»Oh, großartig, dass Ihr zu Hause seid, Ma’am, Ihr und Ehrwürden, und ich habe das Abendessen schon fertig, also braucht Ihr Euch darum nicht zu kümmern, Ma’am, aber kommt herein, kommt herein, und zieht Eure staubigen Kleider aus, und dann schicke ich Arch zum Maischehaus, damit er Euch etwas für die Lebensgeister holt, und dann machen wir …« Sie hatte Claire bei der Hand genommen und redete und redete, während sie mit der anderen Hand weiter energisch polierte und ihre Knubbelfinger zielsicher das Innere des Bechers mit dem Tuch abrieben. Claire sah sich hilflos nach ihm um, und er grinste ihr zu, als sie im Haus verschwanden.
Gideon schob ihm die Nase unter den Arm und stieß ihn am Ellbogen an.
»Oh, aye«, sagte er, an seine Pflicht erinnert. »Na, dann komm mit, du widerborstiger, alter Schurke.«
Als er den kräftigen Hengst und Claires Stute abgesattelt, trockengerieben und gefüttert hatte, war Claire Mrs. Bug entwischt; auf dem Rückweg vom Paddock sah er, wie die Haustür aufschwang und Claire hinausschlüpfte. Sie sah sich schuldbewusst um, als befürchtete sie, verfolgt zu werden.
Wohin mochte sie wollen? Sie sah ihn nicht; sie wandte sich ab, huschte zum anderen Ende des Hauses und verschwand mit wehenden Röcken. Neugierig folgte er ihr.
Ah. Sie hatte nach ihrem Sprechzimmer gesehen; jetzt ging sie in ihren Garten, bevor es vollständig dunkel wurde; er erspähte sie auf dem ansteigenden Pfad hinter dem Haus – das letzte Tageslicht fing sich wie Spinnweben in ihrem Haar. Jetzt würde kaum etwas wachsen, nur ein paar zähe Kräuter und winterharte Pflanzen wie Karotten, Zwiebeln und Rüben, aber das spielte keine Rolle; sie überzeugte sich jedes Mal, wie es um den Garten stand, ganz gleich, wie kurz ihre Abwesenheit gewesen war.
Er verstand dieses Bedürfnis; er würde sich ebenfalls erst dann vollständig zu Hause fühlen, wenn er alles Vieh und alle Gebäude überprüft und sich vom Stand der Dinge in der Destille überzeugt hatte.
Der Abendwind trug einen scharfen Hauch vom Abort zu ihm herüber, der darauf hindeutete, dass die Lage dort bald seine Aufmerksamkeit beanspruchen würde – apropos Gebäude. Dann fielen ihm die neuen Pächter ein, und er entspannte sich; das Ausheben einer neuen Latrine würde genau das Richtige für die beiden ältesten Söhne der Chisholms sein.
Er und Ian hatten diese hier ausgehoben, gleich nach ihrer Ankunft auf dem Berg. Gott, der Junge fehlte ihm.
»A Micheal bheanaichte«, murmelte er. Heiliger Michael, beschütze ihn. Er hatte nichts gegen MacKenzie, aber wäre es seine Entscheidung gewesen, hätte er Ian nicht gegen den Mann eingetauscht. Doch es war Ians Entscheidung gewesen, nicht seine, und damit war die Angelegenheit erledigt.
Er verdrängte den Schmerz über Ians Verlust, trat hinter einen Baum, öffnete seine Hose und urinierte. Wenn Claire ihn jetzt sähe, würde sie mit Sicherheit wieder eine ihrer neunmalklugen Bemerkungen darüber machen, wie Hunde und Wölfe bei ihrer Heimkehr ihr angestammtes Territorium markierten. Nichts da, erwiderte er ihr im Geiste, warum soll ich auf den Berg steigen, um dort die Lage im Abort noch zu verschlimmern? Dennoch, so gesehen war es sein Territorium, und wenn es ihm gefiel, darauf zu pinkeln … er ordnete seine Kleider und fühlte sich jetzt ruhiger.
Er hob den Kopf und sah sie auf dem Pfad aus dem Garten kommen, die Schürze mit Karotten und Rübchen gefüllt. Ein Windstoß ließ die letzten Blätter des Kastanienhains mit Lichtfunken durchsetzt in einem gelben Tanz um sie herum wirbeln.
Einem plötzlichen Impuls folgend, trat er tiefer in den Wald und begann, sich umzusehen.
Normalerweise beachtete er nur jenen Teil der Vegetation, der von Pferd oder Mensch unmittelbar verzehrt werden konnte, sich als Brett oder Bauholz eignete oder derart mit Dornen übersät war, dass er ein Hindernis darstellte. Doch als er seine Umgebung jetzt unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtete, war er selbst überrascht über die Vielfalt, die er vorfand.
Halb gereifte Gerstenstängel, die Samenkörner aufgereiht wie der Zopf einer Frau. Eine trockene, zerbrechliche Pflanze, die aussah wie der Spitzensaum eines Unterrocks. Ein Blaufichtenzweig, gespenstisch grün und kühl zwischen den getrockneten Pflanzen, hinterließ duftendes Harz an seinen Fingern, als er ihn vom Baum abriss. Ein Zweig mit glänzenden, trockenen Eichenblättern, die ihn an ihr Haar erinnerten, Schattierungen von Gold, Braun und Grau. Und ein Stück von einer roten Kletterpflanze, das er wegen seiner schönen Farbe pflückte.
Gerade noch rechtzeitig; sie bog schon um die Ecke des Hauses. Gedankenverloren ging sie in weniger als einem Meter Abstand an ihm vorbei, ohne ihn zu sehen.
»Sorcha«, rief er leise, und sie drehte sich um, die Augen erst gegen die Strahlen der sinkenden Sonne zusammengekniffen, dann groß und golden vor Überraschung über seinen Anblick.
»Willkommen zu Hause«, sagte er und hielt ihr den kleinen Strauß aus Blättern und Zweigen hin.
»Oh«, sagte sie. Sie blickte erneut erst das Sträußchen an, dann ihn, und ihre Mundwinkel bebten, so als wollte sie lachen oder weinen, sei sich aber nicht ganz sicher, welches von beidem. Dann streckte sie die Hand aus und nahm ihm die Pflanzen ab. Ihre kleinen Finger waren kalt, als sie seine Hand streiften.
»Oh, Jamie, sie sind wundervoll.« Sie stellte sich auf die Zehen und küsste ihn, warm und salzig, und er wollte mehr, doch sie huschte schon ins Haus davon, die albernen Blumen an die Brust geklammert als seien sie aus Gold.
Er fühlte sich angenehm verlegen, und geradezu albern zufrieden mit sich selbst. Ihr Geschmack lag immer noch auf seinem Mund.
»Sorcha«, flüsterte er und begriff, dass er sie einen Augenblick zuvor so genannt hatte. Wie seltsam; kein Wunder, dass sie überrascht gewesen war. Es war ihr Name auf Gälisch, aber er hatte sie noch nie so gerufen. Er liebte ihre Fremdheit, das Englische an ihr. Sie war seine Claire, seine Sassenach.
Und doch war sie in dem Augenblick, als sie an ihm vorbei ging, Sorcha. Es bedeutete nicht nur »Claire« – sondern auch Licht.
Er holte tief und zufrieden Luft.
Plötzlich hatte er Heißhunger auf etwas Essbares und auf sie, doch er machte keine Anstalten, ins Haus zu hasten. Manche Arten von Hunger waren schön, die Vorfreude auf die Befriedigung genauso angenehm wie diese selbst. Hufgetrappel und Stimmen; die anderen waren endlich da. Er verspürte auf einmal das Bedürfnis, noch ein paar Minuten in seiner friedlichen Einsamkeit zu verweilen, doch zu spät – in Sekundenschnelle war er von Konfusion umgeben, von den Schreien aufgeregter Kinder und den Rufen abgelenkter Mütter, der Begrüßung der Neuankömmlinge, dem geschäftigen Treiben des Abladens, dem Abzäumen der Pferde und Maultiere, um dann Futter und Wasser zu holen … und doch bewegte er sich inmitten dieses Babels, als sei er immer noch allein, friedvoll und still im Sonnenuntergang.