Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Jetzt zog man durch die Stadt Montcuq, und vier kleine Feldstücke reihten sich dem Heere an.
»Ich komme auf meinen ersten Gedanken zurück, Sire,« sagte Chicot, »die Wölfe in diesem Lande sind Hauptwölfe, und man behandelt sie mit mehr Rücksichten als andere Wölfe, schweres Geschütz für sie, Sire!«
»Ah! du hast es bemerkt,« versetzte Heinrich; »das liegt an den Leuten von Montcuq; seitdem ich ihnen für ihre Übungen diese vier Feldstücke geschenkt habe, schleppen sie sie überallhin.«
»Werden wir heute ankommen, Sire?« – »Nein, morgen.«
»Morgen früh oder morgen abend?« – »Morgen früh.«
»Dann jagen wir in Cahors, nicht wahr, Sire?« – »In dieser Gegend.«
»Doch wie kommt es, Sire, daß Ihr nicht auch die königliche Standarte mitgenommen habt? Die Ehre wäre für die Wölfe dann vollständig gewesen.«
»Man hat es nicht vergessen, Chicot, Ventre-saintgris! Man läßt sie nur im Überzug, um sie nicht zu beschmutzen. Doch da du eine Standarte haben willst, mein Kind, um zu wissen, unter welchem Banner du marschierst, so wird man dir eine schöne zeigen. Zieht die Standarte aus ihrem Futteral! Herr Chicot wünscht zu wissen, wie das Wappen von Navarra aussieht.«
»Nein, nein, es ist unnötig,« rief Chicot, »laßt sie, wo sie ist.«
Man brachte die zweite Nacht in Catus ungefähr ebenso zu wie die erste; seitdem Chicot sein Ehrenwort gegeben, daß er nicht entfliehen werde, achtete man nicht mehr auf ihn.
Er machte einen Gang durch die Stadt und bis zu den Vorposten. Von allen Seiten trafen Truppen von hundert, hundertundfünfzig, zweihundert Mann beim Heer ein. In dieser Nacht versammelten sich die Infanteristen.
»Es ist ein Glück, daß wir nicht bis Paris marschieren,« sagte Chicot, »wir würden dort mit hunderttausend Mann ankommen.«
Am andern Morgen um acht Uhr war man vor Cahors, mit tausend Mann zu Fuß und zweitausend Pferden.
Man fand die Stadt im Belagerungszustand; die äußersten Posten hatten Alarmzeichen gegeben, und Herr von Vesins hatte seine Vorsichtsmaßregeln getroffen.
»Ah! ah!« sagte der König, dem Mornay diese Kunde mitteilte, »man ist uns zuvorgekommen, das ist ärgerlich.«
»Wir werden eine regelmäßige Belagerung vornehmen müssen, Sire,« sagte Mornay; »wir erwarten noch ungefähr zweitausend Mann, und so viel brauchen wir wenigstens, um die Chancen ins Gleichgewicht zu stellen.«
»Versammeln wir den Rat und beginnen wir die Laufgräben,« sagte Herr von Turenne.
Chicot hörte dies alles mit erstaunter Miene.
Das nachdenkliche und beinahe klägliche Aussehen des Königs von Navarra bestärkte ihn in dem Verdacht, Heinrich sei ein armseliger Kriegsmann, und diese Überzeugung allein vermochte ihn ein wenig zu beruhigen.
Heinrich hatte alle stumm angehört; plötzlich erwachte er aus seiner Träumerei, hob den Kopf empor und sagte im Tone des Befehls: »Meine Herren; hört, was zu tun ist. Wir haben dreitausend Mann und zwei erwartet Ihr, Mornay? Das macht fünftausend Mann. Bei einer regelmäßigen Belagerung wird man uns in zwei Monaten an fünfzehnhundert töten; dies wird die anderen entmutigen, und wir werden die Belagerung aufheben und uns fechtend zurückziehen müssen; auf unserem Rückzug werden wir abermals tausend Mann verlieren, was die Hälfte unserer Streitkräfte ist. Opfern wir sogleich fünfhundert Mann und nehmen Cahors.«
»Wie ist das zu verstehen?« fragte Mornay.
»Mein lieber Freund, wir marschieren gerade auf das Tor zu, das uns am nächsten liegt. Wir werden einen Graben auf unserem Wege finden; wir füllen ihn mit Faschinen; wir lassen zweihundert Mann auf dem Platz, – doch wir erreichen das Tor.«
»Dann, Sire?«
»Dann sprengen wir das Tor mit Petarden und stellen uns fest... das ist nicht sehr schwierig.«
Chicot schaute Heinrich ganz erschrocken an.
»Ja,« brummte er, »Prahler und Großsprecher, so ist mein Gaskogner; wirst du die Petarde unter das Tor legen?«
In diesem Augenblick fügte der König hinzu, als ob er Chicots leise Bemerkung gehört hätte: »Verlieren wir keine Zeit, meine Herren, das Mahl würde kalt werden, vorwärts, und wer mich liebt, folgt mir!«
König Heinrich von Navarra im Feuer.
Die kleine Armee rückte bis auf zwei Büchsenschüsse zur Stadt vor; hier frühstückte man. Dann wurden den Offizieren und Soldaten zwei Stunden Rast bewilligt. Es war bereits drei Uhr nachmittags, als der König die Offiziere unter sein Zelt rufen ließ.
Heinrich war sehr bleich, und während er eine Ansprache hielt, zitterten seine Hände sichtbar.
»Meine Herren,« sagte er, »wir sind gekommen, um Cahors zu nehmen; wir müssen also Cahors nehmen, da wir zu diesem Behufe gekommen sind; doch wir müssen es mit Gewalt nehmen, mit Gewalt, versteht ihr wohl, indem wir mit Fleisch durch Eisen und Holz brechen. Der Herr Marschall von Biron, der geschworen hat, alle Hugenotten bis auf den letzten henken zu lassen, liegt fünfundvierzig Meilen von hier im Feld. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist zu dieser Stunde schon ein Bote von Herrn von Besins an ihn abgeschickt worden; in vier bis fünf Tagen wird er uns auf dem Rücken sein; er hat zehntausend Mann bei sich, und wir sind dann zwischen der Stadt und ihm eingeschlossen. Nehmen wir also Cahors, ehe er ankommt, und wir werden ihn sodann empfangen, wie Herr von Besins sich anschickt, uns zu empfangen, doch hoffentlich mit besserem Glück; andernfalls wird er wenigstens gute katholische Balken haben, um die Hugenotten daran zu hängen, und wir sind ihm diese Genugtuung schuldig; vorwärts, drauf, drauf, meine Herren; ich will mich an eure Spitze stellen, und Streiche, Ventre-saint-gris, als ob es hagelte!«
Dies war die ganze königliche Anrede; doch sie genügte, wie es scheint, denn die Soldaten antworteten darauf mit enthusiastischem Gemurmel und die Offiziere mit wütenden Bravos.
Die kleine Armee brach unter Mornays Kommando auf, um ihre Stellung zu nehmen. In dem Augenblick, als sie sich in Marsch setzte, kam der König auf Chicot zu und sagte zu ihm: »Verzeih', Freund Chicot, ich habe dich getäuscht, als ich von der Jagd, von Wölfen und von anderen Possen sprach; aber ich mußte dies tun, und es ist auch deine Ansicht, da du es mir rundheraus sagtest; König Heinrich will mir offenbar die Mitgift seiner Schwester Margot nicht bezahlen, und Margot heult, Margot weint, um ihr liebes Cahors zu bekommen; man muß tun, was die Frau will, um den Frieden in der Ehe zu haben.«
»Warum hat sie nicht den Mond von Euch verlangt, da Ihr ein so guter Gatte seid?« versetzte Chicot, durch die königlichen Scherze gereizt.
»Ich hätte es auch versucht, Chicot,« erwiderte der Bearner, »ich liebe sie so sehr, die teure Margot.« – »Oh! Ihr habt schon genug mit Cahors, und wir werden sehen, wie Ihr das angreift.«
»Ah! das ist es gerade, worauf ich kommen wollte; höre mich, Freund Chicot, der Augenblick ist entscheidend und besonders unangenehm. Ja, ich bilde mir nicht viel auf mein Schwert ein; ich bin nicht tapfer, und die Natur empört sich in mir bei jedem Büchsenschuß; Chicot, mein Freund, spotte nicht zu sehr über den armen Bearner, deinen Landsmann und deinen Freund; wenn ich Furcht habe, und du bemerkst es, sage es nicht!«
Heinrich bestieg sein Pferd, doch zweimal war es, als ob er wieder absteigen wollte.
»Auf, Chicot,« sagte er, »steige auch zu Pferde; nicht wahr, du bist auch kein Kriegsmann?« – »Nein, Sire.«
»Nun so komm', Chicot, wir werden miteinander Angst haben, komm' und laß uns das Feuern sehen; ein gutes Pferd für Herrn Chicot!«
Chicot zuckte die Achseln und bestieg, ohne eine Miene zu verziehen, ein schönes spanisches Roß, das man ihm auf Befehl des Königs brachte.
Heinrich setzte sein Pferd in Galopp, Chicot folgte ihm.
Als Heinrich vor die Front seiner kleinen Armee kam, schlug er sein Helmvisier auf.