Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Chicot war auf der Straße; er orientierte sich; er hatte die Stadt durchlaufen, um nach dem Palast zu kommen, und mußte dem entgegengesetzten Wege folgen, um durch das Tor, dem entgegengesetzt, durch das er eingeritten war, hinauszugelangen.
Die helle, wolkenlose Nacht war nicht günstig für eine Entweichung; Chicot ersehnte die nebeligen Nächte Frankreichs, mit deren Hilfe man in Paris zu dieser Stunde auf vier Schritte,, ohne sich zu sehen, aneinander vorübergehen konnte; auf dem spitzigen Pflaster der Stadt schollen überdies seine beschlagenen Schuhe wie Hufeisen. Der unglückliche Botschafter hatte sich auch kaum um die Straßenecke gewendet, als er auf eine Patrouille stieß.
Er blieb stehen, indem er sich sagte, daß es verdächtig aussehen würde, wenn er versuchen wollte, sich zu verbergen oder den Durchgang zu erzwingen.
»Ei! guten Abend, Herr Chicot,« sagte der Anführer der Patrouille, indem er ihn mit dem Degen grüßte, »soll ich Euch zum Palast zurückführen? Ihr seht mir ganz aus, als hättet Ihr Euch verirrt und als suchtet Ihr Euren Weg.«
»Ah! es kennt mich also die ganze Welt hier?« murmelte Chicot. »Bei Gott! das ist seltsam!«
Dann sagte er laut und mit der unbefangenen Miene, die er annehmen konnte: »Nein, Kornett, Ihr täuscht Euch, ich gehe nicht in den Palast.«
»Ihr habt unrecht, Herr Chicot,« erwiderte der Offizier mit ernstem Tone.
»Warum?«
»Weil ein sehr strenges Edikt den Einwohnern von Nerac, außer in Fällen dringender Notwendigkeit verbietet, bei Nacht ohne Erlaubnis und ohne Laterne auszugehen.«
»Entschuldigt mich, mein Herr,« entgegnete Chicot, »das Edikt geht mich nichts an.«
»Warum?«
»Ich bin nicht von Nerac,«
»Ja, aber Ihr seid in Nerac ... Einwohner heißt nicht, wer von einem Orte, sondern wer an einem Orte ist ... Ihr werdet aber nicht leugnen, daß Ihr Euch in Nerak aufhaltet, da ich Euch in den Straßen von Nerac begegne.«
»Ihr seid ein Logiker, mein Herr, leider habe ich aber große Eile; geht also von Eurem Befehle, ab und laßt mich vorüber, ich bitte Euch.«
»Ihr könntet ein Unglück haben, Herr Chicot; Nerac ist eine Stadt mit vielen Krümmungen; Ihr werdet in ein Loch fallen, und müßt Führer haben; erlaubt, daß drei von meinen Leuten Euch in den Palast zurückgeleiten.«
»Ich gehe nicht in den Palast, sage ich Euch.«
»Wohin geht Ihr dann?«
»Ich kann bei Nacht nicht schlafen und gehe dann spazieren. Nerac ist eine reizende, wechselreiche Stadt, wie mir scheint; ich will sie sehen, kennen lernen.«
»Man wird Euch überallhin führen, wohin Ihr zu gehen wünscht, Herr Chicot. Holla! drei Mann!«
»Ich flehe Euch an, mein Herr, nehmt mir nicht das Romantische meines Spazierganges; ich liebe es, allein zu gehen.«
»Ihr werdet von Räubern ermordet werden.
»Ich habe meinen Degen.« »Ah! es ist wahr, ich hatte das nicht gesehen; dann wird Euch der Profoß als bewaffnet festnehmen.«
Chicot sah, daß er sich so nicht herauswinden konnte, nahm den Offizier beiseite und sagte, die Liebe treibe ihn, eine gewisse Dame zu besuchen. Dahin könne er doch nicht in Begleitung gehen. Dies schien den Offizier zu erweichen, und er sagte: »Nun, dann geht, Herr Chicot, geht!«
»Ihr seid ein galanter Mann, Kornett.«
»Mein Herr!«
»Nein, so wahr ich lebe! Das ist ein schöner Zug. Doch sprecht, woher kennt Ihr mich?«
»Ich habe Euch im Palast beim König gesehen.«
»So sind die kleinen Städte!« dachte Chicot; »wie oft hätte man mir, wenn ich in Paris auf diese Weise bekannt wäre, die Haut statt des Wamses durchlöchert!«
Und er drückte dem jungen Offizier die Hand.
Nachdem er dem Offizier auf seine Frage noch geantwortet hatte, er gehe in der Richtung der Porte d'Agen, entfernte sich Chicot leichter und freudiger als je. Doch er hatte nicht hundert Schritte gemacht, als er gleichsam mit der Nase auf die Scharwache stieß.
»Alle Teufel! diese Stadt ist gut bewacht!« dachte Chicot.
»Man geht nicht vorbei!« rief der Profoß mit Donnerstimme.
»Aber, mein Herr,« entgegnete Chicot, »ich wünsche ....«
»Ah! Herr Chicot! Ihr seid es; wie kommt es, daß Ihr bei so kaltem Wetter in den Straßen umhergeht?«
»Oh! hier ist offenbar sehr schwer durchzukommen,« dachte Chicot voll Unruhe.
Und er grüßte und machte eine Bewegung, um seinen Weg fortzusetzen.
»Herr Chicot, habt acht,« sagte der Profoß.
»Worauf, mein Herr?«
»Ihr irrt Euch im Wege; Ihr geht den Toren zu.«
»Ganz richtig.« »Dann werde ich Euch verhaften, Herr Chicot.«
»Nein, nein, Herr Profoß, alle Wetter! Ihr würdet da einen schönen Streich machen.«
»Aber...«
»Nähert Euch, Herr Profoß, und macht, daß Eure Soldaten nicht hören, was wir sprechen.«
Der Profoß näherte sich.
»Ich höre,« sagte er.
»Der König hat mir einen Auftrag für den Leutnant der Porte d'Agen gegeben.« – »Ah! ah!«
»Ihr wundert Euch darüber?« – »Ja.«
»Ihr müßt Euch nicht wundern, da Ihr mich kennt.« – »Ich kenne Euch, weil ich Euch im Palaste beim König gesehen habe.«
Chicot stampfte mit dem Fuß; er fing an, ungeduldig zu werden. »Das muß genügen, um Euch zu beweisen, daß ich das Vertrauen Seiner Majestät besitze.« – »Allerdings; geht also und besorgt den Auftrag des Königs, Herr Chicot, ich halte Euch nicht mehr auf.«
»Das ist drollig, aber es ist reizend,« dachte Chicot; »ich bleibe überall auf der Straße hängen, rolle aber immer wieder fort. Ah! ah! dort ist ein Tor, es muß das nach Agen sein... in fünf Minuten bin ich draußen.«
Er kam wirklich an dieses Tor, wo eine Schildwache, die Muskete auf der Schulter, auf und ab ging.
»Verzeiht, mein Freund,« sagte Chicot, »wollt Ihr befehlen, daß man mir das Tor öffnet?« – »Ich befehle nicht, Herr Chicot,« erwiderte freundlich die Schildwache, »ich bin ein einfacher Soldat.«
»Du kennst mich auch?« rief Chicot außer sich. – »Ich habe die Ehre, Herr Chicot, ich war diesen Morgen im Palast auf der Wache und sah Euch mit dem König sprechen.«
»Nun wohl, mein Freund, wenn du mich kennst, so laß dir sagen, der König hat mich mit einer sehr dringenden Sendung nach Agen beauftragt, öffne mir also nur die Seitenpforte!« »Dies würde ich mit dem größten Vergnügen tun, Herr Chicot, doch ich habe die Schlüssel nicht.«
»Wer hat sie denn?«
»Der Offizier vom Dienste.«
Seufzend fragte Chicot: »Und wo ist der Offizier vom Dienst?«
»Oh! bemüht Euch deshalb nicht.«
Der Soldat zog an einer Klingel, die den in der Wachtstube eingeschlafenen Offizier aufweckte.
»Was gibt es?« fragte der letztere, den Kopf herausstreckend.
»Herr Leutnant, es ist ein Herr hier; er verlangt, daß man ihm das Tor öffne, um hinauszukönnen.«
»Ah! Herr Chicot,« rief der Offizier, »verzeiht, daß ich Euch warten lasse; ich bin trostlos, entschuldigt mich, ich komme sogleich hinab und gehöre ganz Euch.«
Chicot nagte sich mit einem Anfang von Wut an den Nägeln. »Sollte ich denn niemand finden, der mich nicht kennt; dieses Nerac ist also eine Laterne, und ich bin das Licht!«.
Der Offizier erschien auf der Schwelle. »Entschuldigt, Herr Chicot,« sagte er, mit großer Hast heraustretend, »ich schlief.«
»Wie, mein Herr,« versetzte Chicot, »die Nacht ist hierzu gemacht; wäret Ihr wohl so gut, mir das Tor öffnen zu lassen? Ich schlafe leider nicht, der König, Ihr wißt es ohne Zweifel auch, der König kennt mich.« – »Ich habe Euch heute mit Seiner Majestät im Palast sprechen sehen.«
»So ist es,« brummte Chicot. »Nun wohl, es mag sein, habt Ihr mich mit dem König sprechen sehen, so habt Ihr mich wenigstens nicht mit ihm sprechen hören.« – »Nein, Herr Chicot, ich sage nur, wie es sich verhält.«